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Die Regulatoren in Arkansas

Friedrich Gerstäcker: Die Regulatoren in Arkansas - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Regulatoren in Arkansas
authorFriedrich Gerstäcker
year1986
publisherVerlag Neues Leben
addressBerlin
isbn3-355-00206-2
titleDie Regulatoren in Arkansas
pages3
created20010902
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1845
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20. Rowson bei Roberts – Assowaum

Fast drei Wochen waren seit jenem Abend, an welchem Brown von Marion Abschied genommen, verflossen. Er hatte sich damals geschworen, sie nie wieder aufzusuchen – und seinen Schwur treu und fest gehalten. Was er aber in jener Zeit gelitten, wie er mit sich gerungen, wußte nur er, und sein Gesicht war bleich geworden, seine Augen hatten den früheren Glanz verloren. Nichts würde ihn auch bewogen haben, länger in dieser Gegend zu verweilen. Ehe er aber ging, wollte er wenigstens in den Augen der Welt seinen guten Namen hergestellt wissen, daß kein Makel auf ihm haftete, keine giftige Zunge mit verleumderischer Nachrede ihn beflecken konnte. Marion hielt ihn eines solchen Verbrechens nicht für fähig, davon war er überzeugt, aber auch seine Freunde in Arkansas sollten das nicht, und so beliebt er bei ihnen sein mochte, hielten ihn doch jetzt noch viele für den wirklichen Täter. Ja, sie entschuldigten ihn noch dabei, fanden den Mord als Notwehr völlig gerechtfertigt und zuckten nur mit den Achseln, wenn die Sprache auf das Geld kam. »Es hätte dem Toten auch weiter keinen Nutzen bringen können, wenn er das gute Geld mit in den Strom genommen.«

Der wirkliche Täter mußte deshalb entdeckt und bestraft, auch die Indianerin gerächt sein, dann wollte er dieses Land verlassen.

Und was empfand Marion indessen für den Freund, den sie so nahe und doch wieder so fern wußte? Marion fühlte, daß sie ihre Pflicht tat, und in diesem Gedanken fand sie Beruhigung in ihrem sonst sicher großen Gram. Rowson hatte ihr Wort; zwar kannte sie damals, als sie es gab, den Mann noch nicht, bei dessen Anblick sie erst empfinden sollte, was Liebe eigentlich sei; aber das Wort war gegeben, freiwillig, ohne Zwang, und sie durfte nicht zurücktreten. –

Es war wieder ein Freitag, gerade vierzehn Tage nach jenem entsetzlichen Abend, an welchem die arme Indianerin dem feigen Mörder zum Opfer fiel; die Sonne stand noch über den maigrün schimmernden Wipfeln der herrlichen Baumgruppen, die sich an der Grenze des kleines Feldes dicht zusammendrängten.

Vor und in dem Farmhaus des alten Roberts herrschte ein reges, freudiges Leben. Marion stand, mit einem kleinen Korb am Arm, unter einer flatternden und gackernden Schar von Hühnern, Enten und Gänsen und streute weit hinaus in den reinlichen Hof die goldenen Maiskörner; draußen an der niedern Fenz aber stürmte ein ganzes Rudel grunzender und tobender Ferkel auf und ab und suchte vergebens in wilder Hast einen Eingang, um an dem freigebigen Mahl teilzunehmen. Die Mutter saß dabei und schaute lächelnd dem lebendigen Treiben zu, als Marion plötzlich einen leisen Schrei ausstieß und den leeren Korb, den sie eben zum Hause zurücktragen wollte, fallenließ.

An der Fenz stand Rowson und winkte ihr mit freundlich lächelndem Gesicht einen Gruß herüber. Er hatte seine Geschäfte beendet und war gekommen, um seine Braut heimzuführen.

