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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 39
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achtunddreißigstes Kapitel

Wie ein Schildbürger seines Pferdes schonte, dasselbe aber verlor, indem er der Schildbürger Ehre zu retten bedacht war.

Ein Schildbürger hatte gehört, daß man Niemand zu viel zumuthen und Keinem mehr aufladen sollte, als er tragen möge. Deßhalb pflegte er allezeit, wenn er das Mehl heimführen sollte (denn es war ein Müller und gewißlich frommer als sie gemeinlich sind), aufs Roß zu sitzen und die vollen Säcke mit Korn oder Mehl auf die Achseln zu nehmen, damit er das arme Thier nicht zu viel beschwerte. Mancher Herr und Frau thäten solches nicht mit ihrem Dienstboten: wenn sie die gar zu Eseln machen könnten, würden sie sich nicht lange bedenken.

Dieser Müller ritt auf eine Zeit über Feld heimwärts: da sah und hörte er auf zwei Bäumen, zwischen welchen die Grenze der schildischen Mark hindurch lief, einen fremden Gauch oder Kuckuk mit einem Schildischen Gauch einen Scharmutz halten, denn sie hatten eine gute Weile wider einander gekuckukt. Wie aber der Schildbürger sah, daß der fremde Gauch dem Schildischen mit Kucken überlegen war und etwa fünfzehn oder mehr Kuckuk mehr kuckte denn der ihre, stieg er zornig von seinem Roß, kletterte zu seinem Gauch den Baum hinauf und half ihm so viel und so lange kucken, bis der fremde Gauch überwunden war und Haar lassen mußte.

Hiezwischen kommt ein Wolf und frißt ihm sein Pferd unterm Baum; dennoch wollte er nicht herab, bis der fremde Gauch verjagt wäre: darum mußte er hernach zu Fuß heim reiten, auf seiner Mutter Füllen.

Sobald er aber heimkam, erzählte er dem Schultheiß und der ganzen Gemeinde, was er fürs gemeine Wohl für Ehre und Ruhm eingelegt habe, indem er ihrem Gauch gegen den fremden Gauch Hülf und Beistand geleistet; dagegen aber habe er einen kleinen Schaden erlitten. Denn dieweil er mit dem fremden Gauch im größten Ernst des Treffens gewesen, habe ihm unterdessen ein Wolf sein Pferd gefressen; daß ihms der Teufel gesegne. Solches wolle er ihnen also in guter Meinung angezeigt haben: ob sie ihm zu einem andern Pferd behülflich sein wollten.

Als der Schultheiß und die ganze Gemeinde ihres Mitbürgers Rede vernommen, haben sie für unbillig geachtet, daß Einer, der so fleißig und ernstlich der ganzen Gemeinde Ehr und Namen bedacht hätte, darob Schaden sollte leiden: beschlossen derowegen, daß ihm aus dem gemeinen Säckel ein ander Roß gekauft und noch eine Verehrung dazu gegeben werden sollte. Das geschah auch.

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