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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 3
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel I

Biet hundert Reiter auf, bei Tages Anbruch
Sei'n sie am Burgthor meines Winks gewärtig.

Douglas.

Unter der Herrschaft der letzten Stuarts hegte die Regierung den Wunsch, durch alle ihr zu Gebot stehenden Mittel dem strengen oder puritanischen Geiste entgegenzuwirken, der ein so hervorstechendes Merkmal der republikanischen Regierung gewesen war, und jene Feudaleinrichtungen wieder ins Leben zu rufen, die den Vasallen an den Lehnsherrn, und beide an die Krone banden. Es wurden von Staats wegen häufig Musterungen und Volksversammlungen veranstaltet, um die Leute in den Waffen zu üben und ihnen Zeitvertreib und Lustbarkeiten zu verschaffen. Daß die Regierung sich in letztere mischte, war zum wenigsten unpolitisch; denn wie es bei dergleichen Angelegenheiten zu gehen pflegt, die Gemüther, die anfangs bloß von Bedenklichkeiten und Zweifeln heimgesucht waren, befestigten sich immer mehr in ihren Meinungen, anstatt sich der Gewalt zu fügen; und die jungen Leute beiderlei Geschlechts, die in England der Pfeife und Handtrommel oder in Schottland dem Dudelsack gar nicht hätten widerstehen können, waren nun im Stande denselben Hohn zu sprechen, in dem stolzen Bewußtsein, daß sie dadurch den Befehlen der Regierung Widerstand leisteten. Der Versuch, Menschen zu Tanz und Frohsinn zu zwingen, ist sogar auf Sklavenschiffen selten gelungen, wo man ihn in früheren Zeiten manchmal anstellte, um die unglücklichen Gefangenen während der wenigen Minuten, in denen sie auf dem Verdecke frische Luft schöpfen durften, dahin zu bringen, ihre Glieder zu bewegen und den Blutumlauf wiederherzustellen. In eben demselben Maße, in welchem die Regierung die Strenge der eifrigen Calvinisten gemildert zu sehen wünschte, wuchs dieselbe; eine jüdisch strenge Beobachtung des Sabbaths, eine hochmüthige Verdammung aller männlichen Zeitvertreibe und unschuldigen Vergnügungen, sowie der für unheilig erachteten Sitte, daß beide Geschlechter zusammen tanzten (denn wenn diese getrennt blieben, galt ihnen, glaube ich, diese körperliche Bewegung nicht für anstößig), zeichnet diejenigen aus, welche einen mehr als gewöhnlichen Grad von Heiligkeit für sich in Anspruch nahmen. Diese Leute suchten sogar nach Kräften und Möglichkeit ihre Landsleute und Glaubensgenossen von der traditionellen Waffenschau fern zu halten, zu welcher das Lehnsgefolge der Grafschaft entboten wurde, und bei der jeder Kronvasall mit einer solchen Anzahl von gewappneten und gerüsteten Leuten, und zwar bei schwerer gesetzlich bestimmter Strafe sich einfinden mußte, als er vermöge seines Lehns zu stellen hatte. Die Covenanter waren diesen Versammlungen umsomehr abhold, als die Lord-Statthalter und die Landrichter, die dabei die Oberaufsicht führten, von der Regierung ausdrücklichen Befehl erhalten hatten, keine Mühe zu sparen, um sie den zusammengerufenen jungen Leuten so angenehm wie möglich zu machen. Die Waffenübungen am Morgen und die Lustbarkeiten im Freien, welche bis in die Nacht hinein dauerten, dachte man, mußten naturgemäß eine verführerische Wirksamkeit haben. Die Prediger und Anhänger der strengern presbyterianischen Ansichten suchten daher durch Warnungen, Ermahnungen und Befehl den Besuch dieser Versammlungen so viel als möglich zu beeinträchtigen. Sie wußten recht gut, daß sie dadurch sowohl die scheinbare als die wirkliche Macht der Regierung schwächten, indem sie das Weiterumsichgreifen jenes esprit de corps hemmten, der sehr bald junge Männer einigt und bindet, welche öfter zu männlichen Lustbarkeiten im Freien oder zu Waffenübungen zusammenkommen. Sie bemühten sich deshalb ernsthaft, alle diejenigen, die für ihr Nichterscheinen nur irgend eine Entschuldigung vorbringen konnten, abzuhalten, und zeigten sich besonders streng gegen solche, die aus bloßer Neugier oder als Theilnehmer an den später folgenden Spielen und Leibesübungen sich bei jener Waffenschau einfanden. Obwohl sich einige vom Landadel zu diesen Lehren bekannten, waren sie doch nicht immer im Stande, dieselben streng zu befolgen. Die Vorschriften des Gesetzes waren scharf, und der geheime Staatsrath, der die vollziehende Gewalt in Schottland ausübte, hielt mit großer Strenge darauf, daß die gesetzlichen Strafen an allen Kronvasallen vollzogen wurden, die bei der regelmäßig wiederkehrenden Waffenschau nicht erschienen. Die Grundbesitzer waren daher genöthigt, ihre Söhne, Pächter und Vasallen mit der pflichtmäßigen Anzahl von Rossen, Leuten und Waffen an den Versammlungsort zu senden, und da traf es sich denn oft, daß trotz der ausdrücklichen Gebote ihrer Vorgesetzten, gleich nach beendigter Musterung wieder heimzukehren, die jungen Waffenleute der Lockung nicht widerstehen konnten, an den späteren Lustbarkeiten Theil zu nehmen. Der Sherif der Grafschaft Lanark hielt die Waffenschau eines wilden Bezirks ab, der die obere Ward von Clydesdale genannt wurde, eine Hochfläche, die unweit eines königlichen Fleckens gelegen ist, dessen Name von keiner Bedeutung für meine Erzählung ist. Es war am Morgen des 5. Mai 1679, und mit diesem Tage beginnt unsere Geschichte. Als die Musterung vorüber, und, dem Brauche gemäß, Bericht über dieselbe abgestattet war, sollten wie gewöhnlich die verschiedenen Lustbarkeiten beginnen, unter denen ein Vogelschießen das beliebteste war, das früher mit der Armbrust, zu jener Zeit aber schon mit Feuergewehr ausgeführt wurde. Der Vogel war mit allerlei bunten Federn bekleidet und sah daher einem Papagei ähnlich. Aus diesem Grunde heißt das Spiel im Englischen auch Papageienschießen. Er hing an einer Stange als Ziel, nach welchem die Preisbewerber ihre Musketen oder Karabiner auf eine Entfernung von sechszig oder siebenzig Schritt abfeuerten. Wer das Ziel herabschoß, erhielt für den übrigen Theil des Tages den stolzen Titel: Papageienhauptmann, und wurde gewöhnlich unter lautem Jubel nach dem angesehensten Gasthause der Umgegend geleitet, wo alsdann der Abend unter seinen Auspicien, und, wenn er es bestreiten konnte, auch auf seine Kosten, mit einem Festmahle beschlossen wurde.

