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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 43
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel XLI

Und es sprach die alte Mutter drauf
Mit Thränen in dem Blick,
O laß dich warnen, mein Sohn Johnnie,
Bleib von der Jagd zurück!

Alte Ballade.

Als Morton in die Hütte trat, bemerkte er, daß die alte Wirthin wahr gesprochen. Das Innere der Hütte strafte die Außenseite Lüge, es war nett, sogar bequem, besonders das innere Gemach, wo, wie die Wirthin sagte, der Gast essen und schlafen sollte. Man setzte ihm Erfrischungen vor, wie das kleine Wirthshaus sie darbot, und obgleich er deren nicht bedurfte, so nahm er doch das Anerbieten als eine Gelegenheit zum Gespräch mit der Wirthin an. Ihrer Blindheit ungeachtet war sie rührig in der Aufwartung und schien durch einen gewissen Instinkt überall den Weg zu finden.

»Hilft Euch niemand bei der Bewirthung der Gäste als dies hübsche kleine Mädchen?« fragte Morton.

»Nein, lieber Herr,« erwiderte die alte Wirthin, »ich wohne allein, wie die Wittwe von Sarepta. Wenig Gäste kommen an diesen armen Ort, und ich habe nicht Kunden genug, um Leute in Dienst zu nehmen. Ich hatte einmal zwei hübsche Söhne, die alles versahen. Aber der Herr gibt und nimmt, der Name des Herrn sei gepriesen!« Hier hob sie die umwölkten Augen gen Himmel. »Es ging mir einst besser, um weltlich zu reden, auch nachdem ich sie verloren, aber das war vor der letzten Veränderung.«

»So? Aber Ihr seid presbyterianisch, gutes Mütterchen?«

»Ja, gepriesen sei das Licht, das mir den rechten Weg gezeigt hat.«

»Dann aber,« fuhr der Gast fort, »hätte ich geglaubt, daß die Revolution Euch nur Gutes gebracht.«

»Wenn sie dem Lande Gutes und den zarten Gewissen Glaubensfreiheit gebracht, so liegt wenig daran, was sie einem armen blinden Wurm wie mir gebracht hat,« sagte die alte Frau.

»Dennoch sehe ich nicht ein, wie sie Euch Schaden zufügen konnte,« sagte Morton.

»Das ist eine lange Geschichte, Sir,« seufzte die Wirthin. »In einer Nacht, etwa sechs Wochen vor dem Gefecht an der Bothwellbrücke, hielt vor meiner Hütte ein junger Edelmann an, steif und mit Wunden bedeckt, blaß und müde vom Ritt, und sein Pferd war so matt, daß es sich kaum auf den Beinen halten konnte, die Feinde waren ihm auf den Fersen, und er gehörte zu unsern Feinden. Was konnt ich thun? Ihr seid ein Soldat gewesen und werdet mich für ein einfältiges altes Weib halten, aber ich speiste und erquickte ihn und hielt ihn verborgen, bis die Verfolger vorüber waren.«

»Und wer könnte wagen, Euch deshalb zu tadeln?« sagte Morton.

»Ich weiß nicht,« antwortete die Blinde, »manche von unseren Leuten wurden mir deshalb gram. Sie sagten, ich hätte gegen ihn verfahren sollen, wie Joel gegen Sissera. Aber ich wußte wohl, daß ich keinen göttlichen Befehl zum Blutvergießen hatte, ein Leben erhalten, dachte ich, ist eben so weiblich wie christlich. Dann sagten sie auch, ich hätte kein Gefühl, weil ich einem Menschen von der Rotte beistand, die meine beiden Söhne gemordet.«

»Die Eure beiden Söhne ermordet?«

»Ja, Sir, obgleich Ihr ihrem Tode vielleicht einen andern Namen geben werdet, der eine fiel mit dem Schwert in der Hand für den gebrochenen Covenant der Nation; der andere, ach! sie ergriffen und schossen ihn nieder auf dem Rasen vor seiner Mutter Augen. Es flimmerte mir vor den alten Augen, als die Schüsse fielen, und seit jenem furchtbaren Tage wurden sie immer schwächer und schwächer, und das gebrochene Herz und die Thränen, die nie trockneten, haben das Uebel vollständig gemacht. Aber ach, wenn ich auch das junge Blut des Lord Evandale an seine Feinde verrathen hätte, meinen Ninian und Johnnie hätt ich doch nicht wieder ins Leben gebracht.«

