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Die Reiseschatten

Justinus Kerner: Die Reiseschatten - Kapitel 14
Quellenangabe
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typedrama
authorJustinus Kerner
titleDie Reiseschatten
publisherInsel Verlag
seriesinsel taschenbuch
volume1826
printrunErste Auflage
editorGunter E. Grimm
year1996
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Anmerkungen

Erste Schattenreihe. Zweite Vorstellung

Das Fortissimo, wie das Pianodolce kann auf der Maultrommel auf das herrlichste ausgedrückt werden, und vorzüglich ist dieses Instrument für eigene Phantasien geeignet; geeignet, Ausströmungen eines reinen Gefühls in Tönen besserer Welten darzustellen, wie die Äolsharfe die Gefühle des Frühlings und der gestirnten Nacht. Jeder stille Seufzer, ja ich möchte sagen, jeder Gedanke, jede Sehnsucht ist fähig, dieses Instrument in Bewegung zu setzen, und sich so in Tönen zu verkünden.

Wie die Äolsharfe, hat auch die Maultrommel nur eine gleichgespannte Saite, die stählerne Zunge, und bringt, wie die Äolsharfe, vermittelst dieser so verschiedene Töne hervor. Sie ist, wie diese, das Prisma für die Töne, und unter allen Instrumenten am fähigsten, wenn ich so sagen darf, die Töne sichtbar darzustellen. – Siehe, Jean Pauls Hesperus.

Erste Schattenreihe. Vierte Vorstellung

Unter diesen Schattenbildern, wie unter denen, so ich mit dem Namen Plattisten, Redakteur des schmeckenden Wurms, der Zeitung für Moralität u. s. w. bezeichne, verstehe ich nicht etwa die Herausgeber einer bestimmten Zeitschrift, sondern: der Platten Volk von Hamburg bis nach Schwaben.

Nachspiel der zweiten Schattenreihe

Das Lied: »Mir träumt', ich flög gar bange«, haben die Herausgeber des Wunderhorns in den 2ten Band S. 161 dieser Sammlung aufgenommen.

Es ist, wie sie richtig bemerken, kein gar altes Lied: denn es wurde von Schattenspieler Luchs erst vor vier Jahren gedichtet.

Dritte Schattenreihe. Sechste Vorstellung

Dieses Klagelied eines Hasen ist ein wirkliches Volkslied, und aus den Flugblättern von Reutlingen abgedruckt.

Sechste Schattenreihe. Vierte Vorstellung

Man entdeckte in neuerer Zeit eine Gattung Schwane, die zu den Singvögeln gehört.

Nach meinen akustischen Versuchen an Tieren, besitzt die Gans unter einer großen Reihe von Vögeln wenigstens das am meisten zartfühlende Gehörorgan.

Eilfte Schattenreihe. Erste Vorstellung

So beschreibt ein Schüler Hans Sachsens seinen Meister, und dessen Vaterstadt Nürnberg. Die Herausgeber des Wunderhorns nahmen dieses alte Gedicht, jedoch mit eigenen Zusätzen, in ihre Sammlung auf.

Eilfte Schattenreihe. Dritte Vorstellung

Diese Ballade ist, wie sie gewöhnlich in Schwaben vom Volke gesungen wird, hier aufgenommen. Das Wunderhorn gibt sie nicht vollständig.

Die vier letzte Strophen hier sind, wie leicht zu ersehen, ein neuer Zusatz.

Eilfte Schattenreihe. Vierte Vorstellung

»Der lieben Dummheit muß hiebei bemerkt werden, daß dies ein Scherz, wenn sie weiß, was ein Scherz ist, kein Schimpf gegen Schiller sei.«

Die Verleger mehrerer kritisierender Blätter mögen mir verzeihen, daß ich in den Worten des weißen Mannes den gänzlichen Inhalt ihrer Schriften nachdrucke. –

In der »Ausgabe letzter Hand« von 1841 hat Kerner eine neue »Vorstellung« (XII 4) eingearbeitet, in der sein tatsächliches Leben als geträumte Vorschau erscheint. Hier S. 210f.

... »Schont meiner«, sprach ich, indem ich sie freundlich anblickte. Da umschlang sie mich mit einem Arme; mit der Hand des andern aber fuhr sie mir dreimal sanft über die Augen her, die schlossen sich alsbald wie zum magnetischen Schlafe.

Zwölfte Schattenreihe. Vierte Vorstellung

Ich fühlte mich in einem Ringe, wie von bläulichtem Lichte eingeschlossen. Da war alles um mich eine unaussprechliche Hellheit. Lichte, bunte Bilder, wie die eines Schattenspieles, schwebten an mir vorüber, und eine Stimme erklang aus dem Ringe zu mir: »Siehe da Bilder aus deinem kommenden Leben!«

Dunkle, schwarze Wälder auf hohen Gebirgen zogen vorüber. Jetzt kam ein enges Tal, von wilden Gewässern durchflossen, hellgrüne Waldwiesen, auf die die hohen Gebirge mächtige Schatten warfen. Ein sparsamer Himmel blickte nieder, kein Vogel durchschiffte ihn; aber hundert lebendige himmelblaue Quellen sah ich von den Gebirgen ins Tal eilen. Aus Spalten geborstener Granitfelsen sah ich einen wundersamen warmen Born quellen, in dessen Tiefen ich den Gesang einer Nymphe vernahm. Viele Leidende sah ich zu diesem Heilborn pilgern. Ich sah mich in die rätselhafte Tiefe niedersteigen, sah, wie die Nymphe mich durch geheimnisvolle Werkstätten führte, die ihr Wasser bereiteten. Ich war von ihrer segenreichen Kraft durchdrungen. Die Nymphe erkor mich zu ihrem Priester, ich lauschte ihrem wundersamen Gesänge und verkündigte, was sie in rätselhafter Tiefe sang, den Menschen im Lichte.

