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Die Prüfung der Seele

Rudolf Steiner: Die Prüfung der Seele - Kapitel 3
Quellenangabe
typedrama
titleDie Prüfung der Seele
authorRudolf Steiner
publisherRudolf Steiner Verlag
addressDornach
isbn3727401400
senderchristian.clement@worldnet.att.net
created20040624
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Erstes Bild

Ein Bibliothek- und Studierzimmer des Capesius. Brauner Grundton. Abendstimmung. (Capesius dann Geistgestalten, die Seelenkräfte sind; hernach Benedictus. Dieses und die folgenden Bilder stellen Ereignisse dar, welche mehrere Jahre nac der Zeit liegen, in welcher »Die Pforte der Einweihung« spielt.)

Capesius: (lesend in einem Buche)
»Ins Wesenlose blickend mit dem Seelenauge
und in des Denkens Schattenbildern
nach selbstgemachten Regeln träumend –:
So forschet oft des Menschen irrend Wesen
nach Sinn und Ziel des Lebens.
Aus Seelentiefen will es Antwort holen
auf Fragen, die nach Weltenweiten zielen.
Doch solches Sinnen lebt im Wahne schon
bei seinen allerersten Schritten
und sieht zuletzt die Geistesblicke
Oohnmächtig sich nur selbst verzehren.«
(Das Folgende sprechend):
So prägt in ernsterfüllte Worte
des Benedictus Sehergeist
die Seelenbahn gar vieler Menschen.
Vernichtend trifft mich jedes dieser Worte – –,
des eignen Lebensweges Bild,
sie malen mir es grausam wahr.
Und wenn ein Gott in dieser Stunde
aus wilder Stürme Macht
im Zorne sich mir nahen wollte,
es könnten seine Schreckgewalten
entsetzensvoller mich nicht quälen,
als dieser Schicksalsworte Kraft.
In einem langen Menschenleben
hab ich gewoben nur in Bildern
die schattenhaft sich zeichnen
im Seelentraum, der wahnbefangen
Natur und Geistestaten spiegelt,
und der aus seinem Traumgewebe
gespenstig Weltenrätsel lösen will.
Ich wandte nach so manchem Ziel
die suchende Seele rastlos hin –;
Doch klar muß ich erkennen:
ich selbst – ich lebte nicht in meiner Seele,
wenn wahnbetört in Weltenfernen
des Denkens Fäden hin sich spinnen wollten.
– – – – – – – –
So blieb ein leeres Sinnen nur,
was ich in Bildern selbstgefällig malte.
Da trat in meine Lebensbahn
Thomasius, der junge Maler –;
Er schritt durch wahre Seelenkräfte
zu jener hohen Geistesart,
die Menschenwesen wandelt
und aus verborgnen Seelenschachten
entsteigen läßt die Kräfte
die Daseinsquellen schaffen.
Was ihm erwuchs aus Seelengründen –:
Es ruht in jedem Menschen.
Und weil es mir an ihm sich offenbarte,
erkenn ich als des Lebens größte Sünde,
den Geistesschatz verfallen lassen. –
– – – – – – – –
So weiß ich, daß ich suchen muß –
und darf im Zweifel nicht verharren.
Es hätte früher meines Denkens eitler Weg
zur falschen Meinung mich verführen können:
vergebens sei des Menschen Forschungstrieb,
Entsagung nur gezieme allem Sinnen,
das nach den Lebensquellen strebt.
– – – – – – – –
Und wenn als aller Weisheit Schluß
sich sicher mir ergeben hätte,
daß Menschenschicksalsmächte fordern,
als Eigenwesen zu versinken
ins wesenlose Nichts:
ich wagt' es unverzagt. – – –
Es wäre Frevel, so zu denken,
nachdem ich deutlich hab' erfahren,
daß ich nicht Ruhe finden darf,
bevor der Geistesschatz in meiner Seele
das Licht des Tages hat gefunden.
– – – – – – – –
Es haben Geisteswesen ihrer Arbeit Früchte
in Menschenseelen eingepflanzt;
und Götterwerk vernichtet,
wer ungepflegt die Geistessamen läßt verwesen.

