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Die Regulatoren in Arkansas

Friedrich Gerstäcker: Die Regulatoren in Arkansas - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Regulatoren in Arkansas
authorFriedrich Gerstäcker
year1986
publisherVerlag Neues Leben
addressBerlin
isbn3-355-00206-2
titleDie Regulatoren in Arkansas
pages3
created20010902
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1845
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16. Die Totenwache

Von Mullins Haus bis zu der alten Hütte mochten es etwa vier Meilen in gerader Richtung sein, die Männer aber hatten die Entfernung in außerordentlich kurzer Zeit zurückgelegt, und noch war es nicht ganz dunkel, als sie die kleine »tote Rodung«, wie derartige Plätze in der Landessprache genannt werden, erreichten. Hier hielt Roberts, befestigte sein Pferd, welchem Beispiel sämtliche Gefährten folgten, und schlug Feuer. Es waren sechzehn Männer, aber keiner von ihnen sprach ein Wort, lautlos trugen sie Holz zusammen und fachten eine helle Flamme an, lautlos banden sie mit dünnen Streifen Hickoryrinde ihre langgespaltenen Kienspäne zusammen, lautlos entzündeten sie diese an der Glut, und von Roberts und Wilson geführt, betraten sie klopfenden Herzens den Schreckensort.

Die beiden ersten traten ziemlich bis in die Mitte der Hütte und bis dicht vor den Leichnam der Unglücklichen hin, die hier von Mörderhand gefallen, während die anderen leise nachdrängten und jetzt einen Kreis um das Opfer schlossen, wobei die hoch über den Köpfen gehaltenen Kienfackeln das Ganze schauerlich mit ihrer roten Glut erleuchteten.

»Sie ist ermordet!« sagte endlich Roberts leise.

Die schreckliche Tatsache unterlag auch keinem Zweifel weiter, der Hieb über den Kopf, mit einem schweren amerikanischen Bowiemesser geführt, hätte allein schon genügt, sie zu töten, jener eine Schlag, ohne die drei Stiche mit derselben breiten und gefährlichen Waffe, die dem Lebensquell die Tore geöffnet. Übrigens ging auch schon daraus hervor, daß die erste Wunde die todbringende gewesen, da ihr aus zartgegerbten Fellen bestehender Überwurf nur auf einer Seite von Blut benetzt war, was sich außerdem an keiner andern Stelle der Hütte fand. Nach dem ersten Schlag mußte sie regungslos liegengeblieben sein.

»Hat hier jemand einen Verdacht, durch wen diese Unglückliche ihr Ende gefunden?« fragte Roberts jetzt. Niemand antwortete – endlich sagte Bahrens:

»Es ist nicht möglich, den Menschen ins Herz zu sehen. Diese Indianerin schien mir aber so brav und gut, so gefällig und freundlich zu sein, daß ich nicht begreifen kann, wie und auf welche Art sie sich hier in der Ansiedlung einen Feind gemacht haben sollte. Ich weiß niemanden, den ich für fähig hielte, so Schreckliches zu verüben.«

»Ich auch nicht – wir alle nicht«, war die Antwort.

»Wer hat die Tote zuletzt gesehen?« fragte Wilson jetzt.

»Ich begegnete den beiden, Alapaha und Assowaum, gestern nachmittag auf der andern Seite des Flusses«, erwiderte Pelter; »sie schienen freundlich gegeneinander gesinnt, wer kann aber ergründen, was ein Indianer im Sinne trägt!«

»Assowaum ist unschuldig«, rief Roberts heftig, »ich würde mit meinem Leben für ihn stehen!«

»Weshalb?« fragte da, in der Tür der Hütte, die volle, wohltönende Stimme des Häuptlings, der in diesem Augenblick, von Brown gefolgt, in der Versammlung erschien. Ahnungslos schritt er zur Mitte des Raumes, während ihm die Männer zu beiden Seiten halb scheu, halb mitleidig Platz machten, so daß er das Entsetzliche nicht eher bemerkte, als bis er dicht vor der Leiche seines Weibes stand.

