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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Der tanzende Pirat

Leichten Schrittes verließ Eloise das Schiff ihres Vaters. Ein alter Neger begleitete sie. Sie schritten über die menschenleere Straße der Point. Als sie das letzte Haus und die letzte Laterne hinter sich hatten, kamen schnelle Schritte näher. Eloise erkannte gegen den Schein der entfernten Laterne die dunkle Silhouette eines großen breitschultrigen Mannes.

Der alte Neger faßte seinen Stock fester.

Der Mann schwenkte seinen Hut. Unwillkürlich blieb Eloise stehen und erwartete ihn.

»Mein Name ist Flournoy, Kapitän des ›Sturmvogels‹«, sagte er höflich. »Ich hatte bereits die Ehre, verehrte Senorita, Sie bei meinem Besuch auf dem Schiff ihres Vaters zu sehen. Wenn Sie mir gestatten wollen, daß ich Sie begleite...?«

»Ich will zur Kirche, Sir! Wenn Sie den gleichen Weg haben...?«

»Senorita mia!« sagte er. »In wenigen Tagen schon tragen uns die Wogen des Weltmeeres nach entgegengesetzten Richtungen. Zürnen Sie mir nicht, wenn ich den Augenblick wahrnehme, von dem – ich fühle es – das Glück meines Lebens abhängt!«

»Bitte, lassen Sie mich allein gehen!« sagte sie. »Ich will Ihre Erklärung nicht hören!«

»Senorita, Ihr leisester Wunsch ist mir Befehl! Selbst wenn er mein Glück kosten sollte!«

Er zog seinen Hut und blieb mit einer ehrerbietigen Verbeugung zurück. Eloise eilte schneller mit ihrem Neger des Weges. Dieser Mann mit dem großen schwarzen Barte und den durchbohrenden Augen war ihr unheimlich. Warum war er so zudringlich? Was wollte er von ihr?

Flournoy hatte der Davoneilenden spöttisch nachgeblickt, dann wandte er sich zur Point zurück, wo er sich vor einer der Hafenschenken eine Droschke nahm. Eine Viertelstunde später ließ er sich vor dem Wohnhaus des Herrn Ballard absetzen.

Ein Neger in schwarzem Frack und weißer Weste spielte auf einer Violine einen lustigen Cotillon, der in vier Abteilungen getanzt wurde. Mit dem Fuß trat er den Takt, und mit lauter Stimme rief er die Touren ab.

Ringsum an den Wänden standen dicht gedrängt die Zuschauer. Eine gemischte Gesellschaft: Männer in einfacherer Kleidung, die sich in der Ausgelassenheit dieses mit Gold und Kostbarkeiten überladenen Saals nicht recht wohl zu fühlen schienen, die zum Teil recht ernst dreinschauten, und junge Dandys, deren Sinn unbekümmert nur auf Vergnügen gerichtet war.

In dem Cotillon zunächst Flournoy tanzte eine zierliche Blondine in himmelblauem Florkleid, die sofort seine Blicke auf sich zog.

Sie senkte die Wimpern über ihre blauen Augen und sah errötend zu Boden. Verlegen zupfte sie bald an einer Falte, bald an einem Band ihres Kleides, glättete ihren weißen Handschuh und konnte nicht anders, sie mußte den stattlichen Mann mit dem schwarzen Vollbart der seine Blicke nicht von ihr wandte, wieder ansehen.

Als der Tanz zu Ende war, ergriff sie den Arm einer Freundin und eilte hastig mit ihr fort. In diesem Moment trat Ballard zu Flournoy und begrüßte ihn.

»Beim Satan, Ballard! Wer ist der blondgelockte kleine Engel dort?« Der Kapitän deutete vorsichtig nach dem Mädchen. »Sie muß mein werden.«

»Sie ist aus anständiger Familie, die Tochter eines kleinen Buchhalters. Nichts für ein kleines Abenteuer, alter Freund! Oder wollen Sie sie heiraten?« lachte Ballard.

»Wir werden sehen! Stellen Sie mich ihr vor!«

»Das will ich tun!«

Ballard führte Flournoy durch den Saal. Melanie sah die beiden auf sich zukommen und drückte erregt die Hand ihrer Freundin.

»Darf ich Ihnen Kapitän Flournoy vorstellen?« sagte Ballard.

»Miß Melanie Terrel! Miß Olivia Lathrop!«

Während Flournoy Melanie galant um den nächsten Tanz bat, nahm Ballard ihre Freundin beiseite.

»Miß Terrel kann sich gratulieren. Der Kapitän hat auf den ersten Blick Feuer gefangen. Sein Schiff, der ›Sturmvogel‹ gehört ihm zur Hälfte, er ist sehr wohlhabend und kann sich in ein paar Jahren zur Ruhe setzen. Wenn Ihre Freundin klug ist, versteht sie ihre Chance. Geben Sie ihr nachher heimlich einen kleinen Wink!«

Nach dem Tanz winkte der Kapitän einen schwarzen Bedienten heran und nahm zwei Champagnergläser von seinem Tablett.

»Miß Melanie, ich leere mein Glas auf die Erfüllung meiner innigsten Wünsche!«

Seine dunklen Augen strahlten sie so leidenschaftlich an, daß sie erglühte. Fast willenlos nahm sie das Glas mit dem prickelnden Wein und leerte es.

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