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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 26
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

Wie die Bauern den Kaiser zu Gast gebeten und ihm eine saure Buttermilch vorgesetzt, auch was sich dabei zugetragen habe.

Als nun die Bauern mit dem Kaiser die Mahlzeit einnahmen und die obenbenannten Reden sich verlaufen hatten, trat endlich der Schultheiß vor den Kaiser, für sich selbst und Namens seiner ganzen Gemeinde und hob an: »Ehrsamer Junker Kaiser, wir haben Euch das Eure abgegessen und abgetrunken, darum ist es billig, daß auch wir Euch etwas nach unserm Vermögen erzeigen; wir bitten Euch daher Junker Kaiser, uns nicht zu verschmähen, zu uns zu kommen und einen Abendtrunk mit uns zu thun: da müßt Ihr unser Gast sein und wir wollen dann mit einander leere Teller machen; doch müßt Ihr vorlieb nehmen, Junker Kaiser.«

Der Kaiser, welchem die guten Schwänke und Possen wohlgefielen, war um der kurzweil willen geneigt, doch mit dem Beding, daß sie ihn mit dem Trinken nicht nöthigen sollten. »Seid ohne Sorge, Junker Kaiser,« sagte der Schultheiß, »wir wollen Euch gnädig halten.« Es ging daher der Kaiser, nachdem sie ihn herumgeführt und ihm ihre Dunghaufen gezeigt hatten, mit ihnen auf das neue Rathhaus, wo dann frisch aufgetischt wurde. .

Als man sich zu Tisch gesetzt hatte und anfing, aufzutragen, da kam für's Erste eine Schüssel voll Karpfen, in Erbsen oder Muß gekocht und mit dem Löffel zu einem Brei gerührt. Dann kam eine zweite Platte voller Karpfen auf eine andere Manier zugerichtet, nämlich mit der Brühe. Hier sagte der Schultheiß zu dem Kaiser: er solle nur tapfer in die Brühe tunken; wenn nicht genug da sei, müsse man noch mehr anrichten, denn es sei noch ein halber Kübel voll vorräthig.

Nach den Fischen, von denen auch einige am Spieß gebraten waren, brachte man einen Brei. Und als die am andern Tische, unter welchen auch des Kaisers Sohn war, noch nicht ausgegessen hatten, schrie mein Herr Schultheiß überlaut: »Na, ihr Knaben, esset tapfer aus, dann wollen wir den Brei auch am Gribs nehmen. Aber, fester Junker Kaiser, esset Ihr fort, Ihr dürft nicht auf die warten. Denn

Es steht geschrieben:
Sechs oder sieben
Sollen nicht harren
Auf einen Narren,
Sondern essen,
Und des Narren vergessen.

Zuletzt wurde eine frische, kalte, saure, weisse Buttermilch aufgesetzt, der Kaiser mußte hinter den Tisch sitzen, der Schultheiß als sein Gesellschafter neben ihn; die übrigen Bauern aber stunden vor dem Tisch herum. An einem andern Tisch saß des Kaisers Sohn, welchem etliche Kumpane als Gesellschafter beigegeben waren. Sie hatten aber zweierlei Brod in die Milch gebrockt; vor des Kaisers Ort hatten sie weisse Semmelwecken eingeworfen; vor dem der Bauern aber lag schwarz Brod: Haberstroh, meinten Einige, hätte es ihnen auch gethan.

Während sie so aßen, der Junker Kaiser das weiße, die Bauern aber das Haberbrod, siehe Unglück! da erwischte von ungefähr einer jener Bengel einen Brocken von dem weißen Brod und schob ihn hinein. Dieß nahm der Schultheiß wahr, schlug ihm deßwegen, als er wieder in die Schüssel fahren wollte, Eins auf die Hand und sagte: Sollst du des Junker Kaisers Brod essen.« Der Flegel erschrack sehr und weil er den Bissen noch ganz im Mund hatte, zog er ihn fein wieder heraus, legte ihn in die Schüssel und stieß ihn heimlich vor des Kaisers Ort. Dieses hatte der Kaiser auch wahrgenommen, er wischte daher seinen Löffel und überließ den Bauern den Rest der Milch sammt dem Weißbrod, welche die Verehrung mit großem Dank annahmen, die Milch mit einander ausaßen und des Junker Kaisers Freigebigkeit lobten.

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