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Die Presbyterianer

Walter Scott: Die Presbyterianer - Kapitel 18
Quellenangabe
authorWalter Scott
titleDie Presbyterianer
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
year1876
translatorBenno Tschischwitz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160926
projectid17cc60b6
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Kapitel XVI

Doch horch! durch der Schlagwetter blitzenden Schein
Welch Roß in die Oede dahin rast allein?

Campbell.

Während des heißen Kampfes, den wir soeben im einzelnen geschildert, blieben Morton, Cuddie, dessen Mutter und der ehrwürdige Gabriel Pauker auf der Anhöhe nahe an dem Steinhügel, neben welchem Claverhouse Kriegsrath gehalten hatte, so daß sie von hier aus das Gefecht in der Tiefe überschauen konnten. Sie wurden vom Corporal Inglis und vier Soldaten bewacht, die, wie man sich denken kann, zu sehr auf das wechselnde Schlachtengeschick gespannt waren, als daß sie viel auf ihre Gefangenen geachtet hätten.

»Wenn die Bursche nur Stand halten,« sagte Cuddie, »so können wir vielleicht wieder unseren Hals aus der Schlinge ziehen. – Daran zweifle ich aber, sie haben zu wenig Uebung in den Waffen.«

»Viel ist auch nicht nöthig, Cuddie,« antwortete Morton, »sie haben eine feste Stellung, haben Waffen in den Händen und sind an Zahl den Angreifenden dreifach überlegen. Wenn sie jetzt ihre Freiheit nicht vertheidigen können, so verdienen sie und die Ihrigen dieselbe auf immer zu verlieren.«

»O, ihr Herren,« ries Mause, »das ist in der That ein herrlicher Anblick! Mein Geist ist wie der des gesegneten Elihu, er brennt in mir. – Meine Eingeweide sind wie Wein, der entleert sein will, sie wollen zerspringen wie neugefüllte Flaschen. O, daß er auf sein Volk sehe an diesem Tage des Gerichts und der Erlösung! – Und nun, was fehlt Dir, Du köstlicher Gabriel Pauker? Ich sage, was fehlt Dir nun, der Du ein Nazarener warst, reiner denn Schnee, weißer denn Milch, röther als Sulphir (vielleicht meinte sie Saphir). – Ich sage, was fehlt Dir jetzt, daß Du schwärzer bist als eine Kohle, daß Deine Schönheit dahingeschwunden und Deine Lieblichkeit dahingewelkt wie ein trockener Scherben? Wahrlich, jetzt ist es an der Zeit aufzustehen und zu handeln, laut zu schreien, und nicht zu schonen, und zu kämpfen für das arme Volk da unten, das da Zeugniß ableget mit seinem eigenen Blute und dem Blute seiner Feinde.«

Diese Aeußerung enthielt einen Vorwurf gegen Herrn Pauker, der, fern von den Feinden, ein echter Donnerer auf der Kanzel, zwar auch, wie wir gesehen haben, wenn er sich in ihrer Gewalt befand, hartnäckig war, jetzt aber durch das Schießen, Geschrei und Getöse, das aus dem Thal schallte, ganz betäubt worden war. Auch war er wie mancher andere rechtschaffene Mann in einer Lage, wo er weder fechten noch fliehen konnte, zu sehr niedergeschlagen, um die günstige Gelegenheit zu benutzen und die Schrecken des Presbyteriums zu predigen, wie die muthige Mause nicht anders von ihm erwartet hatte, oder nur für den glücklichen Ausgang des Kampfes zu beten. Indessen war seine Geistesgegenwart eben so wenig gänzlich verschwunden wie die Sorge für seinen Ruf als reiner und gewaltiger Prediger des Worts.

»Schweigt, o Weib!« sagte er, »und stört nicht meine innern Betrachtungen und den Kampf, den ich kämpfe. – Aber wahrhaftig, das Schießen der Feinde wird heftiger! Vielleicht könnte gar eine Kugel bis hierher reichen. Siehe, ich will mich hinter dem Steinhügel verbergen wie hinter einem starken Bollwerk.«

»Im Grunde genommen ist er doch nur ein feiger Kerl!« sagte Cuddie, welchem es keineswegs an jenem Muthe gebrach, der in der Unempfindlichkeit gegen die Gefahr besteht; »er ist nur ein feiger Wicht, er wird nimmermehr Rumbleberrys Mütze ausfüllen. – Potz Blitz! Rumbleberry focht und stritt wie ein fliegender Drache. Jammerschade, daß der arme Mann dem Galgenholz nicht ausweichen konnte, aber er soll so lustig und guter Dinge hingegangen sein, wie ich zur Schüssel Suppe, wenn ich hungrig bin, wie zum Beispiel jetzt. – Aber schaut, da unten siehts ja schrecklich aus, und doch kann man seine Augen nicht wegwenden!«

Auf diese Weise hielt lebhafte Neugierde unsern Morton und Cuddie, und glühende Begeisterung die alte Mause an die Stelle gefesselt, von welcher sie am besten den Ausgang der Schlacht beobachten konnten, und sie überließen es Pauker, allein seinen Zufluchtsort einzunehmen.

