Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 30
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Neunundzwanzigstes Kapitel

Wie die Schildbürger, als sie des Kaisers Letze verzehrten, ihre Füße verwechselten und nicht mehr kannten, jedoch zuletzt Jeder die seinen wieder fand.

Also zog der Kaiser, nachdem er seiner Kurzweil genug gehabt, hinweg, da denn die Schildbürger ihm mit ihrer Ritterschaft, davon zuvor gemeldet, das Geleit gaben, für welches der Kaiser ihnen eine gute Verzehrung geben und danken ließ. Dieselbe wurden die Schildischen einig, ehe sie wieder heimkehrten, auf einem Dorfe zu verzehren. Also sprengten sie mit ihren Steckenpferden in das nächste Dorf und zechten redlich. Und als sie satt und trunken waren und dennoch etwas zum Besten vorhanden war, welches auch mußte verzecht sein, kam sie ein Gelüst an, wie andere Junger auf eine grüne lustige Au hinaus zu spazieren, sich daselbst zu erlustigen, das Essen zu verdauen und auf eine andere Mahlzeit zu schicken. Also gingen sie hinaus, sämmtlich mit einander und Jeder für sich selbst insbesondere, vergaßen jedoch nicht eine gute Flasche mit Wein und etliche Scheiben Brodtes mit sich zu nehmen, damit in solcher Hitze ihnen der Magen nicht platze und der Wein hernach all wieder auslaufe; lagerten sich dann in das grüne Gras, zechten zu Abend und hatten einen guten Bürgermuth, ob sie gleich nur Bauern waren. – Indem sie aber Alle einer Farbe Hosen anhatten und im Zechen die Beine durcheinander warfen, wie denn zu geschehen pflegt, und es hierauf dazu kam, daß sie heimgehen sollten, schau, da konnte Keiner seine Füße oder Beine mehr kennen, weil sie alle gleich gefärbt waren, und saßen da und guckten Einer den Andern an, und fürchtete Jeder, der Andere nehme ihm seine Füße oder er dem Anden ein Bein: waren derowegen in großer Angst. Da sie nun einander also angafften und nicht wußten, wie sie thun sollten, siehe, da ritt Einer von ohngefähr vorüber auf einem Pferd (sonst möchte man meinen, es wäre ein Esel gewesen): den riefen sie herzu und klagten ihm ihren Jammer, mit Bitte, könne er etwas, wodurch Jeder von ihnen seine Füße wieder bekomme, das solle er brauchen und nicht sparen: so wollten sie es ihm neben großer Danksagung wohl bezahlen. Er sprach: Das könne er wohl, steigt ab und nachdem er einen starken guten Prügel gehauen, tritt er unter die Bauern und fängt an, dem Besten auf die Beine zu schlagen, und welchen er traf, der sprang geschwind auf und hatte seine Beine wieder, denn der Gesell hatte sie ihm herausgefunden.

Einer unter ihnen blieb sitzen und sprach: »Lieber Herr, soll ich meine Beine nicht wieder haben? wollt Ihr das Geld nicht an mir auch verdienen? oder sind diese mein?« – Jener aber sprach: »Harre, laß sehen!« gab ihm hiemit auch eins, daß es flammte. Also sprang dieser letzte auch auf und hatten alle die Bauern jeder seine Füße wieder bekommen, waren froh, schenkten dem Manne ein Trinkgeld, zogen heim und gedachten sich ein ander Mal zu hüten.

 << Kapitel 29  Kapitel 31 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.