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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Seminolen gegen Seminolen

Mit Sonnenaufgang schmückten Hallemicos Frauen sein schönstes Pferd mit bunten Federn und farbigen Lederstreifen und legten ihm ein prächtiges Pantherfell auf. Auch für Olviana wurde ein Pferd mit dem besten Reitzeug versehen. Das Mädchen selber kleidete sich festlich.

So trat Hallemico mit ihr, von einigen Kriegern begleitet, die Reise nach dem Lager Tallihadjos an, wo sie am Abend eintrafen.

Sie wurden als liebe Freunde empfangen.

Nach dem Abendessen ergriff Hallemico das Wort:

»Hallemicos Herz ist voll. Seine Zunge wünscht mit Tallihadjo zu reden.«

»Tallihadjo ist der mächtigste Häuptling der Seminolen. Alle seine roten Brüder achten auf seine Stimme. Sein Land ist groß, seine Weiden sind fett und seine Herden zahlreich. Tallihadjos Sohn Tomorho hat meiner Tochter Olviana die Hochzeitsfackel vor ihr Wigwam getragen, ihr Schein hat mein Herz erhellt. Olviana wird zwanzig Sklaven, Hallemicos bestes Vieh und schönste Pferde erhalten, wenn Tallihadjo sie als Frau seines Sohnes begrüßen will.«

Mit unbewegtem Gesicht hatte Tallihadjo zugehört, jetzt sah er den Sprecher an:

»Auch Tallihadjos Herz ist erfreut über die Wahl seines Sohnes Tomorho. Doch noch ist die Zeit nicht gekommen, daß er Olviana zur Frau nimmt. Tomorho gehört seinem Volke und darf dessen Not nicht über eignes Glück vergessen. Mag sein Herz für die Geliebte schlagen, sein Leben ist Eigentum der Seminolen, bis diese frei und unabhängig von den Bleigesichtern ihre Zelte in den Prärien am Fuß der großen Gebirge des fernen Westens errichten können. An diesem Tag bitte ich dich, meinem Sohn deine Tochter zur Frau zu geben. Doch laß Olviana einige Zeit bei mir, damit die Herzen unserer Kinder sich eng verbinden. Um so kostbarer wird Tomorho der Preis werden, den er einst empfangen soll für die Taten, die er für sein Volk zu vollbringen hat.«

Hallemico und den beiden Liebenden war diese Antwort Tallihadjos sicher nicht nach Wunsch, aber auf ihren Zügen war kein Ausdruck der Unzufriedenheit zu lesen. Schweigend und regungslos saßen sie da.

Tallihadjo aber drückte nun herzlich die Hand Hallemicos. »Je mehr wir alle beim letzten Kampf gegen unsere Unterdrücker zu gewinnen, je weniger wir zu verlieren haben, um so sicherer ist der Sieg. Der Tag der Entscheidung ist nicht mehr fern, denn die Habgier der Weißen ist größer, als wir denken.«

Er stand auf und schloß Olviana in die Arme.

»Das Glück, das ich euch hier versage, wird euch am eigenen Feuer im fernen Westen umgeben! Deine Liebe stärke dich zum Kampf, denn auch ihr Weiber werdet eure Pfeile auf die weißen Feinde richten müssen.«

Er führte das Mädchen seinem Sohn zu, der sie in die Arme nahm. Satochee eilte in die Hütte und kam mit einem Perlenschmuck zurück, den sie Olviana als Geschenk umhing. Onahee ging und kam mit einem schön verzierten Bogen und einem pfeilgefüllten Köcher von Pantherhaut zurück.

»Mögen diese neuen Pfeile sich mit dem Blut der Bleichgesichter färben!« sagte sie und überreichte der Braut die Waffen. »Ihr Todesröcheln soll im Siegesgeschrei unseres Volkes verhallen! Möge das Feuer, das die Wigwams der Weißen verzehrt, dir als Hochzeitsfackel leuchten!«

Heiterkeit und Frohsinn zog jetzt in den Kreis des Lagers. Zwei Tage später reiste Hallemico ohne Olviana zurück.

Einige Wochen waren verstrichen. Die fast volle Scheibe des Mondes warf ihr helles Silberlicht auf die leicht gekräuselte Fläche des Sees, an dem Hallemico wohnte.

Hallemico hatte seinen vierjährigen Sohn im Arm. Er schien unruhig zu träumen, denn er bewegte sich im Schlafe. Regungslos verharrte der dunkle Kopf eines Mannes, der nur wenige Schritte von ihm aus dem Grase ragte. Er lauschte nach dem Schläfer. Dann kroch er wieder näher. Die Feuersglut bestrahlte mit rötlichem Schein die grimmigen Züge Osmakohees, blitzte auf einem langen Messer in seiner Hand.

Irgendwo im Lager bellte ein Hund. Da stieß Osmakohee zu, ins Herz des Knaben. Sein Todeszucken weckte Hallemico, aber da fuhr die Faust mit dem Stahl abermals nieder. Ohne einen Laut sank der Häuptling tot zurück.

Osmakohee erhob sich und stieß einen gellenden Schrei aus, auf den augenblicklich rundum ein fürchterliches Geheul antwortete. Von allen Seiten fielen die Krieger, ja auch die Weiber von Osmakohees Stamm, über die Schläfer her. Ein wildes Gemetzel begann. Der Widerstand der überraschten Krieger Hallemicos war schnell gebrochen. Vergeblich suchten Frauen und Kinder zu entfliehen. Nur die Neger Hallemicos wurden verschont. Zitternd sahen sie, wie die Mörder sich mit den Skalpen ihrer Opfer schmückten.