Es versteht sich wohl von selbst, daß die Frauen aus der Umgegend diesen Lustbarkeiten zuschauten, freilich mit Ausnahme derer, die dem Puritanismus streng anhingen, und es eben deshalb für ein Verbrechen gehalten haben würden, die schnöden Vergnügungen der Uebelgesinnten durch ihre Anwesenheit zu ermuthigen. Landauer Wagen, Barutschen und Tilburies gab es in jenen Tagen der Einfachheit noch nicht. Der Lord-Lieutenant der Grafschaft, ein Mann von herzoglichem Range, machte ausschließlich Anspruch auf die Pracht und Auszeichnung, ein Räderfuhrwerk zu besitzen, ein Ding mit abgeblaßter Vergoldung und Schnitzarbeit, das einem Kasten gleich, wie man etwa die Arche Noah darstellt, von acht langschwänzigen flandrischen Stuten gezogen wurde, und inwendig für acht, auswendig für sechs Personen Platz hatte. Im Innern hatten Platz genommen: Seine Gnaden selbst nebst Gemahlin, zwei Ehrenfräulein, zwei Kinder, ein Kaplan, der in einer Art von Seitenverschlag saß, – und endlich Seiner Gnaden Stallmeister, der sich in dem entsprechenden Sitze auf der andern Seite eingerichtet hatte. Ein Kutscher und drei Postillone mit Hirschfängern und dreizöpfigen Knotenperrücken, die Musketen über der Schulter und Pistolen im Sattel stecken hatten, lenkten das Fuhrwerk. Auf dem Fußtritte hinter diesem wandelnden Schlosse standen, oder genauer ausgedrückt, hingen in dreifacher Reihe sechs in reiche Livreen gekleidete Lakaien. Der übrige Landadel, einerlei ob Mann oder Weib, jung oder alt, saß, von seiner Dienerschaft begleitet, zu Pferde, aber aus den schon angeführten Ursachen war die Gesellschaft mehr gewählt als zahlreich.

