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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 33
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel XXXI

Wie man den Regen fallen sieht,
Ein Pfeil entfleucht der Sehne,
So fielen Schottlands Söhne auch
An jeder Bergeslehne.

Alte Ballade.

Früher als Morton und Burley den zu vertheidigenden Posten erreichten, hatte der Feind auf denselben einen sehr tapferen Angriff begonnen. Die beiden Garderegimenter zu Fuß stürmten in einer dichten Kolonne dem Flusse zu; das eine entfaltete sich auf dem rechten Ufer und begann ein heftiges Feuer auf die Verteidiger, während das andere vorwärts drängte, um die Brücke zu besetzen. Die Insurgenten hielten den Angriff mit großer Standhaftigkeit und Bravour aus, und während der eine Theil das Feuer gegenüber erwiderte, unterhielten es die übrigen gegen das vordere Ende der Brücke und versperrten jeden Zugang, wo die Soldaten vorzudringen strebten. Die letzteren litten sehr, gewannen aber immer mehr Boden, und die Spitze ihrer Kolonne war bereits auf der Brücke, als Mortons Ankunft die Scene veränderte. Seine Schützen begannen durch ein wohlgezieltes regelmäßiges Feuern die Angreifenden mit großem Verlust zurückzutreiben. Letztere drangen nochmals vor und wurden abermals mit großem Verlust zurückgetrieben, da nun auch Burley seine Schaar ins Gefecht gebracht hatte. Das Feuer wurde mit der größten Lebhaftigkeit auf beiden Seiten unterhalten, und der Ausgang des Treffens schien sehr zweifelhaft.

Monmouth, der auf einem prächtigen Zelter saß, hielt auf der Anhöhe am rechten Ufer und trieb durch Bitten und Ermahnungen die Soldaten zu neuen Anstrengungen an. Auf seinen Befehl wurden die Kanonen, die bis jetzt bloß gegen die entfernte Hauptmacht der Insurgenten gebraucht worden waren, gegen die Vertheidiger der Brücke gerichtet. Da aber diese furchtbaren Maschinen damals weit langsamer bedient wurden als jetzt, so brachten sie auch nicht die gehoffte Wirkung, den Feind einzuschüchtern und zu beunruhigen, hervor. Die Insurgenten, theils durch das Gebüsch am Ufer, theils in den bereits erwähnten Häusern verborgen, fochten also gedeckt, während die Royalisten durch Mortons Maßregeln dem Feuer gänzlich ausgesetzt waren. Die Vertheidigung war so andauernd und hartnäckig, daß die königlichen Generale an dem endlichen Gelingen des Unternehmens zu zweifeln begannen. Sofort sprang Monmouth vom Pferde, sammelte die Krieger und führte sie nochmals zu einem verzweifelten Angriff vor, während sich Dalzell an die Spitze der Hochländer von Lennox stellte und mit dem entsetzlichen einheimischen Kriegsgeschrei vordringend, ihn unterstützte. In diesem entscheidenden Augenblicke begann den Vertheidigern der Brücke die Munition auszugehen, vergebens wurden Boten auf Boten mit den dringendsten Bitten um Hilfe und Zusendung von Vorrath an das Hauptcorps der Presbyterianer abgeschickt, welches unthätig im offenen Felde dastand. Furcht, Bestürzung und Unordnung herrschten unter ihnen, und obgleich der Posten, von dem ihre Sicherheit abhing, augenblicklich und ansehnlich hätte verstärkt werden sollen, war niemand vorhanden, der dies befohlen oder dem Befehl gehorcht hätte.

Je schwächer das Feuer der Vertheidiger der Brücke wurde, desto heftiger und verderblicher wurde das der Angreifenden. Durch das Beispiel und die Ermahnungen ihrer Generale ermuthigt, faßten sie festen Fuß auf der Brücke selbst und begannen die Hindernisse wegzuräumen, die ihr Vorrücken hemmten. Das Eingangsthor wurde erbrochen, die Balken, Baumstämme und sonstiges zur Barrikade gebrauchte Material in den Fluß geworfen; doch nicht ohne Widerstand. Morton und Burley fochten an der Spitze ihrer Leute und ermunterten sie, mit ihren Piken, Hellebarden und Partisanen den Bajonneten der Garden und den Schwertern der Hochländer Stand zu halten. Aber die Hinteren fingen an, von dem ungleichen Kampfe abzustehen und flohen einzeln oder je zwei und drei zum Hauptcorps, bis der Rest, eben so sehr durch den bloßen Druck der feindlichen Kolonnen wie durch deren Waffen völlig von der Brücke verdrängt ward. Doch der Uebergang war lang und schmal, und die Bewegung langsam und gefährlich, auch hatten die, welche zuerst herüberkamen, noch die Häuser zu erstürmen, aus deren Fenstern die Covenanter zu feuern fortfuhren. Burley und Morton waren in diesem entscheidenden Augenblicke einander nahe.

