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Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band

Karl Eugen Neumann: Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band - Kapitel 51
Quellenangabe
typetractate
authorKarl Eugen Neumann
titleDie Reden Gotamo Buddhos - Erster Band
publisherR. Piper & Co.
printrunDritte Auflage
year1922
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20140625
projectid34cdc679
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47

Fünfter Theil
Siebente Rede

Der Forscher

Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« – »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Ein forschender Mönch, ihr Mönche, der seines Nächsten Gemüthsart versteht, soll beim Vollendeten die Prüfung anstellen: ›Ist er der vollkommen Erwachte, oder ist er es nicht?‹ Darüber muss er sich klar werden.«

»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär' es, o Herr, wenn doch der Erhabene den Sinn dieser Rede erläutern wollte! Das Wort des Erhabenen werden wir bewahren.«

»Wohlan denn, ihr Mönche, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gern, o Herr!« erwiderten da aufmerksam jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Ein forschender Mönch, ihr Mönche, der seines Nächsten Gemüthsart versteht, soll bei zwei Dingen den Vollendeten prüfen, bei den sichtbaren und bei den hörbaren Dingen: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich beim Vollendeten.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Ist es schon lange her, dass der Ehrwürdige diese treffliche Satzung entdeckt hat, oder ist es eben erst geschehn?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Lang' ist es her, dass der Ehrwürdige diese treffliche Satzung entdeckt hat, nicht ist der Ehrwürdige eben erst dazu gekommen.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Zu Ansehn ist der Ehrwürdige gelangt, ist ein berühmter Mönch geworden: da wird sich manches Elend bei ihm finden.‹ Denn desshalb kann man nicht bei einem Mönch, ihr Mönche, Elend finden, weil er kein Ansehn, keinen Ruhm gewonnen hat: ist aber erst ein Mönch, ihr Mönche, angesehn, berühmt geworden, dann stellt sich manches Elend bei ihm ein. Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Zu Ansehn ist der Ehrwürdige gelangt, ist ein berühmter Mönch geworden, doch lässt sich da kein Elend bei ihm finden.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Ist der Ehrwürdige ohne Fürchten beschwichtigt, ist der Ehrwürdige nicht aus Fürchten beschwichtigt? Pflegt der Ehrwürdige, verlangensledig, keiner Lust, versiegten Verlangens?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Ohne Fürchten beschwichtigt ist der Ehrwürdige, nicht ist der Ehrwürdige aus Fürchten beschwichtigt: verlangensledig pflegt er keiner Lust, versiegten Verlangens.‹ Wenn man nun diesen Mönch, ihr Mönche, fragte: ›Was für Anhalt, was für Anlass hat wohl der ehrwürdige Bruder, also zu sprechen 'Ohne Fürchten beschwichtigt ist jener Ehrwürdige, nicht ist jener Ehrwürdige aus Fürchten beschwichtigt: verlangensledig pflegt er keiner Lust, versiegten Verlangens'‹, so würde der Mönch, ihr Mönche, rechten Bescheid also geben: ›Der Gleiche ist jener Ehrwürdige, ob er unter den Jüngern weilt oder allein, und sanfte Gesellen und rauhe Gesellen, wie sie da sind, die Häupter des Ordens, Erdensöhne und Erdenüberwinder: keinen schätzt jener Ehrwürdige darum gering. Und vom Munde des Erhabenen hab' ich es gehört, von seinem Munde vernommen:

'Beschwichtigt bin ich ohne Fürchten,
Nicht bin aus Fürchten ich beschwichtigt:
Verlangensledig lustentpflegt
Ist was Verlangen war versiegt.'

»Und nun, ihr Mönche, ist noch der Vollendete selbst zu befragen: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Der Bescheid, ihr Mönche, den der Vollendete gäbe, wäre dieser: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Der Bescheid, ihr Mönche, den der Vollendete gäbe, wäre dieser: ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Der Bescheid, ihr Mönche, den der Vollendete gäbe, wäre dieser: ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich beim Vollendeten,

Meine Spuren sind es nur,
Meine Bahnen nur,
Aber ich bin andrer Art.‹

»Einen Meister, ihr Mönche, der also spricht, mag der Jünger wohl aufsuchen, seine Satzung zu hören. Und der Meister legt ihm die Satzung dar, weit und weiter, innig und inniger, mit ihren Theilen von dunkel und licht. Wie nun der Meister die Satzung darlegt, weit und weiter, innig und inniger, mit ihren Theilen von dunkel und licht, wird sie dem Jünger klarer und klarer, und Satz um Satz erschließt sich ihm, und er erkennt den Meister: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Wenn man nun diesen Mönch, ihr Mönche, fragte: ›Was für Anhalt, was für Anlass hat aber der Ehrwürdige, zu sagen »Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohl vertraut die Jüngerschaft«‹, so würde der Mönch, ihr Mönche, rechten Bescheid also gehen: ›Ich war da, Brüder, zum Erhabenen gegangen, seine Satzung zu hören. Und der Erhabene legte mir die Satzung dar, weit und weiter, innig und iriniger, mit ihren Theilen von dunkel und licht. Wie mir nun da der Erhabene die Satzung darlegte, weit und weiter, innig und inniger, mit ihren Theilen von dunkel und licht, ward sie mir klarer und klarer, und Satz um Satz erschloss sich mir, und ich erkannte den Meister: Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹

»Bei wem da, ihr Mönche, Zuversicht zum Vollendeten mit solchem Anhalt, auf solche Weise, unter solchen Umständen Boden gefunden, Wurzel geschlagen, standgehalten hat: die wird, ihr Mönche, Zuversicht des Anhalts genannt, in der Anschauung wurzelnd, stark, und kein Büßer oder Priester, kein Gott und kein Teufel, kein Brahmā noch irgendeiner in der Welt kann sie ausroden.

»Das ist die Art, ihr Mönche, wie man beim Vollendeten die Satzung prüft, und das ist die Art, wie der Vollendete der Satzung gemäß wohl geprüft wird.«

 

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

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