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Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 14
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dreizehntes Kapitel

Wie die Schildbürger in ihrer Rathsstube das Eingeweide gemacht und des Stubenofens vergessen haben.

Nachdem sie der großen Last wegen der Fenster entledigt waren und nun ein Jeder sein eigen fein gut Loch hatte, fingen sie an, das Eingeweide des Hauses zu machen und die Gemächer einzuschlagen. Unter anderen Gemächern machten sie sonderlich drei Stuben, die Witzstube, Schwitzstube und Bedenkstube, welche zuvörderst mußten ausgebaut sein, damit die Schildbürger nicht gehindert würden, wenn sie von wichtigen Dingen rathschlagen sollten. Also ward das ganze dreieckige Rathhaus aufs Vortheilhafteste, wie sie meinten, ausgebaut und nachmals in aller Narren Ehre eingeweiht.

Als sie aber nachher, da es kalt geworden, einen Rathstag hatten und Gericht halten wollten (wozu ihnen dann der Kuhhirt mit seinem Horn die Losung gegeben, und Jeder, damit der gemeine Nutz nicht beschwert würde, ein Scheit Holz, die Stube zu wärmen, mitgebracht hatte), siehe zu, da hatten sie des Ofens vergessen, auch nicht Raum gelassen, wo man einen hinsetzen könnte. Ob solchem Handel erschraken sie abermals bei sich selbst heftig, mehr denn über alle Maßen, ganz grausam sehr und sprachen unter sich selber also: »Sollen wir elende Eselsköpfe denn keinen Fortgang noch Glück zu unserm neuen Bau haben? Wo setzen wir jetzund den Ofen hin? Nun stehen wir hier wie die Ochsen am Berge. Und aber, wo sollen wir mit dem Ofen hin?«

Also zogen sie den Handel in Bedenken und Erwägung, wobei mancherlei Meinungen fielen. Einige riethen, man sollte ihn hinter die Thür setzen, weil er da am wenigsten stören würde. Das wollte aber den Andern nicht gefallen, denn Schultheiß mußte hinterm Ofen seinen Sitz haben, und es wäre spöttisch gewesen, wenn er hinter der Thür gesessen hätte. Zuletzt, nachdem sie die Sache lange hin und her gewogen und alle Plätze besehn und bedacht hatten rieth endlich Einer, man sollte den Ofen vors Fenster hinaus setzen und ihn zur Stube hineingucken lassen, wobei er hinzu fügte, wenn es zu Zeiten Noth thäte, könnte er bei Abzählung der Stimmen auch mitgerechnet werden, denn rede er auch nichts zur Sache, so sei er doch nicht dawider, und wenn der Schultheiß am nächsten beim Ofen sitzen müsse, damit ihm seine Weisheit nicht erfriere, so könnte man ihm ja den nächsten Ort dabei einräumen. Diesem Rath ward von allen Bänken her einhelliglich Beifall gegeben. Doch sagte ein alter Aber-Mann unter ihnen, welcher länger Narr gewesen als die andern, aus lauter Witz, dessen er so voll gesteckt, wie ein Esel voll Winden: »Aber«, sprach er, »ich will der Stiege geschweigen, welche aber unbequem zum Ofen zu machen sein würde; aber dies gehe hin; aber die Hitze, welche aber sonst in die Stube gehört, wird aber alle ins Freie hinausgehen, da sie aber in die Stube gehen und aber also zu Nutz kommen sollte; welches aber besser wäre, als wenn sie aber verloren würde.«

»Du gehst in den Aberwitz, wie man spricht,« sagte ein Anderer darauf zu dem Aber-Narren, »eben als gehe, wie man spricht, die Hitze, welche, wie man sprechen möchte, in der Küche zum Ofenloch ausschlägt, auch in die Stube, möchte man sprechen. Du meinst wohl Ja, möchte man sprechen, ich aber meine Nein, wie man spricht: nicht in die Stube, sondern neben sie, wie man sprechen möchte. Damit aber, wie man spricht, nichts verloren gehe, wie man spricht, und du deßhalb ohne Sorge seist, wie man spricht, so habe ich daheim ein altes Hasengarn, wie man sprechen möchte: das will ich der ganzen Gemeinde zum Besten geben, wie man spricht, meiner dabei zu gedenken, wie man spricht, das wollen wir vor das Ofenthürlein henken, wie man spricht, die Hitz in den Ofen einzuschränken, wie man sprechen möchte. Wir haben also dessentwegen, wie man spricht, nichts Arges zu besorgen; sondern gelt, mein lieber Nachbar, wie man spricht, wir wollen dabei tapfer sieden und braten, wie man spricht, und die Äpfel in den Kacheln umkehren, wie man sprechen möchte.«

Für diesen wohlbeschlagenen Rath ward der Schildbürger hoch gepriesen und für seine Freigebigkeit, mit Anerbietung alles Guten, höchlich bedankt; auch ward ihm und allen seinen Nachkommen der nächste Sitz hinterm Ofen bei den Apfelkacheln vergönnt. Also ward zuletzt der ganze Handel beschlossen, der Ofen gemacht, hiemit das Rathhaus vollendet und aufs Neue mit Narren besetzt. O wie hab ich so übel gefürchtet, man nähme mich auch hinein und gäbe mir ein Narren-Amt; denn Jedermann sagt, ich sei nicht verderbt zu solchem Ehrendienst.

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