»Wah!« schrie er und sprang wie ein angeschossener Hirsch hoch vom Boden empor, »was ist das?«

»Alapaha!« rief Brown entsetzt, der ihm gefolgt war, »Alapaha – großer Gott! Ermordet!«

»Ermordet?« wiederholte in wildem Ton Assowaum, unwillkürlich das scharfe Skalpiermesser aus dem Gürtel reißend, als müsse er das Herz des Verbrechers finden, der sein Weib erschlagen. »Wer sagt ermordet?«

»Sieht das aus wie Schuld, ihr Männer von Arkansas?« rief Roberts, indem er seine Hand auf die Schulter des Indianers legte und die Freunde fragend anblickte.

»Nein – bei Gott nicht! Der arme Mensch! Schrecklich! Wer war der Täter?« so schallte es von den Lippen der Farmer, während Assowaum mit stierem Blick jeden im Kreise anstarrte, der ein Wort äußerte. Er schien auch für den Augenblick das ganze Bewußtsein seiner Lage verloren zu haben. Da trat Brown neben Roberts und sagte mit leiser Stimme, die aber von jedem gehört werden konnte, während er dabei auf die Leiche deutete:

»Dies ist das zweite Opfer, das innerhalb einer Woche von Mörderhand gefallen. Das Gerücht legte vor meine Tür die erste Blutschuld; ich bin hierhergekommen, um die Anklage zu widerlegen – meine Unschuld zu beweisen. Rein ist mein Herz von so entsetzlicher Schuld, aber der Mörder lebt unter uns.

Vor wenigen Tagen noch war es meine Absicht, diesen Staat zu verlassen und nach Texas zu gehen; sie ist es noch, aber nicht eher, als bis der Mörder entdeckt ist, bis mein Name wieder rein und schuldfrei vor der Welt dasteht. Doch nicht meine Pläne allein, nein, auch meine Ansichten haben sich geändert.

Ihr wißt, Männer von Arkansas, viele von euch wenigstens, die mich näher kannten, daß ich bis jetzt dem Treiben und Wirken der Regulatoren entgegen war; ich hielt ihre Ungesetzlichkeit für einen vollgültigen Grund, sie zu verdammen – ich denke nicht mehr so. Hier zu unseren Füßen liegt ein Wesen ermordet, das harmlos und unschuldig keinen kränkte oder betrübte; wer ist hier, dem sie nicht durch ihr anspruchslos freundliches Wesen gefallen, den sie nicht durch ihre streng gemeinte und gläubige Religiosität, wodurch sie selbst dem Glauben ihres Stammes untreu wurde, gerührt hätte? Sie ist tot – und die Gesetze konnten sie nicht schützen; sie ist tot – und die Gesetze sind zu machtlos, den Mörder zu erreichen und zu bestrafen. Hier aber hebe ich meine Hand empor und schwöre bei dem allmächtigen Gott, daß ich nicht eher ruhen und rasten will, bis ihr Blut, wie das jenes unglücklichen Mannes, gerächt ist, daß ich nicht eher ruhen und rasten will, bis wir die Natternbrut, die sich unter uns eingeschlichen hat, gefunden und ihre Köpfe zertreten haben. Männer von Arkansas, wollt ihr mir beistehen, mit euren Armen und euren Herzen?«

»Ja!« hallte es dumpf und leise durch die niedere Hütte, »ja! So wahr uns Gott helfe!«

»So laßt uns vor allen Dingen den Leichnam zu dem nächsten Hause schaffen; dorthin muß morgen früh jemand den Prediger holen, der ja wohl in der Ansiedlung zu finden sein wird. Wir wollen dann das arme Weib beerdigen.«

Mehrere der jungen Leute begannen dieser Aufforderung zufolge Stangen abzuschlagen und eine rohe Bahre herzurichten. Da trat Assowaum, der bis jetzt schweigend, den Blick auf die Züge seines toten Weibes geheftet, neben der Leiche gestanden hatte, vor, schob die ihm Nächsten mit den Armen sanft hinweg und machte eine Bewegung, als wenn er sie bitten wollte, das Haus zu verlassen.

»Was willst du tun, Assowaum?« fragte Brown.

