Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Walter Scott >

Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 27
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
Schließen

Navigation:

Kapitel XXV

– Der König hat
Des Landes ganze Macht an sich gezogen.

Heinrich IV., Zweiter Theil.

Die Anführer des presbyterianischen Heeres hielten am Abend des Tages, an welchem sie Tillietudlem angegriffen hatten, eine ernste Berathung. Sie merkten gar wohl, daß ihre Leute durch den erlittenen Verlust entmuthigt waren, der, wie gewöhnlich in solchen Fällen, die muthigsten und tapfersten betroffen hatte. Es war sehr zu befürchten, daß, wenn man ihren Eifer und ihre Kampflust bei einem so untergeordneten Unternehmen, wie es die Einnahme dieses unbedeutenden Platzes war, erschöpfte, ihre Anzahl allmählich zusammenschmelzen und man alle Vortheile verlieren würde, die aus der gegenwärtigen, unvorbereiteten Lage der Regierung erwachsen mußten. Aus diesen Gründen kam man überein; daß die Hauptmacht gegen Glasgow ziehen und die Besatzung dieser Stadt vertreiben sollte. Der Kriegsrath ernannte Heinrich Morton nebst andern zu Führern dieser Expedition, und bestimmte Burley, mit einer Abtheilung von fünfhundert Mann zurückzubleiben, um das Schloß zu blokiren. Morton zeigte den größten Widerwillen gegen diese Anordnung.

»Er wünschte,« sagte er, »aus den stärksten persönlichen Gründen in der Nähe von Tillietudlem zu bleiben, und wenn man die Leitung der Blokade ihm übertrage, so hoffe er einen solchen Vergleich erwirken zu können, der, ohne für die Belagerten allzuhart zu sein, den Absichten der Belagerer vollkommen entsprechen würde.«

Burley errieth leicht, warum sein junger Genosse so ungern mit der Armee aufbrach, denn da ihm viel daran gelegen war, die Gemüthsart derer kennen zu lernen, mit welchen er zu thun hatte, so hatte er es listig angestellt, um aus dem einfältigen Cuddie und der schwärmerischen Mause hinreichende Nachrichten über Mortons Verhältniß zur Familie von Tillietudlem herauszubringen. Er benutzte also die Gelegenheit, da Pfundtext sich erhob, um, wie er sagte, eine kurze Zeit zur Geschäftsordnung zu sprechen, was, wie Burley richtig vermuthete, wenigstens eine Stunde dauerte, und zog Morton auf die Seite, um folgendes Gespräch zu führen:

»Du bist unweise, Heinrich Morton, wenn Du wünschest, diese heilige Sache der Freundschaft für einen unbeschnittenen Philister oder der Lust an einem moabitischen Weibe aufzuopfern.«

»Ich verstehe Euch nicht, Herr Balfour, noch finde ich Geschmack an Euren Anspielungen,« erwiderte Morton unwillig: »auch weiß ich nicht, welchen Grund Ihr zu einer so plumpen Beschuldigung oder zu so unhöflicher Sprache habt.«

»Gestehe aber die Wahrheit,« sagte Balfour, »daß Du lieber über jene in der finstern Burg wie eine Mutter über ihre Kleinen wachen möchtest, als daß Du das Banner der Kirche Schottlands über dem Nacken ihrer Feinde aufpflanzest.«

»Wenn Ihr meint,« antwortete Morton, »daß ich diesen Kampf gern ohne einen blutigen Sieg beendigen möchte, und daß ich dieses inniger wünsche, als Ruhm und Gewalt für mich zu erringen, so habt Ihr vollkommen Recht.«

»Und nicht ganz Unrecht,« erwiderte Burley, »wenn ich glaube, daß Du von dieser allgemeinen Friedensstiftung Deine Freunde unter der Besatzung von Tillietudlem nicht ausschließen möchtest.«

»Gewiß nicht,« entgegnete Morton, »ich bin dem Major Bellenden zu sehr verbunden, um nicht den Wunsch zu hegen, ihm einen Dienst leisten zu können, so weit er sich mit dem Interesse der Sache verträgt, der ich jetzt angehöre. Ich habe aus meiner Achtung gegen ihn nie ein Geheimniß gemacht.«

