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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 35
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110101
projectidbcb8898f
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Dreiunddreißigstes Kapitel.

Von einer Schildbürgerin, welche mit Eiern zu Markte ging, sich unterwegs komische Rechnung machte und wie es ihr erging.

Es ist ein bekanntes, altes aber gemeines Sprüchwort, wenn man sagt:

Das Hoffen und das Harren
Gewißlich machet manchen Narren:
Wer vor dem Wirth die Zech will machen,
Der rathet übel seinen Sachen:
Macht er zu wenig oder z'viel,
So hat er schon verderbt das Spiel.
Doch muß man lassen gelten Das:
Wer wohl wähnt, der ist bälder baß.

Also ging es auch dieser Frau; denn so lange sie nur eine einzige Henne hatte, die ihr alle Tage ein Ei legte, sammelte sie solche, bis sie vor drei Groschen bei einander zu haben glaubte, that dieselben alsdann in ein Körblein und ging damit auf den Markt. Sie hatte keinen Reisegefährten und war daher auf ihre eigene Unterhaltung mit sich selbst beschränkt, wodurch sie natürlicher Weise auf verschiedene Gedanken gerieth. Unter Anderem gedachte sie auch ihres Eierkrams auf ihrem Kopf, den sie auf den Markt zu tragen beabsichtigte, redete mit sich selber darüber und machte sich davon folgende Rechnung:

»Siehe!« sagte sie bei sich selber, »du wirft heute auf dem Markte drei Groschen lösen. Was sollst du damit thun? Dafür mußt du dir zwei Leghennen kaufen; die du hast, sammt der zwei, legen dir in so viel und soviel Tagen so viel und so viel Eier. Diese verkaufst du wieder und für den Erlös kaufst du noch drei Hennen; das Uebrige ist schon Gewinn. Du hast also sechs Hennen, die legen dir in einem Monat so viel Eier, die willst du verkaufen (kannst hie und da auch ein halbes essen) und das Geld zusammenlegen. Also kannst du zu Nutzen haben von den Hennen: Die Alten, welche nicht mehr legen, verkaufst du, Nro: eins; die Jungen legen dir Eier, ist Nro: zwei; sie brüten die Jungen aus, die du zum Theil ziehen und den Haufen mehren, zum Theil verkaufen und Geld daraus machen kannst, ist Nro: drei; so kannst du sie rupfen, wie die Gänse, ist Nro: vier; aus dem zusammengelegten Gelde willst du hernach einige Gänse kaufen, die nützen dir mit Eiern, Jungen und Federn, also hast du Nutzen von Hennen und Gänsen, und kommst in acht Tagen so und so weit; nach diesem willst du dir eine Geis kaufen; die gibt dir Milch und Junge. Hingegen hast du nun: Junge und alte Hühner, junge und alte Gänse, Eier, Federn, Milch, junge Zieglein und Wolle, denn du mußt doch versuchen, ob sich die Geis vielleicht scheeren läßt. Nach dieser willst du dir eine Kofel kaufen, so hast du Nutzen zum vorigen Nutzen mit jungen Ferkeln, Speck, Würsten und Anderem. Nach diesem willst du dir eine Kuh kaufen, die gibt dir Milch, Kälber und Bau. Was willst du aber mit dem Bau thun, da du keinen Acker hast. Du willst einen Acker kaufen, der gibt dir Korn, daß du kein's mehr kaufen darfst. Nunmehr willst du Pferde kaufen und Knechte dingen, die dir dein Vieh versehen und den Acker bauen. Nun willst du Schafe kaufen. Hernach willst du dein Haus größer machen lassen, damit du etwa auch Hausleute um's Geld bei dir haben kannst. Hierauf willst du dann mehr Güter kaufen. Nun kann's dir nicht mehr fehlen, denn du hast ja Nutzen: von jungen und alten Hühnern und Hähnen, von jungen und alten Gänsen, von Eiern, von Geismilch, Wolle, von jungen Zieglein und Lämmern, von jungen Schweinen, von Kühen (denen du etwa auch die Hörner absägen und den Messerschmieden zu kaufen geben kannst), von Kälbern, von Aeckern, von Matten, Hauszins und Anderem. Jetzt erst will ich dann einen jungen Mann nehmen, mit ihm werde ich in Freuden und im Frieden leben und eine gnädige Frau sein. O, wie willst du dir dabei so wohl sein lassen. Kein Mensch soll mehr von dir ein gutes Wort haben! Juho, juheiaho, hopsas! drei Finger im Salzfaß! Das ist der Bauern Wappen: das will ich aber für Zukunft nicht mehr führen.«

Mit diesen Gedanken verstieg sich die gute Frau so tief, daß sie gleichsam ganz unempfindlich wurde; es war ihr nicht anders, als wäre sie Wonne betrunken, denn als sie ihr Juch hopsas schrie, wollte sie auch ihren Arm dazu auswerfen und einen Sprung thun, ich weiß aber bei St. Grir nicht, wie sie gethan: denn als sie den Arm aufschwang und dazu jauchzte, stieß sie den Korb mit den Eiern ganz ungestüm über den Kopf hinunter, so daß die Eier in der Gegend umherflogen und die gnädige Frauenschaft lag im D ... Wer Luft dazu hat, der mag sie auflesen und der gnädigen Frau ihr Herr Gemahl werden.

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