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Gutenberg > Eduard Mörike >

Die Regenbrüder

Eduard Mörike: Die Regenbrüder - Kapitel 4
Quellenangabe
typeopera
booktitleSämtliche Werke Band I
authorEduard Mörike
year1967
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05651-x
titleDie Regenbrüder
pages939-940
created19981214
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1839
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Zweiter Akt

Erster Auftritt

Tag. Freie Gegend mit einigem Gebüsch links und rechts, sowie im Mittelgrunde.

Justine und Ännchen sitzen auf einem Rasen, winden Blumenkränze und erheben sich jetzt.

Justine: Ännchen, ach, die Zeit verstreicht,
Und wir sind nicht weiter.

Ännchen: Alles könnte richtig sein,
Wärst du nur gescheiter.

Justine: Wie ich gleich den ganzen Tag
Sinn und überlege –

Ännchen: Ei, warum läufst du den Herrn
Immer aus dem Wege?
Heute küßt der Große dich,
Schreist du wie besessen –

Justine: Nun, er fuhr auch los auf mich,
Als wollt er mich fressen.
– Ännchen, ach die Zeit verstreicht!

Ännchen: Drum entschließ dich munter!
Ist die Katz den Baum hinauf,
Wer holt sie herunter?

Justine: Ännchen, soll ich dir gestehen,
Halb schon hat mein Herz gesprochen.

Ännchen: Ist es möglich? So, du Schelm?
Hab ich doch so was gerochen!
Nun, laß hören, beichte mir.
– Gewiß der Grüne?

Justine: Warum just der?

Ännchen: So ist's der Rote?

Justine: Heut rätst du schwer.

Ännchen: Wie? gar der Weiße?

Justine: Plag mich nicht mehr! –

Ännchen: Ist es möglich? So, du Schelm?
Hab ich doch so was gerochen!

Justine: Halb schon hat mein Herz gesprochen,
Ännchen, ja ich will's gestehn.

Pause, da Anne nachdenklich wird.

Justine mit einer Art von erzwungener Lustigkeit:
Nun, wohlan! die Zeit verstreicht,
Ich entschließ mich munter;
Ist die Katz den Baum hinauf,
Wer holt sie herunter?

Ännchen: Aber, Mädchen!

Justine: Was denn wieder?

Ännchen: Wenn du nun den Falschen wähltest?
Und des Schicksals Wink verfehltest?
Dieses überlege wohl!

Justine in halbkomischer Verzweiflung:
So bist du stets! voll Widerspruch!
So wär's das alte nun!

Justine: O Himmel, hilf mir aus der Not!
Was soll, was kann ich tun?

Ännchen zugleich:
O Himmel, hilf ihr aus der Not!
Was soll, was kann sie tun?

Zweiter Auftritt

Steffen tritt hastig auf. Die Vorigen.

Steffen: Da seid ihr! Wißt ihr's schon?

Justine und Ännchen: Was denn? Ist doch kein Unglück geschehen? Redet!

Steffen: Habt ihr denn nichts gesehn? Hörtet ihr nicht den tollen Lärmen im Dorf?

Justine: Wir achteten nicht drauf. Was ist's denn wieder?

Steffen: Der Peterling, der Schulmeister, es ist ja unerhört! Ich hab's ihm aber gleich gesagt –

Justine: Nun, was hat er verbrochen?

Ännchen: Was hat er angestellt?