Alle Wechselfälle des oben beschriebenen Kampfes wurden von unsern Zuschauern von der Anhöhe aus bemerkt, ohne daß sie jedoch im Stande waren, zu unterscheiden, wohin sie führten. Daß sich die Presbyterianer hartnäckig vertheidigten, ließ sich aus dem dicken Rauche abnehmen, der, durch das häufige Blitzen der Gewehre ab und zu erleuchtet, über das Thal emporwirbelte und die Kämpfenden verhüllte. Auf der andern Seite aber verkündigte das unablässige Feuern an dem diesseitigen Rande des Morastes, daß der Feind seinen Angriff erneuere, daß man hitziger um den Sieg streite, und alles von einem fortgesetzten Treffen zu fürchten sei, in welchem sich undisciplinirte Bauern gegen trefflich geführte und wohlbewaffnete Truppen zu vertheidigen hatten.

Endlich sah man einzelne Rosse, deren Sattelzeug zeigte, daß sie der Leibgarde gehörten, herrenlos aus dem Gewirre fliehen. Bald darauf zeigten sich unberittene Soldaten, die den Kampf aufgaben und über den Berghügel flohen, um dem Gemetzel zu entgehen. Als die Zahl dieser Flüchtigen zunahm, war das Schicksal des Tages nicht länger zweifelhaft. Darauf zeigte sich ein großer Haufe, der aus dem Rauch hervorkam, sich am Abhange des Hügels regellos aufstellte, und nur mit Mühe so lange von seinen Offizieren aufgehalten wurde, bis Evandales Corps ebenfalls im vollen Rückzug erschien. Der Ausgang des Gefechts war entschieden, und die Freude der Gefangenen entsprach ihrer Hoffnung auf baldige Befreiung.

»Einmal haben sie den Spaß versucht,« sagte Cuddie, »aber sie werden ihn nicht noch einmal versuchen.«

»Sie fliehen! – Sie fliehen!« rief Mause voll Begeisterung. »O die blutdürstigen Tyrannen! jetzt reiten sie, wie sie nie vorher geritten sind. O die falschen Aegypter, die stolzen Assyrier, die Philister, die Moabiter, die Edomiter, die Ismaeliter! – Der Herr hat scharfe Schwerter über sie gebracht, um sie zur Speise zu machen für die Vögel des Himmels und für die Thiere des Feldes. Siehe, wie die Wolken rollen, und das Feuer hinter ihnen blitzt und vor den Auserwählten des Covenants hergeht wie die Wolkensäule und die Flammensäule, so da geleitet die Kinder Israels, als sie zogen aus Aegyptenland! Das ist wahrlich ein Tag der Befreiung für die Gerechten, ein Tag der Ausgießung des Zornes über die Verfolger und Gottlosen!«

»Gott sei uns gnädig, Mutter!« sagte Cuddie, »haltet doch Euer Plappermaul und kriecht hinter den Steinhaufen wie Pauker, der Ehrenmann. Die Whigkugeln machen wenig Unterschied und zerschmettern ebenso gut das Gehirn eines Psalmengröhlenden alten Weibes wie das eines fluchenden Dragoners.«

»Fürchte nichts für mich, Cuddie,« sagte die alte Frau, begeistert durch das Glück ihrer Partei, »fürchte nichts für mich! Wie Deborah will ich stehen auf der Spitze des Steinhügels und meinen Strafgesang erheben gegen diese Männer von Haroschet unter den Heiden, deren Rosse den Fuß gebrochen, während sie stolz sich emporbäumten.«

Die begeisterte alte Frau würde wirklich ihren Vorsatz ausgeführt und den Steinhügel bestiegen haben, um, wie sie sagte, dem Volke ein Zeichen und Banner zu werden, hätte nicht Cuddie mit mehr kindlicher Liebe als Achtung sie mit aller Gewalt, die ihm seine Armfesseln erlaubten, zurückgehalten.

