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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 34
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zweiunddreißigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger das Gras auf einer alten Mauer durch ihr Vieh abweiden lassen.

Die Schildbürger waren, wie längst bekannt, in ihrem Thun und Lassen, besonders hinsichtlich des gemeinen Nutzens, ernstlich bedacht, damit derselbe überall befördert werden und nirgends Schaden leiden möge. Zu irgend einer Zeit gingen sie hinaus, um die Ruinen einer alten Mauer zu besichtigen, ob sie solche nicht zu gemeinschaftlichem Nutzen verwenden könnten. Sie verwunderten sich aber beim Anblick der Mauer, denn sie war mit schönem langen Gras überwachsen; daß dieses verloren gehen und niemand zu Nutzen kommen solle, darüber wollten sich die Bauern nicht verständigen. Es mußte nun auch hier wieder Raths gepflogen werden, wie man es in Ehren halten wollte. Es fielen vielerlei Meinungen; Einige meinten, man solle es abmähen; diese Ansicht wäre schon recht gewesen, aber es wollte sich Niemand unterstehen und sich auf die Mauer wagen. Deswegen meinten Andere, wenn unter ihnen gute Schützen wären, so wäre es am sichersten, daß man das Gras mit Pfeilen abschöße, auch damit konnten sich nicht Alle verständigen. Nun witschte endlich der Schultheiß hervor und gab den Rath: man solle das Gras weder abmähen noch abschießen, sondern Kürze halber solle man das Vieh darauf weiden lassen und da würde es am saubersten abgegessen werden.

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Diesem Rathe, als offenbar dem besten, stimmte die ganze Gemeinde bei und zur schuldigen Danksagung für denselben wurde ferner beschlossen: daß des Schultheißen Kuh den ersten Genuß dieses guten Rathes haben solle; welches natürlich der Schultheiß auch gerne gestattete. Sie machten nun der Kuh ein starkes Seil um den Hals, warfen dasselbe über die Mauer und fingen auf der andern Seite zu ziehen an. Als aber der Strick zuging, sing die Kuh an zu worgen und zu würgen, und je höher sie hinaufkam, desto länger streckte sie die Zunge heraus. Dieses sah ein großer Schildbürger mit an, der schrie alsbald: »Ziehet, ziehet, Leib und Seel hängt an einander.« – Zieht noch einmal,« sprach der Schultheiß, »ziehet! sie hat das Gras schon geschmeckt, denn sie streckt die Zunge darnach aus. Zieht, zieht, sie ist bald droben. Ei, wie ist sie so ungeschickt und tölpisch, daß sie sich nicht selbst vollends hinaufhelfen kann, es sollte fast einer von euch hinaufsteigen und ihr helfen.« Es war aber vergebens, die Kuh hatte ihren Treff. Sie brachten sie nicht hinauf und als sie dieselbe wieder herunterließen, war sie todt. Hierüber aber waren sie froh, denn sie hatten jetzt wieder etwas zu schinden und zu metzeln.

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