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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 24
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger ihrem Kaiser einen großen Hafen mit Senf verehren.

Es stunden die Schildbürger abermals im Zweifel und großen Aengsten, weil sie nicht wußten, was sie dem Kaiser verehren wollten; denn sie hätten sich auch gerne wie andere rechtschaffene Leute gegen ihn erzeigt, dachten aber bei sich selbst: würden sie ihm Silber oder Gold schenken, was bei ihnen sehr theuer wäre, so habe er desselben sonst schon in der Fülle; sollten sie ihm aber eßbare Sachen schenken, z. B. Kraut, Rüben, Speck, Bohnen, Gersten, so bedürfe er dessen nicht, weil er ohnedieß ihr Gast sei, wie er ja überhaupt überall zu Gast seie, wo er hinkomme. Endlich verständigten sie sich mit einander, dem Kaiser einen großen Hafen voll sauren Senfs zu präsentiren und zu verehren. Den könne er brauchen und sich das Essen damit wohlgeschmackt machen.

Sie ließen daher den Senf alsbald anrühren und richten, und zwar in einem nagelneuen Hafen, welchen zwei Buben an einer Stange vor den Kaiser trugen, vor welchem der Schultheiß die Anrede that und sagte: »Fester Junker Senf, da verehren wir Euch diesen Kaiser und bitten such, Ihr möchtet ihn für gut und dankbar annehmen.« Als der Kaiser diese stattliche Rede hörte, entblößte er das Haupt, lachte und bedankte sich. Aber der Schultheiß fiel ihm in die Rede, indem er sagte: »Bitte, bitte, setzet auf, setzet auf, Junker Kaiser!« – »Setz du auch auf,« sagte der Kaiser zum Schultheiß. »Nun so meinetwegen,« antwortete der Schultheiß, »wollen wir eben mit einander aufsetzen!«

Als die Buben den Hafen niedersetzen wollten, weiß ich nicht, wie ihnen geschah, der Hafen zerplatzte und der Senf lag am Boden. »Nun soll euch St. Veits Plag treffen,« sprach der Schultheiß ganz erzürnt, »ihr Buben, ihr Schelme, ihr Diebe, ihr Mörder, ihr Ketzer, ihr Hoch- und Landesverräther, ihr Majestätsverbrecher! Ist das nicht Leckerwerk? Könnet ihr nicht gemach thun, ihr Bösewichte, ihr Lecker? Au, Au, Junker Kaiser, wie war es doch ein so guter Senf! man sollte ihn über das vierte Haus in der Nase gerochen haben: nun liegt er da. Versuchet ihn doch nur, Junker Kaiser.« Hiemit fuhr er mit der Hand in den Senf und wollte ihn dem Kaiser zu versuchen geben. Der Kaiser wollte aber keinen Senf kosten, sondern sprach: er bemerke schon an dem Geruch, daß der Senf gut gewesen sein müsse, und bedaure deßhalb den Schaden; er wolle den Willen für's Werk annehmen. »O ja, das thut, Junker Kaiser,« sprach der Schultheiß, »und Ihr werdet uns einen großen Gefallen erweisen.«

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