Unmittelbar hinter diesem eben besprochenen ungeheuren ledernen Fuhrwerke ritt, um ihren Anspruch auf Vorrang vor dem keine Titel führenden Landadel zu behaupten, Lady Margarethe Bellenden auf einem sittsamen, ruhig einherschreitenden Zelter. Sie ritt stolz und aufrecht, und trug noch immer das Wittwenkleid, das sie nicht mehr abgelegt hatte, seit ihr Mann wegen seiner standhaften Anhänglichkeit an Montrose hingerichtet worden war. Ihre Enkelin, der einzige Gegenstand aller ihrer irdischen Sorge und Liebe, die schön gelockte Editha, die allgemein für das schönste Mädchen im ganzen obern Ward gehalten wurde, erschien neben ihrer betagten Verwandten wie der Frühling an der Seite des Winters. Ihr spanischer Rappe, den sie mit viel Anmut lenkte, ihr kleidsames Reitgewand und ein mit Fransen besetzter Reitsattel, waren sorgsam ausstaffirt worden, um sie in möglichst vortheilhaftem Lichte erscheinen zu lassen. Die üppige Fülle ihrer Ringellocken, die unter ihrem Hute hervorquoll, ward nur von einem grünen Bande zurückgehalten, damit sie nicht frei auf die Schultern herabwallten; die sanften und weiblichen Züge ihres Antlitzes, denen es nicht an einem gewissen Ausdrucke von muthwilliger Schalkhaftigkeit fehlte, zogen die Bewunderung der jungen Männer des Westens weit mehr an, als der Glanz ihres Aufzuges oder die Gestalt ihres Prunkpferdes.

Das Gefolge dieser distinguirten Damen war keineswegs ihrer Geburt oder dem Brauche jener Zeiten angemessen, indem es nur aus zwei berittenen Dienern bestand. Die gute alte Dame war nämlich gezwungen gewesen, ihre gesammte Hausdienerschaft ausrücken zu lassen, um die bestimmte Anzahl von Leuten zusammenzubringen, welche die Baronie bei der Musterung zu stellen hatte, und dabei wollte sie es um alles in der Welt an nichts fehlen lassen. Der alte Haushofmeister, angethan mit Stahlhaube und Steifstiefeln, führte den Zug an und hatte, wie er sagte, Blut und Wasser geschwitzt, um die Bedenklichkeiten, Einwendungen und Ausflüchte der Moorlandpächter zu besiegen, die bei dieser Gelegenheit Menschen, Pferde und Rüstung hätten stellen sollen. Es kam endlich in dem Streite mit ihnen bis zu einer offenen Kriegserklärung, da der hitzige Episkopalkirchler die Widerspenstigen mit allen Donnerwettern bedrohte, wogegen diese ihn calvinistisch in den Bann thaten. Indessen was war zu thun? Freilich wäre es leicht genug gewesen, diese widerstrebenden Pächter zu strafen; der Staatsrath würde bereitwillig Geldstrafen zuerkannt und Reiter abgeschickt haben, um dieselben einzusammeln. Das aber hätte ungefähr so viel geheißen, als Jäger und Hunde zugleich in den Garten zu rufen, um einen Hasen zu erlegen.