»Was ist dir?« rief im ersten Moment erschrocken die Matrone, bemerkte aber auch zu gleicher Zeit den lange und sehnsüchtig Erwarteten und sagte, ihm freundlich die Hand entgegenstreckend: »Nun, das ist schön, Mr. Rowson, sehr schön von Ihnen, daß Sie endlich wieder da sind. Wir haben Sie recht sehnsüchtig erwartet.«

»Marion auch?« fragte der Prediger lächelnd, indem er, über die niedere Fenz steigend, die Hand des errötenden Mädchens ergriff, »Marion auch?«

»Ich freue mich, Sie gesund und wohl wiederzusehen«, flüsterte das Mädchen, »Sie wissen ja, daß Sie uns stets willkommen sind.«

»In Ihrem Hause – aber auch in Ihrem Herzen, Marion?« fragte Rowson dringend. Das Mädchen zitterte und schwieg. »Marion«, fuhr der Prediger nach einer Pause fort, »der Segen des Himmels ist auf meinem jetzigen Zug mit mir gewesen. Ich bin nun wohlhabend genug, um mir hier in unsern bescheidenen Verhältnissen eine Heimat gründen zu können. Marion, willst du mein sein, willst du am nächsten Sonntag, am Tage des Herrn, mein Weib werden?«

»Ja«, sagte die Mutter gerührt und zog das Mädchen an ihre Brust, »ja, ehrwürdiger Herr, sie hat es mir schon gestanden, daß sie Euch gut sei, und das übrige findet sich alles. Ihr werdet sie sicherlich glücklich machen.«

»Was in meinen Kräften, in den Kräften eines armen sündigen Menschen steht«, erwiderte der Prediger, indem er die Augen fromm zum Himmel erhob, »werde ich tun. Ich glaube auch gewiß, daß Marion fest davon überzeugt ist; darf ich es wenigstens hoffen?«

Das schöne Mädchen reichte ihm stumm sie Hand, die er an seine Lippen drückte.

»Hallo, Rowson!' rief der alte Roberts, der in diesem Augenblick neben der Fenz erschien. »Ihr habt Wort gehalten. Nun, wie stehn die Geschäfte?«

»Vortrefflich, Mr. Roberts!« antwortete der Prediger, »besser sogar, als ich erwartet hatte, und ich komme nun, Euch um Euren Segen zu der Verbindung mit Eurer Tochter, und zwar zum nächsten Sonntag, zu bitten.«

»Wird das dem Mädchen aber nicht zu unerwartet und schnell kommen?« fragte Roberts, indem er sein Pferd dem Negerjungen übergab und, die Fenz übersteigend, zu ihnen trat.

»Sie ist damit einverstanden«, sagte die Mutter, »was brauchen wir auch hier im Walde große Vorbereitungen? Wie aber ist's mit Ihrer Wohnung, Mr. Rowson?«

»Ich wollte Sie beide gerade bitten«, sagte der Prediger, »diese morgen früh, wenn Sie mir ein paar Stündchen Zeit schenken können, in Augenschein zu nehmen. Sie ist zwar noch klein und beengt, ich werde aber wahrscheinlich in dieser Woche mit Atkins handelseinig werden und dessen Anwesen kaufen; nachher haben wir mehr Platz.«

»Wäre es denn aber gerade darum nicht besser«, meinte Roberts, »Ihr wartet noch mit der Heirat, bis das geschehen ist? Es ersparte viel Umstände beim Ausziehen und – ist auch dem Mädchen sicherlich lieber, gleich in eine kleine Farm, als bloß in eine Blockhütte einzuziehen.«

»Das ist allerdings nicht zu leugnen«, erwiderte Rowson, »aber es ist noch unbestimmt, wann Atkins fortzieht, es können vier, ja vielleicht sogar acht Wochen darüber hingehen, und, bester Mr. Roberts, Sie werden es mir nicht verdenken können, wenn ich mich jetzt, nach Beseitigung so vieler Hindernisse, sehne, Marion die Meine zu nennen.«

»Nun, in Gottes Namen«, sagte der alte Mann, »nehmt sie hin und seid glücklich miteinander.«

»Dank – herzlichen Dank!« rief Rowson, gerührt seine Hand ergreifend, »Marion soll nie bereuen, mir ihr künftiges Schicksal anvertraut zu haben. Doch jetzt lebt wohl, ihr lieben Eltern, erlaubt, daß ich euch so nennen darf, und bald...«

