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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 33
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiunddreißigstes Kapitel

Wie die Schildbürger das Gras auf einer alten Mauer durch ihr Vieh wollten abweiden lassen.

Die Schildbürger waren ernsthaft in ihrem Thun, sonderlich in Betrachtung des gemeinen Nutzens, damit derselbe allenthalb aufginge und zunähme und nirgend Schaden litte. Auf eine Zeit gingen sie hinaus, eine alte Mauer zu besehen, welche von einem alten Gebäu übrig geblieben war, ob sie vielleicht die Steine davon nützlich anwenden könnten. Nun war auf der Mauer schon lange Gras gewachsen, das bedauerten die Bauern, daß es sollte verloren werden und Niemand zu Nutz kommen, und hielten deßwegen Rath, wie man es sollte gebrauchen. Davon fielen nun vielerlei Meinungen: die einen vermeinten, man sollte es abmähen; aber Niemand wollte sich das unterstehen und sich auf die Mauer wagen. Andere vermeinten, wenn Schützen unter ihnen wären, so wär es am Besten, daß man es mit einem Pfeil abschösse. Endlich wischte der Schultheiß hervor und rieth, man sollte das Vieh darauf gehen lassen: das würde es abessen, so dürfte man es weder abmähen noch abschießen.

Solchem Rath, als dem besten, fiel die ganze Gemeinde zu, und zur Dankbarkeit ward ferner erkannt, des Schultheißen Kuh sollte die erste des guten Raths genießen, welches der Schultheiß gerne gestattete. Also machten sie der Kuh ein starkes Seil um den Hals, warfen es über die Mauer und fingen an, auf der andern Seite zu ziehen. Als aber der Strick zuging, fing die Kuh an zu erwürgen, und wie sie schier hinauf kam, streckte sie die Zunge heraus. Das sah ein großer Schildbürger und schrie: »Zieht, zieht! Leib und Seele hängt an einander.« – »Zieht noch einmal, zieht!« sprach der Schultheiß; »sie hat das Gras schon geschmeckt und die Zunge darnach ausgestreckt. Zieht, zieht, sie ist bald droben. Sie ist so tölpisch und ungeschickt, daß sie sich selber nicht helfen kann, es sollte sie eurer Einer vollends hinaufstoßen.«

Aber vergebens wars, die Schildbürger konnte die Kuh nicht hinaufbringen, und ließen sie hinab: da war sie todt. Deß waren sie froh, nur daß sie etwas zu schinden und zu metzgen hatten.

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