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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 16
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierzehntes Kapitel.

Wie die Schildbürger einen Acker mit Salz gesäet, daß es wachsen sollte und was sich damit zugetragen habe.

Wie nun das Rathhaus vollführt und mit Narren besetzt war, fingen sie an, alle Tage zusammen zu kommen und sich um die zum gemeinen Nutzen und Regiment gehörigen Sachen zu bekümmern und zu zermartern: dessen sie sich immer eifrigst annahmen, gemäß ihrer obgelegenen Schuldigkeit und Verpflichtung. Nun hat ihr Witz sie zu einer bestimmten Zeit dahin getrieben, daß sie an den Proviant dachten und Rath hielten: wie man einen Vorrath zurücklegen möchte, damit man sich wider Hoffen bei eintretender Theurung nicht in die Lage versetzt sehe, bei den Wucherern und Kornwürmern zu Gnaden kommen zu müssen. Was sie dann gar weise bedacht hatten. Denn es steht ja einer hochverständigen Obrigkeit zu, mit einem solchen Vorrath versehen zu sein, um den Unterthanen, wenn Mangel einfiele, helfen und den Wucherern, welche den Armen, die sich ohnehin in einer bedrängten Lage befinden, nicht anders als die Blutigel, auch das Blut aus dem Leib und das Mark aus den Beinen saugen, ihre ungebührlichen, unredlichen Gewerbe abschneiden zu können.

Besonders aber ward von Salz (dessen Kauf ihnen wegen obschwebender Kriegsläufe sehr erschwert war, weshalb sie in dieser Beziehung großen Mangel litten) geredet, wie man doch die Sache so weit bringen könnte, daß sie auch eigenes Salz hätten, weil sie ja hieran eben so wenig einen Mangel ertragen könnten, als an dem Dung auf dem Acker. Dieser Handel wurde der Länge und der Breite nach von einem Jeden nach allen möglichen An- und Umständen erwogen; denn es wurden allerhand Mittel, die man zur Hand nehmen und gebrauchen könnte, vorgeschlagen und überdacht. Endlich wurden sie ihres Rathes einig und beschloßen einstimmig, weil es bekannt und offenkundig sei, daß der Zucker, welcher dem Salz sehr ähnlich, wachse, so müsse nothwendig folgen, daß das Salz auch wachse; was namentlich auch daraus abzunehmen, weil das Salz »Körnlein« habe, indem man ja gewöhnlich sage, ein Körnlein Salz etc. Da ferner ebenso bekannt sei, daß andere Sachen wachsen, wie z.B. Kälber, wenn man Käse setzt und Hühner, wenn man Eier in den Boden steckt: so sey für dießmal kein Rath besser als der, daß man ein der Gemeinde angehöriges großes Stück Feld umbrechen und bauen solle, und dann das Salz (das sie so nöthig haben mußten, daß sie viel eher der Narrheit entsagen, als des Salzes hätten entbehren können) in Gottes Namen darein säen; so hätten sie doch eigenes Salz und dürften nicht Andern darum nachlaufen und zu Füßen fallen.

Wie beschlossen, so geschah es; das gemeine Werk wurde bestellt, der Acker gepflügt und Salz darein gesäet; in bester Hoffnung, Gott werde ihrer Arbeit überflüßigen Segen spenden. Aus diesem Grunde erscheine daher ihr etwaiger Gewinn, als Erdwucher von Gott gegeben, gesegnet und von Jedermann gebilligt, also nicht schändlich. In diesem Vertrauen trugen sie um den Acker auch desto fleißiger Sorge, stellten zu allen vier Ecken (er war nämlich nicht dreieckig wie das Rathhaus) Hüter, jeder mit einem Vogelrohr in der Hand, um die herbeiziehenden Vögel wegzuschießen.

Es stand nicht lange an, so fing der Acker an, auf's Schönste zu grünen. Die Schildbürger freuten sich ungemein darüber, meinten, jetzt wär's ihnen einmal gelungen, gingen alle Tage, um das Salz zu besichtigen, auf den Acker und beredeten sich selber, daß sie es wachsen hörten. Und je mehr es wuchs, desto höher stieg ihre Hoffnung.

Zu mehrerer Versicherung und Verwahrung ihres Salzfeldes setzten sie zu den vorigen Hütern noch einen andern Bannwarten; dieser sollte ausschließlich verhüten, daß nicht etwa auch anderes Vieh, als Pferde, Kühe, Schafe und besonders die näschigen Geisen, welche dem Salz ohnehin so gefähr, darein liefen.

Damit nun das heranwachsende Salz nicht zertreten oder sonst abgeäzt würde, befahlen sie ihrem Bannwarten (dieses ging aber die Vogelschützen nichts an), wenn er etwa eine Kuh, Pferd, Geis oder Schaf auf dem Acker erblicke, so sollte er sie, so gut als ihm möglich, davon wegstoßen, treiben, jagen, schlagen, klopfen, zwicken, scheuchen, wie er nur immer könnte, welches er getreu und gewissenhaft versprach: wie er es aber befolgt hat, werden wir später vernehmen.

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