»Laßt mich allein!« hauchte der Krieger, indem er das Messer, das er noch blank in der Hand trug, wieder in die Scheide zurückschob, »laßt mich allein mit Alapaha – nur diese Nacht.«

»Sollen wir denn nicht...?«

Eine verneinde Bewegung des Indianers drängte sie, seinem Willen zu gehorchen. Schweigend traten die Männer zurück und berieten nun vor dem Eingang der Hütte leise, was zu tun sei.

»Wär's nicht besser, wir lagerten hier draußen?« meinte Bahrens, als sie einen etwas entfernten Platz erreicht hatten, »Assowaum mag die Leichenwache halten, und morgen früh sind wir dann gleich an Ort und Stelle.«

»Wohl wahr«, sagte Brown, »aber Assowaum erzählte mir unterwegs, mein Onkel sei krank, und er habe Alapaha mit Lebensmitteln an ihn abgeschickt. Das unglückliche Weib wurde aber ermordet, der arme kranke Mann liegt also allein und hilflos in seiner Hütte, ich muß spätestens morgen früh dort sein.«

»Wie wäre es denn«, sagte Wilson, »wenn wir jetzt zu Mullins zurückgingen, dort zuerst feststellten, wie sich Rowson befindet und ob er imstande ist, morgen die feierliche Handlung vorzunehmen, und dann vor Tagesanbruch mit einigen Lebensmitteln für den Indianer wiederkehrten? Alapaha bringen wir dann in dem Kanu zu ihrer eigenen Hütte, die dicht neben unserer Wohnung liegt. Es wird auch des Indianers Wunsch sein, die Squaw neben seinem Wigwam beerdigt zu haben.«

»Bei diesem tobenden Wasser können aber nur höchstens vier Personen in dem Kanu sitzen«, sagte Roberts.

»Mehr sollen auch gar nicht darin fahren«, entgegnete Brown. »Von Mullins zu Harper ist es, wenn Ihr von Heinzes aus eine gerade Richtung durch den Wald einschlagt, kaum sechs Meilen, also nur wenig weiter als von hier; Wilson und ich übernehmen daher das Fortschaffen des Indianers und der Leiche, und ihr anderen verfolgt indessen mit dem Prediger den Landweg; wir treffen dann ziemlich zu gleicher Zeit bei meinem Onkel ein.«

»Gut«, sagte Bahrens, »damit bin ich einverstanden. Sollen wir aber jetzt, ehe wir den Platz wieder verlassen, nicht versuchen, die Fährte des Mörders aufzufinden?«

»Das wäre nutzlos«, warf Roberts ein, »der Boden hier ist zu hart und trocken, um etwas unterscheiden zu können, und draußen hat der Regen, der nach Mitternacht in Strömen herabgoß, alles verwischt; wir würden nur unnütz unsere Zeit verschwenden. Nein, der Mörder ist für den Augenblick vor jeder Verfolgung sicher, wer es aber auch sei, er wird unserem rächenden Arm nicht entgehen, und daran sollen uns weder die frommen engherzigen Ermahnungen eines Predigers noch die machtlosen Drohungen eines Gouverneurs hindern.«

»Ich möchte noch einmal zu Assowaum hineingehen«, sagte Brown zögernd.

»Stört ihn heut abend nicht mehr«, bat Roberts, »er hat als Indianer seine eigenen Ansichten und Gefühle, und ich glaube kaum, daß ihm der Anblick eines Weißen, und wäre es der eines Freundes, willkommen ist.«

Die Männer entzündeten ihre größtenteils verlöschten Kienfackeln wieder, bestiegen die Pferde und ritten langsam zu Mullins Haus zurück.

Der dunkle Himmel funkelte in all seiner mitternächtlichen Herrlichkeit, rauschende Lüfte spielten mit den hochragenden Wipfeln der riesigen Bäume und schlugen in abgemessenen Zwischenräumen die gewaltigen girlandenartigen Weinreben an die schlank aufstrebenden Stämme; der Fluß tobte schäumend und brausend dicht an der halbverfallenen Hütte vorbei.