»Denn,« sprach Harrison bei sich, »die Kerle nagen ohnehin am Hungertuche, und wenn ich nun die Rothröcke herbeirufe und diese ihnen das Wenige, was ihnen gehört, noch wegnehmen, woher soll da meine Herrin die zu Lichtmesse fällige Rente bekommen, die in den besten Zeiten ohnehin nur mit genauer Noth einzukriegen ist?«

So bewaffnete er denn den Hühnerjäger und Falkonier, den Bedienten und den Ackervogt, und einen alten durstigen und trinklustigen Kellermeister, der mit dem verstorbenen Richard unter Montrose gedient hatte, allabendlich die Hausdienerschaft mit der Erzählung seiner Thaten, die er bei Kilsythe und Tippermoor verübt haben wollte, in Erstaunen und Verwunderung setzte und von allen der einzige war, dem die Sache sehr wenig am Herzen lag. Indem Harrison noch einige Wilddiebe und andere Gesellen ähnlichen Gelichters, denen man ein allzu enges Gewissen nicht zum Vorwurf machen konnte, anwarb, brachte er wirklich ein Contingent auf die Beine, wie es Lady Margaretha Bellenden, als lebenslängliche Nutznießerin der Baronie Tillietudlem und anderer Besitzungen, zu stellen hatte. Als aber am Morgen des verhängnißvollen Tages der Haushofmeister eben seine troupe dorée vor dem eisernen Thore des Schlosses musterte, erschien die Mutter des Ackervogts Cuddie Headrigg mit den Reiterstiefeln, dem ledernen Koller und anderem Zeug, das für den Gebrauch an diesem Tage verabfolgt worden war, und legte alles vor den Haushofmeister nieder, wobei sie ihm ganz ernsthaft versicherte, daß – ob es nun eine Kolik oder eine Bedrängniß des Gewissens gewesen, was sie nicht entscheiden wolle – so viel gewiß wäre, ihrem Cuddie sei es in der Nacht sehr schlecht gegangen, und sie wisse nicht, ob es heute früh besser mit ihm stehe. Man sehe daraus des Himmels Finger, setzte sie hinzu, und ihr Kind solle sich zu dergleichen Aufträgen nicht hergeben. Androhungen von Züchtigung, Strafe und Fortjagen aus dem Dienste, alles war vergebens, die Mutter blieb hartnäckig, und Cuddie, über dessen körperliches Befinden man ins Klare kommen wollte und den man deshalb in seiner Behausung heimsuchte und besichtigte, konnte oder wollte mir mit tiefem Stöhnen antworten. Die alte Mause, früher Dienerin in der Familie, war eine Art Favoritin der Lady Margarethe und nahm sich folglich auch etwas heraus. Die Lady selbst war schon seit einer Weile fort und man konnte daher an ihre Würde nicht appelliren. In dieser Bedrängniß nun gab dem alten Kellermeister sein guter Geist ein Auskunftsmittel ein.

»Er habe unter Montrose manchen braven Gesellen wacker fechten sehen, der noch viel kleiner als Goose Gibbie gewesen sei. Weshalb er denn den Goose Gibbie nicht nähme?«

Dieser Goose Gibbie war ein verbutteter, halb blödsinniger Junge, und eine Art von Gehilfe der alten Gänsehirtin, – denn in einer schottischen Familie jener Tage herrschte eine wundersame Theilung der Arbeit. Dieser Knirps nun wurde wirklich vom Stoppelfelde abgerufen, in aller Eile in den ledernen Koller gesteckt, man gürtete ihm das Schwert eines erwachsenen Mannes um, oder band ihn vielmehr daran, steckte seine kleinen Beine in die Reitstiefeln und stülpte auf seinen Kopf eine Stahlhaube von solchem Umfange, als wäre es darauf abgesehen gewesen, ihn zu ersticken. So angethan wurde er seinem dringenden Bitten gemäß auf das zahmste und sanfteste Pferd gehoben, und da der alte Kellermeister Gudyill ihm hilfreich zur Seite war, so bestand er auch die Musterung leidlich. Ohnehin prüfte der Landrichter die Mannen einer so wohlgesinnten Dame, wie Lady Margarethe Bellenden, nicht allzu genau.