»Ich weiß das gar wohl,« sagte Burley, »aber hättest Du sie auch verheimlicht, ich würde das Räthsel doch gelöst haben. Nun höre auf meine Worte! Dieser Bellenden hat Mittel, seine Besatzung noch einen Monat zu unterhalten.«

»Das ist nicht der Fall,« antwortete Morton, »wir wissen, daß seine Vorräthe kaum eine Woche ausreichen.«

»Ich aber,« fuhr Burley fort, »habe die stärksten Beweise, daß dies Gerücht von dem verschmitzten gottlosen Graukopf ausgesprengt worden, damit sich die Soldaten eine Verminderung der Rationen gefallen lassen, und um uns so lange vor den Mauern der Veste aufzuhalten, bis das Schwert gewetzt ist, um uns zu schlagen und zu vernichten.«

»Und warum wurde der Beweis nicht dem Kriegsrath vorgelegt?« fragte Morton.

»Zu welchem Ende?« fragte Balfour. »Warum sollen wir Pauker, Macbriar, Pfundtext und Langcale über diesen Punkt aufklären? Du kannst nicht leugnen, daß alles, was man ihnen mittheilt, bei der nächsten Gelegenheit aus ihrem Munde dem Heere zufließt. Sie sind bereits durch den Gedanken entmuthigt, eine Woche vor der Veste liegen zu müssen! Was würde nun gar daraus entstehen, wenn man ihnen andeutete, sie sollten auf eine Belagerung von einem Monate gefaßt sein?«

»Aber warum verbargt Ihr es mir oder warum theilt Ihr es mir jetzt mit? Vor allem aber, welche Beweise habt Ihr für Eure Behauptung?« fuhr Morton fort.

»Der Beweise sind viele,« erwiderte Burley, und übergab ihm eine Menge von Major Bellenden ausgeschriebene Requisitionen an Vieh, Korn, Mehl u. s. w., auf deren Rückseite der Empfang bescheinigt war, der sich so hoch belief, daß jede Möglichkeit, die Besatzung bald auszuhungern, verschwinden mußte. Aber Burley unterrichtete Morton nicht von einem Umstande, der ihm selbst genau bekannt war, daß nämlich die meisten dieser Vorräthe nicht ins Schloß gekommen waren, weil die raubsüchtigen Dragoner, die sie eintreiben sollten, häufig an den einen verkauften, was sie dem andern abgenommen und so den Major ziemlich genau so hintergingen, wie Sir John Falstaff den König beim Anwerben seiner Soldaten.

»Und jetzt hab ich Dir noch zu sagen,« fuhr Balfour fort, als er sah, daß er den gewünschten Eindruck hervorgebracht, »daß ich Dir dies nicht länger verbarg, als es mir selber verborgen gewesen ist, denn ich habe diese Papiere erst diesen Morgen erhalten, und sage Dir jetzt, daß Du freudig Deines Weges wandeln und willig das große Werk zu Glasgow vollbringen mögest, da Du sicher bist, daß Deinen Freunden unter der übelgesinnten Partei nichts Böses widerfahren kann, sofern ihre Veste reichlich mit Lebensmitteln versehen ist, und ich nicht genug Streitkräfte besitze, um mehr zu thun, als Ausfälle zu verhindern.«

»Und warum,« fuhr Morton fort, der ein unaussprechliches Widerstreben fühlte, sich bei Balfours Gründen zu beruhigen, »warum gestattet Ihr mir nicht, diesen kleinen Trupp vor der Veste zu befehligen, während Ihr selbst gen Glasgow marschirt? Es ist eine ehrenvolle Aufgabe.«

»Eben deshalb, junger Mann,« antwortete Burley, »hab ich dafür gesorgt, daß dieser Auftrag dem Sohne des Silas Morton übertragen wurde. Ich werde alt, und dieses graue Haupt hat Ehre genug gehabt, wo sie durch Gefahr errungen werden konnte. Ich spreche nicht von jener Seifenblase, welche die Menschen irdischen Ruhm nennen, sondern von der Ehre, die dem gebührt, der das Werk nicht lässig vollbringt. Aber Deine Laufbahn soll erst angehen. Du hast das hohe Vertrauen zu rechtfertigen, das auf meine Versicherung, es sei wohl verdient, in Dich gesetzt worden ist. Zu Loudonhill warst Du ein Gefangener, und bei dem letzten Angriffe konntest Du in gedeckter Stellung fechten, während ich den offeneren und gefährlicheren Angriff leitete, und bleibst Du jetzt vor diesen Wällen, da Du anderswo thätig eingreifen kannst, so werden die Leute gewiß sagen: der Sohn des Silas Morton ist abgewichen von dem Pfade seines Vaters.«

