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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 20
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Neunzehntes Kapitel

Wie der Schultheiß seiner Schultheißin einen neuen Pelz kaufte und was ihm dabei widerfahren sei.

Unsere gnädige Frau, die Schultheißin, vergaß nicht, ihren verheißenen Pelz oft zu fordern. Welches denn nichts Unbilliges war, in Betracht, daß, wo sie nicht gewesen, er noch viele Jahre lang die Säue hüten müssen, wie sie denn auch eben so lang hätte müssen Sauhirtin bleiben. So wollte sichs in aller Weise gebühren, daß er, welcher vornehmlich die Gerechtigkeit fördern sollte, sein Versprechen halten und seiner Frau auch das, was ihr von Rechtswegen gebührte, zukommen ließe.

Als deßhalb mein Herr der Schultheiß bald nach Antretung seines Dienstes wieder einmal, nachdem er schon im Bad gewesen, wichtiger Geschäfte halber in die Stadt gehen wollte, vergaß meine Frau, die Schultheißin, nicht, ihn fleißig an den Pelz zu mahnen, den er ihr verheißen hätte zu kaufen, wenn sie ihm dazu verhülfe, Schultheiß zu werden, wie sie gethan. Woraus denn zu ersehen, daß es viel besser sei, den Weibern zu kaufen, damit man ihres Drillens und Bettelns ledig werde, als ihnen etwas verheißen; denn sie haben ein sehr gu gu gutes Gedächtniß, wie jener Schildbürger, welcher begehrte, Schreiber zu werden, konnte aber weder lesen noch schreiben, sondern sagte, er habe ein sehr gutes Masmorium. Aber verzeihet mir, ihr lieben Schildbürger, ich habe den Hu Hu Husten, und fahret im Lesen fort.

Als der Schultheiß in die Stadt kam, fragte er alsbald unterm Thor den Thorwärter, wo eines Kürschners Haus sei? Der Thorwart zeigte es ihm; aber mein Herr der Schultheiß fragte weiter, ob es der sei, bei welchem die Schultheißen ihren Frauen neue Pelze kauften, denn er sei Schultheiß zu Schilde geworden, erst neulich. Da vermerkte erste der Thorwächter, daß er etwas zu viel oder zu wenig gebacken, und indem er durch eine Mühle gelaufen, vielleicht mit dem Sack geschlagen worden, und gedachte deßhalb, er würde gut sein, nach der Holzschere, wie man zu sagen pflegt, umherzulaufen. Darum wies er ihn an das äußerste Ende der Stadt zu einem Kübler, so ein rechter Faxenmacher gewesen: bei dem sollte er nach Schultheiß-Pelzen fragen.

Der gute Schultheiß ging in aller Ehrbarkeit, wohin er gewiesen worden und fragte bei dem Kübler nach Schultheiß-Pelzen, er sei der Schultheiß zu Schilde. Der Kübler merkte bald, was die Kreide gelte, und sagte deßhalb zu ihm: es sei ihm sehr leid, daß er ihr E.W. nicht fördern, und wie er gern wollte, versehen könne, indem er eben den Tag zuvor, der ein Markttag gewesen, alle, die er gehabt, hinweg gegeben. Damit ihm aber geholfen würde, wies er ihn in eine andere Vorstadt zu einem Wagner: daselbst, verhoffe er, werde er Pelze finden nach seinem Begehren.

Mein Herr Schultheiß kam zu dem Wagner und fragte ihn, ob er keine Pelze hätte, er wäre der Schultheiß von Schilde. Der Wagner, der auch ein Spottvogel, wies ihn zu einem Schreiner, der Schreiner zu einem Sporer, der Sporer zu einem Sattler, der Sattler zu einem Organisten, der Organist zu einem Staudenten, der Staudent zu einem Stubenkauz, der Stubenkauz zu einem Buchbinder, der Buchbinder zu einem Fischer, der Fischer zu einer alten Vettel, die alte Vettel zu den Druckergesellen, wo er recht empfangen worden, die Druckergesellen zum Buchhändler, vor dessen Laden oft mancher Schildbürger zu finden, der Buchhändler zum Kuchenbäcker: da finde er sie, zum Auffressen wie er sie nur haben wolle.