Steffen: Der Maulaffe, der Prahlhans, der alles besser wissen will! Aber diesmal ist's ihm übel bekommen, der wird dran denken. Laßt euch sagen: wie ich da vorhin über die Gasse geh, und ihm einen guten Abend biete, stellt er mich, und will mir den Text lesen, daß ich meine Tochter an Glücksritter wegwerfen wolle, an Landstreicher, die den dummen Leuten einen blauen Dunst vormachen und dergleichen. Da ich ihm kein Gehör gebe und weglaufe, fängt er ein Spektakel an, daß jung und alt zusammenläuft, und will da den Gelahrten machen und hält eine Predigt über den Aberglauben und schwätzt von Aufklärung, daß es weder Zauberer noch Hexen gebe, und daß es in der Welt mit Sonnenschein und Regen allezeit seine natürliche Bewandtnis habe, und was weiß ich, für neumodisches, gottloses Zeug. Darüber kommt sein Weib herbeigeschnauft und seine Tochter, die Käthe, die schnattern auch mit drein und krakeelen und schimpfen auf dich wie die Rohrspatzen, denn sie möchten schwarz und gelb werden vor Neid und Galle. Ich hörte dem Unwesen eine ganze Weil zu unter meiner Haustür und wollte bersten vor Ingrimm. Aber es dauerte nicht lang. Wart, Schulfuchs, dacht ich, die Landstreicher werden dir's eintränken. Gedacht, geschehn. Gebt acht, was wird. Er war eben im besten Zug, da hebt's auf einmal an zu tröpfeln, erst nur ganz sachte, sachte, dann aber kam's plötzlich mit Macht, stromweise, als würde mit Kübeln geschüttet.

Justine: Was sagt Ihr da? Ännchen, haben wir da oben auch nur einen Tropfen gespürt?

Steffen: Wetter, drum war's auch nur der einzige Fleck, wo die Rotte beisammenstand; du kannst die Lache noch sehen. Hört weiter. Das Volk stäubt auseinander, wie besessen, als hätte der Donner mitten drein geschlagen, im Hui war der Platz wie gefegt. Aber mein Schulmeister, wo ist der hingekommen mit seinem Siebenjaucharthut? mit seinem hänfenen Regenschirm? Wo hat sich die Frau Schulmeisterin so hurtig hinverkrochen und die rothaarige Mamsell Käthe? Fliegst nicht, so gilt's nicht! Droben hängen sie in den Lüften und segeln mit dem Regen landeinwärts; drei Nebelballen unter den Füßen machen das Fuhrwerk, und jetzt gut Nacht, Herr Peterling! In Eurer Schule ist Vakanz auf Jahr und Tag.

Justine: Entsetzliches Wunder!

Ännchen: Mir beben die Knie.

Steffen: War das ein Zetermordgeschrei, als es nun Ernst wurde und die drei anfingen zu steigen, erst nur über die niedrigen Häuser hinweg, und immer zickzack, dann auf einmal schief übers Rathaus hin und immer weiter. Der dürre Kerl, der Schulmeister, flog am geschwindesten, in zwei Vaterunserlängen hatte der den Gockelhahn aufm Kirchturm zwanzig Klafter tief unter sich; er sah, mein Seel, aus, wie ein Storch, und die Weibsleute auf und nieder wie zwei nasse Schneegäns.

Ännchen: Ach du meine Güte!

Justine: Sind sie denn noch immer oben?

Steffen: Versteht sich; das will ich hoffen.

Ännchen: Ob man sie nicht sehen kann von da aus?

Steffen: Pah! die mögen schon eine gute Strecke weit geschifft sein. Die kommen hin, wo der Pfeffer wächst. Das halbe Dorf ist nach ihnen aus. Ganz umsonst, alles umsonst!

Dritter Auftritt

Des Schulmeisters Stimme, außerhalb der Szene:
Zu Hülfe!

Steffen: Gebt Achtung!

Justine und Ännchen:
Was war das?

Stimme: Zu Hülfe!
Zu Hülfe, alle guten Geister!
Dem allerärmsten Dorfschulmeister!
O schreckliches Mirakulum!
Ich halt's nicht aus, ich komme um!

Der Schulmeister erscheint in der Luft auf einem Nebelstreif stehend, den Hut auf dem Kopf und den Regenschirm über sich ausgespannt.

Justine und Ännchen:
Seht, seht! Es ist doch zum Erbarmen!

Steffen: Ha ha ha ha, ha ha ha ha!

Schulmeister: O lieber Nachbar, helft mir Armen,
Lauft heim und holt ein Schnepfengarn!

Steffen. Justine. Ännchen:
Was schwatzt er da von Schnepfengarn?
Ich glaube fast, er ward zum Narrn.

Schulmeister: Holt Haken! holt Stangen!
Jetzt wär ich zu fangen;
Ihr könnt mich erlangen.

Steffen: Ich darf nicht, fürwahr,
Euch tut das kein Haar.

