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Die Raubritter vor München

Karl Valentin: Die Raubritter vor München - Kapitel 14
Quellenangabe
typedrama
booktitleDie Raubritter vor München
authorKarl Valentin
year1974
firstpub1963
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-00165-8
titleDie Raubritter vor München
pages164
created20181211
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Hasenbraten

Mann: Elisabeth! – Ich hab doch Hunger, was is denn heute mit dem Hasenbraten?

Frau: Der ist noch nicht ganz fertig, aber die Suppe steht schon am Tisch.

Mann schlürft: Na, die Suppe ist heut wieder ungenießbar.

Frau: Wieso? Dös is sogar heut eine ganz feine Suppn.

Mann: Das sagt ja auch niemand, daß die Suppn nicht fein ist, ich mein nur, sie ist ungenießbar, weil s' so heiß ist.

Frau: Eine Suppe muß heiß sein.

Mann: Gewiß! Aber nicht zu heiß I

Frau: Dddddd – alle Tag und alle Tag das gleiche Lied, entweder ist ihm d' Suppn z'heiß oder sie ist ihm zu kalt; jetzt will ich Dir amal was sagn: Wenn ich Dir nicht gut genug koch, dann gehst ins Wirtshaus zum Essen.

Mann: Dös is gar net notwendig, die Suppn is ja gut, nur zu heiß.

Frau: Dann wartest halt so lang bis kalt is.

Mann: Eine kalte Suppn mag ich auch nicht.

Frau: Dann – jetzt hätt ich bald was gsagt.

Mann: Ich weiß schon – nachm Essen.

Frau: Jeden Tag und jeden Tag muß bei uns gestritten werden, anders gehts nicht.

Mann: Na ja, Du willst es ja nicht anders haben.

Frau: So, bin ich vielleicht der schuldige Teil?

Mann: Na, wer denn, hab ich die Suppn kocht?

Frau: Eine kochende Suppe ist immer heiß.

Mann: Ja, vielleicht kochst Du s' zu heiß!

Frau: Zu lang? Nein, nein, morgn häng i an Thermometer in Suppentopf nei, damit der Herr Gemahl a richtig temperierte Suppn bekommt.

Mann: Eine gute Köchin braucht kein Thermometer zum Suppn kochen.

Frau: Ja ja, nun kommt die spöttische Seite, so gehts ja jeden Tag, zuerst nörgelt er und dann kommt der Spott auch noch dazu.

Mann: Was heißt nörgeln. Ich habe doch als Mann das Recht zu sagen, die Suppe ist mir zu heiß.

Frau: Jetzt fangt er wieder mit der heißen Suppen an; es ist wirklich zum Verzweifeln. 159

Mann: Du brauchst nicht zu verzweifeln, Du sollst die Suppe so auf den Tisch stellen, wie sie sein soll, nicht zu kalt und nicht zu heiß.

Frau: Aber jetzt ist sie doch nicht mehr zu heiß!

Mann: Jetzt nicht mehr, aber wie Du sie hereingetragen hast, war sie zu heiß.

Frau: Schau, schau, er hört nicht mehr auf, er bohrt immer wieder in dasselbe Loch hinein.

Mann: Wieso, was soll denn das heißen?

Frau: Weil Du immer wieder mit der heißen Suppn daherkommst.

Mann: Du bist doch mit der heißn Suppn dahergekommen, nicht ich, Du drehst ja den Stiel um.

Frau: Du bist und bleibst ein Streithammel. Zwischenreden. Du – nein Du – Horch – 3mal schnüffeln – Was riecht denn da so komisch?

Mann: Ich hör auch was – da brandelt was –

Frau: Hast vielleicht wieder eine brennende Zigarette auf den Teppich geworfen?

Mann: Ich hab ja heute noch nicht geraucht, und wenn ich geraucht hätt, dann hätt ich die Zigarette nicht auf den Teppich, sondern in den Aschenbecher geworfen.

Frau: Ich hab's ja auch nicht behauptet, ich hab ja nur gemeint, und meinen werd ich noch dürfen. Um Gotteswillen, der Rauch kommt ja aus dem Gang!

Mann: No, so geh halt naus und schau, was los ist.

Frau: Mein Gott! – Die ganze Küche ist voll Rauch – macht die Ofentüre auf. Jessas, der Has ist verbrannt!

Mann: Ja ja, bei uns muß ja immer was los sein!

Frau: So! – kommt aus der Küche auf den Mann zu und zeigt ihm den Braten. Da schau her, da schau her, da haben wir jetzt die Bescherung! Mit Deiner ewigen Streiterei ist unser ganzes Essen verbrannt.

Mann: Mahlzeit! – Und drinnen waltet die tüchtige Hausfrau!

Frau: Wer ist denn schuld? Du! Mit Deinem ewigen Streiten und Nörgeln!

Mann: Ich habe nicht gestritten und genörgelt, ich hab ja nur gesagt, daß die Suppe zu heiß ist!

Frau: Jetzt fangt er wieder an mit der heißen Suppn, ich lauf noch auf und davon!

Mann: Auf brauchst gar nicht laufen, nur davon! – Genügt mir vollständig. 160

Frau: Mit lauter Streiten hab ich ganz drauf vergessen und der arme, arme Has' ist jetzt im glühenden Ofenrohr jämmerlich verbrannt. – Essen kannstn nimmer!

Mann: Das glaub ich! Aber dem Tierschutzverein werd ichs melden!

 


 

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