»Lord Evandale?« fragte Morton erstaunt, »Lord Evandale wars, dessen Leben Ihr gerettet?«

»Ja, er wars. Und er war auch später freundlich gegen mich und gab mir eine Kuh und ein Kalb, Malz, Mehl und Geld, und niemand durfte mir etwas anhaben, als er wieder die Macht hatte. Aber dies Grundstück hier gehört zu Tillietudlem, und es war viel Prozessirens darum zwischen Lady Margarethe Bellenden und dem jetzigen Laird, Basil Olifant; Lord Evandale unterstützte die alte Lady aus Liebe zu ihrer Tochter, Fräulein Editha, eines der besten und schönsten Mädchen von Schottland, wie man im Lande sagt. Aber sie mußten nachgeben, und Basil bekam Schloß und Gut, und hinterdrein kam die Revolution, und wer war schneller den Mantel nach dem Winde zu hängen als der Laird? Denn er sagte, von jeher sei er ein guter Whig gewesen, und sei nur Papist geworden, weil es gerade Mode war. Dann kam er in Gunst, und Lord Evandale fiel in Ungnade, denn er war zu stolz und männlich, um sich bei jedem Windstoß zu beugen, obgleich es viele so gut wissen wie ich, daß er gegen unsere Leute, mögen seine Grundsätze sein, welche sie wollen, nicht so übel gesinnt war, da er uns schützen konnte, und weit gütiger als Basil Olifant, der immer gern mit dem Strome schwimmt. Aber er wurde bei Seite gesetzt und scheel angesehen und auf sein Wort wurde nicht gehört. Dann suchte Basil, der ein rachsüchtiger Mann ist, ihn auf jede Art zu quälen, besonders dadurch, daß er die alte blinde Wittwe, Bessie Maclure, die dem Lord das Leben rettete, unterdrückte und beraubte. Aber wenn das seine Absicht ist, so irrt er, denn es wird wohl lange währen, bis Lord Evandale ein Wort von mir hört, daß ich meine Kuh verkaufen mußte wegen Abgaben und Pachtzins, ehe er fällig war, oder daß man mir die Dragoner ins Haus legt, wo doch das Land ruhig ist, oder sonst etwas, was den Lord ärgern könnte, ich kann meine Last in Geduld tragen, und der weltliche Verlust ist das geringste davon.«

Erstaunt und voll Theilnahme bei diesem Gemälde geduldiger, dankbarer und großmüthiger Entsagung konnte Morton nicht umhin, den niedrigen Schurken zu verwünschen, der eine solche feige Rache genommen.

»Flucht ihm nicht, lieber Herr!« sagte die alte Frau. »Ich habe einen frommen Mann sagen hören, ein Fluch gleiche einem Steine, den man gen Himmel wirft und der meistens dem wieder auf den Kopf fällt, der ihn empor geworfen hat. Aber wenn Ihr den Lord Evandale kennt, so sagt ihm, er solle auf der Hut sein, denn ich höre sonderbare Gespräche von den Soldaten hier, und sein Name wird oft genannt, und der eine von ihnen ist zweimal in Tillietudlem gewesen. Er ist eine Art Liebling vom Laird, obgleich er früher einer der grausamsten Bedrücker gewesen, die je durchs Land geritten, den Sergeanten Bothwell ausgenommen, sie nennen ihn Inglis.«

»Ich nehme den größten Antheil an Lord Evandales Rettung,« sagte Morton, »und Ihr könnt Euch darauf verlassen, daß ich Mittel finde, ihn von diesen verdächtigen Umständen zu benachrichtigen. Erlaubt mir zum Entgelt eine andere Frage, gute Frau: Kennt Ihr den Quintin Mackell von Irongray?«

»Ob ich wen kenne?« wiederholte die blinde Frau höchst erschrocken.