Schulmeister: Holt Haken und Stangen etc. wie oben.

Justine zugleich: Holt Haken und Stangen!
jetzt wär er zu fangen!

Ännchen zugleich: Man könnt ihn erlangen,
Der Vogel fürwahr,
Der Vogel ist rar.

Steffen zugleich: Was Haken, was Stangen!
Man darf ihn nicht fangen;
Mir mag er wohl bangen,
Ich darf nicht, fürwahr,
Mir brächt es Gefahr.

Schulmeister: Macht, daß ich mich setze!
Holt Seile, holt Netze!

Steffen: Nicht um alle Schätze
Der Erde, fürwahr.

Schulmeister: Seht meine Gefahr!

Justine und Ännchen zugleich:
Seht seine Gefahr!

Steffen zugleich:
Das schadt ihm kein Haar!

Schulmeister indem er etwas tiefer herabsinkt:
Ich scheine dem Boden
Schon näher zu rücken.

Schulmeister: Kommt, faßt mich am Fuße!
Nun könnt es wohl glücken.

Justine und Ännchen zugleich:
Komm, faß ihn am Fuße,
Nun könnt es wohl glücken.

Steffen zugleich: Gutherzige Kinder,
Ei laßt doch den Sünder!

Ännchen hat sich niedergebückt, Justine besteigt ihren Rücken und ergreift ihn am Fuße.

Schulmeister und Ännchen:
Zieh, zieh, brauch Gewalt!

Steffen zugleich: Da hilft nicht Gewalt!

Schulmeister: Was Teufel! o halt!

Justine hält den leeren Stiefel in der Hand.

Justine und Steffen: O wehe!

Ännchen: Was ist das?

Steffen: Der Stiefel!

Schulmeister: O Himmel! Kommt nochmals! faßt an!

Er hält den Fuß ohne Stiefel hin, Justine zieht wieder.

Schulmeister: Ich scheine dem Boden
Schon näher zu rücken.

Ännchen zugleich: Gezogen! Gezogen!
Nun muß es ja glücken!

Justine zugleich: Ihr scheinet dem usw.

Steffen zugleich: Gutherzige Kinder,
Ei ließt ihr den Sünder!

Schulmeister steht frei auf der Erde. Der Nebelstreif verschwindet:
Da wär ich!

Justine und Ännchen:
Da wärt Ihr!

Schulmeister: Da wär ich! O Dank!
Zehntausendmal Dank!

Steffen: Ich lache mich krank!

Peterling macht sich mit dem Ende des Quartetts schnelle davon, in der einen Hand den Stiefel, in der andern Hut und Regendach. Die Anwesenden verwundern sich drüber und lachen.

Steffen: Was fällt dem ein? Ist der Mensch verrückt worden?

Justine: Da rennt er den Hügel hinunter und sieht nimmer um sich.

Ännchen: Drum hat er's Laufen wieder verschmeckt.

Steffen: Was gilt's? der hat mit seinen Luchsaugen irgendwo einen Fetzen von seiner edlen Ehehälfte fliegen sehn.

Justine: Wirklich, ich sehe so etwas Schwarzes da unten im Ackerfeld sich regen. Nicht?

Ännchen: Wahrhaftig, ja, es ist die Jungfer Tochter! Die arme Käthe ist's! Der Wind hat sie zwischen die Hanfstengel niedergelassen.

Steffen: Aber dort hinten am Steg schleicht ja auch so eine zerzauste Vogelscheuche herbei. Richtig! hab ich's nicht gesagt: die Frau Gemahlin.

Ännchen: Er läuft ihr entgegen. Er hebt die Hände empor, wie ein Prophet, und segnet sie.

Justine: Sie umarmen sich ein übers andremal und küssen sich und weinen.

Steffen: Das pure Regenwasser.

Ännchen: Ei, nicht wahr, Herr Schulmeister, mit Regen, Sturm und Sonnenschein hat's immer seine ganz natürliche Bewandtnis?

Steffen: Jetzt aber zu etwas Ernsthaftem. Anne, du schier dich heim; 's ist Zeit, das Vieh zu füttern.

Ännchen ab.

Vierter Auftritt

Steffen, Justine.

