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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 16
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfzehntes Kapitel

Wie etliches Vieh auf den Salzacker kam, und der Bannwart selbiges davon getrieben hat.

Ich weiß bei St. Velten nicht, wie es der lose Tropf von Bannwart übersehen mochte, daß eines Tages viel fremdes unvernünftiges Vieh auf den so wohlbebauten und besäeten Salzacker gekommen ist, und denselben so sehr geschändet und so häßlich zertreten hat, daß es Schade war, sowohl um das herrliche Salz, das daselbst verdorben wurde, als auch um das, welches noch hätte wachsen sollen. Der Bannwart, der lose Tropf, wußte wohl, was ihm des Ackers wegen befohlen und auferlegt war, und wie hoch er das zu befolgen verheißen hatte; er sah den Schaden und fürchtete doch, der lose Tropf, weil ohnedies das Vieh schon allzuviel Schaden gethan hatte, sollte er es erst noch daraus treiben, so würde er, der lose Tropf, das heranwachsende Salz noch mehr beschädigen und verwüsten.

Darum ging er in großem Unmuth, zum Theil wegen der Gefahr, die er selber dabei lief, zum Theil wegen des augenscheinlich wachsenden, verderblichen gemeinen Schadens heim gen Schilde, und zeigte solches dem Schultheißen und der ganzen löblichen Gemeinde an. Diese wußten ebenfalls nicht, wie der Sache zu rathen und zu helfen wäre, trugen also den Handel öffentlich vor und hielten Umfrage, was zu thun sey, damit nur dem Salz nicht noch mehr Schaden geschähe, und dennoch der Bannwart, welcher in so gefährlicher Sache für sich selbst nichts unternehmen wollen, um sich nicht noch ferner zu vergreifen, das lose Vieh hinaustriebe. Denn die mit den Blaseröhren durften nicht wehren, weil es nicht Vögel waren, sondern ander Vieh, wovon ihnen nichts befohlen war.

Als nun diese wichtige Frage lange Zeit hin und hergeworfelt und nach allen Seiten, überzwerch, vor sich, hinter sich, über sich, nieder sich, in die Breite, Länge und Schmäle, krumm und gerade, eben und uneben erwogen worden, und man sich so lange darüber berathen hatte, daß ihnen die Köpfe schier zerbrochen wären, ward zuletzt befunden und einhellig beschlossen und ausgesprochen: Es sollten ihrer vier vor dem Gericht, vor welchen die Thiere sich vielleicht mehr als vor geringen Leuten scheuen würden, den Bannwart auf eine Hürde setzen, ihm eine lange Ruthe oder Gerte in die Hand geben, und ihn dann zu dem leidigen, losen Vieh in dem Salzacker herumtragen, bis er es herausgetrieben hätte; er aber, der Bannwart, sollte nicht auf den Acker gehen, damit durch ihn nicht selbst Schaden geschehe, welchen er vielmehr abzuwenden geschworen hätte. Solchen gnädigen Bescheides war der Bannwart wohl zufrieden, ließ sich auf der Hürde nicht anders als der Papst zu Rom, dem er sich diesmal schier gleich schätzte, herumtragen, bis er das lose, leidige Vieh von dem Salzacker getrieben. Wenn ich Bannwart gewesen wäre, so hätte ich mögen leiden, daß es durch das ganze Jahr alle Tage auf's wenigste nur zweimal geschehen wäre.

Also geschah dem heranwachsenden Salz von den Vieren, welche den Bannwart trugen, kein Schaden, denn sie waren Mitglieder des Gerichts und wußten mit ihren Drachenfüßen so subtil einherzutreten, daß durch sie, denen der gemeine Nutz dazu viel zu sehr am Herzen lag, nichts beschädigt werden konnte.

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