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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 21
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Neunzehntes Kapitel.

Wie der Schultheiß seiner Schultheißin einen neuen Pelz kauft, und was ihm damit widerfahren sei.

Unsere gnädige Frau Schultheißin vergaß nicht, ihren verheißenen Pelz bei jeder Gelegenheit zu fordern. Dieß war übrigens so unbillig nicht, wenn man bedenkt, daß ihr Mann noch viele Jahre lang hätte Schweine hüten müssen, wenn sie nicht gewesen wäre, wie sie aber auch ebensolang hätte Schweinhirtin bleiben müssen. Daher gebührte es sich in allweg, daß derjenige, welcher künftig die Gerechtigkeit fördern sollte, sein Versprechen hielt und seiner Frau das, ums ihr von Rechtswegen gehörte, widerfahren ließ.

Als daher mein Herr Schultheiß bald nach dem Antritt seines Amtes, nachdem er im Bad war, wichtiger Geschäfte halber wieder einmal in die Stadt gehen sollte, vergaß meine Frau Schultheißin, wie schon gesagt, nicht, ihren Mann fleißig an den Pelz zu mahnen.

Ehe daher der Schultheiß ganz in die Stadt kam, erkundigte er sich schon unter dem Thor bei dem Thorwart: wo ein Kürschner wohne? Der Thorwart bezeichnete ihm einen solchen. Mein Herr Schultheiß fragte ferner: ob es auch derjenige sei, bei welchem die Schultheißen ihren Frauen neue Pelze kaufen? denn er sei gestern Schultheiß von Schildburg geworden. Jetzt bemerkte erst der Thorwart, daß dieser etwas zu viel oder zu wenig gebacken und, während er durch eine Mühle gelaufen, vielleicht mit dem Sack geschlagen worden sein müsse. Deswegen dachte er, dieser wäre, wie man sagt, gut nach der Holzscheere herumjagen. Darum wies er ihn jetzt an das äußerste Ende der Stadt zu einem Kübler, der ein rechter Faxenmacher war, und hieß ihn bei diesem nach Schultheißpelzen fragen.

Der gute Schultheiß ging in aller Ehrbarkeit, wohin man ihn gewiesen hatte und fragte bei dem Kübler nach Schultheißpelzen: er sei der Schultheiß von Schildburg. Der Kübler bemerkte bald, was Trumpf war, sagte deshalb zu ihm: es seie ihm sehr leid, daß er seine Wohledlen nicht fördern, und wie er gerne möchte, versehen könnte, denn er habe den Tag zuvor, da Markt gewesen sei, alle seine vorräthigen Schultheißenpelze verkauft. Damit ihm aber dennoch geholfen würde, wies er ihn in eine andere Vorstadt zu eine« Wagner, woselbst er hoffe, daß seine Wünsche befriedigt würden.

Mein Herr Schultheiß kam nun zum Wagner und fragte ihn, ob er keine Pelze habe; er sei der Schultheiß von Schildburg. Der Wagner, ebenfalls ein Spottvogel, wies ihn zu einem Schreiner, der Schreiner zu einem Gürtler, der Gürtler zu einem Sattler, der Sattler zu einem Organisten, der Organist zu einem Studenten, der Student zu einem Stubenkautz, dieser zu einem Buchbinder, der Buchbinder zu einem Fischer, der Fischer zu einer alten Vettel, die alte Vettel zu den Druckergesellen, um er besonders gut empfangen wurde; die Druckergesellen dem Buchhändler (vor dessen Laden oft mancher Schildbürger zu treffen ist), der Buchhändler zu einem Lebküchler: da fand er sie zum essen schön, wie er's nur haben wollte.

