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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Ralph und Eloise

Es war ein warmer heiterer Nachmittag. Die beiden alten Arnolds saßen auf ihrer Veranda und lasen wieder und wieder einen langen Brief ihres Sohnes Frank, in dem er ihnen mitteilte, daß er nun bald mit seiner jungen Frau nach Hause kommen werde.

»Wird auch höchste Zeit!« meinte der Alte.

»Warum?« widersprach ihm seine Frau. »Laß den Jungen ruhig noch in Baltimore, wenn er Lust hat! Dort sieht er etwas von der großen Welt. Du hast doch gelesen, was für Bekanntschaften er da macht. Vielleicht wird er noch einmal Mitglied des Kongresses.«

»Hast recht wie immer, Mutter!« Arnold zündete sich seine Pfeife an. »Aber wissen möcht ich bloß, was aus dem Ralph geworden ist! Wenn Frank auch nichts darüber schreibt, aber sein Verschwinden in Baltimore scheint schon Gründe gehabt zu haben! Sicher ist der Bursche wieder in schlechte Gesellschaft geraten ...«

Der alte Pflanzer unterbrach sich.

»Wenn man vom Teufel spricht, ist er schon da!«

Zwei Reiter kamen auf das Tor der Einzäunung zu. Das Ehepaar sprang auf und eilte ihnen entgegen. Gleich darauf schwang sich Ralph Norwood vom Pferd, half Eloise von dem ihren und stellte vor:

»Miß Eloise Dosamantes, Tochter des Kapitäns der »Tritonia«, die auf der Flucht vor Piraten an der Küste Floridas zerschellt ist. Miß Dosamantes hat keine Angehörigen mehr, und ich habe ihr gesagt, daß Sie sich vorerst gewiß ihrer annehmen würden.«

Frau Arnold sah voll Mitleid auf das bleiche schöne Mädchen, dem die Tränen nahe waren.

»Seien Sie uns willkommen! Wir freuen uns in der Einsamkeit über jeden Besuch. Treten Sie näher, Sie sind gewiß recht müde!«

»Mister Arnold, wahrscheinlich hat Frank es Ihnen schon geschrieben. Ich will nichts beschönigen. Was ich tat, ist nicht zu entschuldigen. Ich habe getrunken, gespielt und ... erlassen Sie mir, alles aufzuzählen! Ich bereue meinen Leichtsinn bitter ...«

»Ralph, Sie sind alt genug, um zu wissen, was Sie tun. Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, doch würde es mir weh tun, wenn der Sohn meines alten Freundes Tom auf die schiefe Bahn geriete. Darum freut es mich, daß Sie Ihre Verfehlungen bereuen. Versprechen Sie mir, in Zukunft jede Versuchung zu meiden!«

Das gelobte Ralph, und der Alte war zufrieden, als er ihm seine Absicht eröffnete, sofort die Hütte seines Vaters instand zu setzen und sich dort niederzulassen. Er erbot sich, Ralph einige Neger zur Hilfe mitzugeben.

In der Frühe des nächsten Morgens ritt Ralph mit zwei Negern auf sein väterliches Erbe. Dort verbrachten sie den Tag in rastloser Arbeit. Das Haus bedurfte einer gründlichen Ausbesserung.

So zog Ralph nun Tag für Tag an die Arbeit. Freude an dem fortschreitenden Werk erfüllte ihn. Bei der Arbeit aber erfüllte ihn immer mehr der Gedanke an die schöne Eloise. Sie zu gewinnen und in sein neues Heim zu führen war sein Wunsch. Er verzehrte sich in Liebe nach ihr.

Obwohl Eloise seine Blicke nicht verborgen blieben, ließ sie sich das nicht anmerken. Sie war stets freundlich und in sich gekehrt, dabei nur darauf bedacht, sich durch Arbeiten in Haus und Hof nützlich zu machen. Sie mühte sich, die Freundlichkeiten der alten Leute zu vergelten, indem sie sich zu einem Lächeln zwang. Auf die Dauer mußte sie ihnen in den beschränkten Räumlichkeiten zur Last fallen, wohin dann? Je mehr sie die Schrecken der Vergangenheit vergaß, um so banger machte sie die Ungewißheit der Zukunft.

Doch wohin konnte sie sich wenden? Sie war nicht ganz ohne Mittel. In dem Paket, das ihr der Vater beim Abschied gegeben, hatte sie tausend Dollar in Banknoten und den wertvollen Schmuck ihrer Mutter gefunden, dann noch einige Papiere, die ihr Schiffspapiere zu sein schienen und ihrer Meinung nach keinen weiteren Wert besaßen. Andere hätten es vielleicht verstanden, sich mit diesen Mitteln eine neue Existenz aufzubauen, aber Eloise war viel zu unselbständig und lebensunerfahren.

Wochen waren verstrichen. Ralph hatte sich ein paar Tage nicht blicken lassen, als der alte Arnold eines Morgens davonritt, um ihn auf seiner Siedlung aufzusuchen. Frau Arnold holte die Hecheln und setzte sich mit Eloise auf die Veranda, um Baumwolle für den Hausgebrauch zu reinigen.