»Aber wollen Sie denn nicht lieber heut abend bei uns zubringen?« fragte Mrs. Roberts, »Sie sind so lange fort gewesen, und es ist eigentlich nicht recht, die Braut fortwährend allein zu lassen.«

»Die Zeit ist kurz, meine gute Mrs. Roberts«, seufzte Rowson, »und hier in unserer Ansiedlung, wo die Nachbarn so weit voneinander entfernt wohnen, vergeht, mit nur wenigen Besorgungen, ein Tag ungemein geschwind. Ich hoffe aber bis morgen abend alles beendet zu haben und dann wenigstens noch die letzten Stunden vor dem glücklichen Tag in Ihrer Gesellschaft, in der Gesellschaft meiner Braut verbringen zu können.«

»Gut – gut, Mr. Rowson«, sagte der Alte, »das ist ganz in der Ordnung. Sie sind jetzt eine Woche von zu Hause fort gewesen, da ist natürlich viel zu erledigen; also morgen abend sehen wir uns wieder – apropos – es bleibt doch dabei, daß wir am Montag zusammen zu Atkins gehen?«

»Sicherlich«, sagte der Prediger.

»Nun gut«, fuhr Roberts fort, »ich habe schon heut abend Brown darum gebeten, uns anzumelden; der kommt morgen früh dort vorbei, um der Regulatorenversammlung beizuwohnen, die bei Bowitts gehalten werden soll.«

»Mir wurde gesagt, die Regulatoren hätten sich aufgelöst«, sagte Rowson etwas eifriger, als sich sonst mit seinem ruhigen, gesetzten Benehmen vertrug. »Auf meiner Reise hört' ich das als ganz bestimmt.«

»Nicht doch – es soll jetzt erst recht losgehen. Ich glaube, sie haben Verdacht auf mehrere Personen der Nachbarschaft, und da wollen sie wohl morgen miteinander beraten, was jetzt, da die Zeiten doch einmal so gefährlich...«

»Wäre es nicht möglich, dieser Versammlung einmal beiwohnen zu können?« unterbrach ihn Rowson.

»Warum nicht«, meinte Roberts lächelnd, »dann müssen Sie aber Regulator werden, und meines Wissens haben Sie bis jetzt dagegen geeifert.«

»Den Regulatoren täte ein Mann not«, sagte Rowson schnell gefaßt, »der ihren zu stürmischen Eifer manchmal zügelte und sie von Exzessen, wie zum Beispiel die in White County, zurückhielte. In diesem Sinne würde ich es selbst mit meiner Stellung nicht unvereinbar finden, mich ihnen anzuschließen.«

Roberts sah ihn forschend an, und Rowson fuhr leicht errötend fort: »Sie glauben, daß ich in so kurzer Zeit meine Meinung geändert habe? Nein, wahrlich nicht, ich halte die Versammlung der Regulatoren noch immer für unrecht, weil sie ungesetzlich ist...«

»Aber?« fragte Roberts, als jener stockte.

»Nun, du hast es ja schon gehört!« rief Mrs. Roberts ärgerlich, »der gute Mr. Rowson hat ganz recht. Das junge Volk tobt da toll und wild in den Tag hinein; ich sage ja gar nicht, daß sie's böse meinen, aber sie glauben recht zu handeln und üben dann vielleicht manchmal das größte, schreiendste Unrecht aus und ich, an Mr. Rowsons Stelle...«

»Es wird niemand in den Verein aufgenommen«, unterbrach Roberts seine Frau, den Prediger dabei fortwährend ansehend, »der nicht auch tätigen Anteil nimmt. Ich glaube nicht, daß die Regulatoren einen Ratgeber, wenn sie auch dessen bedürfen sollten, dulden werden.«

»Es kommt auf einen Versuch an!« rief Rowson, der jetzt seine Geistesgegenwart wiedererlangt hatte. »Ich werde mich morgen, wenn es mir irgend möglich ist, dort einfinden und nicht eher gehen, bis sie mich fortweisen; ich habe dann meine Schuldigkeit getan – mehr kann selbst Gott nicht verlangen.«

