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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 20
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Achtzehntes Kapitel.

Wie der Schultheiß der Schildburg in's Bad ging und was sich dabei zugetragen hatte.

Die mit der Verwaltung des Schultheißen-Amtes verbundene Ehre und Würde that dem Schweinhirten zum Kitzeln wohl; nicht nur zehnmal sagte er zu seiner Frau in einer Stunde: »Gelt Frau, dies ist mir einmal gerathen!« – Nun dachte er, er müsse vor Allem nothwendig den Schweinschweiß und Staub, der zu seinem neuen Stande nicht mehr passe, abwaschen; auch meinte er jetzt, es gebühre und gezieme sich, daß er durch Reden, Geberden, Kleidung und andere Sachen sich womöglich seinem Stande angemessen benehme.

Daher er schon am nächsten Samstag in's Bad ging. Als ihm nun auf seiner Reise einer, der vor einigen Jahren noch Schweine mit ihm hütete, begegnet war, ohne zu wissen, daß es der Schultheiß wäre und ihn deshalb als seinen alten Freund und Kameraden dutzte, entgegnete ihm der Schultheiß: »Du darfst Uns jetzt nicht mehr dutzen, denn Wir sind nimmer der, welcher Wir zuvor waren: Jetzt sind Wir Unser Herr, der Schultheiß zu Schildburg.« – »Aha! potz tausend alle Welt!« sagte der Andere, »verzeihet mir, mein lieber Herr Schultheiß, das wußte ich nicht. Glück zu eurem Regiment gegen eure wohlweisen Unterthanen!« – »Habe Dank, mein Herr,« sagte der Schultheiß: »es ist ein ungezogenes Volk um die Schildbürger. Die andern Schultheißen, Unsere Vorfahren am Ehren-Regiment, haben sie machen lassen, was sie wollten, wodurch sich viele Unordnung eingeschlichen hat; diese müssen Wir jetzt wenden, haben aber so große Mühe und Arbeit dabei, daß Wir nicht schlafen können und Uns der Kopf beinahe darüber zerbricht. Aber Wir wollen eine Ordnung unter die Bursche bringen (wie jener Bettelvogt unter die Hunde), oder lieber nicht ihr Amtmann sein.«

Hiermit zog mein Herr Schultheiß fort und kam in's Bad. Hier stellte er sich sehr witzig, saß in schweren, tiefen Gedanken, zählte seine Finger und redete bloß mit sich selbst, so daß sich diejenigen, welche ihn früher kannten, nur genug darüber verwundern mußten und nicht anders denken konnten, als der Mensch wäre melancholisch; denn daß er Schultheiß war, und ihm die Ehre wehthat, wußten sie nicht. Mittlerweile frug er einen, der zunächst bei ihm saß, ob diese neben ihm stehende Bank die sei, auf welcher gewöhnlich die Herren zu sitzen pflegen? Dieser antwortete ihm: Ja. Der Schultheiß lachte und sagte: »Wie hab' ich's doch so fein getroffen! Ich glaube am Ende, daß mir's die Bank gar angeschmeckt hat, daß ich Schultheiß zu Schildburg sei.«

Wie er nun längere Zeit so da saß und tapfer schwitzte, kam der Bader (einige meinten aber, es seie die Baderin gewesen) zu ihm und sagte: Hört, guter Freund, habt ihr den Kopf schon gewaschen und euch reiben und kratzen lassen? Wenn es noch nicht geschehen ist, so will ich Lauge holen und euch ausreiben.« Der Schultheiß, in tiefen Gedanken sitzend und schwitzend, antwortete: Lieber Bader, ich weiß wahrhaftig eigentlich nicht, ob ich gewaschen und gerieben bin oder nicht. Denn Unser einer hat so viel zu sinnen, zu denken und zu trachten, damit das gemeine Wohl keinen Schaden leide und Gericht und Recht gehandhabt und gefördert werde, daß wir auf solche schlechte Sachen nicht achten können. Und besonders ich, der ich dahin zu sinnen, zu denken und zu trachten bestimmt bin, wie ich de« Kaiser reimenweise antworten soll. Denn versteht mich recht, ich bin der Schultheiß von Schildburg.« Wegen dieser seiner Rede, die doch sein bitterer Ernst war, fingen alle Badgäste an, wie die andern Narren, zu lachen, ließen ihn bei seinen Ehren und noch eins darauf schwitzen.

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