»Meiner Treu,« sagte er, als er damit zu Stande gekommen, »seht mal dorthin, Milnwood! Habt Ihr je einen Menschen so fechten sehen wie diesen Teufel, den Claverhouse? – Dreimal hatten sie ihn schon am Boden, und dreimal hat er sich wieder losgemacht. – Aber ich glaube, wir werden bald selbst los und ledig sein, Milnwood. Inglis und seine Soldaten sehen sehr oft über ihre Schultern, als hielten sie den Weg rückwärts sicherer als den vorwärts.«

Cuddie hatte nicht Unrecht, denn als die Hauptmasse der Flüchtigen in geringer Entfernung von ihnen vorüberzog, feuerten der Corporal und seine Leute ihre Karabiner aufs Gerathewohl gegen die anrückenden Insurgenten ab, gaben die Bewachung der Gefangenen auf und schlossen sich dem Rückzuge ihrer Kameraden an. Morton und die alte Frau, deren Hände frei waren, verloren keine Zeit, die Bande Cuddies und des Geistlichen zu lösen, denen man die Arme über den Ellenbogen mit einem Strick zusammengebunden hatte. Während dessen jagte der Nachtrab der Dragoner, der noch einigermaßen Ordnung hielt, unterhalb der Anhöhe hin, auf deren Spitze sich der erwähnte Steinhügel befand. Sie verriethen alle die Hast und Verwirrung eines erzwungenen Rückzuges, hielten sich aber immer noch in geschlossenen Gliedern. Claverhouse führte den Vortrab, sein entblößtes Schwert, sowie sein Gesicht und seine Kleidung waren mit Blut befleckt. Sein ganz mit Blut bespritztes Pferd schwankte vor Schwäche. Lord Evandale, der sich nicht viel besser befand, war beim Nachtrab und ermahnte noch immer die Soldaten, zusammenzuhalten und nichts zu fürchten. Viele von den Leuten waren verwundet und manche stürzten vom Pferde, als sie den Hügel hinanritten.

Mauses Eifer brach bei diesem Anblick noch einmal aus, und wie sie so auf der Haide unbedeckten Hauptes stand und ihre grauen Haare im Winde flatterten, stellte sie kein schlechtes Ebenbild einer alten Bacchantin oder einer thessalischen Hexe in den Verzückungen des Zauberwahnsinns dar. Sie entdeckte bald Claverhouse an der Spitze der Flüchtigen und rief mit bitterer Ironie: »Wartet! wartet! Ihr wolltet ja immer sein bei den Versammlungen der Heiligen und über jeden Moor in Schottland reiten, um ein Conventikel aufzufinden. Willst Du jetzt nicht warten, da Du ein solches gefunden? Willst Du nicht noch ein Wort abwarten? Willst Du nicht die Nachmittagspredigt hören? – Wehe über Euch!« sagte sie mit plötzlich verändertem Tone, »mögen die Flechsen des Rosses zerschnitten werden, dessen Schnelligkeit Du vertrauest. Fort! – Fort! Du hast so viel Blut vergossen und jetzt willst Du das Deinige retten! – Fort mit Dir, Du spottender Rabsakeh, Du fluchender Simei, Du blutdürstiger Doeg, das Schwert ist gezückt und wird Dich bald einholen, magst Du reiten, so schnell Du willst!«

Claverhouse war, wie man sich leicht denken kann, zu beschäftigt, um auf diese Schmähreden zu achten; er eilte über den Hügel, begierig, den Rest seiner Leute aus dem Kugelregen zu bringen, und in der Hoffnung, die Flüchtlinge wieder um seine Fahne zu sammeln. Als aber der Nachtrab über den Bergrücken ritt, traf ein Schuß Lord Evandales Pferd, das sogleich todt unter ihm zusammensank. Zwei Reitersleute der Whigs, die an der Spitze der Verfolger waren, sprengten herbei, um ihn zu tödten, denn bis jetzt war noch kein Pardon gegeben worden. Morton aber eilte voran, um womöglich sein Leben zu retten, theils aus angeborenem Edelmuth, theils um die Verbindlichkeit auszugleichen, die ihm Lord Evandale diesen Morgen auferlegt hatte, und unter der er so schmerzlich gelitten hatte. Gerade als er dem schwerverwundeten Evandale unter dem Pferde hervorgeholfen, kamen die zwei Reiter herbei, von denen der eine rief: »Stoßt den rothröckigen Tyrannen nieder!« Damit führte er einen Stoß gegen den jungen Edelmann, den Morton mit Mühe parirte, indem er dem Reiter zurief: »Gebt diesem Herrn Pardon um meinetwillen!« und da er sah, daß ihn Burley nicht sogleich erkannte, fügte er hinzu, »um Heinrich Mortons willen, der Euch kürzlich Zuflucht gewährte.«

