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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 23
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Wie die zu Schilde dem Kaiser einen großen Hafen mit Senf verehren.

Nun stunden abermals die Schildbürger in Zweifel und großen Ängsten, was sie dem Kaiser verehren und schenken möchten, indem sie sich auch gleich anderen rechtschaffenen Leuten erzeigen wollten. Sie gedachten aber bei sich selbst, sollten sie ihm Silber oder Gold schenken, das sei bei ihnen sehr theuer, der Kaiser hingegen habe dessen die Fülle; sollten sie ihm aber Essensspeise schenken, als Kraut, Rüben, Speck, Bohnen, Gerste u.s.w., dessen bedürfe er nicht, denn er sei ohnedies ihr Gast, wie er denn allenthalben Gast sei, wo er nur hinkomme. Endlich vereinbarten sie sich, ihm einen großen Hafen mit sauerm Senf zu präsentiren und zu verehren: den könne er gebrauchen, sich das Essen damit schmackhaft zu machen.

Also ließen sie den Senf alsobald anrühren und rüsten in einem nagelneuen Hafen. Den trugen zwei Buben an einer Stange vor den Kaiser, vor welchem der Schultheiß die Rede that und sagte: »Vester Junker Senf, da verehren wir euch diesen Kaiser und bitten, ihr wollet ihn für gut und zu Dank annehmen.« Als der Kaiser solche stattliche Rede hörte, lachte er und zog seinen Hut ab, sich zu bedanken. Aber der Schultheiß fiel ihm in die Rede und sagte: »Setzt auf, thut auf, Junker Kaiser, seid bedeckt.« – »Setze du auch auf«, sagte der Kaiser zum Schultheiß. – »Nun so wollen wir«, antwortete der Schultheiß dem Kaiser, »zugleich miteinander aufsetzen.« – Als aber die Buben den Hafen niederstellen wollten, weiß ich nicht, wie sie es machten: sie setzen ihn so hart nieder, daß er zu Stücken zerbrach und der Senf all auf der Erde lag. »Nun hab euch St. Veits Plage,« sagte der Schultheiß ganz erzürnt, »ihr Buben, ihr Schlingel, ihr Diebe, ihr Mörder, ihr Ketzer, ihr Landsverräther! ist das nicht Schelmenwerk? könnt ihr nicht acht haben, ihr Bösewichter, ihr Schelme? Au weh, Junker Kaiser, wie ist es doch ein so guter Senf gewesen! er sollte Einem bis in das vierte Haus in die Nase gerochen haben: nun liegt er da im Dreck! Ach, versucht ihn nur, Junker Kaiser!«

Hiermit fuhr er mit der Hand in den Senf und wollt ihn dem Kaiser zu versuchen geben; aber der Kaiser wollte nicht kosten, sondern sprach: Er rieche genugsam, daß er sehr gut gewesen, bedaure derwegen den Schaden, wolle jedoch den geneigten Willen zu Dank annehmen. – »Das thut, Junker Kaiser,« sprach der Schultheiß, »daran werdet ihr uns einen Gefallen thun.«

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