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Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band

Karl Eugen Neumann: Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band - Kapitel 25
Quellenangabe
typetractate
authorKarl Eugen Neumann
titleDie Reden Gotamo Buddhos - Erster Band
publisherR. Piper & Co.
printrunDritte Auflage
year1922
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20140625
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Dritter Theil

Buch der Gleichnisse

 

21

Dritter Theil
Erste Rede

Das Gleichniss von der Säge

Das hab' ich gehört. Zur einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Damals nun weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass er, wenn irgend einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen tadelte, darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilte; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber den ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelte, diese darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilten. Also weilte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen.

Da nun begab sich ein Mönch zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend sprach nun jener Mönch zum Erhabenen also:

»Der ehrwürdige Moliyaphagguṇo, o Herr, weilt zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen. Also, o Herr, weilt der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen, dass er, wenn irgend einer der Mönche ihm gegenüber jene Nonnen tadelt, darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilt; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber den ehrwürdigen Moliyaphagguṇo tadelt, diese darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilen. Also, o Herr, weilt der ehrwürdige Moliyaphagguṇo in Gesellschaft der Nonnen.«

Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:

»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen dem Mönche Moliyaphagguṇo: der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«

»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen gehorchend, begab sich dorthin wo der ehrwürdige Moliyaphagguṇo weilte, und sprach hierauf also zu ihm:

»Der Meister ruft dich, Bruder Phagguṇo.«

»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte der ehrwürdige Moliyaphagguṇo jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder.

Hierauf nun sprach zum ehrwürdigen Moliyaphagguṇo der Erhabene also:

»Ist es wahr, wie man sagt, Phagguṇo, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst? Also weilst du, heißt es, Phagguṇo, in Gesellschaft der Nonnen, dass, wenn irgend einer der Mönche dir gegenüber jene Nonnen tadelt, du darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilst; und wenn irgend einer der Mönche jenen Nonnen gegenüber dich tadelt, jene Nonnen darob entrüstet und verstimmt schlechthin einen Verweis ertheilen: weilst du wirklich also, Phagguṇo, in Gesellschaft der Nonnen?«

»Ja, o Herr!«

»Bist du denn nicht, Phagguṇo, als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert?«

»Ja, o Herr!«

»Das steht dir nicht wohl, Phagguṇo, der du als edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert bist, dass du zu ungehöriger Zeit in Gesellschaft der Nonnen weilst. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber jene Nonnen tadeln mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer in deiner Gegenwart jene Nonnen mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dir gegenüber Tadel aussprechen mag, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben. Darum also, Phagguṇo: wenn auch irgend einer dich mit Fäusten schlüge, mit Steinen würfe, mit Stöcken prügelte, mit Schwerdtern träfe, so magst du, Phagguṇo, alle gemeinen Regungen, alle gemeinen Erwägungen verleugnen, so hast du dich, Phagguṇo, solcherart wohl zu üben: ›Nicht soll mein Gemüth verstört werden, kein böser Laut meinem Munde entfahren, freundlich und mitleidig will ich bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke‹: solcherart hast du dich, Phagguṇo, wohl zu üben.«

Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:

»Willigen Sinnes kamen mir wahrlich, ihr Mönche, die Mönche einmal entgegen. Da wandte ich mich zu ihnen: ›Ich nehme, ihr Mönche, einsames Mahl zu mir: einsames Mahl, ihr Mönche, zu mir nehmend wahre ich Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So nehmet auch ihr, meine Mönche, einsames Mahl zu euch: einsames Mahl, ihr Mönche, zu euch nehmend werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein wahren.‹ Und jene Mönche bedurften, ihr Mönche, keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da auf gutem Boden, am Ausgangsplatze vierer Straßen, ein treffliches Wagengespann in Bereitschaft stände, mit dem zugehörigen Treibstock versehn; diesen Wagen bestiege ein Meister der Fahrkunst, ein gewandter Rosselenker, nähme die Zügel in die linke Hand, den Treibstock in die rechte, und führe nach Wunsch und Willen hin und her: ebenso nun auch, ihr Mönche, bedurften jene Mönche keiner Ermahnung von mir: nur ihre Einsicht war zu erwecken. Darum also, ihr Mönche: verleugnet das Schlechte, seid stetig im Guten; denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn sich da in der Nähe eines Dorfes oder einer Stadt ein dichtes Gehölz befände, von Rizinusstauden umwuchert; und es erbarmte sich einer der Bäume, um sie zu hegen und zu sichern: da ginge er hin und holzte die krummen, entsafteten Stämme ab, schaffte sie fort und hielte den wohlgesäuberten Forst sauber instand; die geraden, gutgewachsenen Stämme aber, die pflegte er sorgsam; und so käme wohl diese Waldung, ihr Mönche, beizeiten zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung: ebenso nun auch verleugnet, ihr Mönche, das Schlechte, seid stetig im Guten; denn also werdet auch ihr in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.

