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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 31
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectidbcb8898f
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Neunundzwanzigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger, als sie des Kaisers Verehrung verzehrten, ihre Füße verwechselten und dieselben nicht mehr kannten, doch zuletzt Jeder die seinen wieder fand.

.

Nachdem nun der Kaiser hinweg war und den Schildischen eine gute Verehrung hinterlassen hatte, wurden sie Raths, dieselbe, ehe sie wieder heimkehrten, auf einem Dorfe zu verzehren. Daher sprengten sie ihre Stecken-Pferde mit sich in das nächste Dorf und zechten guten Muthes. Als sie satt und betrunken waren und dennoch etwas zum Besten aufgespart hatten, welches ebenfalls verzehrt sein sollte, bekamen sie Gelüste nach einer grünen lustigen Aue zu spaziren und sich gleich andern Junkern zu verlustiren, das Essen zu verdauen und sich auf eine andere Mahlzeit vorzubereiten. Daher gingen sie nun hinaus, Alle mit einander und Jeder besonders für sich selber (vergaßen aber dabei nicht, einige gute Flaschen Wein und etwelche Speidel Brod mit sich zu nehmen, damit ihnen bei der großen Hitze die Mägen nicht lechten und der Wein auslaufe) und lagerten sich in das grüne Gras, zechten bis Abend und hatten guten Bürgermuth, ob sie gleich nur Bauern waren.

Da sie aber Alle Hosen von einer Farbe anhatten und während des Zechens ihre Beine verschränkten, wie es denn hie und da zu geschehen pflegt, nun aber die Zeit da war, daß sie nach Hause stehen sollten, siehe zu, da kannte Keiner seine eigenen Füße oder Beine mehr denn sie waren alle gleich gefärbt, deßhalb saßen sie in großer Verlegenheit da, sahen einander an und befürchtete Jeder, die letzen Füße zu bekommen. Während sie nun einander so angafften und Keiner zu rathen noch zu helfen wußte, ritt zufällig Einer vorüber, diesem riefen sie herbei, klagten ihm ihre Noth und Jammer, und baten ihn, wenn er etwas machen könne, wodurch Jeder seine rechten Füße wieder bekomme, so möchte er's doch gebrauchen und nicht sparen, sie wollen ihn ja neben größter Danksagung gerne recht gut bezahlen. Der Reiter sprach: das könne er wohl; stieg vom Pferd ab, nahm seine Reitpeitsche, die aus Leder geflochten war, trat unter die Bauern und fing an, den ersten Besten auf die Beine zu hauen; und welchen er traf, der sprang geschwind auf und hatte seine Beine wieder.

Einer allein blieb jedoch sitzen und fragte: »Lieber Herr, soll ich denn meine Beine nicht auch haben; wollt Ihr das Geld an mir nicht auch verdienen? oder sind diese mein?« Er sprach: »Halt, laß sehen!« und gab ihm hiemit ein Tüchtiges, daß es flammte. Nun sprang dieser Letzte auch auf und hatten also die Bauern jeder seine Füße glücklich wieder bekommen; darüber froh, schenkten sie dem Manne ein Trinkgeld, zogen heim und gedachten, sich künftig vor solchen Unannehmlichkeiten zu hüten.

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