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Die Prüfung der Seele

Rudolf Steiner: Die Prüfung der Seele - Kapitel 9
Quellenangabe
typedrama
titleDie Prüfung der Seele
authorRudolf Steiner
publisherRudolf Steiner Verlag
addressDornach
isbn3727401400
senderchristian.clement@worldnet.att.net
created20040624
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Siebentes Bild

Ein Zimmer jener Burg, die im vorigen Bild von außen zu sehen war. Alles geschmückt mit Symbolen einer mystischen Brüderschaft. (Die geistigen Ritter während einer Versammlung, dann der Mönch mit einem der Ritter, später die Erscheinung des Geistes Benedictus', der etwa fünfzig Jahre vorher verstorben. Lucifer und Ahriman. Der Grossmeister mit vier Brüdern an einem langen Versammlungstisch.)

Grossmeister:
Die ihr Gefährten mir geworden,
im Suchen nach der Menschheit Zukunftzielen,
die aus dem Geistgebiet zu tragen
ins Reich des Erdenwirkens
als Bundessatzung uns gegeben:
ihr sollt' mir treu zur Seit' auch stehn
in dieser Zeit der schweren Sorgen.
Seit unser teures Haupt gefallen
als Opfer jener dunklen Mächte,
die aus dem Bösen ihre Kräfte holen,
um durch des Widerstandes Kraft
in ihrer Art der Weisheit Plan zu dienen,
die Gutes auch aus Bösem wirkt –
seit dieser Zeit ist hoffnungslos all unser Erdenstreben.
Schon haben uns die Feinde überwältigt
gar manche unsrer Bundesburgen, – –
und viele unsrer teuren Brüder
sind kämpfend ihm gefolgt, dem großen Meister,
ins lichte Reich der Ewigkeiten.
Auch uns muß bald die Stunde schlagen,
in der auch diese Mauern fallen,
die schützend uns umgeben.
Schon spähen unsre Feinde allerorten,
wie sie der Güter uns berauben können,
die wir zum eignen Nutzen nicht erworben,
die wir als Mittel nur gebrauchten,
um uns zu scharen solche Menschen,
in deren Seele wir
die Keime für die Zukunft pflanzen können.
Sie sollen reifen dann, wenn jene Menschen
die Rückkehr finden aus dem Geisterland
zu einem spätern Erdenleben.

1. Zeremonienmeister:
Daß unser Bund sich beugen muß
dem dunklen Plan des Schicksalsplanes:
begreiflich muß es scheinen.
Doch daß im Fallen die Gemeinschaft mit sich
reißt
So vieler Brüder Einzelleben:
Ein Unrecht scheint es vor dem Weltgesetz.
Nicht klagen soll mein Mund;
denn willig starben unsre Brüder. –
Doch sucht Verständnis meine Seele
des Opfers, das vom Menschen wird gefordert,
der an ein Ganzes sich gebunden hat,
wenn Schicksalsmächte diesem Ganzen
den Untergang bereiten müssen.

Grossmeister:
Es ist des Menschen Sonderleben
gar weise mit dem Weltenplan verknüpft.
In unsrer Brüder Reihen
ist mancher wohl, der fähig sich erweist,
mit seinen Geisteskräften unserm Bund zu dienen,
und der doch Flecken hat in seinem Dasein.
Es müssen seines Herzens irre Wege
die Sühne finden duch die Leiden,
die er im Dienst des Ganzen tragen muß.
Und wer nicht schuldig durch die eignen Taten
die Dornenwege wandern muß,
die aus dem Bundeskarma stammen,
dem wird der Schmerz die Kraft verleihn,
zum höhern Leben aufzusteigen.

1. Zeremonienmeister:
So darf der Bund auch Menschen
in seiner Mitte dulden,
die nicht mit reinster Seele nur
sich weihen können seinen hohen Zielen?