»Einst lebte hier in Sāvatthī, ihr Mönche, eine Hausfrau Namens Vedehikā. Die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, stand in dem erfreulichen Rufe: 'Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!' Diese Hausfrau nun, ihr Mönche, hatte eine Magd Namens Kāḷī, die flink und fleißig ihre verschiedenen Obliegenheiten wohl besorgte. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Meine Gnädige steht ja in dem erfreulichen Rufe: 'Sanft ist die Hausfrau Vedehikā, mild ist die Hausfrau Vedehikā, friedsam ist die Hausfrau Vedehikā!' Wie nun: verbirgt mir nur die Gnädige ihre innere Galle, oder hat sie überhaupt keine? Oder besorg' ich vielleicht alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen kann? Ich will doch einmal die Gnädige auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand bei hell lichtem Tage auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ – ›Was, Gnädige?‹ – ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ – ›Das thut nichts, Gnädige!‹ – ›Uns aber thut's was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt mit gerunzelten Brauen. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ – ›Was, Gnädige?‹ – ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ – ›Das thut nichts, Gnädige!‹ – ›Uns aber thut's was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt und verstimmte Worte entfuhren ihrem Munde. Da kam, ihr Mönche, der Magd Kāḷī dieser Gedanke: ›Die innere Galle, die sie hat, verbirgt mir die Gnädige, und ich besorge alles so gut, dass mir die Gnädige die innere Galle, die sie hat, nicht zeigen mag; ich will nun die Gnädige noch stärker auf die Probe stellen!‹ Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, stand noch später auf. Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, rief nach ihr: ›He da, Kāḷī!‹ – ›Was, Gnädige?‹ – ›Warum stehst du bei hell lichtem Tage auf?‹ – ›Das thut nichts, Gnädige!‹ – ›Uns aber thut's was, du schlechte Magd, dass du bei hell lichtem Tage aufstehst!‹ sagte die Hausfrau erzürnt und verstimmt, ergriff den spitzigen Thorriegel, warf ihn ihr an den Kopf, verwundete ihr den Kopf. Und die Magd Kāḷī, ihr Mönche, lief nun mit verwundetem Kopfe triefenden Blutes zu den Nachbarn und klagte jammernd: ›Seht, Beste, das Werk der Sanften, seht, Beste, das Werk der Milden, seht, Beste, das Werk der Friedsamen, wie's da zugeht bei einer Frau, die nur eine Magd hält: 'Bei Tag stehst du auf' sagt sie und wird euch zornig und wild den spitzigen Thorriegel an den Kopf werfen, den Kopf verwunden!‹ Und die Hausfrau Vedehikā, ihr Mönche, kam nun in den üblen Ruf: 'Heftig ist die Hausfrau Vedehikā, ungestüm ist die Hausfrau Vedehikā, unfriedsam ist die Hausfrau Vedehikā!' –:

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, ist da gar mancher Mönch nur solange einer der sanften, einer der milden, einer der friedsamen, als ihn angenehme Redeweisen berühren; wenn aber dann, ihr Mönche, den Mönch unangenehme Redeweisen berühren, dann soll ein Mönch sanft erfunden, mild erfunden, friedsam erfunden werden. Nicht den Mönch, ihr Mönche, nenne ich lind, der durch Darreichung von Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzeneien für den Fall einer Krankheit lind wird, lindes Wesen gewinnt; und warum nicht? Weil ja, ihr Mönche, ein solcher Mönch, wird ihm Kleidung, Almosenspeise, Lagerstatt und Arzenei für den Fall einer Krankheit nicht dargereicht, nicht lind wird, lindes Wesen nicht gewinnt. Einen Mönch aber, der, ihr Mönche, die Satzung nur achtend, die Satzung ehrend, die Satzung schätzend lind wird, lindes Wesen gewinnt, den nenne ich lind. Darum also, ihr Mönche: ›Die Satzung nur achtend, die Satzung ehrend, die Satzung schätzend wollen wir lind werden, lindes Wesen gewinnen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Fünferlei Redeweisen giebt es, ihr Mönche, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Spaten und Korb versehn, und spräche also: ›Ich werde den Erdball erdlos machen‹, und er grübe da und dort, würfe da auf und dort auf, lockerte da auf und dort auf, löste da ab und dort ab, ›Erdlos sollst du werden, erdlos sollst du werden‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann den Erdball erdlos machen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Erdball, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man nicht wohl erdlos machen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit erdballgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit Lack oder Gelbwurz; Indigo oder Karmin versehn, und spräche also: ›Ich werde hier im Himmelsraume Gestalten zeichnen, werde ein Bild entwerfen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann im Himmelsraume eine Gestalt zeichnen, ein Bild zuwege bringen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Himmelsraum, o Herr, ist ja gestaltlos, unsichtbar, da kann man nicht wohl eine Gestalt zeichnen, ein Bild erscheinen lassen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüth es, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit himmelsraumgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Mann herkäme, mit einem lodernden Strohwisch versehn, und spräche also: ›Ich werde mit diesem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten, gänzlich ausdünsten‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann mit dem lodernden Strohwisch den Ganges ausdünsten, gänzlich ausdünsten?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Der Ganges, o Herr, ist ja tief, unermesslich, den kann man nicht wohl mit einem lodernden Strohwisch ausdünsten, gänzlich ausdünsten, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit gangesgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da ein Katzenfell wäre, gegerbt, gut gegerbt, wohl ausgegerbt, weich und wollig, saftlos und kraftlos; und es käme ein Mann her, mit einem Scheit oder Scherben versehn, und spräche also: ›Ich werde dieses Katzenfell, das gegerbt worden ist, gut gegerbt, wohl ausgegerbt, das weiche und wollige, saftlose und kraftlose, mit dem Scheite oder dem Scherben zu Säften und Kräften bringen‹; was meint ihr nun, Mönche: könnte wohl dieser Mann das Katzenfell, das gegerbte, gut gegerbte, wohl ausgegerbte, das weiche, wollige, saft- und kraftlose, mit dem Scheite oder dem Scherben zu Säften und Kräften bringen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Das Katzenfell, o Herr, ist ja gegerbt, gut gegerbt, wohl ausgegerbt worden, weich und wollig, saftlos und kraftlos, das kann man nicht wohl mit einem Scheit oder Scherben zu Säften und Kräften bringen, so viel Mühe und Plage auch immer jener Mann haben mag.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es da fünferlei Redeweisen, deren die Leute sich euch gegenüber bedienen können: rechtzeitiger oder unzeitiger, sinniger oder unsinniger, höflicher oder grober, zweckmäßiger oder unzweckmäßiger, liebevoller oder heimtückischer. Zur rechten Zeit, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder zur unrechten Zeit. Den Thatsachen entsprechend, ihr Mönche, können sich die Leute der Rede bedienen, oder den Thatsachen nicht entsprechend. Höflicher Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder grober. Zweckmäßiger Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder unzweckmäßiger. Liebevoller Rede, ihr Mönche, können sich die Leute bedienen, oder heimtückischer. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit katzenfellgleichem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen. Da habt ihr euch nun, meine Mönche, wohl zu üben: ›Nicht soll unser Gemüth verstört werden, kein böser Laut unserem Munde entfahren, freundlich und mitleidig wollen wir bleiben, liebevollen Gemüthes, ohne heimliche Tücke; und jene Person werden wir mit liebevollem Gemüthe durchstrahlen: von ihr ausgehend werden wir dann die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem, durchstrahlen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben.

»Dieser Belehrung aber, ihr Mönche, durch das Gleichniss der Säge mögt ihr euch oftmals erinnern. Wisst ihr, meine Mönche, von einer Redeweise, ob fein oder gemein, die ihr nicht ertragen könntet?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Darum also, ihr Mönche: dieser Belehrung durch das Gleichniss der Säge erinnert euch oftmals; es wird euch lange zum Wohle, zum Heile gereichen.«

 

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

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