In dem Raum aber, des Rauschens der Wipfel, des murmelnden Brausens der aufgeregten Wasser nicht achtend, saß zu den Füßen seines toten Weibes der Indianer und schaute schweigend und sinnend, wie ihn die Männer verlassen hatten, auf ihr blutiges und doch noch so schönes Antlitz. Das Feuer war ziemlich niedergebrannt, und nur noch manchmal glühte vor dem Erlöschen ein roter Flammenstrahl daraus empor, um die nachfolgende Dunkelheit so viel auffallender und unheimlicher zu machen. Da sprang auf einmal, wie von einer Natter gestochen, der rote Sohn der Wälder empor, mit bebenden Händen warf er, was er an dürren Spänen in der Nähe fand, auf die fast verglommene Glut, fachte diese in zitternder Hast wieder zur neuen Flamme an, wandte sich jetzt zu der Leiche und beobachtete mit ängstlicher Sorgfalt ihre Züge.

Ach! Das ungewiß flackernde Licht hatte ihn getäuscht, ihm war es gewesen, als ob sich die starren Züge wieder belebt, die bleichen Lippen geöffnet hätten. Er konnte sich ja noch nicht zu der Überzeugung zwingen, daß das Weib seines Herzens, seine Alapaha, hier tot – tot zu seinen Füßen liege. Bald erfüllte den Unglücklichen aber nur zu sicher die schreckliche Wahrheit. Alapaha, die Blume der Prärien, war wirklich tot, und die flammenden Späne entfielen der matt und kraftlos niedersinkenden Hand.

Die Wölfe, die in der vorigen Nacht nicht gewagt hatten, in die Hütte einzudringen, näherten sich jetzt, durch Hunger kühner geworden, der Stelle, welche ihre schauerliche Beute enthielt. Scheuchte sie aber schon die Witterung der vielen frischen Fährten zurück, so wurde ihre Furcht noch durch die Nähe eines Menschen vermehrt, und schon umzogen sie heulend in weiten Kreisen das Haus. Assowaum achtete ihrer kaum; er kannte diese Hyänen des Waldes, fürchtete sie aber nicht. Noch einmal schürte er das Feuer an, daß es in hellen Flammen die Wände der Hütte wie mit Tageshelle erleuchtete, und wanderte nun spähend umher und forschte nach Spuren und Zeichen der verübten Tat.

Die Hütte, vor langen Jahren von einem Ansiedler errichtet, der sie bald darauf wieder verließ, war seit dieser Zeit nur höchst selten von einzelnen Jägern bei stürmischem Wetter als Lagerplatz benutzt worden und deshalb gänzlich vernachlässigt und verfallen. Früher hatte auch wohl der erste Besitzer ein kleines Stück Land dicht daneben urbar gemacht und Mais darauf gezogen, jetzt aber nahm kräftig aufwachsendes Unterholz mit seinen engverzweigten Wurzeln den Acker ein, und selbst im Innern der Hütte verrieten einzelne junge Stämme die üppige Vegetation des Bodens, der hier, von Regen und Sonnenschein gleich entfernt gehalten und nur durch die Feuchtigkeit des vorbeiströmenden Flusses genährt, mehrere junge Eichen- und Hickorystämmchen an derselben Stelle emporgetrieben hatte, wo vor noch nicht so langer Zeit Menschen unter schützendem Dache gehaust. Neben einem dieser Schößlinge lag die Leiche; Assowaum suchte jetzt vergebens nach Spuren, die ihm den Mörder hätten verraten können. Der Boden war zu hart, um die Spuren eines Menschenfußes in deutlichen Umrissen bewahrt zu haben, und was sich noch etwa hätte zeigen können, hatten die Männer zertreten. Nur dort, dicht neben dem kleinen Gestell, auf dem Alapaha das von dem Gatten erlegte Hirschfleisch getrocknet – in der zerstreuten Asche – entdeckte er, von den anderen noch nicht zerstört, die teilweise Fußspur eines Mannes.

Assowaum betrachtete sie lange und aufmerksam, es war aber nur der vordere Teil des Fußes, er konnte nicht die ganze Länge erkennen, und dann wieder rührte sie von einem solchen Stiefel her, wie ihn Brown trug; es mochte des jungen Mannes Spur sein, der ja eben erst die Hütte verlassen hatte. Assowaum maß die Spitze ebenfalls am Stiel seines Tomahawks und schaute mehrere Minuten lang sinnend auf die niedergetretene Asche.