»Den Quintin Mackell von Irongray,« wiederholte Morton, »ist denn so viel Schreckliches an diesem Namen?«

»Nein, nein!« antwortete die Frau zaudernd; »aber daß ein Fremder und Soldat nach ihm fragt, Gott beschütze uns! Welches Unglück wird da hinterher kommen?«

»Seid versichert, keines durch meine Veranlassung,« antwortete Morton, »der Gegenstand meiner Frage hat nichts von mir zu fürchten, wenn, wie ich vermuthe, dieser Quintin Mackell derselbe ist mit John Bal – –«

»Nennt seinen Namen nicht,« sagte die Wittwe, die Finger auf die Lippen legend. »Ich sehe, Ihr habt sein Geheimniß und sein Loosungswort, drum will ich offen gegen Euch sein, doch um Gottes willen, redet vorsichtig und leise. Aber Ihr wollt ihn doch nicht aufsuchen, um ihm zu schaden? Ihr sagtet, Ihr wäret Soldat?«

»Freilich, aber einer, von dem er nichts zu fürchten hat. Ich habe eine Abtheilung an der Bothwellbrücke befehligt.«

»So?« sagte die Frau, »es ist freilich etwas in Eurer Stimme, dem ich trauen kann. Ihr sprecht offen und gerade und scheint mir ein Biedermann zu sein.«

»Ich glaube ein solcher zu sein,« sagte Morton.

»Aber nehmt's nicht übel, lieber Herr,« fuhr Frau Maclure fort, »in diesen schlimmen Zeiten ist die Hand des Bruders gegen den Bruder, und er fürchtet fast eben so sehr die jetzige Regierung wie seine alten Verfolger.«

»Wirklich?« fragte Morton prüfend, »das hätte ich nicht geglaubt. Aber ich kehre eben aus der Fremde zurück.«

»Ich will Euch sagen,« begann die blinde Frau, eine lauschende Stellung annehmend, welche bewies, wie jetzt bei ihr die Kraft des Wahrnehmens von dem Auge aufs Ohr übergegangen sei, denn statt spähend um sich zu blicken, neigte sie ihr Gesicht und wendete langsam das Haupt, um sich so zu versichern, daß kein Laut in der Nachbarschaft wahrzunehmen sei; »ich will Euch sagen: Ihr wißt, wie sehr er gestrebt hat, den Covenant wieder zu erwecken, der verbrannt, gebrochen und in den harten Herzen und uneigennützigen Plänen dieses verstockten Volkes begraben ist. Als er nun nach Holland kam, fand er nicht Dank noch Ermuthigung bei den Großen, keine tröstliche Brüderlichkeit bei den Gottseligen, was er doch mit Recht erwarten durfte, der Prinz von Oranien zeigte ihm keine Gunst und die Geistlichen wollten keine Gemeinschaft mit ihm. Das war hart zu ertragen für einen, der so viel gethan und gelitten, vielleicht zu viel, aber wer soll richten? Er kam zurück zu mir und dem alten Zufluchtsort, der ihn so oft aufgenommen hatte in seinem Unglück, besonders aber vor dem großen Tage des Sieges bei Drumclog; denn ich werde unter allen Nächten im Jahre die nicht vergessen, wo er hierher kam, als der junge Milnwood den Preis im Vogelschießen gewonnen hatte, und ich ihn zu rechter Zeit warnte.«

»Was,« rief Morton, »Ihr waret es, die im rothen Mantel an der Heerstraße saß und ihm sagte, es lauere ein Löwe auf seinem Pfade?«

»Um Gottes willen, wer seid Ihr?« sagte die Alte, ihre Erzählung vor Erstaunen unterbrechend. »Aber Ihr mögt sein, wer Ihr wollt, Ihr wißt doch nichts Schlimmeres von mir, als daß ich gern das Leben eines Freundes oder Feindes gerettet habe.«

»Ich weiß nichts Schlimmes von Euch, liebe Frau Maclure, und will Euch nichts Schlimmes zufügen. Ich wollte Euch nur zeigen, daß ich so viel von dieses Mannes Angelegenheiten weiß, daß Ihr mir getrost das übrige vertrauen könnt. Doch bitte, fahrt fort in Eurer Erzählung.«