Steffen: Ich muß dir nur sagen, die Herrn Gebrüder sind sehr unzufrieden über dein Betragen.

Justine: Ach, ich mag auch gar nicht mehr nach Haus. Das ganze Dorf ist voll von der Geschichte, und alles fragt und quält und begafft mich.

Steffen: Besonders der Mosje Felix macht ein fatales Gesicht, daß du gar keinen Zug tust.

Justine: Wie fang ich's denn an? Vater, morgen ist schon der letzte Tag; das Wasser geht mir an die Kehle. Ach, und meine armen Schwestern!

Steffen: Bevor du an die Schwestern denkst, denk an dich selbst. Der Sache muß jetzt ein Stiel gedreht werden, da hilft nichts. Resolvier dich kurz und gut, wähl dir deinen Liebsten.

Justine: Nun, ich...

Steffen: Halt, schweig! Sapperment, nicht so schnabelschnell! Es hat schon noch Zeit. Nur nichts übereilt, um Gottes willen! Du weißt, es hieß ausdrücklich in jenem Schicksalsspruch: »Sie wähle gut, daß sie den Rechten treffe!« Das hat seine Bedeutung.

Justine: Ich denke mir's.

Steffen: Drum also!

Justine: Wenn ich auch sagen wollte, der Weiße, der Felix, gefällt mir am besten und den nehm ich, so könnt's am Ende doch der Unrechte sein, und könnte das größte Unglück draus entstehen.

Steffen: Drum also. – Hm, aber – daß man – man möchte ein Narr werden vor lauter Ratschlagen. Hm – wenn ich – der Weiße, sagst du? ein wackrer Herr! ein angenehmer Mann! Ei, der andre auch, der Grüne, ein sehr feines Männchen. Sodann der Rote ohnehin, er scheint ein tüchtiger Kriegsmann zu sein. Überhaupt, diese Herrn Gebrüder Regenwetter – wie dumm – ich wollt sagen Regenwürmer – äh – Regenbrüder – ach ich bin ganz konfus.

Justine: Lieber Alter, so kommen wir nicht zum Ziel. Was meint Ihr, wenn man den Göttern ein wenig in die Karten guckte? Mir ist so ein Gedanke durch den Kopf gefahren.

Steffen: Und?

Justine: Wie ich mir den ganzen Handel federleicht machen könnte.

Steffen: Und?

Justine: Ihr werdet gleich hören. Ich brauche die Schwestern dazu. Erst sagt mir aber nur, wie hängt denn das zusammen: wenn den Schwestern verboten ist, sich vor jungen Männern sehn zu lassen, was wohl seine Ursachen haben mag, wie kommt es denn, daß sie sich auch vor mir so feindselig verstecken? Das ist nicht schön von ihnen. Seht, von Kindheit an wohn ich in dieser Gegend, bin schon viel hundertmal durch den Wald gegangen und dort am Wasser vorbei, meint Ihr aber, es wär den Jüngferlein je eingefallen, auch nur einen Laut, ein Zeichen, von sich zu geben, und grüßen doch zuweilen andre Mädchen, wenn sie abends im Mondschein mit der Sichel heimziehn von der Wiese; bin ich dabei, so rührt sich nichts.

Steffen: Das nimmt mich nicht wunder. Du bist den guten Dingern auf gewisse Art 'n Dorn im Aug; denn, ohne Ruhm zu sagen, du hattest als des Müllers Pflegekind noch immer weit das beste Teil unter deinen Geschwistern. Du bist die Jüngste und der Augapfel deines großen Vaters. Er hat im Tode noch gebeten für dich, sonst säßest du auch, Gott weiß, in welchem kalten Erdloch oder Teich.

Justine: Die armen Tropfen! Aber wenn ich mich halbwegs auf die Winke des Schicksals verstehe, muß ihnen die Erlösungsstunde nächstens schlagen.

Steffen: Wie meinst du das, Mädel?

Justine: Vor allen Dingen ist nötig, daß die Herrn Regenbrüder meine Schwestern zu sehen kriegen.

Steffen: Bist du bei Trost?

Justine: Ich sag Euch, es muß sein.