So kann ich höchste Lebenspflicht erkennen –,
doch will ich einen Schritt nur wagen
in jenes Reich, das ich nicht meiden darf,
so fühl' ich, wie die Kräfte mir versagen,
durch die in hochmutvollem Denken
ich deuten wollte Lebensziele
in Zeitenstrom und Weltenweiten.
Einst glaubte ich, mit Leichtigkeit
Gedanken aus dem Hirn zu pressen,
die Wirklichkeiten greifen sollten.
Doch jetzt, da ich den Lebensquell
im Wahrheitslicht erfassen will,
erscheint des Denkens Werkzeug stumpf –,
und machtlos quäl' ich mich,
Gedankenbilder klar zu formen
aus Benedictus' ernsten Worten,
die mir die Geisteswege weisen sollen:
(Das Weitere wieder lesend):
»In deine Seelentiefen dringe ruhig,
und Starkmut laß dir Führer sein.
Verliere frühern Denkens Formen,
wenn du versinkst in dich,
um dich aus dir zu führen.
Ertötend alles Eigenlicht
erscheint dir Geisteshelle.«
(Das Folgende wieder sprechend):
Es ist, als ob der Atem mir versagen wollte,
wenn ich erstrebe, solcher Reden Sinn zu fassen.
Und eh' ich fühle, was ich denken soll,
ergreifen Angst und Schrecken meine Seele.
Empfinden muss ich, wie wenn alles,
was bis hierher im Leben mich umgab,
zusammenstürzen und in seinen Trümmern
zum Nichts mich wandeln müßte.
O, hundertmal hab' ich gelesen
Die Worte, die nun folgen – – –:
Mit einem Male ist
Nur finstrer die Finsternis
Um mich hereingebrochen.
(Wieder lesend):
»In deinem Denken leben Weltgedanken,
in deinem Fühlen weben Weltenkräfte,
in deinem Willen wirken Weltenwesen.
Verliere dich in Weltgedanken,
erlebe dich durch Weltenkräfte,
erschaffe dich aus Willenswesen.
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkentraumesspiel – – –,
beginne in den Geistesweiten,
und ende in den eignen Seelentiefen: –
du findest Götterziele
erkennend dich in dir.«
(Ohnmächtig durch eine Vision in sich versinkend.)
(Zu sich kommend, das weitere sprechend):
Was war dies?
(Drei Gestalten, als Seelenkräfte, umschweben ihn.)

Luna:
Die Kraft, sie fehlt dir nicht
zum edlen Geistesflug.
Sie ist gegründet
im Menschenwollen.
Sie ist gehärtet
von Hoffnungssicherheit.
Sie ist gestählet
von Zukunftsferneblicken.
Der Mur nur fehlet dir,
ins Wollen zu ergießen
die Lebenszuversicht – – –.
Ins weite Unbekannte
zu wagen nur, erkühne dich!

Astrid:
Von Weltenfernen
aus Sonnenfreudelicht –
von Sternenweiten
aus Weltenzaubermacht –,
vom blauen Himmelsäther
aus Geistes Höhenkraft –,
erstrebe Seelenmacht
und lenke ihre Strahlen
in Herzensgründe;
erwarmend wird Erkenntnis
erzeugen sich in dir.

Die andre Philia:
Sie täuschen dich
die bösen Schwestern;
Sie wollen dich umspinnen
mit Lebensgaukelspiel.
Es wird zerfließen
der Gaben eitler Trug,
den sie dir reichen,
wenn du mit Menschenkraft
ihn halten willst.
Sie führen dich
zu Götterwelten,
und werden dich zerstören,
wenn du in ihrem Reich
das Menschenwesen
ertrotzen willst.

