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Die Räuber

Friedrich Schiller: Die Räuber - Kapitel 14
Quellenangabe
typedrama
booktitleSchillers Sämmtliche Werke, Erster Band
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Räuber
pages287
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1781
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Dritter Akt.

Erste Scene.

Amalia im Garten, spielt auf der Laute.

                        Schön wie Engel, voll Walhallas Wonne,
Schön vor allen Jünglingen war er,
Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,
Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.

    Sein Umarmen – wüthendes Entzücken! –
Mächtig, feurig klopfte Herz an Herz,
Mund und Ohr gefesselt – Nacht vor unsern Blicken –
Und der Geist gewirbelt himmelwärts.

    Seine Küsse – paradiesisch Fühlen! –
Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
Harfentöne in einander spielen
Zu der himmelvollen Harmonie,

    Stürzten, flogen, rasten Geist und Geist zusammen,
Lippen, Wangen brannten, zitterten, –
Seele rann in Seele – Erd und Himmel schwammen
Wie zerronnen um die Liebenden.

    Er ist hin – Vergebens, ach! vergebens
Stöhnet ihm der bange Seufzer nach.
Er ist hin – und alle Lust des Lebens
Wimmert hin in ein verlornes Ach!

Franz tritt auf.

Franz. Schon wieder hier, eigensinnige Schwärmerin? Du hast dich vom frohen Mahle hinweggestohlen und den Gästen die Freude verdorben.

Amalia. Schade für diese unschuldigen Freuden! das Todtenlied muß noch in deinen Ohren murmeln, das deinem Vater zu Grabe hallte –

Franz. Willst du denn ewig klagen? Laß die Todten schlafen und mache die Lebendigen glücklich! Ich komme –

Amalia. Und wann gehst du wieder?

Franz. O weh! Kein so finsteres stolzes Gesicht! du betrübst mich, Amalia. Ich komme, dir zu sagen –

Amalia. Ich muß wohl hören, Franz von Moor ist ja gnädiger Herr worden.

Franz. Ja recht, das war's, worüber ich dich vernehmen wollte – Maximilian ist schlafen gegangen in der Väter Gruft. Ich bin Herr. Aber ich möchte es vollends ganz sein, Amalia. – Du weißt, was du unserm Hause warst, du wardst gehalten wie Moors Tochter, selbst den Tod überlebte seine Liebe zu dir, das wirst du wohl niemals vergessen?

Amalia. Niemals, niemals. Wer das auch so leichtsinnig beim frohen Mahle hinwegzechen könnte!

Franz. Die Liebe meines Vaters mußt du in seinen Söhnen belohnen, und Karl ist todt – Staunst du? schwindelt dir? Ja wahrhaftig, der Gedanke ist auch so schmeichelnd erhaben, daß er selbst den Stolz eines Weibes betäubt. Franz tritt die Hoffnungen der edelsten Fräuleins mit Füßen, Franz kommt und bietet einer armen, ohne ihn hilflosen Waise sein Herz, seine Hand und mit ihr all sein Gold an und all seine Schlösser und Wälder. Franz, der Beneidete, der Gefürchtete, erklärt sich freiwillig für Amalias Sklaven –

Amalia. Warum spaltet der Blitz die ruchlose Zunge nicht, die das Frevelwort ausspricht! Du hast meinen Geliebten ermordet, und Amalia soll dich Gemahl nennen! Du –

Franz. Nicht so ungestüm, allergnädigste Prinzessin! – Freilich krümmt Franz sich nicht wie ein girrender Seladon vor dir – freilich hat er nicht gelernt, gleich dem schmachtenden Schäfer Arkadiens, dem Echo der Grotten und Felsen seine Liebesklagen entgegen zu jammern – Franz spricht, und wenn man nicht antwortet, so wird er – befehlen.

Amalia. Wurm du, befehlen? mir befehlen? – und wenn man den Befehl mit Hohnlachen zurückschickt?

Franz. Das wirst du nicht. Noch weiß ich Mittel, die den Stolz eines einbildischen Starrkopfs so hübsch niederbeugen können – Klöster und Mauern!

Amalia. Bravo! herrlich! und ich Kloster und Mauern mit deinem Basiliskenanblick auf ewig verschont, und Muße genug, an Karln zu denken, zu hangen. Willkommen in deinem Kloster! Auf, auf mit deinen Mauern!

