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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 27
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Wie der Schultheiß der Schildbürger abdankt und die andern nach solchem einander Räthsel aufgaben, auch wie sie den Kaiser ihre Bürgerluft sehen ließen.

Nachdem die Mahlzeit vollbracht war, war es nach der Sitte jetzt Zelt zum Abdanken. Es stunden daher die vornehmsten Schildbürger auf, warfen ihre Wölfe (st nennt Eulenspiegel die Mönchskutten im 46. Kapitel) um sich und traten ab. Der Schultheiß, der die Rede thun sollte, trat ebenfalls ab und ging abseits von den andern, wahrscheinlich, um sich zu bedenken, wie er abdanken wolle. »Geht ihr nur hinein,« sagte er, »und wartet meiner, ich werde von Stund an bei euch sein; trink Jeder indessen ein Gläschen Wein.« Als sie nun in aller Ehrbarkeit hineingetreten waren, klopfte der Pfaff mit einem Teller zum Abdanken. Als Stille gehalten wurde, so lange etwa, als Einer eine weiche Birne aussaugen möchte, war mein Herr Schultheiß eben noch nicht da; die Andern sahen sich nach ihm um und sprachen unter einander: »Wie kommt er doch so hübsch!« Zuletzt kam er dahergeraffelt, um abzudanken und sprach also: ›Ihr lieben Nachbarn und Freunde alle, wie ihr hier versammelt seid, wir sagen euch Dank für euer Erscheinen und bitten euch, so vorlieb zu nehmen: der Spieß und der Hafen konntens nicht besser geben, auch der Koch nicht besser anrichten. Was ihr gegessen und getrunken habt, das segne euch der liebe Gott. Er woll' es euch segnen, er hat es euch gesegnet, er segnet's euch noch, er wird es euch segnen, er soll und muß es euch segnen. Es gibt Jeder für sich, Einer in Andern und mit einander, durch- und nebeneinander, auch vor- und nacheinander, und ob- und unter- auch hinter- und voreinander drei Batzen: für so viel habt ihr verschluckt. Aber Ihr, Junker Kaiser, seid unser Gast gewesen: »Ihr sollt nichts geben.«

Nachdem sich die Schildbürger wieder niedergesetzt hatten und allmählig betrunken zu werden anfingen, gaben sie einander Räthsel auf: Der Schultheiß, der wieder neben dem Kaiser saß, zischte diesem heimlich in's Ohr, er wisse diese Sachen schon alle vorher, was sie vorbringen werden, ja er habe sie schon gewußt, als er noch in Mutterleib gewesen sei, daher er ihm immer sagen wolle, was die vorgebrachten Räthsel zu bedeuten hätten.

Nun ging es an das Räthseln. Der Erste sagte: »Nun rathe wir Einer dieß und rathe mir das.« Als das Räthsel vorgebracht war, sprach der Schultheiß zum Kaiser in's Ohr: »Fester Junker Kaiser, es ist eine Nähnadel, aber sag er's Niemand.«

So ging der Reihe nach das Räthseln an Allen herum, bis endlich der Schultheiß das letzte hervorbrachte, auf welches Niemand antworten konnte, daher er gewonnenes Spiel hatte und nun die Tafel aufgehoben wurde.

Nach beendigter Mahlzeit fragten sie den Kaiser: ob er nicht flötzeln wollte und hernach ihre Bürgerlust sehen. Der Kaiser antwortete: Des Flötzeln bedürfe er nicht, aber ihre Bürgerlust möchte er gerne sehen. Hierauf gingen sie hin, schloßen Alle ihre Zäune zu und hielten ihre Bürgerlust und Kurzweil.

Indessen kam ein Durchreisender vor Schildburg und als er nicht hineinkommen konnte, frug er einen über den Zaun hinüber, warum dieß geschehe? »Die Bürger,« sagte der gefragte Schildbürger, »halten ihre Bürgerlust.« – »Und was ist das?« fragte der Fremde. »Sie haben,« sagte der Schildbürger, »einem Hund eine Blase mit Erbsen angehängt und lassen denselben dem Kaiser zu Ehren im Flecken (wer Dorf sagte, wurde gestraft) herumspringen.« Dieß war die Bürgerlust: Thue es ihnen nach, hast du nie des Gleichen gethan.

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