Ergriffen von dieser letzten Bemerkung, auf welche er als Soldat und Edelmann nichts zu erwidern vermochte, willigte Morton hastig in die vorgeschlagene Anordnung. Doch konnte er sich eines gewissen Mißtrauens nicht erwehren, das er unwillkürlich gegen den Mann hegte, von dem diese Bemerkung ausging.

»Herr Balfour,« sagte er, »erklären wir uns deutlich gegen einander. Ihr habt es der Mühe werth gehalten, meinen Privatangelegenheiten und persönlichen Neigungen Eure besondere Aufmerksamkeit zu schenken; ich bitte Euch, überzeugt zu sein, daß ich ihnen eben so treu sein werde, als meinen politischen Grundsätzen. Es ist möglich, daß Ihr während meiner Abwesenheit in den Fall kommt, diese Gefühle zu schonen und zu verletzen. Ich versichere Euch, daß, wie unser gegenwärtiges Unternehmen sein möge, meine stete Dankbarkeit oder meine unablässige Rache dem Verhalten folgen wird, das Ihr bei dieser Gelegenheit beobachtet, und so jung und unerfahren ich auch bin, ich werde gewiß Freunde finden, die mir beistehen, meinen Empfindungen in beiden Fällen geziemenden Ausdruck zu verleihen.«

»Wenn in dieser Rede eine Drohung liegen soll,« antwortete Burley stolz und kalt, »so hättet Ihr sie sparen können. Ich weiß die Achtung meiner Freunde zu schätzen und die Drohungen meiner Feinde von ganzem Herzen zu verachten. Indessen soll es mich nicht beleidigen. Was sich auch in Eurer Abwesenheit ereignet, es soll mit so viel Rücksicht auf Eure Wünsche geschehen, als es meine Verpflichtung gegen eine höhere Macht nur irgend erlaubt.«

Mit diesem bedingten Versprechen mußte Morton zufrieden sein.

»Unsere Niederlage wird die Besatzung befreien,« dachte er, »ehe sie gezwungen ist, sich auf Gnade oder Ungnade zu ergeben. Im Falle unseres Sieges aber ist vorauszusehen, daß ich bei der wachsenden Anzahl der gemäßigten Partei hinsichtlich der Benutzung desselben eine so mächtige Stimme haben werde als Burley.«

Er begleitete Balfour in die Rathsversammlung, wo Pauker eben seinem »Endlich« noch einige Worte von praktischer Anwendung hinzufügte. Als dies zu Ende war, bezeigte Morton seine Bereitwilligkeit, der Hauptmacht des Heeres zu folgen, welche die königlichen Truppen aus Glasgow vertreiben sollte. Seine Collegen im Kommando wurden ernannt, und alle empfingen eine stärkende Ermahnung von den anwesenden Predigern. Am nächsten Morgen brach das Heer der Insurgenten aus dem Lager auf und marschirte gegen Glasgow.

Es ist nicht unsere Absicht, Vorfälle umständlich zu erzählen, die man in der Geschichte jenes Zeitraumes nachlesen kann. Es reicht hin, zu bemerken, daß Claverhouse und Lord Roß, als sie erfuhren, daß eine überlegene Macht gegen sie heranrücke, sich in dem Mittelpunkte der Stadt, wo das Stadthaus und das alte Gefängniß lag, verschanzten, mit dem festen Entschluß, lieber den Angriff der Rebellen auszuhalten, als die Hauptstadt des westlichen Schottlands preiszugeben.

Die Presbyterianer griffen in zwei Haufen an, von denen der eine in der Gegend der Universität und der Kathedralkirche in die Stadt drang, während der andere durch das Galgenthor auf der südöstlichen Seite hinaufzog. Beide Abtheilungen wurden von entschlossenen Männern geführt und zeigten sich höchst muthig.

