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Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band

Karl Eugen Neumann: Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band - Kapitel 43
Quellenangabe
typetractate
authorKarl Eugen Neumann
titleDie Reden Gotamo Buddhos - Erster Band
publisherR. Piper & Co.
printrunDritte Auflage
year1922
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20140625
projectid34cdc679
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39

Vierter Theil
Neunte Rede

Vor Assapuram

I

Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene in Bengalen, bei einer Stadt der Bengalier Namens Assapuram. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche! « – »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»'Büßer, Büßer sind's': so denken, ihr Mönche, von euch die Leute. Ihr aber, wenn ihr gefragt werdet: ›Was seid ihr?‹, bekennet: ›Wir sind Büßer.‹ Die ihr also bekannt seid, ihr Mönche, die ihr euch also bekennet, ihr habt auch die Pflichten zu üben: ›Was den Büßern, was den Heiligen obliegt, das haben wir auf uns genommen und werden es erfüllen. Und so soll dieser Name, den man uns giebt, wahr und unser Bekenntniss wirklich sein. Und für das Almosen von Kleidung, Speise, Obdach und Arzenei, dafür sollen die Geber bei uns hohen Lohn erlangen, hohe Förderung. Unsere Pilgerschaft aber soll nicht unfruchtbar bleiben, sondern Zweck und Ziel erwirken.‹

»Was aber, ihr Mönche, obliegt den Büßern, obliegt den Heiligen? ›Schaamhaft und dehmüthig wollen wir sein‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Wandel, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Wandels halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unsere Rede, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieser geläuterten Rede halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Sinn, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Sinnes halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Leben, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Lebens halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Die Thore der Sinne lasset uns hüten. Erblicken wir mit dem Gesichte eine Form, so fassen wir keine Neigung, keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gesicht, wachen wir eifrig über das Gesicht. Hören wir mit dem Gehöre einen Ton – riechen wir mit dem Geruche einen Duft – schmecken wir mit dem Geschmacke einen Saft – tasten wir mit dem Getaste eine Tastung – erkennen wir mit dem Gedenken ein Ding, so fassen wir keine Neigung, fassen keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gedenken, wachen wir eifrig über das Gedenken‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Beim Essen lasset uns Maaß halten, jeden Bissen gründlich betrachten, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: ›So werd' ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden`‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Der Wachsamkeit wollen wir uns weihen. Bei Tage werden wir, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den ersten Stunden der Nacht werden wir, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den mittleren Stunden der Nacht werden wir uns dann wie der Löwe auf die rechte Seite hinlegen, einen Fuß über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehens gedenkend; in den letzten Stunden der Nacht werden wir uns wieder erheben und, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziele des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Mit klarem Bewusstsein wollen wir uns wappnen. Klar bewusst beim Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken, klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und Schweigen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht, sind mit klarem Bewusstsein gewappnet: genug ist's, gethan ist's, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? Da sucht, ihr Mönche, der Mönch einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann, von Schulden bedrückt, sich in Geschäfte einließe; diese Geschäfte aber nähmen einen gedeihlichen Ausgang für ihn, sodass er seine alte Schuldenlast tilgen könnte und ihm sogar noch ein Übriges bliebe um ein Weib auszuhalten; der sagte sich nun: ›Ich habe mich früher, von Schulden bedrückt, in Geschäfte eingelassen, und diese sind mir nun gediehen; jetzt hab' ich meine alte Schuldenlast getilgt und besitze sogar noch ein Übriges um ein Weib aushalten zu können‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann siech wäre, leidend, von schwerer Krankheit betroffen, keine Nahrung vertrüge, keine Kraft mehr im Leibe hätte; später dann wiche aber das Gebresten von ihm, die Nahrung bekäme ihm wohl, er fühlte sich wieder kräftig im Leibe; der sagte sich nun: ›Ich war früher siech, leidend, schwerkrank, die Nahrung bekam mir nicht, mein Leib war kraftlos; jetzt aber bin ich von dieser Krankheit genesen, die Nahrung schlägt mir an, ich fühle mich wieder leibeskräftig‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann im Kerker schmachtete; später dann würde er aber aus dem Kerker befreit, heil und sicher, und nicht den geringsten Verlust an seinem Vermögen erleiden; der sagte sich nun: ›Ich habe früher im Kerker geschmachtet; jetzt aber bin ich aus dem Kerker erlöst, heil und sicher, und habe nicht den geringsten Verlust an meinem Vermögen erlitten‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann Knecht wäre, nicht sein eigener Herr, von anderen abhängig, nicht gehn könnte wohin er wollte; später dann würde er aber dieser Knechtschaft enthoben, wäre sein eigener Herr, unabhängig von anderen, ein freier Mann, könnte gehn wohin er wollte: der sagte sich nun: ›Ich war früher Knecht, nicht mein eigener Herr, von anderen abhängig, konnte nicht gehn wohin ich wollte; jetzt aber bin ich dieser Knechtschaft enthoben, mein eigener Herr, unabhängig von anderen, ein freier Mann, wo ich will kann ich hingehn‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt; gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann mit Hab und Gut auf einer öden langen Landstraße dahinzöge; später dann gelangte er aber aus dieser Öde heraus, heil und sicher, ohne irgend etwas von seiner Habe eingebüßt zuhaben; der sagte sich nun: ›Ich bin früher mit Hab und Gut auf einer öden langen Landstraße dahingezogen; jetzt aber bin ich dieser Öde entronnen, heil und sicher, und habe von meinem Besitze nichts verloren‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt:

