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Die Raubritter vor München

Karl Valentin: Die Raubritter vor München - Kapitel 10
Quellenangabe
typedrama
booktitleDie Raubritter vor München
authorKarl Valentin
year1974
firstpub1963
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-00165-8
titleDie Raubritter vor München
pages164
created20181211
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Radlerpech

Straßenlärm – Trambahngeräusch usw.

Stimmen: Obacht, obacht! Jessas! Jessas! Au! Auh! Schrei.

Karl Valentin: Jessas, jessas, lauft mir des saudumme Frauenzimmer direkt ins Radl nei – i ko nix dafür – ja, hörn denn Sie net, wenn i scho a halbe Stund läut, Sie narrisch Gwachs, Sie!

Liesl Karlstadt: Geh, reden S' doch net so unverschämt daher, Sie ham ja überhaupt nicht g'litten, was wolln S' denn, Sie sind mir direkt mit Ihrm Radl zwischen d' Füaß neigfahrn.

Karl Valentin: Ich hab schon g'litten, ich hab schon g'litten, Sie ham mich nicht ghört – dös ist nicht wahr, wer hat net g'litten, ich hab schon g'litten, ich hätt net g'litten, für was hab ich denn an meim Radl a Glockn dran – Herr Nachbar, Sie san Zeuge, hab ich an meim Radl a Glockn dran oder nicht?

Zeuge: Das stimmt, da muß ich dem Herrn Radfahrer recht geben. Der Herr hat an seim Rad a Glockn dran.

Liesl Karlstadt: Das glaub ich schon, daß er a Glockn dran hat, aber g'litten hat er net mit der Glockn.

Zeuge: Geh, Frau, reden S' doch net so dumm daher, was hätt denn dö Glockn an dem Herrn sein Radl für an Zweck, wenn er net läuten tät damit?

Karl Valentin: Ja, dös glaub i aa.

Liesl Karlstadt: Ach, Unsinn, was verstehn denn Sie? Da, schaun S' her, wie ich ausschau, den ganzen Rock hat er mir zerrissen.

Karl Valentin: So, hätten S' halt kein Rock anzogn.

Liesl Karlstadt: Das tät Ihnen so passen, gell?

Karl Valentin: Ja, mir schon, mir schon.

Liesl Karlstadt: Sie, Herr Schutzmann, wo sind S' denn – Herr Schutzmann, sind S' so gut, komma S' amal her da, bitte, da komma S' amal her, Herr Schutzmann.

Karl Valentin: Ja, da braucha S' dann an Schutzmann dazua – da komma S' glei immer mitn Schutzmann daher.

Schutzmann: Ja, was ist denn hier los?

Karl Valentin: Dö Frau is mir direkt . . .

Liesl Karlstadt: Schaun S' amal her, ist nicht wahr, lassen S' mich zuerst reden.

Karl Valentin: Lassen S' mich reden, die Frau ist mir . . . 137

Liesl Karlstadt: Dieser Herr ist mir soeben mit seiner Glocken in mein Rock neigfahrn.

Karl Valentin: Ah, ist gar nicht wahr, schaun S', Herr Schutzmann, ich bin mit meim Radl auf der Straßn gfahrn und hab mit der Glockn g'litten, die Frau hat mich nicht ghört und mei Glockn auch nicht und ist mir direkt in d' Füaß nei . . . dö Herrn ham's alle gsehn.

Liesl Karlstadt: Ah – ja wia ma nur so lüagn kann, das ist ja alles gar nicht wahr, was der sagt, das ist nicht wahr, Herr Schutzmann – Sie sind ja ein Schwindler.

Karl Valentin: Ich bin kein Schwindler, ich bin ein Radfahrer.

Liesl Karlstadt: Ist nicht wahr. Ich bitte Sie, Herr Schutzmann, schaun S', schaun S', lassen S' mich doch auch reden, ich bin gewiß eine anständige Frau, nicht wahr . . .

Karl Valentin: Ja, dös sieht man, Sie wern a anständige Frau sei'.

Liesl Karlstadt: Ich bin grad im Moment so allein auf der Straß' ganga.

Karl Valentin: Da ham mas ja.

Schutzmann: Na, na, wenn Sie schon einmal allein auf der Straße gehn, dann sind Sie keine ganz anständige Frau.

Karl Valentin: Ja, dös denk i mir eben aa.

Liesl Karlstadt: Bitte, so lassen Sie mich doch zuerst ausreden, nicht wahr. Ich bin grad auf der Straß gegangen, auf einmal kommt der Depp mit seim Radl dahergsaust und fahrt mir mit 40 km Geschwindigkeit direkt zwischen d' Füß nei, schaun S' mich doch an, wie ich ausseh, mein ganzer Rock ist dafetzt.

Karl Valentin: Ich gib Ihna nacha an Depp – ah – ich bin ganz langsam gfahrn.

Liesl Karlstadt: Ich verlang von dem Herrn ein Schmerzensgeld.

Karl Valentin: So – ham Sie vielleicht an Eahnan Rock Schmerzen?

Liesl Karlstadt: Ah, Schmarrn – aber Sie als Schutzmann – ich bitte Sie, Sie haben doch die Pflicht, daß Sie diesen saubern Herrn Radfahrer sofort aufschreiben, das kann ich von Ihnen verlangen, jawohl!

Karl Valentin: Ja, mich natürlich, weil Sie mir neiglaffa sind.

Schutzmann: Ja, ja, das mach ich sowieso – aber zuerst Ihre Personalien – Sie heißen? 138

Liesl Karlstadt: Maria.

Schutzmann: Wie noch?

Liesl Karlstadt: Huber.

Schutzmann: Geboren?

Liesl Karlstadt: Den 23.

Schutzmann: Was 23.?

Liesl Karlstadt: No ja, November.

Schutzmann: Ah ja, weiter, weiter, was für ein Jahr? Diktieren Sie doch schneller, ich hab nicht so viel Zeit, ich muß heute noch mehr Radler aufschreiben, schneller, also los!

Liesl Karlstadt: Was schneller? So schnell könna Sie nicht schreiben wie ich reden kann.

Schutzmann: Kümmern Sie sich nicht um mich – also schneller, los, los!

Liesl Karlstadt: Ja also, bitte, dann schreiben Sie: Ich heiße Maria Huber, geboren den 23. November 1892 zu Ingolstadt an der Elbe als Tochter eines verheirateten Kehrrichttonnenabfuhrchauffeurs, meine Mutter war eine geborene Karolina Dünndipfeldick aus Wallersdorf bei Rosenheim, Bezirksamt Oberbayern.

Schutzmann: Halt, halt! Da komm ich ja nicht mehr mit. Etwas langsamer doch!

Alles lacht.

Liesl Karlstadt: Gell, gell, ich habs ja gwußt, ich habs Ihnen ja gleich gsagt, daß Sie nicht nachkommen, ich habs Ihnen doch gsagt, daß Sie nicht so schnell schreiben können wie ich reden kann.

Schutzmann: Na ja, bei dem Mundwerk . . .

Alle lachen: Jetzt kommt er nimmer nach . . . jetzt kommt er nimmer nach . . .

 


 

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