Ein solches Zeichen genügte nicht, und er wanderte umher, forschte nach irgendeinem zurückgelassenen Gegenstand des Mörders und fand den Tomahawk der Geliebten, der in die Ecke der Hütte geschleudert schien und dort bis jetzt seinem Blick entgangen war.

Ein stolzes Lächeln des Triumphes lag auf dem Gesicht des Indianers, als er die Blutspuren an der leichten, doch scharfen Waffe seines Weibes bemerkte; Alapaha war einer Indianerin würdig gestorben, und der Feind, der sie getötet, hatte zuerst von ihrer Hand geblutet.

Noch einmal durchforschte Assowaum jeden Winkel, jede Ecke des kleinen Raumes, dann verließ er die Hütte und untersuchte im Freien jeden Strauch und jeden Moosfleck – vergebens. Der niederströmende Regen hatte alle Spuren verwischt, und der Indianer kehrte, ohne etwas gefunden zu haben, in die Hütte zurück.

Hier bereitete er nun für die ermordete Gattin das Totenlager; er breitete seine Decke aus und legte den Körper darauf, aus dem Fluß trug er Wasser herbei und wusch Alapahas Gesicht, schob ihr dann die eigene Decke unter das Haupt, daß sie gut und sanft ruhe wie vor alten, schönen Zeiten, und versuchte ihre Hände zu falten. Die Rechte blieb aber krampfhaft geschlossen, und schon wollte er den Versuch aufgeben, mit Gewalt die im Tode erstarrten Finger zu lösen, als er etwas Fremdes in ihnen fühlte. Er erneuerte seine Anstrengungen und fand einen dunklen Hornknopf, den die Indianerin im Todeskampf gefaßt und gehalten hatte.

Was war aber mit solchem Zeichen zu beginnen? Wie konnte das auf die Spur des Täters führen? Assowaum schüttelte traurig mit dem Kopf, schob jedoch den Knopf in seine Kugeltasche und setzte sich nun wieder still zu den Füßen der Gattin nieder, als ob er ihren Schlaf bewachen wolle.

So saß er regungslos viele Stunden; das Feuer fiel in sich zusammen, flackerte noch manchmal zuckend empor und verglomm endlich; dichte Finsternis erfüllte den kleinen Raum – draußen im Wald zogen sich die Wölfe scheu vor der Nähe des Menschen zurück, kein Laut unterbrach die feierliche Stille als das Plätschern und Gurgeln des Flusses. Selbst die Eule hatte den schaurigen Platz gemieden. Alles schwieg, und immer noch kauerte die dunkle Gestalt in der Hütte, bis draußen die frische Morgenluft den Tau von den Büschen schüttelte, im Osten ein heller Streifen den nahenden Tag verkündete und die Vögel der Nacht mit lauten Tönen Abschied von dem weichenden Dunkel nahmen.

Da wurden Stimmen vor der Hütte laut, und von Wilson gefolgt trat Brown wieder in den kleinen Raum. Der Indianer schien sie aber nicht zu bemerken; erst als der Freund leicht seine Schulter berührte, starrte er, wie aus einem tiefen Traum erwachend, empor.

»Komm, Assowaum!« sagte Brown jetzt, indem er ihm freundlich die Hand entgegenhielt, »sei ein Mann – schüttle den Gram ab, der dich zu verzehren droht, und laß uns ans Werk gehen, zuerst dein Weib beerdigen, und dann sie – rächen!«

Der Indianer hatte teilnahmslos den Worten des weißen Mannes gelauscht, bis das letzte sein Ohr berührte.

»Sie rächen!« rief er, indem er mit leuchtenden Augen emporsprang, »ja, sie rächen! Komm, mein Bruder!« Damit nahm er den kleinen Tomahawk seines Weibes und steckte ihn in den Gürtel, half dann aber den beiden Männern mit festen Schritten die Leiche in das schwankende Boot zu tragen, das an einem Rebenanker auf den Wellen schaukelte.

Wilson bot ihm nun einige für ihn mitgebrachte Erfrischungen an, Assowaum wies aber alles zurück, nahm schweigend seinen gewöhnlichen Platz im Kanu ein und steuerte dieses, das, von den kräftigen Armen der beiden Männer gerudert, mit Blitzesschnelle über die kochende Flut dahinschoß.

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