»Brav«, sagte Roberts, ihm die Hand treuherzig schüttelnd, »brav gesprochen. Es freut mich, wenn ich sehe, wie ein Mann seinen Grundsätzen treu bleibt.«

»Wer ist jetzt ihr Anführer?«

»Brown – wenigstens für den Fourche la fave.«

»Der ist dann wenigstens seinen Grundsätzen nicht treu geblieben«, entgegnete der Prediger, indem er zu dem alten Mann aufsah; »ich erinnere mich noch recht gut der Worte, die er hier an dieser selben Stelle über ebendiese Verbindung äußerte.«

»Das ist etwas anderes«, erwiderte ernsthaft der alte Farmer. »Brown sah sich halb und halb dazu gezwungen, an dieser Verbindung tätigen Anteil zu nehmen, da sein eigener guter Name auf dem Spiel stand. Er war als Mörder förmlich angeklagt, und sein einziges Streben ist jetzt, den wirklichen Mörder Heathcotts herauszubekommen. Er hatte zwar den Streit mit ihm, denn Heathcott war überhaupt etwas rauher Natur, und ich weiß mich noch recht gut zu erinnern...«

»Ich glaubte, die Hauptabsicht der Regulatoren beschränkte sich auf die Entdeckung der Pferdediebe«, sagte Rowson, leicht erbleichend.

»Nur teilweise, doch wenn Ihr morgen der Versammlung beiwohnt, werdet Ihr das alles hören. Jetzt gilt es, soviel ich erfahren habe, die Verdächtigen anzugreifen, um von diesen, wenn sie auch wirklich nicht die Täter sind, wenigstens auf deren Spur gebracht zu werden.«

»Wenn sie nur den schändlichen Mörder der armen Indianerin entdeckten«, sagte Mrs. Roberts. »Oh, Mr. Rowson, Sie glauben gar nicht, wie ich schon deshalb gebetet habe! Die Frau war so fromm und gut und hing mit einer solchen Ehrfurcht an Ihnen. Ach, wie oft habe ich sie während Ihrer Predigten weinen sehen – und nun so jung und auf solche Art sterben zu müssen.«

»Ja, es ist schrecklich!« sagte Rowson, selbst tief erschüttert, freilich um einer andern Ursache willen. »Doch, meine Freunde, ich muß wirklich fort, also gute Nacht für heute. – Gute Nacht, Marion – wo ist das Mädchen?«

»Marion Kind! – so komm, doch her!« rief die Mutter, »Mr. Rowson will dir gute Nacht...«

»Laßt sie bleiben, verehrte Freundin«, sagte der Prediger abwehrend, »das Herz ist ihr voll, und sie wird sich mit ihrem Gott unterhalten. Morgen hoffe ich sie recht froh und heiter anzutreffen.«

Damit winkte er beiden noch einen herzlichen Gruß zu, bestieg sein kleines Pony und trabte fort, in den jetzt dämmernden Wald hinein.

»Mutter, was ist mit dem Mädchen eigentlich?« fragte Roberts, als Rowson sich entfernt hatte, »sie kommt mir so sonderbar vor. Ich will doch nicht hoffen, daß sie zur Heirat mit diesem Mann gezwungen wird?«

»Närrischer Mensch, wer sollte sie denn zwingen?« beruhigte ihn die Matrone. »Sie ist nur noch ein halbes Kind, und da beträgt sie sich ängstlich und wunderlich; mag ihr auch wohl schwer genug ankommen, die Eltern zu verlassen. Nun, an dieses Mannes Seite...«

»Ja, schon gut«, sagte Roberts, den Sporn abschnallend und ihn außen am Haus unter einem kleinen Vorbau neben Sattel und Zaum hängend, »schon gut, das hab' ich schon oft gehört!«