Roß und Claverhouse hatten wohlweislich Truppenabtheilungen in die Häuser am Eingange der Straßen und Gäßchen gelegt, außer denen, die hinter den Brustwehren standen, die man quer über die Straßen gezogen. Die Eindringenden sahen ihre Reihen durch unsichtbare Feinde gelichtet, deren Feuer sie nicht wirksam erwidern konnten. Umsonst setzten sich Morton und die andern Anführer der größten Gefahr aus und suchten mit ihren Gegnern handgemein zu werden. Ihre Leute wichen auf allen Punkten zurück. Obgleich Heinrich Morton einer der letzten beim Rückzuge war und alles that, um den Nachtrab in Ordnung zu halten und jeden Versuch des Feindes zu vereiteln, die errungenen Vortheile zu benutzen, so hatte er doch den Verdruß, viele in seinen Reihen murmeln zu hören: »Das kommt daher, daß man freigeisterischen Buben Vertrauen geschenkt hat. Hätte man den redlichen treuen Burley an der Spitze gehabt, wie bei den Verschanzungen von Tillietudlem, der Ausgang wäre ein anderer gewesen.«

Mit glühendem Zorn hörte Morton diese Bemerkungen gerade von denen vorbringen, die sich zuerst feig bewiesen hatten. Indessen hatte jener ungerechte Vorwurf die Wirkung, sein Ehrgefühl zu entflammen und ihm begreiflich zu machen, daß in seiner gefährlichen Lage ihm nichts übrig bleibe, als zu siegen oder zu fallen.

»Ich kann nicht mehr zurück,« sagte er zu sich selbst. »Alle sollen gestehen, alle, selbst Major Bellenden, selbst Editha, daß wenigstens an Muth der Rebell Morton seinem Vater nicht nachstand.«

Das Heer war nach seinem mißlungenen Angriffe in solcher Unordnung und Auflösung, daß es den Führern gerathen schien, sich auf eine größere Entfernung von der Stadt zurückzuziehen, um Zeit zu gewinnen, die Leute wieder in Ordnung zu bringen, so weit dies anging. Inzwischen kamen frische Soldaten herbei, die mehr durch ihre eigene harte Lage und durch den Sieg bei Loudonhill ermuthigt und angelockt, als durch die letzte unglückliche Unternehmung zurückgeschreckt waren. Viele von diesen schlossen sich an Mortons Abtheilung an. Zu seiner Kränkung aber mußte er bemerken, daß er bei der intoleranten Partei immer unbeliebter wurde. Wenn er die Kriegszucht und Ordnung unter seinen Leuten mit einer seinem Alter ungewöhnlichen Klugheit verbesserte, so nannten sie dies Vertrauen auf den fleischlichen Arm, und wegen seiner offenbaren Duldsamkeit gegen die religiösen Meinungen und Gebräuche anders Denkender gaben sie ihm den Spitznamen Gallio, weil ihm all diese Dinge gleichgültig seien. Was aber schlimmer war als diese Mißverständnisse, der Pöbel unter den Insurgenten, der stets denen den lautesten Beifall zollt, die ihre religiösen und politischen Meinungen aufs äußerste treiben, und diejenigen verabscheut, die ihn dem Joche der Kriegszucht unterwerfen wollen, zog entschieden die exaltirten Anführer, in deren Reihen die Begeisterung für die Sache den Mangel an Ordnung und Gehorsam ersetzte, vor, und dies um so offener, je mehr sich Morton bemühte, sie gewissen Beschränkungen zu unterwerfen. Kurz, während er die Hauptlast des Befehlshabers trug, denn seine Collegen traten ihm willig das ganze Kommando ab, so weit es mühsam und gefährlich war, hatte er doch nicht das Ansehen, das einzig und allein seine Anordnungen wirksam machen konnte.

Trotz all dieser Schwierigkeiten hatte er in wenigen Tagen einen solchen Grad von Disciplin in der Armee eingeführt, daß er glaubte, zum zweiten Male einen Angriff mit der Hoffnung glücklicheren Erfolges wagen zu können.

