Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 19
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Achtzehntes Kapitel

Wie der Schultheiß zu Schilde ins Bad ging und was sich mit ihm zutrug.

Die Ehr und Würde des Schultheißenamts that dem Sauhirten so wohl, daß er sich stets damit kitzelte und wohl zehnmal in einer Stunde zu einer Frau sagte: »Gelt, Frau, es ist mir einmal gerathen.« Nun gedachte er wohl, er müßte nothwendigerweise den Sauschweiß, Staub und Unflat von sich abwischen, und weil er einen neuen Stand an sich genommen, sich auch mit Gebehrden, Reden, Kleidung u.s.w. in den Handel schicken. Darum wollte er alsobald am Samstag in die Stadt ins Bad gehen und als ihm unterweg ein Anderer, welcher vor etlichen Jahren die Säue mit ihm gehütet, begegnete und ihn ohne zu wissen, daß es der Schultheiß wäre, als einen alten Sauhirten und guten Gesellen dauzte, sagte der Schultheiß zu ihm: »Du sollst uns jetzunder nicht mehr dauzen, denn wir sind nicht mehr, der wir zuvor waren, wir sind jetzunder unser Herr der Schultheiß zu Schilde.« – »Potz tausend Teufel!« sagte der Andere, »das hab ich nicht gewußt, mein Herr Schultheiß, verzeihet mir. Glück zu in eurem Regiment gegen eure Unterthanen.« – »Hab Dank!« sagte mein Herr, der Schultheiß. »Es ist ein ungezogenes Volk um die zu Schilde. Die andern Schultheißen, unsere Vorfahren im Ehrenregiment, haben sie machen lassen, was sie nur immer gewollt, wodurch viel Unordnung eingeschlichen. Die müssen wir jetzunder wenden, mit so großer Mühe und Arbeit, daß wir nicht schlafen können und uns der Kopf darüber zerbricht. Aber wir wollen eine Ordnung unter sie bringen, oder nicht ihr Amtmann sein.«

Also zog mein Herr Schultheiß fort und kam ins Bad. Daselbst stellte er sich gar witzig, saß in sehr schweren, tiefen Gedanken, zählte bisweilen seine Finger ab, redete mit sich selbst und sonst mit Niemand, also daß sich die, welche ihn zuvor gekannt, über solche jähe Veränderung verwunderten und vermeinten, er wäre vielleicht melancholisch, denn sie wußten nicht, daß er Schultheiß wäre und ihm die Ehre so weh thäte. Indessen fragte er Einen, der zunächst bei ihm saß: ob dieses die Bank sei, auf welcher die Herren zu sitzen pflegten? Der antwortete »Ja.« – »Wie hab ichs denn so fein getroffen,« sagte der Schultheiß; »ich glaube wahrhaftig, die Bank hat mirs angerochen, daß ich zu Schilde Schultheiß sei.«

Wie er nun lange also sitzt und tapfer schwitzt, so kommt der Bader zu ihm und sagt: »Guter Freund, habt ihr den Kopf gewaschen und euch reiben und kratzen lassen, so sagt es; ist es nicht geschehen, so will ich Lauge herholen und euch ausreiben.« Der Schultheiß, der in tiefen Gedanken geschwitzt hatte, antwortete: »Lieber Bader, ich weiß wahrlich nicht eigentlich, ob ich gewaschen und gerieben bin oder nicht; denn unser Einer hat so viel zu sinnen, zu gedenken und zu trachten, damit das gemeine Wohl nicht Schaden leide und Recht und Gericht gehandhabt und gefördert werden, daß wir solcher schlechten Sachen nicht wahr nehmen, und sonderlich ich, der ich dabei sinnen muß, wie ich dem Kaiser reimweis antworte. Denn versteh mich recht, ich bin der Schultheiß von Schilde.« Über solche seine Rede, die doch sein bitterer Ernst gewesen, fingen Alle, die im Bade waren, an wie die andern Narren zu lachen; ließen ihn jedoch bei seinen Ehren bleiben und noch eins darauf schwitzen.

 << Kapitel 18  Kapitel 20 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.