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Die Prüfung der Seele

Rudolf Steiner: Die Prüfung der Seele - Kapitel 7
Quellenangabe
typedrama
titleDie Prüfung der Seele
authorRudolf Steiner
publisherRudolf Steiner Verlag
addressDornach
isbn3727401400
senderchristian.clement@worldnet.att.net
created20040624
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Fünftes Bild

Eine Landschaft, in welcher sich das einsame Haus Balde's befindet. Abendstimmung. (Frau Balde, Capesius, dann Felix Balde; später Johannes und dessen Doppelgänger, hernach Lucifer und Ahriman.)

Capesius: (ankommend, und sich einer Bank nähernd vor Balde's Haus, auf welcher Frau Balde sitzt.)
Erlaubt ihr wohl, daß euer alter Freund
Ein wenig bei weilen darf bei euch?
Er braucht jetzt mehr als je vorher,
was er so oft in eurem Hause fand.

Frau Balde:
Schon als ich euch von ferne kommen sah,
erzählten eure müden Schritte mir,
und da ihr näher tratet, euer Auge auch,
daß Leid in eurer Seele heute wohnt.

Capesius: (der sich gesetzt hat)
Viel Heiterkeit in euer Heim zu bringen,
es war auch sonst mir nicht gegeben;
doch heute bitt' ich um besondre Nachsicht,
wenn ich mit meinem friedelosen Herzen
das Heim des Friedens überfalle.

Frau Balde:
Ihr waret damals schon so gerne hier gesehen,
als kaum ein andrer Mensch
in dieses Hauses Nähe kam. –
Trotz manchem, was sich zwischen uns gestellt,
seid ihr uns Freund geblieben,
auch jetzt, da unsre weltenferne Stätte
gar mancher gerne sucht.

Capesius:
So ist denn wahr, was ich gehört,
daß euer lieber Felix
der vordem so verschlossen war,
in diesen Tagen ist geworden
ein vielgesuchter Mann?

Frau Balde:
Ach ja, der gute Felix
verschloß uns einst vor aller Welt – –.
Und jetzt muß er so vielen Leuten Rede stehn.
Als seine Pflicht erscheint dies neue Leben ihm.
In frühern Tagen wollte er
dem eignen Innern nur vertraun,
was Wald und Fels ihm offenbarten
von Geistestaten und Naturgewalten.
Auch schien es früher keinem Menschen wissenswert.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
– – –
Wie hat die Zeit sich doch verändert!
Es hören jetzt recht viele Menschen
Gar gierig auf die Wissenschaft,
die Felix ihnen offenbaren kann,
und die sie vorher doch nur töricht fanden.
Und wenn mein lieber guter Mann
(Felix Balde kommt aus dem Haus.)
oft stundenlang erzählen muß,
dann sehn' ich mich nach alten Zeiten,
in denen Felix mir so ernst bedeutet hat,
wie nur im stillen Herzen tragen soll
die Seele ihre Geistesgaben,
die ihr aus Götterreichen
in Gnade sind verliehn –,
und daß Verräter wird am hohen Geistesworte
wer solchem Ohr es offenbart,
das nur der Sinnenwelt erschlossen ist.

Felix Balde:
Felicia kann nur recht schwer sich finden
in unser ganz verändert Leben;
Sie hat die alte Einsamkeit beklagt,
und klagt nicht minder jetzt,
da wir so manchen Tag nur wenig Stunden
noch für uns selber haben.

Capesius:
Und was hat euch bewogen,
das früher so verschloßne Haus
den Menschen gastlich zu eröffnen?

Felix Balde:
Gehorsam folgte ich der Geistesführung,
die mir im Herzen spricht,
als sie zu schweigen mir gebot.
Und jetzt, da sie mich reden heißt,
will ich ihr gleich ergeben sein.
Der Menschheit Wesen ändert sich
im Werdegang des Erdenseins.
An einem Zeitenwendepunkte stehen wir.