Franz. Haha! ist es Das? – Gib Acht! Jetzt hast du mich die Kunst gelehrt, wie ich dich quälen soll – Diese ewige Grille von Karl soll dir mein Anblick gleich einer feuerhaarigen Furie aus dem Kopfe geißeln; das Schreckbild Franz soll hinter dem Bild deines Lieblings im Hinterhalt lauern, gleich dem verzauberten Hund, der auf unterirdischen Goldkästen liegt – an den Haaren will ich dich in die Kapelle schleifen, den Degen in der Hand dir den ehlichen Schwur aus der Seele pressen, dein jungfräuliches Bette im Sturm ersteigen und deine stolze Scham mit noch größerem Stolze besiegen.

Amalia (gibt ihm eine Maulschelle). Nimm erst das zur Aussteuer hin.

Franz (aufgebracht). Ha! wie das zehnfach und wieder zehnfach geahndet werden soll! – nicht meine Gemahlin – die Ehre sollst du nicht haben – meine Maitresse sollst du werden, daß die ehrlichen Bauernweiber mit Fingern auf dich deuten, wenn du es wagst und über die Gasse gehst. Knirsche nur mit den Zähnen – speie Feuer und Mord aus den Augen – mich ergötzt der Grimm eines Weibes, macht dich nur schöner, begehrenswerther. Komm – dieses Sträuben wird meinen Triumph zieren und mir die Wollust in erzwungnen Umarmungen würzen – Komm mit in meine Kammer – ich glühe vor Sehnsucht – jetzt gleich sollst du mit mir gehn. (Will sie fortreißen.)

Amalia (fällt ihm um den Hals). Verzeih mir, Franz! (Wie er sie umarmen will, reißt sie ihm den Degen von der Seite und tritt hastig zurück.) Siehst du, Bösewicht, was ich jetzt aus dir machen kann? – Ich bin ein Weib, aber ein rasendes Weib – Wag' es einmal mit unzüchtigem Griff meinen Leib zu betasten – dieser Stahl soll deine geile Brust mitten durchrennen, und der Geist meines Oheims wird mir die Hand dazu führen. Fleuch auf der Stelle! (Sie jagt ihn davon.)

Ah! wie mir wohl ist! – Jetzt kann ich frei athmen – ich fühlte mich stark wie das funkensprühende Roß, grimmig wie die Tigerin dem siegbrüllenden Räuber ihrer Jungen nach – In ein Kloster, sagt er – Dank dir für diese glückliche Entdeckung! – Jetzt hat die betrogene Liebe ihre Freiheit gefunden – das Kloster – das Kreuz des Erlösers ist die Freistatt der betrognen Liebe. (Sie will gehen.)

Hermann tritt schüchtern herein.

Hermann. Fräulein Amalia! Fräulein Amalia!

Amalia. Unglücklicher! Was störest du mich?

Hermann. Dieser Centner muß von meiner Seele, eh er sie zur Hölle drückt. (Wirft sich vor ihr nieder.) Vergebung! Vergebung! Ich hab' Euch sehr beleidigt, Fräulein Amalia.

Amalia. Steh auf! Geh! ich will nichts wissen. (Will fort.)

Hermann (der sie zurückhält). Nein! Bleibt! Bei Gott! Bei dem ewigen Gott! Ihr soll Alles wissen!

Amalia. Keinen Laut weiter – Ich vergebe dir – Ziehe heim in Frieden. (Will hinweg eilen.)

Hermann. So höret nur ein einziges Wort – es wird Euch all' Eure Ruhe wiedergeben.

Amalia (kommt zurück und blickt ihn verwundernd an). Wie, Freund? – Wer im Himmel und auf Erden kann mir meine Ruhe wiedergeben? –

Hermann. Das kann von meinen Lippen ein einziges Wort – Höret mich an!

Amalia (mit Mitleiden seine Hand ergreifend). Guter Mensch – Kann ein Wort von deinen Lippen die Riegel der Ewigkeit aufreißen?

Hermann (steht auf). Karl lebt noch!

Amalia (schreiend). Unglücklicher!

Hermann. Nicht anders – Nun noch ein Wort – Euer Oheim –

Amalia (gegen ihn herstürzend). Du lügst –

Hermann. Euer Oheim –

Amalia. Karl lebt noch!

Hermann. Und Euer Oheim –

Amalia. Karl lebt noch?

Hermann. Auch Euer Oheim – Verrathet mich nicht. (Eilt hinaus.)

Amalia (steht lang wie versteinert. Dann fährt sie wild auf, eilt ihm nach). Karl lebt noch!

 

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