»Noch ists Zeit, die Reiterei zum Angriff zu bringen,« sagte der erstere, »ehe sie sich wieder ordnen. So können wir mit Gottes Hilfe die Brücke wieder gewinnen, – rufe sie eilends herbei, während ich mit diesem alten und matten Körper die Vertheidigung fortsetze.«

Morton erkannte die Wichtigkeit dieses Rathes, warf sich auf das Pferd, welches Cuddie für ihn hinter dem Dickicht bereit hielt, und sprengte auf einen Reitertrupp zu, der zufällig ganz aus Cameronianern bestand. Ehe er seine Botschaft ausrichten oder seine Befehle ertheilen konnte, wurde er von den Verwünschungen des ganzen Haufens empfangen.

»Er flieht,« riefen sie, »der feige Verräther flieht wie ein Hirsch vor den Jägern und hat den tapferen Burley mitten im Gefecht verlassen!«

»Ich fliehe nicht,« sagte Morton, »Ich komme, euch zum Angriff zu führen. Muthig vorwärts, und es gelingt!«

»Folgt ihm nicht,« schrie es aus dem wilden Haufen, »er hat euch dem Schwert des Feindes verkauft!«

Während Morton vergebens zuredete, bat und befahl, war der Augenblick verloren, der zum Angriff von Nutzen hätte sein können. Da nun die Brücke gänzlich in den Händen des Feindes war, so wurden Burley und die übrigen Krieger aufs Hauptcorps zurückgeworfen, dem der Anblick dieses unordentlichen Rückzugs keineswegs die Zuversicht verleihen konnte, deren es so sehr bedurfte.

Unterdessen zogen die königlichen Truppen ungehindert über die Brücke und stellten sich in Schlachtordnung, während Claverhouse, der gleich einem Falken, welcher den Augenblick erlauert, wo er vom Felsen auf seine Beute stürzen kann, den Ausgang des Gefechts beobachtet hatte, nunmehr an der Spitze der Reiterei durch die Zwischenräume und an den Seiten der Infanterie hin über die Brücke sprengte, seine Schaar auf dem Moor wieder formirte, und zum Angriff führte. Er griff mit der Hauptmacht in der Fronte an, während zwei detachirte Corps die Cameronianer in der Flanke attakirten. Diese waren jetzt in der Lage, wo die leiseste Bewegung zum Angriff einen panischen Schrecken hervorbringt. Ihr Muth war gebrochen, ihre Herzen zaghaft, sie waren nicht im Stande, den Angriff der Kavallerie auszuhalten, der von allem begleitet ist, was Auge und Ohr erschreckt: dem Sturm dahersprengender Rosse, dem zitternden Boden unter ihren Füßen, dem Blitzen der Schwerter, den wehenden Helmbüschen und dem furchtbaren Schlachtruf der Mannen. Kaum versuchten die vordersten Reihen ein ungeregeltes Feuer, der Nachtrab aber löste sich auf und floh in Verwirrung, ehe noch der Angriff ausgeführt war, und in weniger als fünf Minuten waren die Reiter unter ihnen und hieben sie schonungslos nieder. Den Lärm des Kampfes übertönte die Stimme Claverhouses, der seinen Kriegern zurief: »Haut ein! Haut ein! Keinen Pardon! Denket an Richard Graham!« – Die Dragoner, von denen viele die Schmach auf Loudonhill getheilt, bedurften keiner Ermahnung zu einer Rache, die eben so leicht wie vollständig war. Ihre Schwerter schwelgten im Blute der Flüchtlinge, die keinen Widerstand leisteten. Das Flehen um Pardon wurde bloß durch das Geschrei beantwortet, mit welchem die Verfolger ihre Streiche begleiteten, und das ganze Gefilde bot den Anblick wirren Gemetzels, der Flucht und Verfolgung dar.