Es muß ein Teil der Geisterkenntnis
erschlossen werden allen Menschen,
die ihr Gemüt ihr öffnen wollen. –
Ich weiß, wie wenig meine Art entspricht
den Formen, die man heute gelten läßt.
Um auszusprechen, was im Geiste lebt,
verordnet man die strengste Logik und Gedankenfügung.
Sie werden meinen Reden abgesprochen.
Man sagt, daß wahrer Wissenschaft,
die nur auf festen Stützen ruhen soll,
mein Wesen bloß als Beispiel dienen kann,
wie Menschenseelen träumen,
wenn sie, der Wissenschaft und Bildung fremd,
auf eignen Wegen Weisheit suchen;
doch sei es wertvoll, meinen manche,
wie durch die Wirrnis meiner Worte
zuweilen etwas zu entdecken ist,
daß mit Vernunft sich fassen läßt.
Ich bin ein Mann, dem ohne Kunst
ins Herz muß strömen,
was sich offenbaren mag.
Ich kenne nicht ein Wissen ohne Worte. –
Wenn ich in Herzenstiefen Einkehr halte,
und auch, wenn ich Natur belausche,
so lebt in mir das Wissen,
das Worte nicht est suchen muß – –
–:
Die Sprache ist ihm so verbunden,
wie seine Leibesform dem Erdenmenschen. –
Ein Wissen, das in dieser Art
Aus Geisteswelten sich uns offenbart,
ist nützlich auch den Menschen, die es nicht verstehn.
Es soll deshalb ein jeder zu mir kommen dürfen,
der hören will, was ich zu sagen habe.
Ich weiß recht gut, wie nur die Neugierd'
Und andre wenig gute Gründe viele leiten.
Auch wenn die Seelen solcher Menschen
in dieser Erdenzeit noch nicht ergriffen werden:
es wird das Gute in sie eingepflanzt,
und wird in ihnen weiter wirken.

Capesius:
Ich möchte offen mit euch sprechen. – –

Seit vielem Jahren muß ich euch bewundern.
Doch war auch mir der Sinn bisher verschlossen,
der euren sonderbaren Worten eigen ist.

Felix Balde:
Er wird sich euch gewiß erschließen.
Ihr strebt mit gutem Geist und edlem Herzen,
da müssen auch die Zeiten kommen,
wo ihr der Wahrheit Stimme hört.
Ihr achtet nicht, wie inhaltreich
Der Mensch als Bild der Weltenreiche.
Sein Haupt, es ist des Himmels Spiegelbild,
durch seine Glieder wirken Sphärengeister,
in seiner Brust bewegen Erdenwesen sich;
und allen stehn entgegen, machtvoll ringend,
Dämonen aus dem Mondbereich,
die jener Wesen Ziele kreuzen müssen.
Was als ein Menschenwesen vor uns steht,
was als die Seele wir erleben,
was als der Geist uns leuchtet:
es schwebte vielen Göttern vor seit Ewigkeiten,
und ihre Absicht war,
aus ihren Welten Kräfte zu verbinden,
die im Verein den Menschen bilden.

Capesius:
Fast ängstlich werde ich bei diesem Wort,
das kühn als aller Götter Leistung
des Menschen Wesenheit betrachten will.

Felix Balde:
Darum ist höchste Demut jedem nötig,
der Geisteswissenschaft erlangen will.
Und wer in Hochmut und in Eitelkeit
sich selbst erkennen will,
dem öffnen sich die Wissenspforten nicht. (Geht ab)

Capesius:
Wie schon so oft, wird mir auch dieses Mal
Die liebe Frau Felicia  wohl helfen,
daß meine Seele sich zum Bilde wende
und, an dem Bild die Seele erwarmend, eure Worte
in rechter Art zu fassen fähig wird.

Frau Balde:
Es hat der liebe Felix
mir öfter schon die Worte wiederholt,
die er soeben sprach.
Sie lösten aus dem Herzen mir
ein Bild, von dem ich mir schon immer sagte,
ich müßt' es euch erzählen.

Capesius:
O tut es, liebe Frau – –,
mich dürstet nach Erquickung
aus eurem Bilderschatze.

