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Die Prüfung der Seele

Rudolf Steiner: Die Prüfung der Seele - Kapitel 13
Quellenangabe
typedrama
titleDie Prüfung der Seele
authorRudolf Steiner
publisherRudolf Steiner Verlag
addressDornach
isbn3727401400
senderchristian.clement@worldnet.att.net
created20040624
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Elftes Bild

Dasselbe Meditationszimmer wie im zweiten Bilde. (Maria, Ahriman.)

Ahriman:
Benedictus hat die Gedankenfäden
mit List gesponnen, denen du gefolgt.
Sie haben dich in Irrtum wohl verstrickt.
Thomasius und auch Capesius,
sie sind desselben Wahngesichtes Opfer.
Zugleich mit deinem, fielen ihre Blicke
auf langvergangner Erdentage Leben.
Ihr sicht seither in jener Zeit das Dasein,
das eurer Gegenwart vorangegangen.
Ihr werdet Irrtum nur aus Irrtum zeigen,
wenn ihr euch wollt dadurch bestimmen lassen,
dem Erdenpfade Pflichten vorzuzeichnen,
die eures Wahneswissens Folge sind.
Daß Benedictus nur aus deinem Hirn
die Bilder nahm, und sie in frühe Zeiten setzte:
dies kannst du klar aus eignem Wissen finden.
Du sahst die Menschen deiner eignen Tage
verschieden kaum von jenen alten Zeit.
Du sahest Mann als Mann und Frau als Frau,
und auch die Eigenschaften waren ähnlich.
Es kann dir so kein Zweifel mehr bestehn,
daß du nicht Wahrheit, sondern nur den Wahn
der eignen Seele mit dem Geistesauge
in graue Vorzeit dir zurückverlegtest.

Maria:
Ich schaue dich als aller Täuschung Vater,
doch weiß ich auch, daß du oft Wahrheit
sprichst.
Und wer verwerfen wollte jeden Rat,
den er durch deine Worte kann erhalten,
der müsste schwersten Irrtums Opfer werden.
Wie Wahn der Wahrheit Maske sich bedient,
um Menschenseelen sicher einzufangen,
so kann der Mensch sich leicht dem Trug ergeben,
wenn er nur stets an allen Irrtumsquellen
in feiger Furcht vorbei sich schleichen wollte.
Nicht Wahn allein verdanket dir die Seele:
Auch jene Macht entstammt dem Geist des Truges,
die Menschen sichre Urteilskraft verleiht.
Drum will ich mich dir frei entgegenstellen.
Ergriffen hast du mich an jenem Seelenteil,
der wachsam stets sich selbst bewahren muß.
Erwäg' ich alle Gründe, welche du
mir eben klug berechnend vorgehalten,
so scheint nur eignen Hirnes Bildgestalt
in frühe Erdentage hinversetzt.
Doch frag' ich dich, ob deiner Weisheit sich
für alle Erdenzeiten Pforten öffnen?

Ahriman:
In keinem Geistesreiche leben Wesen,
die sich mir feindlich dann entgegenstellen,
wenn ich in Erdenzeiten Einlaß brauche.

Maria:
Die hohen Schicksalsmächte haben weise
in dir den Widersacher sich bestellt,
du förderst alles, das du hemmen willst.
Du bringst den Menschenseelen Freiheitsmacht,
wenn du in ihre Seelengründe dringst.
Von dir entspringen die Gedankenkräfte,
die Ursprung zwar der Wissens-Truggebilde,
doch auch des Wahrheitsinnes Führer sind.
Es gibt nur Ein Gebiet im Geisterland,
in dem das Schwert gewschmiedet werden kann,
vor dessen Anblick du verschwinden mußt.
Es ist das Reich, in dem die Menschenseelen
sich aus Verstandeskräften Wissen bilden,
und dann zur Geistesweisheit umgestalten.
Und kann ich mir in diesem Augenblicke richtig
das Wahrheitswort zum Schwerte schmieden,
so wirst du diesen Ort verlassen müssen.
So höre du, der Vater ist der Täuschung,
ob ich vor dir die Siegeswahrheit spreche.
Es gibt im Erdenwerden solche Zeiten,
in welchen alte Kräfte langsam sterben
und sterbend schon die neuen wachsen sehn.
In solcher Zeitenwende fanden ich
und meine Freunde uns im Geist vereint,
als sie die frühern Erdenleben suchten.
Es wirkten damals wahre Geistesmenschen,
die sich zur Seelenbrüderschaft verbanden,
und aus der Mystik Reich sich Ziele holten.
In solchen Erdentagen werden Keime
in Menschenseelen sorgsam eingepflanzt,
die lange Zeit zur vollen Reife brauchen.
Die Menschen müssen dann im nächsten Leben
noch Eigenschaften aus dem frühern zeigen.
Es werden viele Männer solcher Zeiten
in einem nächsten Leben wieder Männer,
und viele Frauen werden Frauen wieder.
Es ist dann auch die Zeitenlänge kürzer,
als jene, die sonst zwischen Leben liegt.
Es fehlet dir für solche Zeitenwenden
der sichre Blick. Deshalb vermagst du nicht
ihr Werden irrtumlos zu überschauen.
Gedenke, wie wir uns begegnet sind
im Hause jener Geistesbrüderschaft
und du mit Worten sprachst, die mir den Selbstsinn
in tiefster Seele schmeichelnd lösen sollten.
Erinnerung für diese Zeit verleiht
mir jetzt die Kraft, mich dir zu widersetzen.
(Ahriman entfernt sich mit einer unwilligen Geberde, Donner.)

Maria:
Er hat die Stätte so verlassen müssen,
die Benedictus Segen oft empfangen.
Mir aber hat sich herrlich offenbart,
wie leicht der Irrtum Seelen kann befallen,
die ohne Wachsamkeit dem Geistgehör
sich öffnen, und die sichren Wege meiden..
Es hat der Widersacher starke Kräfte,
des Lebens Widersprüche zu betonen,
und so den Seelen Sicherheit zu rauben.
Er muß verstummen, wenn das Licht erscheint,
das aus den Weisheitsquellen selber leuchtet,
und Geistesblicken Helligkeit verleiht.

(Vorhang fällt, während Maria noch im Zimmer ist.)

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