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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Das Begräbnis

Ralph Norwood lenkte sein Pferd in einen Seitenweg, der auf eine noch mehrere Meilen entfernte kleine Farm zulief. Ihr Besitzer, der alte Arnold, war mit seinem Vater befreundet gewesen. Bei ihm würde er Beistand finden.

»Mister Arnold, ich bin's ... Ralph Norwood!«

»Mein Gott! Ralph?! Wieder einmal hier? Was gibt's denn?«

»Vater ist tot, und da ...«

»Thomas Norwood tot? Ist's möglich? Kommen Sie rein! ... Betsy, Frau! Der alte Tom ist tot!«

Arnold eilte ins Haus zurück und zog im Kamin einen Feuerbrand unter der Asche hervor, den er rasch zur Flamme anblies. Ralph folgte ihm ins Zimmer. Das auflodernde Feuer warf sein Licht auf ein bleiches verstörtes Gesicht, dessen Farbe auffallend gegen die breiten schwarzen Brauen und das schwarze straffe Haar abstach. Er stützte seine hohe kräftige Gestalt gegen das Gesims des Kamins und heftete seine kleinen grauen Augen auf die Flamme.

»Bei unserm Herrn Jesus!« rief Arnold. »Ralph, wie sehen Sie aus? Setzen Sie sich! ... Mutter, reich mir doch mal die Whiskyflasche unterm Bett hervor!«

»Trinken Sie! Wird Ihnen helfen! Ist guter Irischer, den ich von Columbus mitbrachte. Tom tot! Kann es kaum glauben! War ihm zwar schon die ganze letzte Zeit nicht recht wohl und hat sich lange nicht mehr bei uns sehen lassen ... Wird ihn gefreut haben, daß Sie bei ihm waren, als es zu Ende ging ...«

Ralph hatte einen Schluck aus dem Krug genommen.

»Ich kam zu spät, ich fand ihn tot!« sagte er dumpf.

»Armer Tom! Wie wird er nach Ihnen gejammert haben! Sie waren sein Ein und Alles! Ihr Vater hat Ihnen den Weg in die Zukunft gebahnt«, sagte Arnold. »Sie haben reiche Ländereien, das schönste Vieh und genug bares Geld! Richten Sie Ihre Felder ein, Ralph! Bauen Sie Baumwolle. Mein Sohn Frank hat sich auch unten am Fluß eine Plantage gegründet, hat fleißig gearbeitet und sich vor kurzem schon drei Neger kaufen können. Nun geht es rasch mit ihm vorwärts! Wenn mich nicht alles täuscht, so kommt er dort übrigens!«

Tatsächlich war der Reiter, der so spät noch angetrabt kam, der junge Arnold. Herzlich begrüßte er die Eltern, freundlich Ralph, den er seit langem nicht mehr gesehen hatte.

Frank war nicht ganz so groß wie Ralph, seine kräftige Gestalt war untersetzter. Schwarze Locken fielen in seine hohe Stirn. Aus seinen klaren braunen Augen sprach Sauberkeit, Ehrlichkeit und Furchtlosigkeit, um den jungen Mund lag ein Zug von Entschlossenheit und zäher Willenskraft. Umwelt und Erziehung hatten seine natürlichen Anlagen ganz anders entwickelt und ausgebildet als bei Ralph.

Norwood hatte früh die Mutter verloren und wurde von fremden Leuten erzogen, die ihn lieblos behandelten. Das machte ihn zum Egoisten. Da der Vater ihm alle Wünsche erfüllte, spürte er nie den Drang, sich durch Arbeit und Schaffen etwas zu erwerben. So lernte er den Wert des Geldes nie kennen, wurde verschwenderisch und habsüchtig zugleich. Um seinen stets offenen Geldbeutel drängten sich in Columbus allerlei Freunde. Seine Bedürfnisse wuchsen, je toller sein Lebenswandel wurde, und der Vater war zu schwach, ihm entgegenzutreten, als er zuerst heimlich und dann offen Tiere aus den Herden des alten Norwood verkaufte, um sich Geld zu beschaffen. Ralph ging in keine Kirche und gebetet hatte er niemals. Wenn er an einen Gott glaubte, so dachte er nicht an ihn.

Unter den liebevollen und doch strengen Händen von Vater und Mutter war im Gegensatz dazu Frank herangewachsen. Arbeiten und Schaffen war seine Freude, Müßiggang war ihm ein Greuel. Für wüste Gelage und Spiel hatte er nichts übrig. Er war gerade, offen und ehrlich, er dachte und handelte wie ein Christ.

Der plötzliche Tod des alten Norwood erfüllte Frank mit aufrichtigem Leid. Er hatte Ralphs bisherige Lebensweise verurteilt, aber jetzt sah er nur den herben Schmerz des ihm Gleichaltrigen und kam ihm mit aller Freundschaft entgegen. Wenn Ralph sich nun auf seinem Eigentum niederlassen wolle, so würde er ihn gern nach Kräften mit Rat und Tat unterstützen. Er solle es machen, wie er selber, und sich eine Frau suchen.

Frank erzählte, wie er sich vor einigen Monaten in Baltimore eine Braut erwählt habe, die Tochter eines Bankpräsidenten. Er hatte sie kennengelernt, als er dort für den Vater eine eiserne Mahl- und Schneidemühle einkaufte. Im kommenden Frühjahr wolle er heiraten, dann werde er Eleanor von Baltimore heimholen.

Die Teilnahme dieser aufrichtigen Menschen tat Ralph unendlich wohl. Eine nie gekannte Ruhe und Zufriedenheit überkam ihn. Mit Abscheu und Reue blickte er auf sein vergangenes Leben zurück, und fest nahm er sich in dieser Stunde vor, es solle von nun ab anders mit ihm werden.

Frank lud ihn ein, auch einige Tage bei ihm zuzubringen, bevor er auf die eigene Besitzung zöge. Sie würden zusammen auf die Jagd und zum Fischfang gehen. Schon morgen wolle er ihn abholen, um ihm die Weideplätze seiner Herden in den Wäldern zu zeigen. Auch erbot er sich, Ralph beim Brennen der Kälber mit seinem Zeichen behilflich zu sein.

Es war schon spät, als man sich trennte. Frank ritt davon, Ralph bekam einen Bretterverschlag an der Rückseite des Blockhauses als Schlafraum angewiesen.

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