Gegen zwölfhundert Insurgenten, die etwas entfernt von den übrigen und außer der Angriffslinie der Kavallerie standen, streckten ihre Waffen und ergaben sich auf Gnade und Ungnade, als der Herzog von Monmouth sich an der Spitze des Fußvolks näherte. Dieser mild gesinnte Fürst bewilligte ihnen augenblicklichen Pardon, um den sie baten, sprengte dann durch das Schlachtfeld und war jetzt eben so thätig, dem Gemetzel Einhalt zu thun, wie er es vorher war, den Sieg zu erringen. Während dieses menschenfreundlichen Bemühens stieß er auf den General Dalzell, der die furchtbaren Hochländer und die königlichen Freiwilligen ermuthigte, ihren Eifer für König und Vaterland zu zeigen und die Flamme der Empörung mit dem Blute der Empörer zu ersticken.

»Steckt Euer Schwert ein, General, ich befehle es,« rief der Herzog, »und laßt zum Rückzug blasen. Genug des Blutes ist vergossen. Gebt den mißleiteten Unterthanen des Königs Pardon!«

»Ich gehorche Euer Gnaden,« antwortete der Greis, indem er sein blutiges Schwert abwischte und in die Scheide steckte, »aber ich versichere Euch zu gleicher Zeit, daß noch nicht genug geschehen ist, diese verzweifelten Rebellen einzuschüchtern. Hat Euer Gnaden nicht gehört, daß Basil Olifant mehrere angesehene Leute im Westen gesammelt hat und im Begriff ist, sich mit ihnen zu vereinigen?«

»Basil Olifant,« sagte der Herzog, »wer ist das?«

»Der nächste männliche Erbe des Grafen von Torwood, er ist der Regierung abhold, weil sie seine Ansprüche zu Gunsten der Lady Margarethe Bellenden abgewiesen, und ich vermuthe, die Hoffnung, jene Erbschaft zu gewinnen, hat ihn in Bewegung gesetzt.«

»Seine Beweggründe seien, welche sie wollen,« erwiderte Monmouth, »er muß bald seine Anhänger auseinander gehen lassen, denn diese Armee ist zu sehr zerrüttet, um sich wieder zu sammeln. Deshalb befehle ich nochmals, daß die Verfolgung eingestellt werde.«

»Es ist Euer Gnaden Sache zu befehlen und für Eure Befehle verantwortlich zu sein,« antwortete Dalzell, als er zögernd das Kommando gab, von der Verfolgung abzulassen.

Aber der feurige und rachsüchtige Graham war zu weit voraus, um das Signal zum Rückzug hören zu können, und setzte mit seiner Reiterei unablässig die Verfolgung fort, indem er alles, was er von den Insurgenten erreichen konnte, zersprengte und zusammenhieb.

Burley und Morton wurden durch den Strom der Fliehenden vom Schlachtfelde mit fortgerissen. Sie versuchten die Straße von Hamilton zu vertheidigen. Während sie sich aber bemühten, die Fliehenden wieder zum Stehen zu bringen, erhielt Burley einen Schuß, der ihm den rechten Arm zerschmetterte.

»Möge die Hand verdorren, die diesen Schuß gethan!« rief er, als das Schwert, das er über seinem Haupte geschwungen hatte, kraftlos niedersank. – »Ich kann nicht mehr fechten!«

Darauf wendete er sein Pferd und entfloh aus dem Getümmel. Morton sah ebenfalls ein, daß seine Bemühungen, die Fliehenden zu sammeln, für ihn mit dem Tode oder mit Gefangenschaft enden könnten; von dem treuen Cuddie begleitet, entzog er sich daher dem Gedränge, und da er gut beritten war, setzte er über einige Hecken und gewann das offene Feld. Vom ersten Hügel, den sie auf ihrer Flucht erreichten, blickten sie rückwärts und sahen die ganze Gegend mit ihren flüchtigen Gefährten und den verfolgenden Dragonern bedeckt, deren wildes Jauchzen beim Niederhauen der Flüchtigen, vermischt mit dem Jammergeschrei der Schlachtopfer, gellend zum Hügel hinauftönte.

»Sie können unmöglich wieder den Kopf empor halten,« sagte Morton.

»Der Kopf ist ihnen abgeschnitten, so glatt, als ich ihn einer Zwiebelstaude abreißen würde,« erwiderte Cuddie. »Ach Herr, seht nur, wie die Schwerter blitzen! Der Krieg ist doch etwas furchtbares! Wer mich wieder dazu bringen will, muß früh aufstehen. – Aber, um Gottes willen, nehmen wir alle Kraft zusammen, um fort zu kommen!«

Morton sah die Nothwendigkeit ein, dem Rathe seines treuen Knappen zu folgen. So ritten sie in raschem Trabe ohne Unterbrechung nach der rauhen Berggegend, wo sie mehrere der Flüchtlinge zu finden hofften, entweder um Widerstand zu leisten oder um billige Bedingungen zu erhalten.

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