»Du hast keine Vorliebe für den frommen Mann.«

»Nein – Vorliebe nicht; ich sehe nicht ein, warum unser Kind mit ihm gerade so viel glücklicher werden sollte als mit jedem andern. Ein echter braver Kerl mit einem guten Herzen, und der – etwas mehr ein Mann wäre, würde mir, aufrichtig gesagt, ebenso willkommen gewesen sein, vielleicht noch willkommener, doch – wie Gott will. Ihr Frauen seid damit einverstanden, und ich habe weiter nichts dabei zu tun, als ja zu sagen. Einen Anfang hat er, um eine kleine Farm zu beginnen, und ein fleißiger Mann wird dabei in Arkansas nicht zugrunde gehen.«

Rowsons treuherziges Benehmen hatte den Alten wieder ganz für sich gewonnen, denn selbst so recht von Herzen gut und brav, traute er auch anderen nicht leicht etwas Schlechtes zu, warum also gerade dem, der in der ganzen Ansiedlung als ein so frommer und gottesfürchtiger Mann bekannt war. Durchkreuzte auch wirklich manchmal ein dunkler Verdacht sein Hirn, so wurde er sich entweder selbst nicht recht klar darüber, oder er verwarf ihn augenblicklich wieder.

Wie waren aber indessen die Gefühle des Predigers, der langsam durch den schattig-dunklen Wald dahinritt? Weit genug von dem Haus entfernt, damit er von dort aus nicht mehr gesehen werden konnte, stieg er von seinem Pferd, nahm es am Zügel und schritt ernst und in tiefen Gedanken versunken auf der schmalen Straße hin, die sich durch den Wald schlängelte. Endlich blieb er stehen und sagte halblaut vor sich hinmurmelnd:

»Es wird mir fast zu heiß hier in Arkansas – der Teufel kann einmal seine Hand im Spiel haben und durch irgendeinen Zufall Dinge an das Licht bringen, die meinem guten Ruf in dieser Gegend gerade nicht förderlich sein würden. Ich muß fort – und das sobald als möglich – Atkins mag sehen, wie er seine Farm verkauft, ich will mich nicht hier fesseln, daß ich nachher, wenn alle anderen ihren Rücken gedeckt haben, allein der Rache jener kläffenden Hunde preisgegeben bin. Nein! – Zwar ist der Indianer verschwunden«, fuhr er nach einer Weile fort, »und ohne den möcht' es ihnen doch schwer werden, irgend etwas – ich weiß wirklich nicht einmal, wie es mit dessen Hilfe möglich ist – das Federmesser...«

Das Pferd spitzte die Ohren, und plötzlich trat der Indianer aus dem Dickicht und schritt leise grüßend an ihm vorüber.

»Assowaum!« rief Rowson erschrocken, »Assowaum – wo – wo waret Ihr so lange? – Wir haben Euch in der Ansiedlung vermißt.«

»Der blasse Mann ist ja ebenfalls fern gewesen«, erwiderte der Indianer, den Prediger fest ansehend, »Assowaum kehrt zu dem Grabe seines Weibes zurück.«

»Und hast du noch nichts von dem Mörder entdeckt?«

»Nein!« antwortete der Indianer mit tonloser Stimme, »noch nicht – der Große Geist hat dem heiligen Vogel gewehrt, mir den Namen des Verräters in das Ohr zu flüstern. Assowaum hat deshalb mit dem Geiste seines Volkes an einer Stelle gesprochen, die noch von keines Weißen Fuß entweiht wurde. Er harrt jetzt der Stimme seines Manitu.«

»Möge er dir günstig sein«, sagte der Prediger, ganz seinen früheren Abscheu gegen den Götzendienst des Indianers vergessend. Dieser aber schritt grüßend weiter, Rowson schwang sich in seinen Sattel und ritt eilig, als ihn eine Biegung der Straße den Augen des Indianers verbarg, seinem Pony die Hacken in die Seiten bohrend den Weg entlang, daß seine langen braunen Haare in dem frischen Abendwind flatterten, und das Roß, solcher Behandlung ungewöhnt, schäumte und schnaubte, als es mit seinem ungeduldigen Reiter durch das flache Talland dahinbrauste.

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