Frau Balde:
Es sei – – – – –.
Es war einmal ein Knabe,
der wuchs als armer Förstersleute einzig Kind
in Waldeseinsamkeit heran. –
Er lernte außer seinen Eltern
nur wenige Menschen kennen.
Er war von schwachem Gliederbau:
durchscheinend fast war seine Haut.
Man konnte lang ins Aug' ihm schaun;
es barg die tiefsten Geisteswunder.
Und wenn durch finstre Wolken
der Morgensonne Strahl nicht drang,
und düstre Stimmung alle Berge überzog,
da ward des Knaben Auge trüb,
und wehmutvoll sein Herz – –.
So war er hingegeben ganz
dem Geistesweben seiner engen Welt,
die er nicht fremder fühlte seinem Wesen,
als seines Leibes Glieder.
Es waren ihm ja Freunde auch
Des Waldes Bäume und die Blumen,
es sprachen Geisteswesen aus den Kronen,
den Kelchen und den Wipfeln –,
verstehen konnte er ihr Raunen – –.
Geheimer Welten Wunderdinge
erschlossen sich dem Knaben,
wenn seine Seele sich besprach
mit dem, was leblos nur
den meisten Menschen gilt.
Und sorgend oft vermißten abendlich
die Eltern den geliebten Sprossen. –
An einem nahen Orte war er dann,
wo aus den Felsen eine Quelle drang,
und tausendfach zerstäubend
die Wassertropfen über Steine sprengte.
Wenn Mondeslichtes Silberglanz
in Farbenfunkelspielen zauberhaft
sich spiegelt in des Wassers Tropfenstrom,
da konnt' der Knabe stundenlang
am Felsenquell verharren,
Und Formen, geisterhaft gebildet,
entstanden vor dem Knabenseherblick
im Wassertreiben und im Mondernlichtgeflimmer.
Zu dreien Frauenbildern wurden sie,
die ihm von jenen Dingen sprachen,
nach denen seiner Seele Trieb gerichtet. –
Und als in einer milden Sommernacht
Der Knabe wieder an der Quelle saß,
ergriff der Frauen eine viele tausend Stäubchen
des bunten Wassertropfenwesens
und reichte sie der zweiten Frau.
Die füllte es mit Mondessilberlicht,
und gab es so dem Knaben.
Der hatte alles dies geschaut
mit seinem Knabenseherblick. –
Ihm träumte in der Nacht,
die dem Erlebnis folgte,
wie er beraubt des Kelches
durch einen wilden Drachen ward, –
Nach dieser Nacht erlebte jener Knabe
nur dreimal noch das Quellenwunder.
Dann blieben ihm die Frauen fort,
auch wenn der Knabe sinnend saß
am Felsenquell im Mondensilberlicht. –
Und als dreihundertsechzig Wochen
zum drittenmal verstrichen waren,
war längst der Knabe Mann geworden,
und von dem Elternhause und dem Waldesgrund
in eine fremde Stadt gezogen.
Da sann er eines Abends,
von harter Arbeit müde,
was ihm das Leben wohl noch bringen möge.
Es fühlte sich der Knabe plötzlich
nach seinem Felsenquell entrückt;
und wieder konnte er die Wasserfrauen schauen,
und dieses Mal sie sprechen hören.
Es sagte ihm die erste:
Gedenke meiner jeder Zeit,
wenn einsam du dich fühlst im Leben.
Ich lock' des Menschen Seelenblick
in Ätherfernen und in Sternenweiten.
Und wer mich fühlen will,
dem reiche ich den Lebenshoffnungstrank
aus meinem Wunderbecher. –
Und auch die zweite sprach:
Vergiß mich nicht in Augenblicken,
die deinem Lebensmute drohen.
Ich lenk' des Menschen Herzenstriebe
in Seelengründe und auf Geisteshöhn.
Und wer die Kräfte sucht bei mir,
dem schmiede ich die Lebensglaubensstärke
mit meinem Wunderhammer. –
Die dritte ließ sich so vernehmen:
Zu mir erheb' dein Geistesauge,
wenn Lebensrätsel dich bestürmen.
Ich spinne die Gedankenfäden
in Lebenslabyrinthen und in Seelentiefen.
Und wer zu mir Vertrauen hegt,
dem wirke ich die Lebensliebestrahlen
aus meinem Wunderwebestuhl. – – –
Es träumt in jener Nacht,
die dem Erlebnis folgte,
dem Manne, daß ein wilder Drache
in Kreisen um ihn her sich schlich –
und nicht ihm nahen konnte:
Es schützten ihn vor jenem Drachen
die Wesen, die er einst am Felsenquell geschaut,
und die aus seiner Heimat
mit ihn zum fremden Ort gezogen waren.
– – – – – – – –
– – – – – – –

