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Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band

Karl Eugen Neumann: Die Reden Gotamo Buddhos - Erster Band - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
authorKarl Eugen Neumann
titleDie Reden Gotamo Buddhos - Erster Band
publisherR. Piper & Co.
printrunDritte Auflage
year1922
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20140625
projectid34cdc679
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16

Zweiter Theil
Sechste Rede

Die Herzbeklemmungen

Das hab' ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« – »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen nicht verloren und die fünf Fesseln des Herzens nicht durchschnitten hat, kann freilich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung nicht gelangen. Welche fünf Herzbeklemmungen sind das, die ein solcher nicht verloren hat? Da schwankt und zweifelt, ihr Mönche, ein Mönch am Meister, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am Meister schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese erste Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt an der Satzung, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Satzung schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese zweite Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt an der Jüngerschaft, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese dritte Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt und zweifelt an der Ordensregel, hegt Misstrauen und Missgunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Ordensregel schwankt und zweifelt, Misstrauen und Missgunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese vierte Herzbeklemmung nicht verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert und kränkt sich über seine Ordensbrüder, ist niedergeschlagen und beklommen. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine Ordensbrüder ärgert und kränkt, niedergeschlagen und beklommen ist, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese fünfte Herzbeklemmung nicht verloren. Das sind die fünf Herzbeklemmungen, die ein solcher nicht verloren hat.

»Welche fünf Fesseln des Herzens sind das, die ein solcher nicht durchschnitten hat? Da hat sich, ihr Mönche, ein Mönch beim Wollen nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Wollen nicht der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese erste Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen nicht der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese zweite Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn nicht der Begierde entäußert, nicht des Verlangens entäußert, nicht der Sehnsucht entäußert, nicht des Gelüstens entäußert, nicht des Fieberns entäußert, nicht des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn nicht der Begierde, nicht des Verlangens, nicht der Sehnsucht, nicht des Gelüstens, nicht des Fieberns, nicht des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese dritte Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit so viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, und gefällt sich in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit so viel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, und sich in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens nicht durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben: ›Durch diese Übungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben führt: ›Durch diese Übungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer abgeneigt ist, der hat also diese fünfte Fessel des Herzens nicht durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des Herzens, die ein solcher nicht durchschnitten hat. Wer da von euch, ihr Mönche, diese fünf Herzbeklemmungen nicht verloren und diese fünf Fesseln des Herzens nicht durchschnitten hat, kann freilich in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung nicht gelangen.

 

»Wer da von euch, ihr Mönche, die fünf Herzbeklemmungen verloren und die fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten hat kann wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen. Welche fünf Herzbeklemmungen sind das, die ein solcher verloren hat? Da schwankt nicht und zweifelt nicht, ihr Mönche, ein Mönch am Meister, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der am Meister nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese erste Herzbeklemmung verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Satzung, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Satzung nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Herzbeklemmung verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Jüngerschaft, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Jüngerschaft nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Herzbeklemmung verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch schwankt nicht und zweifelt nicht an der Ordensregel, hegt Vertrauen und Gunst. Ein Mönch, ihr Mönche, der an der Ordensregel nicht schwankt und nicht zweifelt, Vertrauen und Gunst hegt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese vierte Herzbeklemmung verloren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch ärgert sich nicht, kränkt sich nicht über seine Ordensbrüder, ist nicht niedergeschlagen, nicht beklommen. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich über seine Ordensbrüder nicht ärgert und kränkt, nicht niedergeschlagen und beklommen ist, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese fünfte Herzbeklemmung verloren. Das sind die fünf Herzbeklemmungen, die ein solcher verloren hat.

»Welche fünf Fesseln des Herzens sind das, die ein solcher glatt durchschnitten hat? Da hat sich, ihr Mönche, ein Mönch beim Wollen der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Wollen der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese erste Fessel des Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Fühlen der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Fühlen der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese zweite Fessel des Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat sich beim Sehn der Begierde entäußert, des Verlangens entäußert, der Sehnsucht entäußert, des Gelüstens entäußert, des Fieberns entäußert, des Dürstens entäußert. Ein Mönch, ihr Mönche, der sich beim Sehn der Begierde, des Verlangens, der Sehnsucht, des Gelüstens, des Fieberns, des Dürstens entäußert hat, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese dritte Fessel des Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch hat zur Mahlzeit nicht so viel gegessen, als seinem Magen wohlbekommt, gefällt sich nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern. Ein Mönch, ihr Mönche, der zur Mahlzeit nicht soviel gegessen hat, als seinem Magen wohlbekommt, sich nicht in behaglichem Sitzen, behaglichem Liegen, behaglichem Schlummern gefällt, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese vierte Fessel des Herzens glatt durchschnitten.

»Weiter sodann, ihr Mönche: ein Mönch führt nicht in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben: ›Durch diese Übungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der nicht in der Absicht etwelche göttliche Verkörperung zu erlangen ein heiliges Leben führt: ›Durch diese Übungen oder Gelübde, Kasteiung oder Entsagung will ich ein Gott werden oder ein Göttlicher!‹, dessen Gemüth ist der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt. Wessen Gemüth der Anstrengung und Mühe, Beharrlichkeit und Ausdauer geneigt ist, der hat also diese fünfte Fessel des Herzens glatt durchschnitten. Das sind die fünf Fesseln des Herzens, die ein solcher glatt durchschnitten hat. Wer da von euch, ihr Mönche, diese fünf Herzbeklemmungen verloren und diese fünf Fesseln des Herzens glatt durchschnitten hat, kann wohl in diesem Orden der Wahrheit zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen.

 

»Er gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Willens erworbene Machtgebiet, gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung der Kraft erworbene Machtgebiet, gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Gemüthes erworbene Machtgebiet, gewinnt das durch Innigkeit, Ausdauer und Sammlung des Prüfens erworbene Machtgebiet, Heldenmuth aber zum fünften. Und dieser also fünfzehnfach heldenmüthig gewordene Mönch, ihr Mönche, ist fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die unvergleichliche Sicherheit zu finden. Gleichwie etwa, Mönche, wenn eine Henne ihre Eier, acht oder zehn oder zwölf Stück, wohl bebrütet, gänzlich ausgebrütet, völlig gar gebrütet hat; wie sollte da nicht jener Henne der Wunsch kommen : ›Ach möchten doch meine Küchlein mit den Krallen oder dem Schnabel die Schaale aufhacken, möchten sie doch heil durchbrechen!‹, und jene Küchlein sind fähig geworden mit den Krallen oder dem Schnabel die Schaale aufzuhacken und heil durchzubrechen: ebenso nun auch, ihr Mönche, ist ein also fünfzehnfach heldenmüthig gewordener Mönch fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die unvergleichliche Sicherheit zu finden.«

 

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

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