»Heinrich Morton?« erwiderte Burley, indem er die blutige Stirn mit der noch blutigeren Hand wischte; »sagte ichs nicht, daß der Sohn des Silas Morton kommen würde aus dem Lande der Knechtschaft und nicht lange ein Bewohner sein würde der Zelte Hams? Du bist ein Brand, aus dem Feuer gerissen. Aber was diesen bestiefelten Apostel des Bischofthums betrifft, so soll er des Todes sterben! Hüften und Lenden müssen wir ihnen zerschmettern von Aufgang der Sonne bis zum Niedergang. Es ist unser Beruf sie zu schlagen, wie Amalek, und alles zu verwüsten, was sie besitzen, und nicht zu schonen, weder Mann noch Weib, weder Kind noch Säugling! Darum hindere mich nicht,« fuhr er fort und versuchte von neuem, Lord Evandale niederzumachen, »denn dieses Werk darf nicht lässig gethan werden!«

»Ihr sollt nicht, Ihr dürft nicht tödten, besonders da er sich nicht wehren kann,« sagte Morton und stellte sich vor Lord Evandale, um jeden Streich aufzufangen, der etwa auf ihn gerichtet würde, »ich verdankte ihm mein Leben diesen Morgen, mein Leben, welches nur darum gefährdet war, weil ich Euch Zuflucht gewährte. Des Wehrlosen Blut zu vergießen wäre nicht nur eine abscheuliche Grausamkeit vor Gott und den Menschen, sondern auch schnöde Undankbarkeit gegen ihn und mich.«

Burley schwieg eine Weile. »Du bist noch,« sagte er dann, »im Vorhof der Heiden, und ich bemitleide Deine menschliche Blindheit und Schwäche. Starke Speise taugt nicht für Kinder, noch der gewaltige zermalmende Rathschluß, unter dem ich mein Schwert ziehe für die, deren Herzen noch wohnen in Hütten von Thon, deren Füße noch verwickelt sind in den Netzen sterblichen Mitleids, und die sich kleiden in ihre eigene Gerechtigkeit, so da gleichet schmutzigen Lappen. Aber eine Seele für die Wahrheit zu gewinnen, ist besser, als eine nach Tophet zu senden. Deshalb gebe ich diesem Jüngling Pardon, vorausgesetzt, daß er bestätigt wird durch den allgemeinen Rath des gottgeweihten Heeres, das er an diesem Tage gesegnet mit so herrlicher Erlösung. – Du bist unbewaffnet; harre hier meiner Rückkunft. Ich muß noch diese Sünder, die Amalekiter, verfolgen und sie vernichten, bis sie gänzlich vertilgt sind vom Angesichte des Landes von Havilah bis gen Sur.«

Mit diesen Worten spornte er sein Pferd und setzte den Flüchtigen nach.

»Cuddie,« sagte Morton, »um Gotteswillen fangt ein Pferd auf, so schnell Ihr könnt. Ich will Lord Evandales Leben nicht diesen hartherzigen Menschen anvertrauen. Ihr seid verwundet, Mylord? Seid Ihr im Stande, Euren Rückzug fortzusetzen?« fuhr er fort, gegen den Gefangenen gewendet, welcher, halb betäubt durch den Sturz, sich jetzt allmählich erholte.

»Ich denke wohl,« erwiderte Lord Evandale. »Aber ists möglich? Verdanke ich Herrn Morton mein Leben?«

»Wäret Ihr ein mir unbekannter Mensch, ich hätte mich für Euch verwenden müssen aus Menschlichkeit,« entgegnete Morton, »da Ihr es seid, Mylord, so war es eine heilige Schuld meiner Dankbarkeit.«

In diesem Augenblick kehrte Cuddie mit einem Pferde zurück.

»Um Gottes willen, sitzt auf! sitzt auf! und reitet so schnell wie ein fliegender Falke,« rief der gutmüthige Bauerbursche, »denn ich will nicht Cuddie heißen, wenn sie nicht jeden Verwundeten und Gefangenen todtschießen.«

Lord Evandale bestieg das Pferd und Cuddie hielt ihm dienstbeflissen den Steigbügel.

