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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Der Teufel des Spiels

Es war gegen Mitternacht, als Melanie und ihre Freundin sich mit den ersten Gästen empfahlen. Der Kapitän begleitete beide, die in Gesellschaft von Olivias Mutter waren, bis zu ihrem Wagen und verabschiedete sich von Melanie mit dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens.

Bei der Rückkehr ins Haus kam ihm Garrett entgegen.

»Nun, Kapitän, wie wär's mit einem Besuch bei Madame Ophir? Der Betrieb geht dort jetzt los. Mein Freund Norwood hat heute beim Rennen tausend Dollar gewonnen ...«

»Ah, ich verstehe! Gut, ich komme mit! Holen Sie Ihren Freund!«

Ralph hatte viel getrunken und war stark angeheitert. Er erklärte sich zu allen Schandtaten bereit, nur ins Bett wolle er noch nicht. So zogen die drei los.

Madame Ophirs Nachtlokal war ehedem eine Methodistenkirche gewesen, die infolge einer Uneinigkeit der Gemeinde meistbietend versteigert worden war. Es zeichnete sich durch die schönsten Mädchen und teuersten Preise aus. Das Erdgeschoß enthielt einen Tanzsaal und dahinter ein großes Zimmer, in dem Madame persönlich mit einem Gefolge ihrer reizendsten Damen bevorzugten Gentlemen Gesellschaft leistete.

Sie traten auf einen halbdunklen Flur und stiegen eine Treppe hinauf. Im ersten Stock klopfte Garrett an eine verschlossene Tür. Ein Neger öffnete und ließ die drei eintreten. Durch ein dunkles Zimmer gelangten sie in einen erleuchteten Raum.

»Na, Norwood!« Garrett deutete nach dem Tisch. »Sie sind heute im Glück! Wer wagt, gewinnt! Wie wär's mit einem Spielchen Monte?«

Einen Augenblick dachte Ralph an seinen Vorsatz, nie wieder zu spielen. Aber die Versuchung war stärker als die Stimme seines Gewissens. Die Geister des Alkohols umnebelten und erhitzten ihn.

Warum sollte er die tausend Dollar, die er heute gewonnen, nicht wagen und vielleicht verdoppeln? Er trat an den Tisch, wo ihm sofort ein Sitz eingeräumt wurde.

Raph merkte nicht, wie Garrett dem Bankhalter zuzwinkerte, während er sich von diesem eine Fünfhundertdollarnote in Gold umwechseln ließ.

Die Spielleidenschaft hatte ihn wieder mit aller Macht erfaßt, vergessen waren alle guten Vorsätze. Er bestellte bei einem schwarzen Diener ein Glas Grog und eine Zigarre.

Als Garrett nach einer Weile zur Bar trat, wo der Kapitän einen Whisky trank, grinste dieser ihn spöttisch an:

»Na, was macht das Greenhorn?«

»Die Federn haben wir ihm ausgerupft, jetzt geht's an die Haut und das Fleisch!«

»Und wenn das Bürschchen blank ist?«

Garrett zuckte mit den Achseln. Flournoy setzte sein Glas an, doch er trank nicht.

»Go to hell!« brüllte in diesem Moment Ralph und sprang auf, daß sein Stuhl umflog. Er bückte sich, riß den Stuhl hoch und schmetterte ihn mit aller Gewalt auf den grünen Tisch nieder, daß dieser zusammenbrach. Das Gold darauf rollte in den Raum, die Karten flatterten umher. Die Männer um ihn wollten Ralph in den Arm fallen, aber er schüttelte sie von sich und schleuderte den zerbrochnen Stuhl nach der Bar, wo er Gläser, Karaffen und Teller in Scherben schlug.

Flournoy war dem Stuhl nur durch eine schnelle Wendung ausgewichen. Er sprang auf Ralph los und packte ihn von hinten mit eisernen Händen, daß er sich nicht mehr rühren konnte. Garrett sprach beruhigend auf den Wutschäumenden ein, der langsam wieder zur Besinnung kam.

Der Kapitän und Garrett faßten ihn rechts und links und zogen ihn mit guten Worten und Gewalt aus der Tür. So brachten sie ihn die Treppe hinunter in das Zimmer der Madame Ophir.

Verwirrt starrte er die hübschen Mädels an, die ihm auf einen Wink Garretts Gläser mit schäumendem Sekt kredenzten. Er nahm das Glas einer schwarzäugigen Brünetten und goß es hinunter. Willenlos ließ er sich zu einem Diwan führen.

Spät am Vormittag erwachte Ralph Norwood mit einem schauderhaften Katzenjammer in Garretts Boardingshouse. Was nun? Sein ganzes bares Geld hatte er verspielt, mit dem Kreditbrief des Mister Behrend mußte er Garrett befriedigen. Er war blank. Er verfluchte sich und das Spiel.