Diese Umstände waren schuld, daß das Geleit der Lady an jenem verhängnißvollen Tage nur aus zwei Lakaien bestand, ein Gefolge, dessen sie sich bei jeder andern Gelegenheit geschämt haben würde. Aber für die Sache des Königthums war sie immer zu den größten persönlichen Opfern bereit. Sie hatte in den Bürgerkriegen jener unglücklichen Zeit ihren Gemahl und zwei hoffnungsvolle Söhne verloren; sie war aber auch dafür belohnt worden, denn es hatte Karl der Zweite, als er durch das westliche Schottland zog, um Cromwell bei Worcester eine Schlacht zu liefern, im Schlosse Tillietudlem gefrühstückt. Dieser Vorfall bildete von Anfang an einen wichtigen Zeitpunkt im Leben der Lady Margarethe, die später selten oder nie auswärts an einem Frühmahle theilnahm, ohne umständlich zu erzählen, was sich alles beim Besuche des Königs begeben; namentlich unterließ sie nie zu erwähnen, daß Seine Majestät ihr zum Gruße beide Wangen geküßt habe. Dabei vergaß sie aber oft zu erwähnen, daß der König dieselbe Gunstbezeigung zwei hübschen drallen Dienstmädchen, welche hinter ihr standen und für jenen Tag zu Kammerfrauen erhoben worden waren, gleichfalls hatte angedeihen lassen. Diese Beweise königlicher Gunst waren entscheidend, und wenn Lady Margarethe nicht bereits durch das Bewußtsein ihrer hohen Geburt, durch Erziehung und Haß gegen die andere Partei, von der sie so viel Unglück und Ungemach erduldet hatte, eine standhafte königlich Gesinnte gewesen wäre, so würde doch schon der Umstand, daß sie der Majestät ein Frühstück gegeben, und dafür den Abschiedsgruß des Königs empfangen hatte, Ehre genug für sie gewesen sein, um sie für immer ausschließlich an die Geschicke der Stuarts zu knüpfen.

Jetzt nun triumphirten die Stuarts, allem Anscheine nach, aber Lady Margarethe war auch in den schlimmsten Tagen deren standhafte und treue Anhängerin gewesen, und war immer bereit, dieselbe Härte des Schicksals noch einmal zu ertragen, wenn die Schale je wieder zu ihrem Nachtheile sich senken sollte. Gegenwärtig freute sie sich in vollem Maße an der kriegerischen Entfaltung der Streitmacht, welche zur Unterstützung der Krone bereit stand, und dämpfte, so viel sie im Stande war, den Verdruß, den der schmähliche Abfall ihrer eigenen Hintersassen ihr verursachte. Zwischen der Lady und den Repräsentanten einiger alten loyalen Familien, die sich auf dem Plane eingefunden hatten, und die ihr große Ehrerbietung zollten, wurden viele Höflichkeiten gewechselt; und während der Dauer der Musterung ritt kein junger Mann von Rang an ihnen vorüber, ohne sich höher im Sattel aufzurichten und sein Pferd steigen zu lassen, um seine eigene Reitergewandtheit und die vollkommene Abrichtung seines Rosses in den Augen des Fräuleins Editha Bellenden im vortheilhaftesten Lichte zu zeigen. Allein die jungen, durch vornehme Abkunft und unbezweifelte Loyalität ausgezeichneten Cavaliere erregten Edithas Aufmerksamkeit nicht mehr, als die Gesetze der Höflichkeit unumgänglich erforderten, und sie lieh den Complimenten, die ihr in nicht spärlichem Maße gesagt wurden, ein sehr gleichgültiges Ohr, obschon sie Romanen Calprenedes und der Scudery entlehnt waren, jenen Spiegeln, vor welchen die Jugend damaliger Zeit sich so gern schmückte. Jedoch das Schicksal fügte es, daß Fräulein Bellenden sich diesen Gleichmuth nicht bis zum Schlusse des Tages bewahren sollte.

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