Grossmeister:
Es wägt allein das Gute in den Seelen,
wer hohem Werke sich gewidmet,
und läßt das Schlimme seine Sühne finden
im Lauf der Weltgerechtigkeit.
Ich habe euch, ihr Brüder, jetzt zu mir gerufen
Um euch in unsern Trauertagen
Mit ernstem Worte zu erinnern;
Daß freudig uns geziemt zu sterben –
für unsre Ziele, denen lebend uns zu weihn
wir treu gelobet haben.
Ihr seid im rechten Sinne meine Brüder,
wenn mutig wiederklingt in euren Seelen
des Bruderbundes Weihespruch:
»Es muß sein Sondersein und Leben opfern,
wer Geistesziele schauen will
durch Sinnesoffenbarung;
wer sich erkühnen will,
in seinen Eigenwillen
den Geisteswillen zu ergießen,«

1. Präzeptor:
Erhabner Meister, wenn du prüfen wolltest
die Herzen aller unsrer Brüder:
erklingen müßte dir der helle Widerhall
der Worte unsres Weihespruches.
Doch möchten wir aus deinem Munde hören,
wie wir zu deuten haben,
daß unsre Feinde mit unsern Gütern, unserm Leben,
uns rauben auch die Seelen,
die wir in Liebe pflegten.
Schon zeigt es sich mit jedem Tage klarer,
wie unsre Leute nicht allein
den Siegern sich durch Zwang ergeben;
wie sie auch hassen lernen
den Geistesweg, den wir gewiesen.

Grossmeister:
Was wir gepflanzt in Seelen haben,
es mag für diese Zeiten sterben;
doch werden wiederkehren solche Menschen,
die unsres Geistes Licht geatmet,
und unsre Werke dann der Welt verleihn.
So spricht zu meinem Geiste oft
der große Führer aus dem Totenreich,
wenn ich in meinen stilen Stunden
un meine Seelengründe tauche,
und Kräfte mir erwachen,
zu weilen in dem Geisterlande.
Ich fühle dann des Meisters Gegenwart
und höre seine Worte,
wie ich in Sinnesleben
sie oftmals hören durfte.
Er spricht von unsres Werkes Ende nicht;
nur von Erfüllung unsrer Ziele
in spätren Erdentagen.
(Es gehen der Großmeister und zwei Brüder ab, während zwei zurückbleiben.)

1. Präzeptor:
Er spricht von Geisteswelten in der gleichen Art,
wie andre Menschen über Dörfer oder Städte
– – –.
Bedrückend find' ich diese Art,
wie unsre höchstgeweihten Brüder
von andern Daseinsreichen sprechen.
Und doch bin ich ganz streng verbunden
mit allen unsern Erdenzielen.

2. Zeremonienmeister:
Ich halte mich an unsrer Meister Worte:
Wer nicht mit vollem Glauben
die Kunde kann vernehmen
von Geist und Geisteswelten, –
ihm fehlt es nicht an Fähigkeit,
zu fassen solche Offenbarung.
Es fehlt ganz andres ihm.
Daß er sicht wert sich fühlen darf
der höhern Welten Glied zu sein,
er ahnt es wohl, doch möcht' er sich's
verbergen.
Die Seele muß geheime Flecken haben
und sich darüber täuschen wollen,
wenn sie sich nicht dem Geisteswissen beugen will.
(Die beiden gehen ab.)
(Der Mönch erscheint in demselben Zimmer; zu ihm tritt der zweite Präzeptor.)

2. Präzeptor:
Was führt euch her in dieses Haus,
das auch als Feindesstätte gilt?

Mönch:
Ich muß zu meinen Freunden zählen,
was Menschenantlitz trägt;
so will es unsre strenge Regel.
Doch feindlich könnt' euch wohl erscheinen,
was pflichtgetreu zu fordern mir obliegt.
In meiner Obern Auftrag bin ich hier.
Sie wollen auf dem Friedenswege
der Kirche Gut zurückerstattet haben,
das ihr durch alter Briefe Inhalt zugehört.
Das Grundstück, das ihr zum Bergwerk umgestaltet,
ist unsrer Kirche rechtlich Eigentum.
Es kann die Art als Recht nicht gelten,
wie ihr das Gut erworben habt.

