Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Unbekannte Autoren >

Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 15
Quellenangabe
pfad/anonymus/schildbu/schildbu.xml
typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110101
projectidbcb8898f
Schließen

Navigation:

Dreizehntes Kapitel

Wie die Schildbürger in ihrer Rathsstube das Eingeweide gemacht und den Ofen vergessen haben.

Nachdem sie von ihrer Fensterlast befreit waren und nun Jeder sein eigenes feines, gutes Loch hatte, fingen sie an, den Ausbau des Hauses zu machen und die Gemächer aufzurichten. Unter Anderem machten sie namentlich drei Stuben, die Witzstube, Schwitzstube und die Bedenkstube; diese drei mußten vor Allem ausgebaut sein, damit die Schildbürger, wenn sie wichtige Sachen zu berathen hätten, nicht gehindert würden. So ward daher (wie sie meinten) das ganze dreieckige Rathhaus auf's Zweckmäßigste ausgebaut und von ihnen nochmal zu aller Narren Ehre eingeweiht.

Als sie aber in der nächsten Zeit, wo es schon kalt war, einen Rathstag zusammen beriefen und Gericht halten wollten (wozu ihnen der Kühhirt mit seinem Horn die Losung gab) und Jeder, um den gemeinen Nutzen nicht zu beschweren, ein Scheit Holz zur Heitzung mit sich brachte, siehe zu, da hatten sie den Ofen vergessen, auch keinen Raum gelassen, wo man ihn hinsetzen könnte. Wegen dieses Handels erschracken sie abermals über alle Maßen sehr, und sprachen in ihrer Verlegenheit unter sich selber: »Nun sollen wir elende Eselsköpfe keinen Fortgang und kein Glück bei unserm neuen Bau haben! Wo setzen wir jetzt den Ofen hin? Da stehen wir, als ob uns das Wasser hergeflößt hätte: nochmal, wo sollen wir mit dem Ofen hin?«

Sie zogen den Handel in Bedenken und Erwägung, und fielen auf mancherlei Meinungen. Einige waren da, die meinten, man solle den Ofen hinter die Thüre setzen, wo er am allerwenigsten hindern würde. Aber dieses wollte den Andern nicht gefallen: denn der Schultheiß mußte nothwendig seinen Sitz hinter dem Ofen haben, was spöttisch herauskäme, wenn er hinter der Thüre sitzen würde. Endlich, nachdem sie die Sache der Länge und Breite nach hin und her erwogen, und alle Orte besehen und besichtigt hatten, rieth Einer, man sollte den Ofen für das Fenster hinaussetzen und ihn in die Stube hinein gucken lassen: mit dem Bemerken, daß in Zeiten der Noth er bei Abzählung der Stimme auch mit gezählt werden könnte. Denn rede er schon nichts zu den Sachen, so sei er doch auch nicht dawider. Und ob es schon nicht anders sein könnte, als daß der Schultheiß der Nächste beim Ofen sein müßte, damit ihm seine Weisheit nicht erfriere, so verstehe es sich von selbst, daß er den nächsten Ort dabei einzunehmen habe. Diesem Rath wurde von allen Bänken her einstimmiger Beifall gezollt.

Doch entgegnete ein alter Aber-Narr unter ihnen, der länger Narr war als die andern, aus lauterem Witz, wovon er vollgesteckt: »Aber (sprach er) ich will der Stiegen geschweigen, welche aber nicht ohne große Schwierigkeit zum Ofen zu machen sein würde; aber dieß ginge noch hin: aber die Hitze, welche aber sonst in die Stube gehört, würde aber unter solchen Umständen zum Ofen hinaus fahren, und aber, statt in die Stube kommen, uns aber also nützlich wäre, würde sie aber verloren gehen.«

»Du gehst in den Aber-Witz, wie man spricht (sagte ein Anderer zum Aber-Narren), eben als gehe, wie man spricht, die Hitze, welche, wie man sprechen möchte, in der Küche zum Ofenloch hinaus schlägt, wie man spricht, nach deiner Meinung, auch in die Stube, möchte man sprechen. Du meinst wohl Ja, möchte man sprechen, ich aber meine Nein, wie man spricht, nicht in die Stube, sondern auf die Gasse, als man sprechen möchte. Damit aber, wie man spricht, nichts als unnützlich verloren gehe, wie man spricht, und du deswegen ohne Sorgen seiest, als man spricht, so habe ich zu Haus ein altes Wachtelgarn, wie man sprechen möchte, das will ich der ganzen Gemeinde zum Besten geben, in der Hoffnung, wie man spricht, meiner dabei zu gedenken, wie man sprechen möchte, das wollen wir für das Ofenthürlein henken, wie man spricht, um die Hitze in dem Ofen zu behalten. Haben wir, wie ich glaube auf diese Weise, als wie man spricht, nichts Arges zu besorgen; sondern gelt, mein lieber Nachbar, wie man spricht, wir wollen dabei tapfer sieden und braten, als man spricht und die Aepfel in der Kachel umkehren.«

Für diesen gut gelungenen Rath wurde der Schildbürger hoch gepriesen, und ihm für seine Freigebigkeit unter Anerbietung alles Guten höchlich gedankt, es wurde ihm auch und erblich auf seine Nachkommen, der nächste Sitz hinter'm Ofen bei der Aepfel-Kachel vergönnt. Dergestalt ward endlich der Handel geschlossen, der Ofen gemacht, das Rathhaus vollendet und nun auf's Neue mit Narren besetzt. O, wie hatte ich Angst, denn ich meinte, man nehme mich auch darein, und gebe mir ein Narren-Amt! Denn Jedermann sagte, ich seie noch nicht verdorben zu solchen Ehrenstellen.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.