»Nächstens begleiten wir meinen Mann einmal zu dem jungen Norwood«, sagte Frau Arnold nach einer Weile. »Sein Haus soll recht hübsch und wohnlich sein. Er hat das beste Stück Land in der Gegend und kann tüchtig schaffen, wenn er will. Was hältst du von ihm, Eloise?«

»Ich muß ihm ewig dankbar sein, daß er sich meiner angenommen hat.«

Frau Arnold sah sie mit einem ernsten forschenden Blick an.

»Mein Kind, ich hab dir etwas auszurichten. Ich übernahm es, weil Ralph der Sohn unseres besten Freundes ist. Er hält um deine Hand an.«

Das Blut schoß Eloise in die Wangen, sie preßte die Hände im Schoß zusammen.

»Mein Kind, es liegt mir fern, dich bereden zu wollen«, fuhr Frau Arnold gütig fort. »Aber überleg dir deine Antwort wohl! Es geht um dein Lebensglück. Ralph war sehr leichtsinnig, er hat sich in schlimmer Gesellschaft herumgetrieben. Aber ich halte ihn nicht für ganz schlecht. Vielleicht wird er ein guter Ehemann.«

»Ach, Madam, ich habe wahrhaftig noch nicht ans Heiraten gedacht. Ich kann unmöglich jetzt eine Antwort ...«

»Sollst du auch nicht, Kind! Wenn du nicht willst, zwingt dich niemand. Solange wir leben, mein Mann und ich, hast du hier bei uns eine Heimat. Ralph wird vor einer Woche nicht wieder zu uns kommen. Solange kannst du alles erwägen.«

Sie begann von dem Glück ihres Sohnes Frank zu erzählen, den sie nun bald mit seiner jungen Frau zurückerwarteten. Unendlich freue sie sich schon darauf. Hoffentlich werde es der Schwiegertochter nicht zu eng im Haus des Sohnes vorkommen.

»Auch wir sind ja sehr beschränkt hier«, plauderte sie absichtslos. »Wir wollten oft schon anbauen, aber für uns zwei alte Leute reicht der kleine Raum.«

So wenig sie sich auch dabei dachte, in Eloise blieben diese Worte haften. Sie bestätigten ihr, was sie selber schon so oft bei sich erwogen hatte. Sie konnte nicht für alle Zeiten hier bleiben.

Sie liebte Ralph nicht. Er war nicht der Mann ihrer Mädchenträume, obwohl er ein stattlicher, durchaus nicht häßlicher Mann war. Sie war ihm nicht abgeneigt und mußte ihm schließlich sehr dankbar sein. Warum sträubte sie sich so gegen eine Verbindung mit ihm? Er liebte sie, das hatte sie längst aus seinen Blicken gefühlt. Gewiß würde auch sie ihn liebenlernen, dachte sie in ihrer Naivität. Immer mehr machte sie sich mit dem Gedanken an eine Ehe vertraut.

Drei Wochen später knüpfte Frau Arnold ihrem Mann das Halstuch zu einer wunderschönen Schleife. Sie selber setzte sich einen blendendweißen Leinenhut auf und bewaffnete sich gegen die Sonnenstrahlen dieses prächtigen Sonntagmorgens mit einem Regenschirm.

Vor der Tür wartete bereits Ralph in seinem besten Anzug. Artig begrüßte er Eloise und half Frau Arnold und ihr auf die Pferde. Die beiden Paare trabten los, hinter ihnen folgte fröhlich grinsend der Neger Bob.

Drei Meilen entfernt lag im Walde ein einsames Blockhaus: die Kirche, in der sich die Farmer der Umgegend jeden Sonntag zum Gottesdienst einfanden. Der Prediger war ein einfacher Pflanzer, der die Berufung zu diesem Amt in sich fühlte.

Der Prediger sprach schlichte Worte der Erbauung. Nachdem er geendet hatte, gab er an diesem Sonntag Ralph Norwood und Eloise Dosamantes als Eheleute zusammen.

In dem festlich geschmückten Hause Arnolds wurde die Hochzeit gefeiert, an der neben dem Prediger noch zahlreiche Nachbarn teilnahmen. Am späten Nachmittag ritten zunächst Ralph und Eloise davon, dann brachen auch die anderen Gäste auf, um noch vor Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein.

Frau Arnold war noch dabei, mit Hilfe der Neger aufzuräumen, als ein zweirädriger offener Wagen vorfuhr. Es war Frank mit Eleanor. Ihnen folgten noch ein Leiterwagen mit zehn Sklaven, einem Geschenk Forneys.

Die Überraschung, der Jubel der beiden Alten kannte keine Grenzen. Immer wieder umarmten sie den Sohn und nicht minder herzlich bewillkommneten sie die Schwiegertochter, mühten sich, es ihr angenehm zu machen.

»Wäret ihr einen halben Tag eher gekommen, so hättet ihr die Hochzeit Ralph Norwoods mitmachen können«, sagte der alte Arnold.

