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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 3
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Erstes Kapitel

Von dem Ursprung, Herkommen und Namen der Schildbürger in Misnoxotamia.

Vor vielen Jahrhunderten haben die Alten schon diesen herrlichen Spruch gehabt, welcher auch noch zu unsern Zeiten als giltig anerkannt werden muß, und der also lautet:

So wie die Eltern geartet sind,
Sind größtentheils auch ihre Kind:
Sind sie mit Tugenden begabt,
An Kindern ihr deßgleichen habt.
Ein guter Baum gibt gute Frucht;
Der Mutter nach schlägt gern die Zucht.
Ein gutes Kalb, eine gute Kuh:
Das Jung thut's gern dem Vater zu.
Hat auch der Adler hoch an Muth
Furchtsame Tauben je gebrut't?
Doch merk' mich recht, merk' mich mit Fleiß,
Was man nicht wäscht, wird selten weiß.

Eben dieses Sprüchwort kann den Schildbürgern (welcher Ort hinter Kalekut, in dem dem großmächtigen Königreich Misnoxotamia gelegen), zu ihrem Lob und Ruhm, auch wohl nicht mit Unrecht nachgesagt werden. Denn auch sie sind in ihrer lieben Voreltern Fußstapfen getreten, haben darin verharrt, und wollten durchaus nicht davon abweichen, bis sie große Noth, welche kein Gesetz kennt, auch keines halten kann, so wie die Erhaltung und Förderung des gemeinschaftlichen Nutzens ihres lieben Vaterlandes, dessen Wohl man keinen Dienst versagen darf, davon abtrünnig gemacht und genöthigt hat, daß sie einen andern Weg betreten mußten. In dieser Hinsicht sollet ist der Länge nach kurz vernehmen: Uns allen zu einem augenscheinlichen Exempel, um daraus erlernen zu können, welcher Gestalt wir unsern lieben und frommen Eltern in Tugend und Frömmigkeit nachschlagen, und etwa aus der Noth selbst eine Tugend machen sollen. Denn, wenn wir nur dem gemeinen Geschrei und Reden, welche von ihnen im ganzen Lande verbreitet sind, Glauben schenken wollen (was wir wohl thun müssen, wenn wir beherzigen, daß keine Scribenten mehr vorhanden, die zu ihrer Zeit davon geschrieben hätten, deren Schriften und Geschichtsregister aber in der ungeheurigen Feuersbrunst zu Schildburg, mit Allem was darin, namentlich auch den Chroniken, verbrannt sind, wovon an seinem Ort gesprochen werden soll); wenn wir, wiederhole ich, dem gemeinen Geschrei, daß nicht immer richtig, sondern, wo nicht ganz, doch zum Theil unwahr ist, Glauben schenken wollen: so werden wir finden, daß die Vorältern unserer Schildbürger aus Griechenland gekommen, und Nachkommen jener weisen Meister gewesen. Was alles laut obgedachten Spruches aus ihrer edlen Art und hohen Weisheit abzunehmen ist, auch von ihrem Landesnamen Misnoxotamia, was ursprünglich ein griechisch Wort ist. Welcher der weisen Meister aber ihr Stammvater war, ist ihnen eben so unbekannt, als dem Juden Schmol, von welchem Stamm der Kinder Israel er entsprossen sei.

Doch kann man muthmaßen, und ist aus den angeführten Gründen glaublich, daß einer der Weisen, ohne Zweifel nicht der Geringste unter ihnen, denn hievon zeugt das Werk selbst, in die erwähnte Länderei gekommen, sich daselbst mit Weib und Kindern niedergelassen und bei seinem Ableben die letztern hinterlassen habe.

An den Kindern ging nun in Erfüllung, was eben gesagt und in dem sogleich folgenden weitern Sprüchwort gemeldet wird; es lautet also:

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm:
Das Kind behält seines Vaters Nam'!

denn sie schlugen ihrem Vater nach an Weisheit und Verstand: daher wollten sie, als Kinder, die einmal gebrennt und mit fremdem Schaden klug und witzig geworden sind, die Undankbarkeit der Griechen, welche Grund ihrer Auswanderung geworden ist, nicht selbst erfahren. Darum wurden sie nun einig, in ihrem neuen Lande zu verbleiben, daselbst gewisse und stete Wohnungen zu machen, sich der Oekonomie zu widmen und damit zu begnügen, daß sie bei einander bleiben und fremder Geschäfte entweder gar nicht, oder doch so wenig als möglich sich annehmen wollen.

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