2. Präzeptor:
Ob wir duch Recht es unser nennen oder nicht,
darüber können Richter lange streiten.
Doch sicher ist es unser Eigentum
Im Sinne eines höhern Rechtes.
Das Grundstück war ein ungenützter Boden
als unser Bund es angekauft.
Es war euch gänzlich unbekannt,
daß dieses Bodens Tiefen reiche Schätze bergen.
Wir haben sie dem Menschenfleiß erobert.
Es wandern heute diese Schätze
in fernste Länder, Menschenwohl zu fördern.
Und viele wackre Leute schaffen
Ii jenes Bodens Schachten,
die ihr als Wüstenei besessen habt.

Mönch:
So haltet ihr es nicht für Recht,
in eurem Bunde durchzusetzen,
daß er im Frieden sich mit uns verständigt,
wie wir zu unserm Rechte kommen sollen?

2. Präzeptor:
Da wir uns keiner Schuld bewußt,
vielmehr des vollen Rechtes sicher sind,
so können wir in Ruhe warten,
ob auch in dieser Sache euch belieben wird,
das Unrecht doch auf eure Seite hinzuwenden.

Mönch:
Ihr habt es eurem starren Willen zuzuschreiben,
wenn wir zu andern Mitteln so gezwungen sind.

2. Präzeptor:
Die Ehre unsres Bundes heischt,
daß er nur kämpfend
sich seines Rechts berauben läßt.

Mönch:
So ist mein Auftrag denn erfüllt,
ich kann nun euch und mir die weitern Worte sparen.
Ist's möglich wohl, zu sprechen
das Haupt, das hier gebietet?

2. Präzeptor:
Der Meister wird euch wohl zu Diensten stehn;
Doch bitt' ich euch, verweilet kuze Zeit,
er wird sogleich nicht kommen können. (Er geht ab.)

Mönch:
O, daß mein Amt mich zwingt,
die Räume des verhaßten Bundes zu betreten.
Es trifft mein Blick nach allen Seiten
auf Teufelszeichen und auf Sündenbilder.
Ein Grauen will mich fast ergreifen . . .
Es knistert – oh, es poltert durch den Raum;
Ich fühle wie von bösen Mächten mich umgeben.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
Da ich bewußt mir keiner Sünde bin,
will ich den Widersachern trotzen –
– – – – – – – –
– – – – – –
Es wird ganz furchtbar . . . . . . . .
Oh – – – – – – –
– – – – –
(Es erscheint der Geist des Benedictus.)
Ihr guten Geister, steht mir bei!

Benedictus:
Besinne dich, mein Sohn!
Ich durfte oft mich zu dir wenden,
wenn deines Betens Inbrunst
dich in die Geisteswelt entrückte.
So höre mutvoll auch in dieser Stunde,
was du erkennen mußt,
wenn Geisteshelle statt der Finsternis
in deiner Seele walten soll.

Mönch:
Wenn ich um Klarheit flehte,
in solch' bedeutungsvollen Dingen,
und mein ergebnes Beten
Erhörung fand im Geistesland,
erschienst du mir, mein großer Meister,
der unsrer Ordens Zierde war,
als er im Erdenleibe lebte.
Du sprachst zu mir aus höhern Reichen,
erleuchtend mir den Sinn,
und stärkend mir die Kraft.
Es schaute dich mein Seelenblick,
es hörte dich mein Geistgehör.
Ergeben will ich auch in dieser Stunde
der Offenbarung lauschen,
die du in meine Seele fließen läßt.

Benedictus:
Du bist um Hause eines Bruderbundes,
den deine Seele böser Ketzerei beschuldigt.
Er scheint zu hassen, was wir lieben,
und zu verehren, was uns Sünde dünkt.
Es halten unsre Brüder sich verpflichtet,
den Untergang der Geistessünde zu befördern.
Sie können sich dabei auf jene Worte stützen,
die ich im Erdensein gesprochen.
Sie ahnen nicht, daß diese Worte
sich lebend nur erzeugen können,
wenn sie im rechten Sinne fortgebildet werden
von jenen, welche meiner Arbeit Folger sind.
So lasse du in deiner Seele
im Sinne einer neuen Zeit erstehen,
was ich auf Erden habe denken dürfen.
Den Orden, welcher aus der Mystik Reich
sich seine Ziele weisen läßt,
erblicke ihn in jenem Lichte,
in dem ich selbst ihn heute sehen würde,
wenn mir beschieden wäre,
im Erdenleibe wirksam unter euch zu wandeln.
Der Bund ist hohen Zielen zugewandt.
Die Menschen, die sich ihm gewidmet,
empfinden ahnend spätre Erdenzeiten,
und ihre Führer ahnen schon im Vorgesicht
die Früchte, die in Zukunft reifen sollen.
Es werden Wissenschaft und Lebensführung
die Formen und die Ziele wandeln.
Und was der Bund, den du verfolgen hilfst,
in dieser Zeit zu leisten sich getrieben fühlt,
sind Taten, welche dieser Wandlung dienen.
Nur wenn zum Friedenswerk sich einen will
das Ziel, dem unsre Brüder dienen,
mit jenem, dem die Ketzer folgen,
kann Heil dem Erdenwerden blühn.