Als der Herr Schultheiß auch daselbst nach Pelzen fragte, antwortete, ihm der Lebküchler; er habe zwar im Augenblick keine, wenn er aber eine Zeitlang Geduld haben wolle, so werde er ihm von Lebkuchen einen anmessen, zuschneiden und backen; den könne er dann, wenn er seinem Weib nicht gefalle, mit ihr essen. Dafür bedankte sich der Herr Schultheiß auf's Höchste und bedauerte, daß er, weil er nun schon so lange um den Pelz herumgelaufen sei, keine Zeit mehr zu warten habe, indem er wieder nach Haus zu seinem Amt müße; denn er sey Schultheiß zu Schildburg. Der Lebküchler, der etwas frömmer war als die übrigen, dachte nun, der Herr Schultheiß wäre jetzt lange genug an der Holzscheere herumgelaufen, erbarmte sich daher über seine Einfalt, und wies ihn endlich zu einem wirklichen Kürschner, wo er Pelze aller Art fand, wie er sie wünschte.

Der Kürschner fragte ihn, was er für einen Pelz begehre, wie groß und wie lang er sein müsse? Der Herr Schultheiß antwortete: »Wenn er mir recht ist, so gibt er meinem Weib, der Frau Schultheißin zu Schildburg, auch warm. Denn,« sagte er, »mein Hut ist ihr auch recht, und der ihrige mir.« Daselbst kaufte er nun einen stattlichen Pelz auf's Dorf hinaus, an dem sich auch eine Frau Stadt-Schultheißin nicht hätte schämen dürfen.

Als nun mein Schultheiß nach Hause kam, wurde der Pelz von der Frau Schultheißin mit Freuden empfangen (wer weiß, wie der Schultheiß empfangen worden ist?) Sie probirte ihn gleich an, ließ sich darin besichtigen, hinten, vorne, nebenzu, auf beiden Seiten, oben und unten, innen und außen. Und als sie ihn recht satt probirt und approbirt und gut geheißen hatte, begehrte der Herr Schultheiß, sie solle ihm Küchlein backen, dann wolle er eine Wurst dazu geben und eine Maß Wein bezahlen; welchen Handel die Frau Schultheißin schnell einging.

Da sie ihm aber grobe dicke Schnitten backen wollte, Wie sie ihm vor Zeiten, als er noch Schweinhirt war, gebacken hatte, sagte er ganz mürrisch: »Für wen hast du mich angesehen, meinst du, ich sei noch Schweinhirt? Weißt du denn nicht, daß ich nicht der Schnittenbäcker, sondern der Herr Schultheiß von allhier bin?« Sie mußte ihm also Sträublein backen. Diese zechten sie mit einander auf, ließen sich's dabei wohl schmecken und thaten immittelst aus dem Weinkrug einen guten Schlaputz dazu.

Die Frau Schultheißin hätte gern öfter getrunken, doch mußte sie sich vor dem Herrn Schultheißen etwas scheuen, dazu erdachte sie folgende List. »Du glaubst nicht,« sagte sie, »wie mich mein Pelz freut!« – »Ist es wahr?« sagte er. »Ja,« sagte sie, »wenns nicht wahr ist, so soll mir dieser Trunk das Herz abstossen.« Hiemit nahm sie einen tüchtigen Schluck. Bald sagte sie wieder: »Unsers Nachbars Knecht ist auf dem Heu gelegen.« – »Ei ja wohl,« sagte der Schultheiß, ist es möglich?« – »Ja,« sagte die Schultheißin, »wenn's nicht wahr ist, so stoße mir dieser Trunk das Herz nochmal ab. Hiemit gab sie der Flasche einen Druck. Zum dritten Male sagte sie: »Unsere Grete und Klausens Tochter haben einander geschlagen.« – »Ei,« sagte der Schultheiß, »was sagst du nicht?« – »Ja,« sagte sie, »wenn's nicht wahr ist, so soll dieser Trunk Gift in mir werden.« Hiemit zog sie aber, daß ihr das Wasser über die Backen herunterlief. Dieses Spiel trieb sie so lange, bis sie der Flasche alle Riemen abgetreten hatte, gab auch nicht eher Ruh, bis sie ganz leer war. Wäre ich dabei gewesen, ich hätte bestimmt auch mit gegessen, und du Narr ohne Zweifel auch, du hättest eher zu beiden Backen eingeschoben, damit du zu deiner Rechnung gekommen wärest und dein gutes Geld nicht vergebens ausgegeben hättest.

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