Als nun Herr Schultheiß auch daselbst nach Pelzen gefragt hatte, antwortete ihm der Lebküchler: er habe zwar diesmal keine, wenn er aber eine kleine Weile Geduld habe, so wolle er ihm von Lebkuchen einen anmessen und backen: den könne er, wenn er seinem Weib nicht gefiele, mit ihr essen, alle Morgen ein Mümpflein davon. Dessen bedankte sich der Herr Schultheiß aufs Höchste, sagte jedoch, er wäre nun so lange nach dem Pelz herumgelaufen, daß er zu warten nicht Zeit genug habe: er müsse wieder heim, sein Amt zu verrichten, denn er sei Schultheiß zu Schilde. Der Kuchenbäcker, der etwas frömmer gewesen als die Obgemeldeten, und gedachte, der Herr Schultheiß wär lang genug nach der Holzscher herum gelaufen, erbarmte sich seiner Einfalt und wies ihn zurecht zu einem Kürschner, wo er Pelze fand aller Art, wie er sie nur begehrte.

Der Kürschner fragte ihn alsbald, was er für einen Pelz begehre, wie groß und wie lang er sein sollte? – Der Schultheiß antwortete: »Wenn er nur mir gerecht ist, so giebt er meinem Weib, der Frau Schultheißin zu Schilde, auch warm. Denn mein Hut ist ihr auch recht und der ihre mir; ist deßhalb der Pelz, der mir gerecht ist, auch ihr gerecht.« Daselbst kaufte er denn gewißlich einen stattlichen Pelz aufs Dorf hinaus, den sich eine Frau Schultheißin in der Stadt auch nicht hätte schämen brauchen zu tragen.

Da nun der Herr Schultheiß heim kam, empfing denselben Pelz die Frau Schultheißin mit Freuden (wer weiß, wie der Herr Schultheiß empfangen worden), versuchte ihn gleich und ließ sich darin besehen, hinten und vorne und nebenzu auf beiden Seiten, oben und unten, innen und außen. Und als sie ihn genugsamlich probirt und approbirt und gut geheißen hatte, begehrte der Herr Schultheiß von ihr, sie sollte ihm Küchlein backen, so wolle er eine Wurst dazu geben und ein Maß Wein bezahlen: welches anzunehmen sie ihm zusagte.

Da sie ihm aber wollte grobe dicke Schnitten backen, wie sie ihm vor Zeiten, da er noch ein Sauhirt gewesen, gebacken hatte, sagte er ganz unwirsch: »Wofür siehst du mich an? meinst du, ich sei ein Sauhirt? weißt du denn nicht, daß ich nicht der Schnittenbacher, sondern der Herr Schultheiß allhier zu Schilde bin?« Also mußte sie ihm Sträublein backen: die aßen sie mit einander auf und ließen sichs wohl schmecken und thaten zuweilen aus der Weinkrause einen guten Schlaputz dazu.

Die Frau Schultheiß hätte gern öfter getrunken, mußte sich aber etwas schämen vor ihrem Herrn dem Schultheißen, darum erdachte sie folgende List. »Du glaubst nicht,« sagte sie, »wie mich dieser Pelz freut.« – »Ist es wahr?« sagte er. – »Ja,« sagte sie, »wenns nicht wahr ist, so stoße mir dieser Trunk das Herz ab.« Hiemit trank sie einen guten Schluck. Bald darauf sagte sie: »Unsres Nachbars Knecht hat bei der Magd gelegen.« – »Ei was,« sagte der Schultheiß, »ist es möglich?« – »Ja,« sagte die Schultheißin, »wenns nicht wahr ist, so stoße mir dieser Trunk das Herz ab.« Hiemit gab sie der Flasche einen Druck. Abermals sagte sie: »Unsre Greta und Klausens Tochter haben einander geschlagen.« – »Ei,« sagte der Schultheiß, »was du sagst!« – »Ja,« sagte sie, »wenns nicht wahr ist, so soll dieser Trunk Gift werden in mir.« Hiemit trank sie wieder einen, daß ihr das Wasser zu den Augen heraus lief. Solches trieb sie so lang, bis sie der Flasche alle Riemen abgetreten hatte, war auch nicht eher zufrieden, bis sie ganz leer war. Wär ich dabei gewesen, ich hätt gewiß auch mit gegessen und du, Gauch, gewißlich auch, hättest eher zu beiden Backen eingeschoben, damit du zu deiner Rechnung kämest und dein gut Geld nicht vergebens ausgäbest.

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