Mönch:
Die Mahnung, der ich würdig bin befunden,
wie kann ich ihr nur folgen – – –?
Sie weicht gewaltig ab von allem,
was mir bisher als richtig wollte scheinen.
(Es erscheinen Ahriman und Lucifer.)
Doch nahen mir noch andre Wesen!
Was wollen sie an meiner Seite?

Ahriman:
Die weitre Weisung kommt von andern Orten.
Es kann dir leicht nicht scheinen,
des Vorfahrs Winken zu gehorchen.
Bedenk', daß er im Reich der Seligkeiten lebt.
Was dort Gebot und Pflicht ersehnt,
es kann in eurer Gegenwart
auf Erden nur Verwirrung stiften.
Erheb' den Blick zu seinen Höhen,
wenn du Erbauung suchen willst
im Glück, das fernsten Erdentagen
von Weltengeistern wird beschieden sein.
Doch willst du jetzt schon richtig wirken,
so laß von dem allein dich führen,
was dir Vernunft und Sinne lehren.
Es ist dir gut gelungen,
die Sünden jener Bundesbrüder zu ergründen,
die sie vor aller Welt verbergen müssen.
Sie zeigen dir, wie ihre Zukunftssatzung
gar wohl in Sünderseelen leben kann.
Wie könntest du bei solcher Wissenschaft
In Frieden mit dem Bunde leben wollen!
Der Irrtum ist ein schlechter Boden;
er läßt nicht gute Früchte reifen.

Lucifer:
Es hat dein frommer Sinn
Die rechten Wege dir gewiesen.
Wohl wandeln sich die Zeitenziele,
doch dürfen Ketzer nicht
des Menschen Pfade vorbestimmen.
An diesem Geistesbunde ist gefährlich,
daß er in Worten Wahrheit spricht,
und doch der Wahrheit jene Wendung gibt,
durch die sie an Gefährlichkeit
den Irrtum übertreffen muß.
Wer offen wollt' der Lüge dienen,
der müßte sinnbetört wohl sein,
wenn er im Glauben leben könnte,
die Menschen folgten seiner Führung.
Die Geistesritter sind so unklug nicht, –
sie sprechen wohl von Christi Wesenheit,
weil dieser Name alle Tore öffnet,
die zu den Menschenseelen führen.
Man kann für Christi Gegenbild
am besten Menschenherzen fangen,
wenn Christi Namen man dem Bilde gibt.

Mönch:
Verwirrend klingen mir aus Seelenwelten
die Stimmen, die ich oft gehört,
und die doch stets bekämpfen wollten,
was frommer Sinn befiehlt.
Wie soll ich denn die guten Wege finden,
wenn böse Mächte sie mir loben.
Bedünken will es mich doch fast – –
–;
Doch nein, das Wort, es bleibe ungedacht –.
Mein weiser Führer wird mich leiten,
daß seiner Worte Sinn sich mir enthüllen kann,
der mir so dunkel scheint.

Benedictus:
Ich kann den rechten Weg dir weisen,
wenn du in tiefster Seele dich durchdringst
mit Worten, die ich einst auf Erden sprach.
Und willst du dieser Worte Leben
In jenen Welten dann erstreben,
in welchen du mich jetzt erschauen kannst,
wird dir der rechte Weg gewiesen sein.

(Vorhang fällt, während noch der Mönch, der Geist des Benedictus, Lucifer und Ahriman im Saale sind.)

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