»Laß das, guter Bursche, Deine Dienstfertigkeit könnte Dir das Leben kosten. – Herr Morton,« fuhr er zu Heinrich gewendet fort, »mein Dienst ist mehr als ausgeglichen. – Verlaßt Euch darauf, ich werde nie Eure Großmuth vergessen. – Lebt wohl!«

Er wandte sein Pferd und ritt rasch nach der Richtung, wo er am wenigsten der Verfolgung ausgesetzt war. Kaum aber war er fortgesprengt, als mehrere Insurgenten, die zu den vordersten gehörten, herankamen, und Morton und Cuddie Rache drohten, weil sie die Flucht eines Philisters, wie sie den jungen Edelmann nannten, begünstigt hatten.

»Was hätten wir thun sollen?«, schrie Cuddie. »Hätten wir einen Mann aufhalten sollen, der zwei Pistolen und einen Säbel hatte? Hättet ihr selbst nicht schneller herbeikommen können, anstatt uns jetzt auszuzanken?«

Diese Entschuldigung hätte schwerlich genützt, aber Pauker, der sich nun von seinem Schrecken erholt hatte und von den meisten Wanderern gekannt und geachtet war, und Mause, welche so gut wie der Prediger die passende Sprache verstand, verwendeten sich emsig und wirksam für die beiden Uebelthäter.

»Rührt sie nicht an! Fügt ihnen kein Leid zu!« rief Pauker in seinen tiefsten und kräftigsten Baßtönen, »dies ist der Sohn des berühmten Silas Morton, durch welchen der Herr gewaltige Dinge verrichtete in diesem Lande beim Ausbruche der Reformation, als hier die Fülle des Worts ausströmte und der Bund erneuet ward, ein Held und Kämpe jener gesegneten Tage, da noch Macht war und Stärke, und Ueberzeugung und Bekehrung der Sünder, und Herzensübungen und Gemeinschaft der Heiligen, und eine gedeihliche Fülle von Spezereien dem Garten von Eden entströmte.«

»Und dies ist mein Sohn Cuddie,« rief Mause, »der Sohn seines Vaters, Judden Headrigg, welcher ein stiller wackerer Mann war, und von mir, Mause Middlemas, einer unwürdigen Bekennerin und Nachfolgerin des reinen Evangeliums und einer von eurem Volke. Steht nicht geschrieben: Ihr sollt nicht vertilgen das Geschlecht der Kahatiter unter den Leviten! 4. Buch Moses 4., 18? Ach, Leute, steht nicht da und hadert mit ehrlichen Leuten, da ihr doch verfolgen sollet euren Sieg, mit dem die Vorsehung euch gesegnet hat.«

Kaum war dieser Trupp vorüber, so kam ein anderer, dem man dieselbe Erklärung geben mußte. Pauker, dessen Furcht sich sehr gelegt hatte, seitdem das Schießen aufgehört, übernahm wieder das Amt eines Fürsprechers und ward, im Bewußtsein, wie sehr seine ehemaligen Mitgefangenen seines Schutzes bedurften, so dreist, sich selbst keinen geringen Theil an dem Verdienste des Sieges beizulegen, und berief sich auf Morton und Cuddie, ob nicht die Schlacht sich gewendet, als er, wie Moses auf dem Berge Jehova-Nissi, gebetet, daß Israel dem Amalek obsiege; dabei gestand er ihnen das Verdienst zu, daß sie seine Hände emporgehalten, als sie matt wurden, so wie die des Propheten emporgehalten wurden von Aaron und Hur. Wahrscheinlich schrieb Pauker dieses Verdienst seinen Unglücksgefährten darum zu, damit sie nicht in Versuchung geriethen, seinen fleischlichen selbstsüchtigen Abfall zu verrathen, bei welchem er zu sehr die persönliche Sicherheit im Auge gehabt hatte. Diese starken Zeugnisse zu Gunsten der befreiten Gefangenen verbreiteten sich mit mancherlei Uebertreibungen sehr schnell unter dem siegreichen Heere. Die Berichte lauteten verschieden, allgemein aber ward behauptet, daß der junge Morton von Milnwood, der Sohn des tapfern Silas Morton, zusammen mit dem herrlichen Gabriel Pauker und einem gottesfürchtigen christlichen Weibe, die für eben so fähig wie jener, die Worte des Schreckens und des Heils zu lehren, gehalten würde, angelangt sei, der guten alten Sache mit einer Verstärkung von hundert wohlbewaffneten Leuten beizustehen.

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