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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 4
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Drittes Kapitel

Wie die Weiber zu Schildburg Rath fassen, ihre Männer wiederum heim zu fordern und deßhalb ein Schreiben an sie abschicken.

Wunderlich ist es, daß weder die Männer ohne die Weiber, noch hinwieder die Weiber ohne die Männer haushalten können, weil aus solcher Absonderung immer zu viel Schaden und Ungemach entsteht. Denn wo kein Mann ist, da ist auch keine Meisterschaft, und wo keine Meisterschaft, da ist auch keine Furcht, wo keine Furcht ist, da thut Jeder was er will, wo Jedes thut, was es will, da folgt selten Eins des andern Rath; wo Keins dem Andern folgt, da kommt selten etwas Rechtes zu Stande. Es muß ja allzeit Eins dem Andern die Hand reichen und die Arbeit, damit sie gefördert werde, abnehmen, wie wir in allen Gewerkstädten sehen. Dagegen, wo kein Weib ist, da hat der Mann keine kleine Haushaltung, und wo der Mann keine kleine Haushaltung hat, da ist er in der großen Haushaltung schon geschlagen, denn wie man spricht, wenn der Hagel in die Küche schlägt, so trifft er überall. Daß ich der Kinderzucht und anderer Dinge hier nicht gedenke. Man mag also sagen:

Da wo ein Mann ist und kein Weib,
Da ist ein Haupt, doch ohne Leib,
Und wo ein Weib ist ohne Mann,
Ein Leib ist's, doch kein Haupt daran.

Daher, weil Eins das Andere ergänzt und darum Eins ohne das Andere nicht bestehen kann, geschieht es, daß immer Eins das Andere begehrt, sucht und zu sich nimmt, davon abgesehen, daß sie oft untereinander uneins sein werden, der Mann zuweilen das Weib aus dem Hause jagt und dagegen manchmal das Weib dem Manne den Krieg macht. Daß sich dies so verhalte und nicht anders, ist aus dem, was hernach folgt, genugsam abzunehmen. Denn in Betracht des Unheils und Ungemachs, das aus der Schildbürger Abwesenheit täglich und vielfältig erfolgt war, kam die ganze weibliche Gemeinde, welche indessen das Regiment führen und die Ämter verwalten müssen (wie meint ihr, daß es gegangen sei?), zusammen, den gemeinen Nutz und Wohlstand zu beherzigen und zu bedenken, dem drohenden verderblichen Schaden aber zu begegnen und zu steuern, damit ihrer Güter und Gewerbe Rückgang, ja ihrer aller endlichem Verderben und Untergang zuvorgekommen und vorgebeugt würde. Nach langem Bedenken und vielem Geschwätz und Geschnatter wurden sie letztlich des Raths einig, daß sie ihre Männer zurückfordern und heimberufen wollten.

Solchen Rathsbeschluß ins Werk zu richten, ließen sie folgendermaßen einen Brief stellen und schreiben, und schickten ihn durch gewisse Boten nach allen den Orten und Enden, wo sie wußten daß ihre Männer waren; welcher dann Allem und Jedem insbesondere Folgendes zu Gemüthe führte:

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