Capesius:
Es war ganz deutlich – – –
es sprachen Wesen hier – –
und doch, es ist gewiß – –
kein Mensch ist außer mir
an diesem Ort – – – –
So habe ich zu mir nur selbst gesprochen – – – ?
Auch das ist möglich nicht,
denn nimmer könnte ich ersinnen,
was ich zu hören meinte – –
– – – – – – – –
Bin ich denn noch,
der ich vordem war?
(An seinen Geberden ist zu bemerken, daß er sich unfähig fühlt »Ja« zu antworten.)
O – ich bin – ich bin es nicht –
– – – – – – –
(Geistesstimme, das geistige Gewissen)
Es steigen deine Gedanken
in Menschenweisens Tiefen.
Was als Seele dich umhüllt,
was als Geist in dich gebannt,
entschwebet in Weltengründe;
von deren Fülle
die Menschen trinkend
im Denken leben;
von deren Fülle
die Menschen lebend
im Scheine weben.

Capesius:
Zu viel . . . . zu viel – –
Wo ist Capesius?
Ich fleh' zu euch,
ihr unbekannten Mächte,
wo ist . . . . . Capesius?
Wo bin ich selbst?
(Er versinkt neuerdings brütend in sich.)

Benedictus: (tritt ein. Capesius bemerkt ihn zunächst nicht, Benedictus berührt ihn an der Schulter)
Es ist mir kund geworden,
daß ihr verlangt, mit mir zu sprechen,
so sucht' ich euch in eurem Heim.

Capesius:
So gütig ist's von euch,
den Wunsch mir zu erfüllen.
Doch hättet ihr mich kaum
in einer schlechtern Lage treffen können.
– – – – – – – –
Und daß nach solcher Seelenpein,
wie sie mich eben traf, ich nicht gelähmt am Boden
in diesem Augenblicke vor euch liege,
nur eurem milden Blicke dank' ich es,
der meinen fand, als eure Hand
so sanft mich aus den Schreckensträumen weckte.

Benedictus:
Verborgen ist's mir nicht,
daß ich im Lebenskampfe euch getroffen.
Ich wußt' es lange schon,
daß wir uns so begegnen müssen.
Gewöhnet euch, zu wandeln mancher Worte Sinn,
wenn wir uns ganz verstehen sollen.
Und wundert euch dann nicht,
wenn euer Schmerz in meiner Sprache
den Namen ändern muß.
– – – – – – – –
Ich finde euch im Glücke.

Capesius:
So mehrt ihr noch die Qual,
die mich in Finsternise wirft.
Ich fühlte eben, als wenn entflohen
das eigne Selbst in Weltentiefen wäre,
und durch des Selbstes Glieder fremde Wesen
in diesem Raume sprächen. –
Das ich solch Geistesgaukelspiel
als Wahn empfinden durfte,
und Schmerz mir war der Trug der Seele:
das hielt allein mich aufrecht.
O raubt mir solchen Fühlens Stütze nicht! –
Nennt Glück mir nicht, was Fieberwahn, –
soll ich nicht ganz verloren sein.

Benedictus:
Es kann der Mensch verlieren nur,
was ihn vom Weltenwesen scheidet.
Und scheint ihm erst verloren,
was er in Denkens Traumesstimmung
zu wesenlosem Dienst misbraucht',
so soll er suchen, was sich ihm entwunden.
Er wird es wiederfinden, und dann es erst in rechter Art
Dem Menschenwerke weihen.
Zu trösten euch in dieser Stunde,
es wär' ein lehrhaft Spiel mit Worten.