»Es ist etwas seltsam Gebieterisches in Eurer Stimme, obgleich sie sanft ist,« sagte die blinde Frau. »Ich habe nur noch wenig zu sagen: Die Stuarts wurden entthront und Wilhelm und Maria regieren an ihrer Stelle, allein man hört kein Wort mehr vom Covenant, als wäre er ein todter Buchstabe. Sie haben die geduldete Geistlichkeit und eine erastinianische Generalversammlung der einst reinen und triumphirenden Kirche Schottlands angenommen und hegen sie an ihrem Busen. Unsere Kämpfer des Zeugnisses sind noch mehr dagegen aufgebracht als gegen die offene Tyrannei und Abtrünnigkeit in der Verfolgungszeit, denn die Seelen sind erhärtet und erstorben, der Mund des fastenden Volkes wird ausgestopft mit kraftloser Kleie, statt mit dem Worte des Herrn, und manches schmachtende Geschöpf, wenn es sich hinsetzt am Sonntag Vormittag, um etwas zu erhalten, das es entzünden könnte zum großen Werke, bekommt ein dürres Moralgeschwätz in seine Ohren geplärrt und – – –«

»Kurz,« sagte Morton, begierig eine Rede abzuschneiden, welche die gute, mit ebenso viel Begeisterung ihren Religionsmeinungen als den Pflichten der Menschlichkeit ergebene alte Frau wahrscheinlich noch länger fortgesetzt hätte, »kurz, Ihr seid nicht geneigt, Euch der neuen Regierung zu fügen, und Burley ist derselben Meinung?«

»Viele unserer Brüder sind der Meinung, lieber Herr, daß wir für den Covenant gefochten haben, und für den großen Nationalbund gefastet, gebetet und geduldet, und jetzt hören und sehen wir nichts von dem, um dessen Willen wir fochten, duldeten, fasteten und beteten. Manche meinen, es wäre schon etwas gewonnen, man die alte Königsfamilie unter neuen Bedingungen und auf neuer Grundlage zurückbrächte, denn ich hörte, als König Jakob weg war, die große Beschwerde der Engländer wider ihn war nur wegen der sieben unheiligen Bischöfe, und obgleich ein Theil unserer Leute sich der jetzigen Ordnung unterwerfen wollte und ein Regiment unter dem Grafen von Angus errichtete, so war doch unser wackerer Freund und andere, die mit ihm für die reine Lehre und Glaubensfreiheit aufgestanden, entschlossen, die Absichten der Jakobiten zu wissen, bevor sie gegen dieselben auftraten, aus Furcht, niederzustürzen wie eine Mauer von ungelöschtem Kalk, oder sich zwischen zwei Stühle zu setzen.«

»Wenn sie von daher ihr Heil erwarten,« sagte Morton, »so haben sie ein schlimmes Theil erwählet.«

»O, lieber Herr! Das natürliche Tageslicht entströmt dem Osten, das Licht des Geistes aber kann wohl auch dem Norden entströmen, so viel wir blinden Sterblichen wissen.«

»Und darum ging Burley nach Norden, es zu holen?«

»Allerdings, Herr, und sah den Claverhouse selbst, den man jetzt Dundee nennt.«

»Was?« rief Morton erstaunt, »ich hätte geschworen, wenn diese beiden zusammenkämen, büßte einer davon das Leben ein.«

»Nein, lieber Herr, in unruhigen Zeiten ändert sich manches, so viel ich weiß, plötzlich; Montgomery, Ferguson und viele andere, die früher König Jakobs größte Feinde waren, sind nun auf seiner Seite. Claverhouse sprach freundlich mit unserem Freunde und schickte ihn ab, sich mit Lord Evandale zu berathen. Das ging aber nicht, denn Lord Evandale wollte ihn weder sehen, noch hören, noch mit ihm sprechen, und nun ist er rasend und schnaubt Rache gegen Lord Evandale und mag von nichts wissen, als von Morden und Sengen. O diese Anfälle der Leidenschaft, des Zorns, sie zerrütten sein Inneres und bringen dem Feinde großen Vortheil.«