Capesius:
Habt Dank, ihr liebe Frau
ich gehe reichbeschenkt von euch.
(Steht auf und geht; Fau Balde geht ins Haus.)

Capesius: (allein in einiger Entfernung das Folgende sprechend)
Ich fühle, wie gesundend solch ein Bild
In meiner Seele wirkt, und allem Denken
Verlorne Kräfte wiedergeben kann
Es war so einfach, was die Frau erzählte,
und doch erregt es mir Gedankenkräfte,
die mich in unbekannte Welten tragen. – –
Ich will in dieser schönen Einsamkeit
dem Träumen mich ergeben, das so oft
Gedanken meiner Seele schenken wollte,
die wohl weit besser sich erwiesen haben
als manche Früchte wochenlangen Grübelns.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
(Er verschwindet hinter einem dichten Gesträuch.)

Johannes: (erscheint in tiefes Nachdenken verloren in derselben Waldgegend)
War's Traum, war's Wirklichkeit?
Ich kann es nicht ertragen, was die Freundin
in milder Ruhe, doch so ernst.
von unsrer Trennung sprach.
O könnte ich nur denken, daß Vernunft,
dem Geistestriebe widersetzlich,
sich zwischen sie und mich
als Trugbild stellen wollte. –
– – – – – – – –
– – – – – – – –

Ich kann nicht – ich will sie nicht befolgen,
die Mahnung, die Maria fand,
zu übertönen meiner Seele Stimme,
die unaufhörlich spricht »Ich liebe sie«

und meine Liebe ist mir Quelle
des Wirkens, das allein ich kennen will.
Was ist mir aller Schaffenstrieb,
was Ausblick zu den hohen Geisteszielen,
wenn sie das Licht mir rauben wollen,
das mir das Sein beleuchten kann? –
In diesem Lichte muß ich leben dürfen,
und wird es mir genommen,
so will ich nur den Tod für Ewigkeiten.
Ich fühle, wie die Kraft mir schwindet,
wenn ich versuchen will zu denken:
Ich müßt' auf Wegen wandeln,
die nicht von ihrem Licht beleichtet wird.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
Es webt sich mir vor Augen
ein Nebel, der die Wunder,
die herrlich diese Wälder, diese Felsen
mir sonst vor Augen malten,
in Wirrnis mir verwandelt – – –
Ein wilder Traum entsteigt dem Abgrund – –

O wie er schaurig mich durchrüttelt – –
– – – – – – – –
– – – – – – – –
O weiche von mir – – !
Ich lechze nach der Einsamkeit,
die mir die eignen Träume lassen will;
in ihnen darf ich noch erstreben,
was mir verloren scheint – –
– – – – – – – –
– – – – – – – –
– – Er will nicht weichen – – !
So will ich ihm entflieben –
(Fühlt sich wie am Boden festgehalten.)
Ach – – – – – –,
wer du auch bist,
ob menschich Blut in deiner Form sich birgt,
ob geistig nr dein Sein –
verlasse mich – – –
Wer ist es – – – ?
Ein Dämon stellt mich vor mich selber hin. –

Es will nicht weichen – – – –,
es ist das Bild des eignen Wesens –,
es scheint selbst stärker noch,
als dieses Wesen selbst zu sein – – – – –

Der Doppelgänger:
Ich liebe dich, Maria . . . .
mit pochendem Herzen,
mit fieberndem Blute
nur kann ich vor dir stehn. –
Und wenn dein Blick mich trifft,
durchrieseln heiße Schauer mich,
und wenn du deine liebe Hand
in meine Hand willst legen,
erfüllt mich Seligkeit
in allen Gliedern – – – – –