»Ralph verheiratet? ... Die arme Frau!« entfuhr es Frank. »Seit wann ist er denn wieder hier?«

Vater Arnold erzählte nun die Leidensgeschichte Eloises, wie Ralph sie mitgebracht und wie er dann fleißig auf seinem väterlichen Erbe gewirkt habe.

Diese Nacht verbrachte das junge Paar in der väterlichen Besitzung. Erst spät kam man zur Ruhe, so viel war zu berichten. Dann mußten die zahlreichen Pakete ausgepackt werden, die Geschenke für die beiden alten Leute enthielten, Stoffe, Tuche, Kostbarkeiten, die man an der Grenze nicht kannte.

Nach dem Mittagessen brach man dann nach der Besitzung Franks auf. Die alten Leute begleiteten die Wagen zu Pferde. Sie hatten Bob vorausgeschickt, daß er die Neger Franks auf die Ankunft ihrer Herrschaft vorbereitete.

So standen die Sklaven am Eingangstor der Umzäunung und überreichten Eleanor einen prächtigen Blumenstrauß. Freudestrahlend führte Frank seine Frau in das nette Heim, das er selber geschaffen hatte, und zeigt es ihr voll Stolz, die hübsch ausgestatteten Zimmer, die saubere Küche, die Vorratskammer, das Milchhaus. Mit Genugtuung vermerkte Arnolds Mutter, wie wohl und glücklich Eleanor sich sogleich fühlte.

Nach dem Abendessen machten sich die beiden alten Leute mit Bob wieder auf den Heimweg. Von den Wiesen her wehte ein laues, mit Blütenduft gewürztes Lüftchen. Glücklich sah das junge Paar den Eltern nach.

Es war einige Abende später. In Norwoods Haus flackerte traulich das Kaminfeuer. Ralph hatte Eloise auf seinem Schoß und preßte sie unter leidenschaftlichen Küssen an sich.

»Ich bin ja so glücklich und hoffe, daß auch du dich wohl fühlen wirst! Wenn du auch anfangs noch vieles entbehren mußt! Aber wenn ich eine gute Ernte mache, kaufe ich dir eine Negerin, die dir die Arbeit erleichtert!«

»Oh, ich habe noch tausend Dollar in Banknoten!« rief Eloise und holte das Paket ihres Vaters herbei. »Die anderen Papiere hier haben sicher keinen Wert.«

Ralph nahm sie und überflog sie nach dem ersten Blick höchst eifrig.

»Mein Gott, Eloise! Das ist ja ein Versicherungsschein über zwanzigtausend Dollar, in New York auf die ›Tritonia‹ genommen! Hier steht es ausdrücklich: versichert für die Reise von New York bis Mazatlan am Pazifik! Und das hier sind bezahlte und quittierte Rechnungen über die Ladung der ›Tritonia‹!«

Er las sorgfältig jedes einzelne Blatt durch. Schließlich riß er Eloise an sich und küßte sie in wilder Freude.

»Mädel, wir sind reich! Wir brauchen nur das Geld einzufordern! Ich muß den Leuchtturmwächter aufsuchen, damit er mir den Untergang des Schiffes und deine Rettung bescheinigt. Und ich will gleich morgen reiten. Wirst du die paar Tage hier allein bleiben können?«

»Vielleicht nehmen mich die alten Arnolds noch einmal für die kurze Zeit? Sie haben mir gesagt, ich sei ihnen jederzeit willkommen.«

»Süße Worte, liebes Kind! Einmal muß ich es dir doch gestehen: ich habe von Arnolds eine ganz andere Meinung als du! Sie sind scheinheilig und doppelzüngig. Die Alte hat mir immer wieder vorgehalten, wie sehr du ihnen im Weg seist. Am schlimmsten aber ist ihr Sohn Frank, der jetzt zurückgekehrt ist. Er hat sich in Baltimore ganz übel gegen mich benommen, und ich will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Je weniger wir mit Arnolds in Berührung kommen, um so besser!«

Ralph sprach so im Bewußtsein seiner Schuld. Er nahm an, daß Frank die Ursache seiner Flucht aus Baltimore kannte, sonst würde er ihn sogleich nach seiner Rückkehr aufgesucht haben. Er hatte nicht den Mut, Frank vor die Augen zu treten, und mußte jeden weiteren freundschaftlichen Verkehr Eloises mit den Arnolds unterbinden. Denn er fürchtete, sie würde nun von seinen Verfehlungen hören.

Eloise war nur zu leichtgläubig. Sie fügte sich seinem Wunsch und blieb allein auf der Siedlung, wenn auch mit etwas Bangen. Ralph aber ritt schon früh am anderen Morgen fort, den Versicherungsschein wohl geborgen in der Brusttasche.

Es drängte ihn, möglichst schnell in den Besitz der zwanzigtausend Dollar zu kommen. Dieses Geld würde er nicht wieder vergeuden, es sollte den Grundstock künftigen Reichtums bilden. Und er überlegte hin und her, wie er es wohl am vorteilhaftesten verwenden könne. Unter solchen Gedanken ward ihm der Weg durch den Urwald kurz.

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