»Dem Feinde?« sagte Morton, »welchem Feinde?«

»Ihr seid mit John Balfour von Burley genau bekannt und wißt nicht, daß er gar bittere und häufige Kämpfe hat mit dem Bösen? Habt Ihr ihn je allein gesehen, ohne daß er die Bibel in der Hand und das gezückte Schwert auf den Knieen gehabt hätte? Habt Ihr nie in einem Zimmer mit ihm geschlafen und gehört, wie er im Traume mit den Verführungen des Satans rang? O, Ihr kennt ihn nur wenig, wenn Ihr ihn bloß beim hellen Tageslichte gesehen habt, denn niemand kann so sehr über seine schmerzlichen Kämpfe und Heimsuchungen einen Schleier breiten wie er. Ich habe ihn nach einem solchen bittern Kampfe so zittern sehen, daß ein Kind ihn hätte halten können, und sein Haar von Schweiß troff, wie mein armes Strohdach nach einem Platzregen.«

Jetzt erinnerte sich Morton an Burleys Aussehen, als er auf dem Heuboden zu Milnwood schlief, und an Cuddies Bericht, daß er von Sinnen sei, auch hatte er etwas unter den Cameronianern flüstern hören, die Burleys geistige Uebungen und seine Kämpfe mit dem bösen Feind rühmten. Aus diesen verschiedenen Umständen schloß er, daß der Mann selbst ein Opfer seiner Verblendung geworden sei, obwohl sein von der Natur scharfer und kräftiger Geist nicht nur denen seinen Aberglauben verbarg, in deren Meinung seine Urtheilskraft dadurch herabgesunken wäre, sondern auch mit einer Anstrengung, wie sie nur den Epileptischen möglich sein soll, die Anfälle verzögern konnte, bis er entweder allein, oder nur von solchen umgeben war, die ihn wegen dieser Heimsuchungen um so mehr achteten. Die Vermuthung, daß getäuschter Ehrgeiz, gescheiterte Hoffnungen und der Sturz der Partei, der er mit so verzweifelter Treue gedient, seine Schwärmerei zu temporärem Wahnsinn gesteigert habe, war daher ganz natürlich, und leicht aus der Erzählung der Frau Maclure zu folgern. Es war auch wirklich damals nicht ungewöhnlich, daß Männer, wie Sir Harry Vane, Harrison, Overton und andere, obgleich Sklaven der wildesten und überspanntesten Träumereien, sich im Verkehr mit der Welt nicht nur verständig und in verwickelten Angelegenheiten und Gefahren muthig benahmen, sondern auch außerordentlichen Scharfsinn und entschiedene Tapferkeit bekundeten.

»Wenn der Morgen graut,« sagte Frau Maclure, »wird Euch meine kleine Paggy den Weg zu ihm zeigen, ehe die Soldaten auf sind. Aber Ihr müßt erst seine gefährliche Stunde, wie er sagt, vorübergehen lassen, ehe Ihr Euch zu ihm in seinen Zufluchtsort wagt. Paggy wird Euch schon sagen, wann Ihrs versuchen sollt, sie kennt seine Art sehr gut, denn sie leistet ihm manche Hilfe, deren er zum Lebensunterhalt benöthigt ist.«

»Und wo hat dieser Unglückliche seine Zufluchtsstätte gefunden?« fragte Morton.

»An einem so schaurigen Orte, als nur je eine lebendige Creatur ihn zur Wohnstätte auserwählte, er heißt die schwarze Höhle von Linklater, ein schrecklicher Ort, aber er liebt ihn über alles, weil er schon so oft dort Sicherheit gefunden hat, und ich glaube, er zieht ihn einem tapezierten Zimmer und einem Daunenbett vor. Aber Ihr werdet ja sehen, ich selbst bin schon manchmal darin gewesen. Damals aber war ich ein thöricht Mädchen und dachte nicht daran, was daraus entstehen könnte. – Begehrt Ihr noch etwas, lieber Herr, ehe Ihr Euch zur Ruhe begebt? Denn Ihr müßt Euch bei der ersten Dämmerung aufmachen.«

»Nichts weiter, gute Mutter,« sagte Morton, und schied von der Alten.

Morton empfahl sich dem Allmächtigen, warf sich aufs Lager, hörte zwischen Schlafen und Wachen das Getrappel der Dragonerpferde, als die Reiter von ihrer Streifwache heimkehrten, und schlief nach so schmerzlichen Erschütterungen fest ein.

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