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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 25
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Wie die Bauern den Kaiser zu Gast gebeten und ihm nun saure Buttermilch aufgesetzt und was sich dabei zugetragen habe.

Als nun die Bauern mit dem Kaiser die Mahlzeit eingenommen und obgemeldete Reden sich verlaufen hatten, trat der Schultheiß vor den Kaiser, im Namen seiner selbst und der ganzen Gemeinde als seiner Unterthanen, und hub an, ohngefähr folgendermaßen zu reden: »Ehrsamer Junker Kaiser, wir haben euch das eurige abgefressen und abgesoffen: darum ist es billig, daß wir euch auch wiederum etwas nach unserm Vermögen erzeigen. Bitten derwegen euch, Junker Kaiser, uns nicht zu verschmähen, zu uns zu kommen und einen Abendtrunk mit uns zu thun: da müßt ihr unser Gast sein und wollen wir einander gut Geschirr machen; jedoch müßt ihr vorlieb nehmen, Junker Kaiser.«

Der Kaiser, welchem die guten Schwänke und Possen wohl gefielen, war willig um der Kurzweil willen; jedoch mit dem Bescheid, daß sie ihn mit dem Trinken nicht nöthigen möchten. – »Seid ohne Sorge, Junker Kaiser,« sagte der Schultheiß, »wir wollen euch gnädig halten.« Also ging der Kaiser, nachdem sie ihn herumgeführt und ihm ihre Misthaufen gezeigt hatten, auf das neugebackene Rathhaus, da dann frische Tische aufgelegt wurden.

Als man Wasser genommen und sich zu Tisch gesetzt hatte und man jetzt anfing aufzutragen, da ward fürs Erste aufgesetzt eine Schüssel voll Karpfen, mit dem Löffel zu einem Brei gerührt; darnach ward aufgesetzt eine andere Platte voller Karpfen, auf eine andere Manier zugerichtet, nämlich mit der Brühe. Da dann der Schultheiß zum Kaiser sagte: »Er sollte nur tapfer in die Brühe tunken: wenn nicht genug da sei, müsse man mehr anrichten, denn sie hätten noch einen halben Kübel voll behalten.«

Nach den Fischen, unter welchen auch etliche am Spieß gebraten gewesen, brachte man einen Brei; und als die an dem andern Tisch, wo des Kaisers Sohn mit etlichen jungen Cumpanen saß, noch nicht abgespeist hatten, schrie mein Herr, der Schultheiß, überlaut: »Na, ihr Knaben, eßt tapfer auf, was ihr habt, so wollen wir die Pappe oder den Brei auch nehmen. Aber vester Junker Kaiser, esset ihr fort, ihr dürft nicht auf sie harren. Denn:

Es stehet geschrieben,
Sechs oder sieben
Sollen nicht harren,
Auf einen Narren
Sondern essen
Und des Narren vergessen.«

Letztlich ward aufgesetzt eine frische, kalte, saure, weiße Buttermilch. Nun hatten sie den Kaiser hinter den Tisch gesetzt, und der Schultheiß saß neben ihm und leistete ihm Gesellschaft. Die übrigen Bauern aber stunden um den Tisch herum. Sie hatten aber zweierlei Brod in die Milch gebrockt. Vor des Kaisers Ort hatten sie weiße Semmelwecken eingeworfen: vor der Bauern Ort lag schwarz Brod, Haberstroh hätt es ihnen auch gethan.

Indem sie also aßen, der Junker Kaiser das weiße, die Bauernknebel aber das Haberbrod, siehe, zum Unglück erwischte da Einer der Bengel von ohngefähr einen Brocken von dem weißen Brodte und schob ihn hinein. Solches hatte der Schultheiß wahrgenommen, schlug ihn deßwegen, als er wieder in die Schüssel fahren wollte, auf die Hände und sagte: »Sollst du des Junker Kaisers Brod essen?« Der Flegel erschrak sehr, und weil er denselben Bissen noch ganz im Munde hatte, zog er ihn fein wieder heraus, legte ihn in die Schüssel und stieß ihn heimlich vor des Kaisers Ort. Solches hatte der Kaiser auch wahrgenommen, wischte derwegen seinen Löffel und schenkte den Bauern die noch übrige Milch, welche die Verehrung zu großem Dank annahmen, die Milch miteinander vollends ausaßen und des Junker Kaisers Freigebigkeit lobten.

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