Es ist nicht zu bezweifeln, daß Mortons inniger Wunsch, sich mit Oberst Graham von Claverhouse zu messen, von dem er solche Unbill erlitten, Antheil an diesen ungewöhnlichen Anstrengungen hatte. Aber Claverhouse vereitelte diese Hoffnung, denn zufrieden mit dem Vortheil, den ersten Angriff aus Glasgow zurückgeschlagen zu haben, wollte er mit seinen wenigen Truppen einen zweiten Angriff der Insurgenten nicht abwarten, da diese jetzt zahlreicher und geregelter waren, als bei ihrem ersten Unternehmen. Er räumte daher den Platz und marschirte an der Spitze seiner Truppen auf Edinburg zu. Ohne Widerstand rückten demnach die Insurgenten in Glasgow ein, und Morton hatte also nicht die so sehnlich erwünschte Gelegenheit, Claverhouse persönlich zu begegnen. Aber obgleich er nicht Gelegenheit fand, den Schimpf abzuwaschen, der auf seiner Heeresabtheilung ruhte, so dienten doch Claverhouses Rückzug und der Besitz von Glasgow dazu, die Armee der Insurgenten in hohem Grade zu ermuthigen und ihre Zahl zu verstärken. Die Nothwendigkeit, neue Offiziere zu ernennen, neue Regimenter und Schwadronen zu organisiren und sie wenigstens mit den nothwendigsten Regeln der Kriegszucht bekannt zu machen: dies war eine Arbeit, die mit allgemeiner Zustimmung Heinrich Morton übertragen wurde, der sich ihr um so bereitwilliger unterzog, als ihn schon sein Vater mit der Theorie der Kriegskunst bekannt gemacht, und als er deutlich sah, daß, wenn er diese unangenehme aber höchst wichtige Arbeit nicht selbst übernähme, kein anderer sich mit ihr befassen werde.

Inzwischen schien das Glück die Unternehmung der Insurgenten mehr zu begünstigen, als man je erwartet hatte. Die Gewalt des Widerstandes, den seine willkürlichen Maßregeln hervorgerufen, schien den Staatsrath wie von Schrecken betäubt und unfähig gemacht zu haben, wirksame Schritte zu thun, um den durch seine Maßregeln entzündeten Haß zu bewältigen. Es waren nur wenig Truppen in Schottland, und diese wurden nach Edinburg gezogen, als wollte man eine Armee zum Schutze der Hauptstadt bilden. Die Kronvasallen wurden mit ihrer Lehnsmannschaft in das Feld entboten, um die dem Könige für ihre Güter schuldige Lehnspflicht zu leisten. Diesem Aufgebot wurde aber höchst lässig Folge geleistet. Unter dem Landadel war dieser Krieg nicht durchweg populär, und selbst diejenigen, die dafür gewesen wären, zu den Waffen zu greifen, wurden durch die Abneigung ihrer Frauen, Mütter und Schwestern abgehalten, sich einer solchen Sache anzuschließen.

Die Unfähigkeit der schottischen Regierung sich zu vertheidigen und die Rebellion zu unterdrücken, die anfangs so unbedeutend schien, begann am englischen Hofe Zweifel an ihrer Fähigkeit zu erwecken, sowie an der Zweckmäßigkeit der strengen Maßregeln, die sie gegen die unterdrückten Presbyterianer ergriffen. Man beschloß daher, zum Oberbefehlshaber der schottischen Armee den unglücklichen Herzog von Monmouth zu ernennen, der durch seine Heirat sehr viel Einfluß, großen Besitz und zahlreiche Anhänger im südlichen Theile des Königreichs besaß. Das militärische Talent, das er bei verschiedenen Gelegenheiten im Auslande an den Tag gelegt, schien mehr als hinreichend, die Insurgenten im Felde zu besiegen, und zugleich erwartete man, daß seine milde Gesinnung und die günstige Stimmung, die er im allgemeinen gegen die Presbyterianer an den Tag legte, die Gemüther versöhnen und für die Regierung gewinnen würden. Demnach erhielt der Herzog Vollmacht, die zerrütteten Angelegenheiten Schottlands wieder zu ordnen, und wurde von London mit einer starken Kriegsmacht abgeschickt, um den Oberbefehl in jenem Lande zu übernehmen.

 << Kapitel 26  Kapitel 28 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.