Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 2
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Erstes Kapitel

Von dem Ursprung, Herkommen und Namen der Schildbürger in Misnopotamien.

Es haben die Alten vor vielen hundert Jahren diesen herrlichen Spruch gehabt, welcher auch noch zu diesen unsern Zeiten wahr ist und deßhalb gelten soll:

Eltern, wie die geartet sind,
So ist gemeinlich auch ihr Kind:
Sind sie mit Tugenden begabt,
An Kindern ihr deßgleichen habt.
Kein guter Baum giebt böse Frucht,
Gern schlägt der Mutter nach die Zucht.
Ein gutes Kalb, eine gute Kuh,
Das Junge wächst dem Vater zu.
Gewann der Adler hoch von Muth
Wohl je furchtsame Taubenbrut?
Doch merk mich recht, merk mich mit Fleiß,
Was man nicht wäscht, wird selten weiß.

Eben dies kann man von den Schildbürgern (hinter Kalekut, in dem großmächtigen Königreich Misnopotamien), zu ihrem großen Ruhm und Lob, wohl mit gutem Fug gesagt werden, denn auch sie sind in ihrer lieben Voreltern Fußstapfen getreten, darin verharrt und mit nichten davon abgewichen, bis sie die große Noth, der kein Gesetz vorgeschrieben ist, weil sie keins haben halten können, so wie die Erhaltung und Förderung des lieben Vaterlands und gemeinen Wohls, dem man alle Treue zu leisten schuldig, davon abgetrieben und einen andern Weg einzuschlagen genöthigt, wie ihr der Länge nach in Kurzem vernehmen sollt. Uns Allen zu augenscheinlichem Exempel, daraus zu lernen, welchermaßen wir unsern lieben Eltern in guten Sitten und Tugenden nachschlagen, und gelegentlich aus der Noth eine Tugend machen sollen.

Den so wir dem gemeinen Gerücht, welches von ihnen im ganzen Land umgeht, glauben wollen (welches wir wohl thun müssen, angesehen, daß keine Schreibenten mehr vorhanden, die davon geschrieben hätten, da ihre Schriften mitsammt den Geschlechts-Registern und Chroniken in der ungeheuern Feuersbrunst, da Schildburg mit Allem, was drinnen verbronnen, ein Raub der Flammen geworden, wie hernach seines Orts vermeldet werden soll), so wir, spreche ich, dem gemeinen Gerücht, welches nicht allzeit leer und nichtig, sondern gemeinlich, wo nicht ganz, doch zum Theil wahr ist, glauben wollen: werden wir befinden, daß ihre ersten Voreltern aus Griechenland hergekommen, und von einem der sieben Weisen erzeugt worden. Welches denn, laut obigem Spruch, aus ihrer edeln Art und hohen Weisheit leichtlich abzunehmen; wie denn der Name Misnopotamien, welcher griechisch ist, und einen Schwätzer bedeutet (wie die Griechen gemeinlich, doch nicht Alle, sind), davon auch etlichermaßen Zeugniß ablegt. Welcher aber von den sieben Weisen Griechenlands ihr Ahnherr gewesen, ist ihnen eben so unbewußt, als dem Juden Schmul unbekannt ist, von welchem Stamm der Kinder Israel er abgestiegen.

Doch kann man muthmaßen und ist aus obigen Gründen glaublich – wie die Griechen mehrmals gegen ihre Wohlthäter und Väter des Vaterlands undankbar gewesen, und nach empfangenen Wohlthaten sie, wo nicht gar hingerichtet und getödtet, wie den Miltiades, Phocion und Andere, doch in's Elend verwiesen und aus dem Land gejagt, wie den Lykurgus, Theseus, Solon, Aristides, Themistokles und mehrere Andere, welche ihr Vaterland fliehen und anderswo in fremden Landen ihr Leben verzehren und beschließen müssen – daß Einer derselben, und ohne Zweifel, wie die Sache selbst zeugt, nicht der geringste und schlechteste, in den gemeldeten Landesstrich gekommen, sich daselbst mit Weib und Kindern angesiedelt und solche nach seinem Ableben hinterlassen habe.

An diesen Kindern ist wahr geworden, was oben und sonst in einem andern Sprichwort gemeldet wird, welches also lautet:

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm,
Und wie der Widder ist das Lamm –

Denn sie schlugen ihrem Vater nach, an Weisheit und Verstand, und wollten deßhalb, wie einmal Gebrannte das Feuer scheuen, als Kinder, die mit fremdem Schaden klug und witzig geworden, der Griechen Undankbarkeit, um deren Willen sie Fremdlinge worden, nicht noch einmal erfahren. Darum wurden sie zu Rath, in selbigem Lande zu verbleiben, gewisse und stete Wohnung zu nehmen, sich der Feld-Arbeit und Viehzucht zu ergeben, damit vorlieb zu nehmen und sich mit fremden Geschäften gar nicht, oder ja so wenig als möglich, zu beladen.

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.