Johannes:
Du Spukgestalt, aus Nebeldunst gewoben,
du wagst es, hier zu lästern
des Herzens reinstes Fühlen – – – :
O welche Schuld hab' ich auf mich geladen,
daß ich erblicken muß
ein lüstern Zerrbild meiner Liebe,
die mir so heilig ist – – – –

Der Doppelgänger: (mit etwas andrer Stimme)
Ich habe deinen Worten oft gelauscht –,
ich schien in meine Seele sie zu saugen
als Kunde aus dem Geisterland. –
Doch mehr als alle Offenbarung
empfand ich liebend deine Nähe.
Und wenn du sprachst von Seelenwegen,
erfüllte mich die Seligkeit,
die stürmisch wogt im Blute – – –

Die Stimme des Gewissens:
So spricht verschwiegene,
doch nicht vertriebene,
vom Schein gemiedene,
im Blut gebliebene
geheime Kraft
der Leidenschaft.

Der Doppelgänger:
Ich darf dich nicht verlassen:
Du wirst mich oft an deiner Seite finden,
ich weiche nicht von dir,
bis du die Kraft gefunden,
dich mich zum Gleichnis macht
des Wesens, das du werden sollst.
Noch bist du's nicht in dieser Zeit.
Nur in dem Wahne deiner Eigenheit
erblickst du es in dir.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
(Es erscheinen Lucifer und Ahriman.)

Lucifer:
O Mensch, besiege dich,
o Mensch, erlöse mich.
Du hast mich überwunden
in deinen Seelenhöhen;
Ich bleibe dir verbunden
in deinen Wesenstiefen.
Du wirst mich immer finden
auf deinen Lebenswegen,
willst du dich unterwinden,
dich ganz vor mir zu schützen.
O Mensch, besiege dich,
o Mensch, erlöse mich.

Ahriman:
O Mensch, erkühne dich,
o Mensch, erlebe mich.
Du konntest dir erwerben
das Geistersehen;
Ich mußte dir verderben
das Herzensleben;
Du sollst noch oft erleiden
die stärkste Seelenpein,
willst du dich nicht bescheiden
an meine Kräfte halten.
O Mensch, erkühne dich,
o Mensch, erlebe mich.

(Lucifer und Ahriman verschwinden; desgleichen der Doppelgänger. –  Capesius erscheint wieder. Er hat hinter dem Gesträuch die Szene zwischen Johannes und dem Doppergänger wie in einer Vision mitgemacht.)

Capesius:
Wie war mir eben? Wie ein schwerer Alp
belastet's mich. Thomasius kam des Weges,
er blieb dann stehen, wie mit jemand sprechend,
und doch war niemand außer ihm am Orte.
Ich fühlte, wie wenn schwere Angst mich drückte;
ich sah nicht mehr, was dann um mich geschah.
Wie schlafend, unbewußt muß ich doch wohl
in jene Bilderwelt versunken sein,
auf die ich mich ganz gut besinnen kann.
Es muß nur kurze Zeit gewesen sein,
daß ich so träumend selbstverloren saß.
Und doch, wie reich war jene Traumeswelt,
und wie befremdend scheint sie mit zu sein.
Ich konnte Menschen aus vergangnen Tagen
ganz deutlich sehen und auch sprechen hören.
Von einem Geistesbunde träumte ich,
der nach der Menschheit Höhen zielvoll
strebte.          
Mich selbst erkannt' ich klar in ihrer Mitte
Und fühlen mußt' ich mich vertraut mit
allem.
Ein Traum nur –, doch erschütternd war der Traum.
Ich weiß, daß ich gewiß in diesem Leben
dergleichen niemals kann erfahren haben.
Und was mir als Empfindung ist geblieben,
erfüllt die Seele wie das volle Leben.
Mich zieht es urgewaltig nach den Bildern – –:
O könnte ich den Traum doch wieder schauen.

(Vorhang, während Capesius stehenbleibt.)

Das Folgende stellt Bilder von Vorgängen aus dem ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts dar. Der Fortgang wird zeigen, daß in ihnen die Rückschau von Capesius, Thomasius und Maria in ihr früheres Erdenleben zu sehen ist.

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