Steffen: Schatz, da richten wir nichts aus; sie gehn eben nicht her; denn was das Mannsvolk anbelangt, nämlich das unter sechzig Jahren ist, da müssen die zwei Jungfern eine verdammt strenge Instruktion haben, sie sind wie die Nonnen. Der Teufel selbst, glaub ich, brächte sie nicht dazu, einem Junggesellen unters Gesicht zu treten.

Justine: Sie sollen auch nicht, sie sollen ruhig in ihren Löchern sitzen bleiben.

Steffen: Und doch gesehen werden?

Justine: Doch! Und sollen schwatzen und lachen mit den Herrn nach Herzenslust.

Steffen: Das ginge nicht mit rechten Dingen zu.

Justine: Hört an. Ich hab Euch ja den Ring gezeigt, den mir die Feenkinder gestern gaben.

Steffen: Wie gesagt, es ist der Ring deines Vaters. Als Knabe hab ich viel Wunderbarliches davon erzählen hören; allein was soll –

Justine: Ihr meintet ja, er habe auch die Eigenschaft, den, der ihn trägt, in jede beliebige Gestalt zu verwandeln.

Steffen: Aha! du willst den Herren was vorspiegeln, und – pfütt – ich wittre den Fuchs.

Justine: Kurzum, ich will mich in meine beiden Schwestern verwandeln; vielleicht bleibt der eine und der andre hängen, dann merken wir schon eher, wo es hinauswill, und was das liebe Schicksal mit uns allen im Schilde führt.

Steffen. Ein Kapitaleinfall! Die Dirne beluchst, mein Seel, Götter und Menschen.

Justine: Es ist nichts Arges dahinter, und am Ende, wenn's fehlt, kann ich noch tun was ich will. Vielleicht bekomm ich alle drei in Sack, das wäre lustig! Kommt, laßt uns gleich die Probe machen. Was ist die Regel dabei?

Steffen: Du steckst den Ring an den Mittelfinger, läufst dreimal im Kreis herum und denkst den Namen der Person, deren Gestalt und Stimme du annehmen willst.

Justine: Gut. Also Schwester Temire zuerst. Ich will die Runde hier um den Haselbusch machen.

Musik. Justine tanzt zweimal um den in der Mitte der Bühne stehenden Busch herum; alsdann guckt sie dahinter hervor, jedoch völlig unverändert, außer, daß sie mit Temirens langem grünem Schleier versehen ist.

Justine: Bin ich's?

Steffen: O weit gefehlt!

Justine tritt hervor:
Bin ich's noch nicht?

Steffen: Es ist dein eigenes
Schelmengesicht.
Dreimal im Kreis herum!

Justine: Dreimal, ja so, wie dumm!
Dreimal im Kreis herum.

Steffen: Nochmals von vorn!

Es geschieht; hierauf streckt sie, oder vielmehr die Sängerin, welche Temirens Rolle spielt, den Kopf hinter dem Busch hervor.

Justine [d. h. Temire]:
Bin ich's?

Steffen: O wunderbar!

Justine [Temire] hervorgetreten:
Bin ich es ganz und gar?

Steffen: Völlig die Fischerin,
Fehlt auch kein Haar!

Justine [Temire]: Seh ich nicht lustig drein?

Steffen: Jetzt soll's die Jägerin sein!

Justine [Temire]: Gut, nun soll's Silvia sein!

Steffen: Sechsmal herum!

Sie macht den Kreis sechsmal. Beim zweitenmal verliert sie den Schleier, ohne daß man sieht, wo er geblieben ist; beim dritten erscheint sie im Vorbeigehn als Justine, beim vierten hat sie, als solche, einen Federhut auf dem Kopfe, beim fünften einen Jagdspieß in der Hand, und zuletzt tritt sie als vollkommene Silvia im Jagdkleid hervor.

Justine [Silvia]: Bin ich's?

Steffen: O ganz und gar!

Justine [Silvia] besieht ihre herabhängenden Haarflechten:
Wahrlich, kohlschwarzes Haar!

Steffen: Völlig die Jägerin –

Justine [Silvia]: Still, wer kommt dort?
Viktor und Wendelin!

Steffen: Da muß ich fort.

Justine [Silvia]: Schnelle, nur fort!

Steffen ab.

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