Capesius:
Nein – Lehren, die Vernunft allein genügen,
sie sind doch wahrlich nicht bei euch zu finden.
Ich hab' es schwer empfinden müssen.
Gleich Taten, die auf Höhen führen,
und auch in Abgrundtiefen stürzen,
so strömet feurig Leben
und Todeskälte auch durch eure Reden
in Menschenseelen kraftvoll ein.
Sie wirken wie des Schicksals Winke
und auch we Lebensliebesstürme.
Ich hab' gedacht, geforscht,
bevor ich euch begegnet, – –
des Geistes Schöpferkräfte
und sein Vernichtungswerk,
sie kenn' ich erst,
seit ich in eure Spuren trat.
– – – – – – – –
– – – – – – –
Was euer Wort in meiner Seele angerichtet,
das fandet ihr an mir,
als ihr in meine Stube tratet.
Ich war zermartert oft
beim Lesen eures Lebensbuches;
doch heute war der Qualen Maß erfüllt.
Und überfließen mußte meine Seelennot
Durch eures Buches Schicksalswort.
Verständnis eurer Reden,
es bleibt versagt der Seele;
doch wie ein Lebenssaft
ergoß das Wort ins Herz sich mir
und wirkte Zauberwelten,
daß mir des Sinnes Klarheit schwand.
Gespenstig Wesen sah ich um mich gaukeln.
Bedeutsam dunkle Worte konnte ich
aus krankhaft irrer Seele tönen hören.
Ich weiß, daß ihr nicht alles,
was ihr für Menschenseelen hütet,
der Schrift wollt anvertrauen,
und daß ihr manches Rätsels Lösung
je nach Bedürfnis an die Menschen wendet.
So gönnt auch mir, weß ich bedarf;
denn wissen muß ich
was mir Vernunft und Sinne raubte
und mich mit luftig Zauberwerk umgab.

Benedictus:
Es wollen meine Worte nicht das allein nur sagen,
was als Begriffeshüllen sie verraten;
sie lenken Seelenwesenskräfte
zu Geisteswirklichkeiten;
ihr Sinn ist erst erreicht,
wenn sie das Schauen lösen in den Seelen,
die sich ergeben ihrer Kraft.
Sie stammen nicht aus meinem Forschen,
sie sind von Geistern mir vertraut,
die kundig sind der Zeichen,
in welchem sich das Weltenkarma offenbart.
Zu führen an Erkenntnisquellen
ist dieser Worte Eigenheit.
Doch muß dem Menschen es verbleiben,
der sie vernimmt im wahren Wesen,
zu trinken Geistessäfte aus den Quellen.
Und gegen meiner Worte Absicht ist es nicht,
daß sie in Welten euch entrückt,
die euch gespenstig scheinen.
Ihr habt ein Reich betreten,
das Wahn euch bleiben muß,
wenn ihr in ihm euch selbst verliert;
das sicher aber aller Weisheit erste Pforte
für eure Seele öffnen wird,
wenn ihr in ihm euch selbst bewahrt.

Capesius:
Und wie kann ich mich selbst bewahren?

Benedictus:
Die Lösung wird euch dieser Rätselfrage,
wenn ihr mit wachem Seelenauge
euch stellt vor manche Wunderdinge,
die bald in eure Wege treten sollen.
Zur Prüfung hab' ich euch gefordert
Von Schicksalsmächten und von Geistgewalten.

Capesius:
Zwar kann ich seiner Worte Sinn nicht deuten,
doch fühl' ich sie in meinem Wesen wirken.
Er hat ein Ziel mir angewiesen – –:
Ich will dem Wink gehorchen.
Er fordert nicht Gedankenstreben;
Er will, daß ich in Geisteswirklichkeiten
Die Schritte forschend lenke.
– – – – – – – –
– – – – – – – –
– –
Ich kenne seiner Sendung Wesen nicht;
Vertrauen doch erzwingt sein Tun;
er hat mich wieder zu mir selbst gebracht.
So mag für diese Stunde
mir ungewiß auch bleiben
das Zauberwesen, daß mich schreckte;
ich will mich frei entgegenstellen
den Dingen, welche er
prophetisch mir vorher verkündet.

(Vorhang, während Capesius noch stehen bleibt.)

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