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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 36
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfunddreißigstes Kapitel

Wie die Schildbürger einen Mühlstein gruben und Einer damit hinweg lief.

Es hatten die Bauern eine Mühle gebaut, zu welcher sie mit allgemeinem Werk in einer Steingrube auf einem hohen Berg einen Stein gehauen und mit großer Mühe und Arbeit den Berg hinab gebracht. Als sie ihn drunten hatten, fiel ihnen ein, wie sie die Bauhölzer, so sie zu ihrem Rathhaus gebraucht, mit so geringer Mühe den Berg hinab gebracht, als sie dieselben selbst den Berg hinab laufen ließen, und sprachen deßhalb unter einander: »Nun sind wir doch große Narren, daß wir uns mit dem Hinabbringen so üble Zeit machen, da wirs doch wohl mit geringer Arbeit ausrichten könnten. Wir wollen ihn wieder hinauftragen und selber den Berg hinab laufen lassen, wie wir mit unserm Bauholz auch gethan.«

Solches gefiel ihnen Allen, trugen also den Stein mit viel größerer Mühe den Berg hinauf, und wie sie ihn eben wieder abstoßen wollten, sprach Einer unter ihnen: »Wie wollen wir aber wissen, wo er hingelaufen ist? wer will es uns da unten sagen?« – »Ei,« sagte der Schultheiß, welcher den Rath gegeben hatte, »dem ist wohl zu helfen: es muß sich Einer unter uns in dieses Loch stecken (wie denn die Mühlsteine in der Mitte ein großes Loch haben) und mit hinab laufen.« Das ward nun für gut angesehen und alsbald Einer erwählt, welcher den Kopf in das Loch stieß und mit dem Stein den Berg hinablief.

Nun war zu unterst am Berg ein tiefer Fischweiher, in denselben fiel der Stein sammt dem Tropf, also, daß die Schildbürger beide, den Stein und den Mann, verloren und Keiner wußte, wo er hingekommen sein möchte. Also fiel ein Argwohn auf den Gesellen, welcher mit dem Stein gelaufen, als wäre derselbe mit dem Mühlstein entlaufen und wollte ihnen also das Ihrige entfremden; ließen derowegen in allen umliegenden Städten, Dörfern und Flecken öffentliche Briefe anschlagen: Wo Einer käme, mit einem Mühlstein um den Hals, den sollte man einziehen und ihm als Einem, so von gemeinem Gut gestohlen, sein Recht anthun. Aber der arme Teufel lag im Weiher und war todt: hätte er aber reden können, so wär er Willens gewesen, ihnen anzusagen, daß sie seinethalb ohne Sorge wären, er wolle ihnen das Ihre wiederum zustellen. Aber die Last hatte ihn dermaßen gedrückt und so tief hinunter gezogen, daß er, nachdem er genug Wasser gesoffen, ja mehr als ihm gut war, zu Tode starb und noch heut des Tages todt ist und todt bleiben will, soll und muß.

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