Dann wurde Feuer in die Hütten geworfen. Prasselnd loderten die Flammen zum nächtlichen Himmel. Die gefangenen Negersklaven mußten helfen, die Herden der Gemordeten fortzutreiben. Als die Sonne aufging, hatte Osmakohee mit seiner Beute schon den Rückmarsch nach seinem Lager angetreten.

Der junge Tag erhellte ein grauenhaftes Bild. Rauchende Aschenhaufen bezeichneten die Stellen der Hütten, verstümmelte Leichen lagen in ihrem Blute ...

Nur ein einziger Krieger Hallemicos, der im Mondschein auf der Bärenjagd gewesen, war dem Schicksal seines Stammes entgangen. Er war durch das Geschrei des Überfalls zurückgerufen, aber zu spät gekommen, das Blutwerk war schon vollbracht.

Nun stand er am nächtlichen Lagerfeuer vor Tallihadjo, der mit finster zusammengezogenen Brauen die Schreckensnachricht vernahm. Olviana sank mit einem Aufschrei Latochee in die Arme. Tomorho forderte wutentbrannt Rache.

Aber der Häuptling winkte ihm, zu schweigen.

Die Kunde hatte sich schnell durch das Lager verbreitet, und die alten Krieger eilten herbei und sammelten sich um Tallihadjo. Endlich brach dieser die erwartungsvolle Stille.

»Der Große Geist verwirrt die Sinne der Seminolen und entzweit sie untereinander. Ihr fordert Rache an Osmakohee, weil ihr Freunde Hallemicos wart! Kaum wird Osmakohees und seiner Leute Blut geflossen sein, so werden deren Freunde Rache an euch fordern, und bald wird das Kriegsgeschrei der Seminolen durch ganz Florida erschallen. Nicht aber gegen die Weißen, nein, ein Bruder wird nach dem Leben des andern trachten. Sollen wir selbst die Kraft zerstören, die wir unsern weißen Unterdrückern entgegensetzen können?«

Die Krieger schwiegen, denn sie erkannten die Wahrheit dieser Worte. Tallihadjo aber befahl in schnellem Entschluß den sofortigen Aufbruch aller waffenfähigen Männer.

Drei Tage später erschien Tallihadjo mit seiner Schar im Lager Osmakohees. Dieser sah dem mächtigen Besucher mit finsteren Blicken entgegen.

»Die Seelen Hallemicos und der Seinen rufen nach Rache! Warum hast du sie erschlagen?« fragte Tallihadjo.

»Hallemico hat dem seiner Krieger, der meinen Sohn töten würde, Sklaven, Vieh und Pferde geboten!«

»Du lügst, Osmakohee!«

Aus der Schar der Reiter sprang der letzte Krieger Hallemicos vor. Osmakohee riß sein Messer aus dem Gürtel und wollte sich auf ihn stürzen, aber Tallihadjo trat ihm in den Weg.

»Halt! Man hat dich belogen, du hast unschuldiges Blut vergossen! Richte noch einmal deine Waffen gegen einen Seminolen, und ich töte dich und deinen ganzen Stamm! Du hast dich gegen dein Volk versündigt, indem du ihm Krieger nahmst, die auf meinen Kriegsruf gegen die Bleichgesichter warteten. Du hast etwas gutzumachen, Osmakohee! Geh von Stamm zu Stamm, von Hütte zu Hütte, und fordere alle Seminolen auf, sich zum letzten Kampf zu rüsten. Sag ihnen, der Tag sei nahe, an dem Tallihadjo sie führen werde. Und der Große Geist werde ihren Waffen Sieg verleihen!«

»Für Osmakohee gibt es keine Freude mehr, seitdem sein Sohn in den ewigen Jagdgründen weilt. Er sehnt sich danach, siegreich dorthin einzugehen, um den Sohn wiederzusehen. Gern bereitet er sein Volk auf den großen Freiheitskampf vor, damit er bald in der Schlacht den Tod für sein Volk sterben kann.«

»Der Große Geist möge deine Zunge stärken, daß ihre Worte auch bei den Seminolen Gehör finden, deren Jagdgebiete noch reich an Wild, deren Herden noch fett und deren Herzen noch nicht von den Weißen verwundet sind! Laß uns Platz nehmen an deinem Feuer und die Pfeife des Friedens rauchen!«

Tallihadjo befahl seinen Kriegern abzusteigen und sich zu ruhen. Er selber ließ sich allein mit Osmakohee an dessen Lagerfeuer nieder, wo sie die Friedenspfeife rauchten. Er suchte mit all seiner Beredtsamkeit zu beweisen, daß Hallemico unschuldig an der Ermordung von Osmakohees Sohn gewesen sei. Aber es gelang ihm nicht, den anderen zu überzeugen. Tallihadjo forderte nun die Rückgabe der Negersklaven und Herden Hallemicos an Olviana. Doch Osmakohee weigerte sich hartnäckig, die Neger abzutreten, weil er sie dem Mann versprochen habe, der ihm Hallemico als Mörder genannt habe. Als Tallihadjo nun in ihn drang, brachte er noch heraus, daß es ein weißer Mann gewesen sei.

Ein weißer Mann? Dann habe er Osmakohee belogen, um in den Besitz der Sklaven zu gelangen! Osmakohee wurde unsicher, lehnte es aber trotzdem standhaft ab, den Namen des Weißen zu nennen, weil er diesem sein Wort gegeben habe. Er schwur aber beim Andenken seines Sohnes, an dem tückischen Verräter blutige Rache zu nehmen.

Nach langstündigen Beratungen schieden die beiden Häuptlinge wieder voneinander. Die Neger Hallemicos und seine Herden nahm Tallihadjo mit sich.

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