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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 27
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie der Kaiser begehrte, die Bauern sollten ein Urtheil über einen todten Wolf fällen und wie das ausfiel.

Der Kaiser verwunderte sich über ihre närrischen Possen, und wußte nicht, wie ers verstehen und auslegen sollte, weil sie zuvor wegen Weisheit und großen Verstandes so berühmt gewesen, jetzt aber so grobe, thörichte Zoten und possirliche Possen rissen. Um nun recht zu erfahren, ob es ihnen auch Ernst damit sei, oder ob sie es nur aus angenommener Thorheit thäten, gab er ihnen eine Frage auf, worüber sie Gericht halten und ihm ihren Rathsabschied mittheilen sollten. Die Frage war aber diese: Als er einst an ihrem Dorfe vorbei durch den Wald gereist sei, habe er einen todten Wolf ausgestreckt liegen gefunden: nun möchten sie ihm sagen, was doch wohl die Ursache seines Todes gewesen sei?

Als hierüber das Gericht besetzt war, und der Kaiser durch seine nach dem Recht erlaubten Fürsprecher die Frage hatte vorbringen lassen, fielen darüber vielerlei Meinungen, deren jede ihren Anhang hatte. Die erste lautete: der Wolf wäre in der großen Kälte und dem tiefen Schnee barfuß gegangen, deßwegen sei ihm die Kälte aufs Herz geschlagen und habe ihn so hart angegriffen, daß er davon sterben müssen. Die andre Meinung vermeinte: Vorausgesetzt, daß der Wolf mehr zu Fuß gegangen als geritten sei, so möge er vielleicht gejagt worden, und als er keinen Athem mehr gehabt habe, erstickt sein. Das dritte Gutachten war dies: der grausam große Schmerz, und das Weh, die er gehabt haben müsse, möchten ihn ums Leben gebracht haben, denn ihm sei wohl alle Tage noch nicht so weh gewesen, als eben in der Stunde seines Todes. In des Schultheißen Kopf steckte das vierte Urtheil, welches, als es hervorkam, zu Deutsch also lautete: »Wir sind, liebe Nachbarn, an unserm Vieh wohl inne geworden, woran der Wolf gestorben sei, denn wir haben dessen wohl genug verloren, welches er Alles gefressen hat. Nun ist wohl zu erachten (angesehen, daß er keine Haushaltung nicht Niemand hatte, der seiner wartete, sich auch keine Köchin halten durfte, wie sich unser Pfaff eine hält), er habe mehr rohes Fleisch gegessen, denn gesottenes und gebratenes. So sind die alten Kühe, die er jezuweilen Hungers halber fressen mußte, seinem undäuigen Magen auch nicht allezeit zuträglich gewesen, zumal in der vergangenen großen Kälte. Zudem hat er Alles verzehren müssen, was er nur erlangen mochte, auch das von selbst ablebig gewordene Vieh; denn meinem Gevatter starb kürzlich eine alte Kuh an einer Krankheit: die hat er auch in dieser Kälte also roh verschluckt (er hätte sie doch zum Wenigsten in eine Pastete mögen backen lassen) und kalt Wasser darauf gesoffen: natürlich habe ihm das den Magen erkältet, wie er denn erst neulich einen hartgefrornen Wolfsdreck gefunden, genugsame Anzeige eines ganz erkälteten Magens. Bei solcher Unverdaulichkeit habe sich ihm viel Schleims und Unraths an den Magen gesetzt, woraus ihm große Grimmen und Schmerzen entstanden. Sollte es denn ein Wunder sein, wenn er endlich daran gestorben ist? Unser Einer müßte ja davon erwürgen.«

Auf diese Rede ward eine Umfrage gethan und einhelliglich beschlossen, Schultheiß hätte die beste Ursache angezeigt; welches denn noch zum Überfluß an des todten Wolfes Zähnen zu ersehen wäre, weil sie also weiß seien, die doch sonst von heißer Speise schwarz zu werden pflegten. Und diese ihre Rathserkenntniß ließ der Schultheiß an den Kaiser gelangen, welcher sprach, sie hätten recht und wohl hierin geurtheilt, und wäre davon nicht zu appeliren.

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