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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 17
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünfzehntes Kapitel.

Wie einiges Vieh auf den Salzacker kam und wie der Bannwart dasselbe abtrieb.

Ich weiß wahrlich nicht, wie doch der leidige Bannwart übersehen hat, daß so viel fremdes unvernünftige Vieh auf den schönen Salzacker kam, denselben schändete und sehr häßlich zertrat, daß es schade war, nicht nur um das Gesäte, sondern auch um das noch zu wachsende Salz. Der Bannwart mußte doch wohl wissen, was ihm des Ackers wegen auferlegt und anbefohlen war, und wie theuer er seinen Befehlen nachzukommen versprochen hatte; er sah den Schaden, aber er befürchtete, ihn noch zu vergrößern, wenn er das Vieh heraustreibe, weil er das heranwachsende Salz bei solcher Gelegenheit noch mehr verwüsten würde.

Darum ging der Bannwart muthlos und ungeduldig, theils wegen der Gefahr, die ihm bevorstand, theils aber wegen des verderblichen, augenscheinlichen erwachsenden Schadens, nach Hause, und zeigte es dem Schultheißen und der übrigen Gemeinde an. Diese wußten aber eben so wenig, wie dem Uebel abzuhelfen wäre, brachten deshalb den Handel vor und hielten Umfrage: was man doch thun sollte, damit das Salz nicht mehr beschädigt werde und der Bannwart, der für sich selber nichts in der Sache thun wollte, um sich nicht noch ärger zu verfehlen, dennoch das unvernünftige Vieh hinaustreibe? Denn die Vogelrohr-Schützen durften nicht wehren, weil es keine Vögel, sondern anderes Vieh, wegen dessen ihnen nichts anbefohlen gewesen war.

Als nun dieser schwere Handel lang hin und her geworfelt, und überzwerch, hinter sich, ob sich, unter sich, in die Breite, in die Länge und Schmäle, auch Krummes und Gerades, Ebenes und Unebenes darin erwogen worden war, und man sich so lang berathen hatte, daß ihnen die Köpfe beinahe darüber zerbrochen waren, wurde endlich von ihnen gefunden, einstimmig beschlossen und ausgesprochen: Es sollen ihrer vier von dem ehrsamen Gericht, wegen deren die Thiere sich vielleicht mehr scheuen würden, als wegen schlechten Leuten, den Bannwart auf eine Hurd setzen, ihm eine lange Ruthe oder Gerte in die Hand geben und ihn zu dem leidigen losen Vieh in dem Salzacker herumtragen, bis er es herausgetrieben hätte; der Bannwart selber solle aber nicht auf dem Acker gehen, damit durch ihn kein Schaden entstehe, weil er solchen abzuwenden geschworen habe. Mit diesem gnädigen Urtheil war der Bannwart sehr wohl zufrieden; er ließ sich auf der Hurd, nicht anders als der Pabst zu Rom, gegen welchen er sich dießmal wenig minder schätzte, herumtragen, bis das leidige Vieh vom Salzacker weg war. Wenn ich Bannwart gewesen wäre, so hätte ich wünschen mögen, daß es das ganze Jahr hindurch, alle Tage wenigstens auch zweimal, hätte geschehen müssen.

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Auf diese Weise also geschah dem im Wachsen begriffenen Salz von den vier Bannwartträgern kein Schaden; denn sie waren aus dem ehrsamen Gericht und wußten mit ihren Drachenfüßen so subtil einherzugehen, daß durch sie, in so fern ihnen das gemeine Wohl mehr am Herzen lag, durchaus kein Schaden geschehen konnte.

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