Ebenso nun auch, ihr Mönche, betrachtet der Mönch als Schuldenlast, als Krankheit, als Kerker, als Knechtschaft, als öde lange Landstraße jene fünf in ihm hausenden Hemmungen; gleichwie aber, ihr Mönche, die Schuldentilgung, wie die Gesundheit, wie die Befreiung aus dem Kerker, wie den Herrenstand, wie die sicher umgränzte Stätte: ebenso auch betrachtet der Mönch jene fünf von ihm aufgehobenen Hemmungen.

»Er hat nun jene fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen erwirkt er in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt er nun, erfüllt ihn und sättigt ihn mit ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein gewandter Bader oder Badergeselle auf ein erzernes Becken Seifenpulver streut und mit Wasser versetzt, verreibt und vermischt, sodass sein Schaumball völlig durchfeuchtigt, innen und außen mit Feuchtigkeit gesättigt ist und nichts herabträufelt: ebenso nun auch, ihr Mönche, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit ruhegeborener säliger Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von ruhegeborener säliger Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt er nun, erfüllt ihn und sättigt ihn mit der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein See mit unterirdischer Quelle, in den sich kein Bach von Osten oder Westen, von Norden oder Süden ergösse, keine Wolke von Zeit zu Zeit mit tüchtigem Gusse darüber hinwegzöge, in welchem nur die kühle Quelle des Grundes emporwellte und diesen See völlig durchdränge, durchtränkte, erfüllte und sättigte, sodass nicht der kleinste Theil des Sees von kühlem Wasser ungesättigt bliebe: ebenso nun auch, ihr Mönche, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt er nun, erfüllt ihn und sättigt ihn mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, in einem Lotusweiher einzelne blaue oder rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben, aus der Wassertiefe Nahrung aufsaugen und ihre Blüthen und ihre Wurzeln von kühlem Wasser durchdrungen, durchtränkt, erfüllt und gesättigt sind, sodass nicht der kleinste Theil jeder blauen oder rothen oder weißen Lotusrose von kühlem Nass ungesättigt bleibt: ebenso nun auch, ihr Mönche, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, ihr Mönche: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Er setzt sich hin und bedeckt diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, geklärtem, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann vom Scheitel bis zur Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt sich niedersetzte, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem weißen Mantel unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, ihr Mönche, setzt sich der Mönch nieder und hat nun diesen Körper mit geläutertem Gemüthe, mit geklärtem, überzogen, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein‹: so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann von seinem Orte nach einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach einem anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen Orte zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich hin von meinem Orte nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von jenem Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin ich nun also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem eigenen Orte wieder zurückgegangen‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, erinnert sich der Mönch an manche verschiedene frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen, kommen und gehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sieht der Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ versteht er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da am Ufer eines Alpensees von klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein scharfsehender Mann stände und hineinblickte auf die Muscheln und Schnecken, auf den Kies und Sand und die Fische, wie sie dahingleiten und stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar ist diese Wasserfläche, durchsichtig, ungetrübt; ich sehe darunter die Muscheln und Schnecken, den Kies und Sand und die Fische, die dahingleiten oder ruhn‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, versteht da der Mönch der Wahrheit gemäß: ›Das ist das Leiden.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Leidensentwicklung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Leidensauflösung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der Wahn.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnentwicklung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnauflösung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad.‹ Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Ein solcher Mönch, ihr Mönche, wird ›Büßer‹ genannt, wird ›Heiliger‹ genannt, wird ›Reiner‹ genannt, wird ›Kenner‹ genannt, wird ›Fertiger‹ genannt, wird ›Herr‹ genannt, wird ›Hehrer‹ genannt.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Büßer? Abgebüßt hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Büßer.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Heiliger? Geheilt hat er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Heiliger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Reiner? Gereinigt hat er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Reiner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Kenner? Er kennt die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Kenner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Fertiger? Fertig ist er mit den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Fertiger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Herr? Herausgetrieben hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Herr.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer? Herausgetrieben hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer.« Die Antithesen samaṇo : samitā, brāhmaṇo : bāhitā, nahātako : nahātā, vedagū : viditā, sottiyo : nissutā, ariyo : ārakā, araham : ārakā sind metaphorisch angewandt, nicht etymologisch: denn dass der Buddho die wahren Etymologien nicht gekannt habe, ist bei seiner gründlichen Vertrautheit mit dem Brāhmanenthume (DN) kaum anzunehmen. – Vergl. die tiefsinnige Ableitung des rūpam von √rup = √lup, SN vol. III. p. 86; auch Suttanip. v. 1121. Ebenso loko von √luj, SN vol. IV. p. 52.

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

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