Die unterirdische Gegend verschwand; es kamen andere Täler, andere Berghöhen, ein weiterer Himmel, aber immer noch Wälder, stille Hütten auf einsamen Waldwiesen. So sehr auch diese Täler, Wiesen und Hütten wechselten, so hatten sie immer ein und denselben Hintergrund, und das war ein einsamer, kahler Berg, der blickte immer trauernd zu mir her, und so trauernd und einsam, wie er, sah ich mich immer in all diesen Wäldern, Tälern und Waldwiesen stehen und gehen, und eine Stimme hört' ich aus dem Ringe rufen: »Dort stand der Hohenstaufen Haus!«

Aber auf einmal erschien ich mir, lächelnd und fröhlich am Wanderstabe durch die Wälder und Wiesen wallend, neben mir zu Rosse eine zarte weibliche Gestalt, ein blühendes Kind vor sich auf dem Schoße haltend.

Die Wälder verschwanden, der Himmel wurde immer weiter und lichter, und ein gesegnetes Tal voller Berge mit Reben lag vor uns ausgebreitet, und statt des kahlen trauernden Berges im Hintergrunde ein hoher lachender Rebenhügel mit einer Burg. Da hört' ich eine Stimme aus dem Ringe rufen: »Sieh da die Burg der Frauentreue!« Ein kleines, freundliches Haus unter schattigen Bäumen ersah ich an des Berges Fuß, das war von Rebenranken bekränzt, und volle Trauben hingen von ihnen ob seinem Eingange nieder. Unter ihnen sah ich drei Kinder mit Blumen spielen, sie schienen jener weiblichen Gestalt anzugehören, die trat jetzt, Früchte und Kräuter in einem Korbe tragend, ins Häuschen ein und schien sie zu gleichem Geschäfte anzuweisen.

»O du«, hört' ich sie sprechen, »so ist es denn kein Traum! Du bist es, und das sind unsere Kinder! Überschaue hier das Ganze!« Auf einmal sah ich mich da mit ihr auf einem alten Turme im Garten des Hauses stehen, der weit in das Tal hinein sah. »O!« hört' ich mich sagen, »da ist ja das Gemälde wahr geworden, das in meinen Schatten steht, da in der Geschichte von dem Andreas mit der Anna!«.

»O! sag' es mir hier wieder«, hört' ich sie sagen. Da hört' ich mich rezitieren:

»Schaue über die blauen Berge!
Denn dort will ich an den Himmel
Dir ein licht Gemälde malen.

Steigen aus der Näh' und Ferne
Hohe Berge an den Himmel,
Stürzen helle, kühle Quellen
In ein blumigt, grünes Tal.

Stützt der Wanderer im Tale
Auf den Stab sich, einzuatmen
Jugend, Freiheit, Liebe, Kraft.

Steht gelehnt an einen Felsen,
Unter Laub und Rebenblüte,
Dort ein kleines Haus verborgen;
Steh' ich vor dem kleinen Haus,

Kommt vom Bache, Kräuter tragend,
Dort ein liebes, junges Wesen,
Bist du es – die Meine längst.

Ist kein Lauscher mehr zu fürchten,
Drück' ich dich, du süßes Wesen!
An ein treues Herz voll Liebe,
Offen vor des Himmels Aug'.

Aber weh! o wehe Mädchen!
Siehst du dort nicht jenen Raben?
Ächzend fliegt er durch den Himmel
Und verlöscht mit schwarzem Fittich
Mein Gemälde, weh! o weh!«

In weiter Ferne bewegte sich am Horizonte etwas wie ein schwarzer Punkt. »Es ist sonderbar«, hört' ich mich sagen, »da kommt ja auch wirklich der Rabe.« Der Punkt wurde immer größer und größer, es war etwas, wie von weiten schwarzen Flügeln getragen. »Mich schaudert«, hört' ich sie sagen, »das ist kein Rabe.« Da kam es immer näher und näher, man sah und hörte das Flattern schwarzer Tücher. »Weh!« hört' ich sie rufen, – »das ist ein Sarg!« und ich erwachte.

Fünfte Vorstellung

Die Nacht war da; ich stand allein in dem verlassenen Garten. Schauer ergriff mich, und eilend sprang ich durch die dunklen Laubgänge ins Freie. Ein zahlloses Heer von Sternen ging durch den Himmel, und ich fühlte mich nicht mehr allein. Ich dachte dem fremden Mädchen nach und der Worte, welche es zu mir gesprochen. Der Sterbetage, die es mir gesagt, konnt' ich mich durchaus nicht mehr erinnern, aber noch immer zogen jene magnetischen Traumbilder an mir licht vorüber; doch war das Mädchen mir jetzt furchtbar und unheimlich geworden.

Im Nachdenken über das Vergangene verloren, kehrte ich gegen die Stadt zurück.

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