Ein Wort zu Frank Arnold, und der Freund würde ihm helfen. Das wußte er. Aber er schämte sich, ihm seinen Rückfall einzugestehen, er redete sich ein, der andere würde ihn mit Vorwürfen demütigen. Nein, er durfte Frank nichts sagen, er wollte ihn, der sicher kein Verständnis für ihn haben würde, nicht wiedersehen, solange er in solcher Lage war. Sein Stolz verbot ihm das. Zum Teufel mit diesem Biedermann und seiner ganzen tugendhaften Gesellschaft, die sich nur in ehrsamer Langweiligkeit vergnügen konnte ...

Garrett kam und hob Ralphs Stimmung mit Kognak.

Leichthin erbot er sich, ihm Geld zu borgen. Allerdings müsse er zunächst dem Croupier bei Madame Ophir die zweitausend Dollar zurückzahlen, die dieser in der Nacht ihm für Ralph vorausgestreckt habe. Norwood ging darauf sofort mit ihm zur Bank, um den Kreditbrief einzulösen, und gab ihm das Geld.

Nachdem er sich dann überzeugt hatte, daß Frank nicht in Barnums Hotel war, packte er dort seine Sachen, zahlte seine Rechnung und verließ das Hotel, ohne eine Nachricht für Arnold zu hinterlassen. Er mietete sich in einem Boardinghouse in der Nähe von Garretts Unterkunft ein.

»Die paar tausend Dollar bedeuten für einen Mann wie Sie doch nichts!« meinte Garrett. »Ihr Freund Arnold, der Schwiegersohn des reichen Forney, pumpt Ihnen doch bestimmt jeden Betrag.«

»Ich will von ihm und seiner Sippschaft nichts wissen! Hab' keine Lust auf Moralpredigten! Sie sagten, Sie wollten mir aushelfen, Garrett ... Ich will mein Glück noch mal versuchen!«

»Hm! Allzuviel habe ich auch nicht. Was ich habe, will ich gern mit Ihnen teilen. Aber ein Fehlschlag, und wir sitzen beide auf Sand! Wir müssen Geld zu machen suchen!«

»Das ist schnell gesagt! Aber ich wüßte nicht, wie?«

»Ich weiß es! Eine Reise von Ihnen nach New York, und wir haben Geld genug!«

»Dafür reise ich zehnmal nach New York!«

»Hören Sie gut zu! In meinem Besitz ist der Brief einer bedeutenden New Yorker Bank, die ihre Wechselgeschäfte mit dem Bankhaus Brown & Co. in Baltimore macht. Ich schreibe Ihnen einen Kreditbrief der New Yorker Bank auf Brown & Co. hier und fertige zugleich einen Avisbrief an diese Firma aus.«

Garrett beobachtete verstohlen die Wirkung seiner Worte.

»Wie können Sie diese Briefe schreiben?« staunte Ralph.

»Lassen Sie es meine Sorge sein, daß die Briefe und auch die Unterschriften so stimmen, daß sie anerkannt werden. Sie reisen nach New York und geben den Avisbrief dort auf die Post, kommen gleichzeitig mit ihm wieder hier an, präsentieren den Kreditbrief bei Brown & Co. und empfangen die darin genannte Summe, sagen wir viertausend Dollar, die wir zur Hälfte teilen.«

»Aber das ist ja Urkundenfälschung und offenbarer Betrug!« fuhr Ralph auf. »Wenn man mich erwischt ...«

»Pshaw! Unmöglich! Niemand kennt Sie hier, und der Betrag wird sofort ausgezahlt.«

»Aber sie werden dahinterkommen und mir hier nachspüren!«

»The devil! Sie können ja gleich abreisen mit dem Geld! Ich habe Sie für mutiger gehalten, für einen Kerl, der Spaß versteht, wenn's gilt, einen ebenso lustigen wie nutzbringenden Streich zu landen.«

Ralph zögerte noch immer.

»Dann beichten Sie Ihrem Freunde Arnold. Für ihn ist es eine Kleinigkeit über Forney ...«

»Gut, ich mache mit!« unterbrach ihn Ralph.

»Dann besorge ich gleich die Briefe, und Sie können heute noch nach New York abreisen!« Garrett nahm seinen Hut und eilte zur Tür hinaus.

Nach einiger Zeit kam Garrett mit den Briefen.

»Vergleichen Sie die Unterschriften hier mit denen da auf diesem Originalbrief. Ist die Kopie nicht meisterhaft? Und nun kommen Sie! In einer halben Stunden geht das Dampfboot nach New York. Hier ist das nötige Reisegeld! Packen Sie eine Handtasche mit dem Notwendigsten, wir müssen uns eilen. Ich bringe Sie zum Schiff!«

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